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Weltfrauentag 2020: Höchste Zeit, um mit Klischees rundum Frauen und Männer aufzuräumen

Der Weltfrauentag am 8. März wurde von der Frauenrechtlerin Clara Zetkin ins Leben gerufen und erstmals 1911 gefeiert. Der Weltfrauentag 2020, oder auch Internationaler Frauentag genannt, steht für die Gleichberechtigung von Frau und Mann. Damals ging es vor allem darum, dass Frauen das Wahlrecht erhielten, aber auch heute gibt es noch viel zu verändern. Menschenrechte müssen global auch Frauenrechte sein, Schluss mit jeglicher Form der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, gleiche Gehälter für Frauen und Männern, d. h. Schließung der Gender Pay Gap – die Liste ist lang. Doch bedeutet es, die gleichen Rechte zu haben, auch tatsächlich gleich zu sein? Klischees rundum die Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es zuhauf, aber welche stimmen und dürfen wir sie eigentlich überhaupt noch haben? 


Frauen können schlecht einparken

Männer sind nicht empathisch, Frauen sind hysterisch. Männer wollen nur Sex, Frauen sind unfähig im Bereich der Technik und Mathematik. Männer können nicht zuhören und sind wehleidig, Frauen sind zickig. Wir alle haben Klischees und Stereotype über die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in unseren Köpfen. Psychologisch gesehen erfüllen Stereotype eine wichtige Funktion: Sie helfen uns, unsere oftmals komplizierte Welt zu ordnen und sorgen für sozialen Konsens. Dieser kann einerseits für einige amüsant sein – wenn wir uns z. B. an die Comedy-Erfolge von Mario Barth zurückerinnern, der mit seinen Gender-Klischees tatsächlich das Olympia Stadion füllte. Andererseits sind Stereotype äußerst hinderlich, um die typischen Rollenbilder hinter uns zu lassen. Blicken wir also einmal über den Tellerrand der Alltagspsychologie hinaus und sehen uns die vermeintliche Mann-Frau-Kluft mal genauer an. 


Die biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau

Männer haben einen Penis, Frauen eine Vagina. So weit, so weiblich bzw. männlich. Außerdem gäbe es da noch ein paar weitere Organe, wie die Gebärmutter und Eierstöcke, über die Männer nicht verfügen. Männer haben dafür „ihre“ Prostata. Allerdings hat ein Forscherteam des Universitätsklinikums für Frauenheilkunde in Wien herausgefunden, dass Frauen ebenfalls prostata-ähnliches Drüsengewebe haben. Diese „weibliche Prostata“ besitzen ungefähr die Hälfte aller Frauen. Statistisch gesehen sind Frauen außerdem weniger krankheitsanfällig und haben eine höhere Lebenserwartung als Männer. Das hat mit den beiden X-Chromosomen der Frauen zu tun, die eventuelle genetische Defekte ausgleichen können. Bei Männern funktioniert das wegen der Unterschiedlichkeit der XY-Zusammensetzung nicht.


Die psychologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau 

Die US-Psychologin Janet Shibley Hyde der Universität Wisconsin hat 46 Meta-Analysen ausgewertet, die sich mit den Unterschieden zwischen Männern und Frauen beschäftigen. Die Untersuchung umfasste dabei alle möglichen Bereiche der Persönlichkeit, der Kognition und des Verhaltens. Das ernüchternde Ergebnis: Männer können ein Wurfgeschoss deutlich schneller und weiter werfen als Frauen. Das war der größte Unterschied, den die Professorin zwischen den Geschlechtern finden konnte. Anatomisch betrachtet keine Überraschung und wenn wir uns an unsere Bundesjugendspiele zurückerinnern, wissen wir: Stimmt – mit einigen Ausnahmen – tatsächlich. Wirklich ernüchternd ist dieses Ergebnis eben allerdings nur, wenn man sich von psychologischer Forschung die Bestätigung gängiger Klischees erhofft hat. Tatsächlich ist es jedoch so, dass die Unterschiede zwischen verschiedenen Männern, z. B. was die räumliche Vorstellungskraft angeht, genauso oder sogar noch größer sein können, als die zwischen Männern und Frauen. Was uns zum wichtigsten Punkt führt …


Wir alle sind freie Individuen

Die Sex-Gender-Debatte gibt es nicht umsonst. Die Frage ist nämlich eigentlich gar nicht: Was ist typisch Mann oder typisch Frau? Sondern: Was ist überhaupt ein Mann oder eine Frau? Anfangs hatten wir festgestellt, dass Männer einen Penis haben und Frauen eine Vagina. Aber dieses biologische Merkmal hat nichts mit der Geschlechtsidentität eines Menschen zu tun. Wir können uns unsere Anatomie zwar nicht aussuchen und nur bedingt durch Schönheitschirurgie verändern, aber man kann sich durchaus aussuchen, ob man als Mann oder Frau leben möchte. Das bedeutet allerdings auch, dass es jedem Menschen freigestellt ist, inwiefern er oder sie Geschlechterrollen und Klischees erfüllen möchte. So ist es bei aller Emanzipation für eine Frau ebenso in Ordnung lange Haare zu tragen und gemeinsam mit Freundinnen auf die Toilette zu gehen, wie für Männer Zigarre zu rauchen und Fußball zu schauen – und umgekehrt. Das klingt vielleicht noch ein wenig ungewohnt – Frauen, die Zigarre rauchen – wie können wir also die Klischees in unseren Köpfen am besten überwinden? 


Achtsamkeit zum Weltfrauentag 2020

Achtsamkeit ist im Zusammenhang mit Wohlbefinden in aller Munde. Achtsamkeit bedeutet, dass wir bewertungsfrei wahrnehmen. Auch wenn es um die Unterschiede zwischen Männern und Frauen geht, kann uns Achtsamkeit gute Dienste leisten. Begegnet mir z. B. ein Mann in einem Kleid, kann ich mich dabei ertappen, wie ich dieses Outfit innerlich als „weiblich“ bezeichne. Es ist vollkommen normal, dass wir in Folge einer gesellschaftlichen Prägung alle Stereotype haben, die in solchen Momenten einfach auftauchen. Anstatt dieser Person aber unbeabsichtigt irritierte und unsichere Blicke zuzuwerfen, kann ich mir meines Stereotyps bewusst werden. 

Stereotype und Klischees haben sich gesellschaftlich über Jahrhunderte entwickelt. Der Weltfrauentag 2020 ist ein willkommener Anlass, diese zu hinterfragen und unser Verhalten nicht länger danach auszurichten. Damit Männer und Frauen nicht nur gleichberechtigt sind, sondern täglich sein können, was und wie sie möchten.

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