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Von der Idee bis zur Umsetzung von HelloBetter Panik: Ein Interview mit Dr. Lara Ebenfeld

Nach jahrelanger Entwicklung und Evaluation durch führende Expertinnen und Experten und empirischer Überprüfung in einer randomisiert kontrollierten Studie wurde unser digitales Therapieprogramm HelloBetter Panik als digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) zugelassen. Wie das Therapieprogramm entwickelt wurde, was es leisten kann und wie Sie es in der Praxis einsetzen können, hat uns Dr. Lara Ebenfeld, Head of Services Germany bei HelloBetter, im Interview berichtet. 

Liebe Lara, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst und uns einen Blick hinter die Kulissen von HelloBetter Panik gewährst. Vielleicht kannst du uns zunächst erzählen, wie du zu HelloBetter gekommen bist und was deine aktuelle Rolle im Unternehmen ist?

Dr. Ebenfeld: Ja, sehr gerne. Meine Reise bei HelloBetter begann 2011 nach dem Ende meines Psychologiestudiums. Zu dem Zeitpunkt habe ich als Psychologin in einer psychiatrischen Einrichtung gearbeitet. Mir drängte sich damals der Gedanke auf, dass psychotherapeutische Maßnahmen mehr Menschen direkt zugänglich gemacht werden müssten. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, mich mit der Lösung dieses Problems genauer zu beschäftigen, bin ich auf eine Ausschreibung der Leuphana Universität Lüneburg zur Erforschung und Entwicklung digitaler Trainings bei psychischen Erkrankungen gestoßen. Ich war gleich begeistert von der Idee, digitale Lösungen für das Problem der damals noch viel lückenhafteren psychotherapeutischen Versorgung zu finden, und bin es bis heute. 

Heute ist aus dem damaligen Forschungsprojekt ein Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitenden geworden. Damit hat sich auch meine Rolle verändert. Neben meiner wissenschaftlichen Arbeit als Psychologin trage ich als Head of Services Germany mittlerweile Verantwortung für eine Vielzahl an Mitarbeitenden. Gemeinsam mit meinem Team sorge ich im Rahmen des Online-Coachings dafür, dass Teilnehmenden bei auftretenden Problemen und Rückfragen stets eine optimale Begleitung gewährleistet und das Programm optimal genutzt werden kann.

An wen genau richtet sich das im Rahmen des Forschungsprojektes entwickelte Therapieprogramm HelloBetter Panik und wie kann es Betroffenen helfen?

Dr. Ebenfeld: HelloBetter Panik richtet sich an Erwachsene, die unter einer Panikstörung oder einer Agoraphobie mit Panikstörung leiden und aktiv etwas an ihren Beschwerden ändern möchten. Die Teilnahme am Therapieprogramm kann Betroffenen dabei helfen, den Schweregrad der Panikattacken zu verringern und die Lebensqualität zu verbessern. In unserer Wirksamkeitsstudie zum Therapieprogramm zeigte sich bei vielen Teilnehmenden weitgehende Beschwerdefreiheit, das heißt, die Symptome waren nach Teilnahme am Programm so gering, dass sie im Alltag so gut wie keine Belastung mehr darstellten. 

Gab es Aha-Momente während der Entwicklung des Therapieprogramms? Erkenntnisse, mit denen du nicht gerechnet hattest?

Dr. Ebenfeld: Einer der größten Aha-Momente war auf jeden Fall die damalige Bereitschaft zur Studienteilnahme. Digitale Lösungen im Bereich der Psychotherapie waren im Jahr 2012/2013, als wir für die Studie rekrutiert haben, noch kaum bekannt und verbreitet. Ich hatte nicht mit so einem großen Interesse über alle Altersgruppen hinweg gerechnet. Aber es war natürlich toll zu sehen, wie sehr sich Betroffene eine solche Lösung wünschten.

Was beinhaltet das Therapieprogramm HelloBetter Panik und was macht es aus deiner Sicht besonders in Bezug auf die Behandlung von Panikstörungen?

Dr. Ebenfeld: Das Therapieprogramm basiert auf evidenzbasierten und bewährten Methoden aus der kognitiven Verhaltenstherapie. Dazu gehört neben der Psychoedukation und der Reflexion über die eigenen Beschwerden vor allem auch die Exposition, also die Konfrontation mit der eigenen Angst. Sie findet sich im Therapieprogramm in Form mehrerer sogenannter Mutprojekte wieder. Besonders am Programm ist, dass es den Teilnehmenden möglich ist, diese oftmals sehr herausfordernden Mutprojekte zeit- und ortsunabhängig anzugehen. Sie können sich Schritt für Schritt den angstauslösenden Situationen in ihrem Alltag stellen. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit, auf bereits absolvierte Programmeinheiten zurückzugreifen und erneut von diesen zu profitieren. Außerdem erhalten Teilnehmende nach jeder Kurseinheit ein persönliches, schriftliches Feedback durch eine speziell dafür geschulte Psychologin oder einen Psychologen von HelloBetter. Dieser unterstützt auch bei möglicherweise auftretenden Krisen.

Ist das Therapieprogramm mit einer klassischen Psychotherapie vergleichbar? 

Dr. Ebenfeld: Während sich der psychotherapeutische Ansatz wenig unterscheidet, stellt die Orts- und Zeitunabhängigkeit des Therapieprogramms einen entscheidenden Vorteil gegenüber einer klassischen Psychotherapie dar. Genauso wie der sofortige und niederschwellige Zugang zum Therapieprogramm, denn je schneller die Symptome behandelt werden, desto besser. Anders als bei der klassische Psychotherapie ist die simultane Behandlung von Komorbiditäten im Rahmen des Programms aber nicht möglich. Es zielt ganz spezifisch auf die Behandlung der Panikstörung und Agoraphobie mit Panikstörung ab. Für die Behandlung möglicher Komorbiditäten ist eine zeitgleiche oder anschließende Psychotherapie ratsam. 

Hast du einen Tipp für Behandelnde, die Ihre Patienten und Patientinnen bei der Teilnahme am Therapieprogramm begleiten möchten?

Dr. Ebenfeld: In Absprache mit den Patientinnen und Patienten können vor allem die regelmäßigen Symptom-Checks und Tagebucheinträge Aufschluss über den jeweiligen Fortschritt der Teilnehmenden geben. Grundsätzlich handelt es sich bei HelloBetter Panik aber um eine eigenständige Anwendung, das heißt Ärztinnen und Psychotherapeuten können, müssen diese aber nicht fachlich begleiten. Dennoch ist es natürlich sinnvoll, wenn Behandelnde wissen, was genau sie ihren Patientinnen und Patienten verordnen. Hierfür empfiehlt sich in jedem Fall, das sie sich das Programm über einen kostenlosen Testaccount vorab anschauen.

Wie sieht die psychotherapeutische Behandlung bei Panikstörungen deiner Meinung nach in Zukunft aus?

Dr. Ebenfeld: Die Frage spielt bestimmt darauf an, ob ich denke, dass Psychotherapie in Zukunft lediglich digital ablaufen wird (lacht). Das werde ich oft gefragt. Aber nein, ich glaube nicht, dass wir uns zukünftig ausschließlich auf digitale Lösungen fokussieren sollten. Ganz im Gegenteil, denn wir benötigen weiterhin dringend mehr klassische Psychotherapieplätze. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass digitale Therapieprogramme einen entscheidenden Beitrag dazu leisten werden, die Gesundheitsversorgung in Zukunft vielseitiger, niederschwelliger und demokratischer zu gestalten, das heißt mehr Menschen einen einfachen Zugang zu wirksamen psychotherapeutischen Interventionen zu ermöglichen. Auch hybride Formate halte ich perspektivisch für sehr wahrscheinlich. So kann ich mir gut vorstellen, dass zum Beispiel eine Psychotherapeutin im ambulanten Setting ihrer Patientin nahelegt, sich die Hintergründe des eigenen Störungsbilds anhand eines digitalen Therapieprogramms anzueignen oder auch eine Exposition auf diese Art und Weise durchzuführen.

Die Anfänge deiner Forschung zum Therapieprogramm liegen nun gut 10 Jahre zurück. Hat sich seit dem nicht einiges an dem Programm verändert? 

Dr. Ebenfeld: Auch das werde ich oft gefragt (lacht). Die Inhalte und therapeutischen Prinzipien haben sich genau wie in der klassischen Psychotherapie in den letzten Jahren kaum, beziehungsweise in ihrem Kern nur wenig verändert. Aber natürlich hat die äußere Erscheinung des Programms mit der allgemeinen Weiterentwicklung von Soft- und Hardware einen entscheidenden Schritt nach vorne gemacht. Und das ist auch gut so! 

Wir danken dir Lara für diesen spannenden Einblick hinter die Kulissen von HelloBetter Panik!


Für mehr Informationen zu unserem digitalen Therapieprogramm HelloBetter Panik, einen persönlichen Beratungstermin für Behandelnde oder einen kostenlosen Testzugang schauen Sie gerne auf unserer Informationsseite vorbei.

Den Testsieger HelloBetter Panik gibt es auf Rezept! Hier finden Sie alle Informationen zur DiGA und Verschreibung.

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Autorin:
Anna Unger-Nübel Psychologin
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