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Einsam in der Corona-Krise? Diese 3 Tipps helfen!

Die Corona-Krise verbreitet bei vielen Menschen Unsicherheit, Angst und Unbehagen. Was tun wir normalerweise, wenn wir uns so fühlen? Wir verbinden uns mit Menschen, die wir lieben, lassen uns fest umarmen oder versuchen, uns durch Shoppingtouren, Kinobesuche oder ein Feierabendbier mit Kollegen abzulenken. Nun ist die Krux dabei: Corona macht uns auch hier einen Strich durch die Rechnung und einige von uns bleiben in dieser Krisenzeit auch noch einsam und alleine. Wie können wir mit diesen Einsamkeitsgefühlen am besten umgehen?

Wozu brauchen wir andere? 

Menschen sind soziale Wesen. Werfen wir einen Blick zurück in unsere Evolutionsgeschichte, können wir den Grund dafür erkennen: Als Einzelgänger wären wir schnell verloren gewesen und hätten nicht lange überlebt. Ein Mensch alleine hätte nicht gleichzeitig erfolgreich jagen, den Nachwuchs großziehen und sich ausreichend schützen können. Sobald er sich verletzt hätte oder krank geworden wäre, käme das einem Todesurteil gleich. Auch wenn wir uns heute nicht mehr in der Wildnis durchkämpfen müssen, spüren wir instinktiv, dass wir andere Menschen brauchen. Wir sehnen uns nach Bindung und Verbundenheit, die uns ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit vermitteln.

Mit den folgenden Tipps klappt das auch während der Corona-Krise:

Tipp 1: Erkenne dein Bedürfnis nach Nähe an

Oftmals neigen wir dazu, unsere unangenehmen Gefühle nicht zuzulassen. Das ist verständlich, denn das ist zunächst schmerzhaft. Da die Corona-Krise und die sozialen Einschränkungen noch andauern werden, ist dieses „Wegdrücken“ unserer Gefühle jedoch keine Strategie, die uns langfristig hilft. 

Stattdessen können wir vor uns selbst anerkennen: Ich vermisse meine Freunde und fühle mich einsam. Ich habe das Bedürfnis, umarmt zu werden. Morgens möchte ich ins Büro gehen, anstatt alleine im Homeoffice zu sitzen. Ich würde so gerne meinen Geburtstag mit meiner Familie feiern. Dass all diese Dinge nicht ganz so wie früher möglich sind, ist wirklich wahnsinnig traurig und du darfst traurig darüber sein. 

Das klingt vielleicht erst mal wenig hilfreich. Aber wenn du das tust, musst du erstens keine Energie mehr darauf verschwenden, dir vorzugaukeln, das alles würde dir nichts oder wenig ausmachen und zweitens bringst du dir selbst Mitgefühl und Verständnis entgegen. Mit anderen Worten: Du wirst dein eigener Freund.

Tipp 2: Körperliche Distanz ist keine soziale Distanz

Wenn wir uns alleine fühlen ist es besonders wichtig, mit anderen in Kontakt zu gehen. In der Öffentlichkeit wird im Allgemeinen über „social distancing“, soziale Distanzierung, gesprochen. Dieser Begriff ist jedoch irreführend, denn es handelt sich lediglich um körperliche Distanz und das ist ein großer Unterschied! Mache ihn dir bewusst. 

Wir dürfen und sollten uns mit anderen austauschen, unser soziales Miteinander so gut es geht beibehalten – vielleicht sogar intensivieren – insbesondere, wenn wir uns alleine fühlen. Wahrscheinlich brauchen wir dafür aufgrund der Einschränkungen jedoch neue Wege, um uns mit anderen zu verbinden: (Video)-Telefonieren, Briefe oder E-Mails schreiben, chatten, Spaziergänge mit Sicherheitsabstand. 

Das erfordert natürlich auch ein Umschalten in unseren bisherigen Gewohnheiten. Die fehlende körperliche Nähe macht es mitunter notwendig, dass wir mehr von uns erzählen und in Worte fassen. Falls dir das schwer fällt, versuche einmal, diese neue Ebene des Beisammenseins als Chance zu betrachten, die Beziehungen zu anderen zu vertiefen und positiv zu verändern. 

Warte auch nicht darauf, dass andere dich kontaktieren, sondern mache es dir zum festen Vorsatz, täglich mindestens zu einer Person Kontakt aufzunehmen, die dir wichtig ist. Wenn dir die Worte für dein eigenes Erleben fehlen, frage einfach die andere Person, wie es ihr oder ihm geht und höre aufmerksam zu – auch das kann dir ein Gefühl der Verbundenheit geben.

Tipp 3: Auch Einsamkeit ist vergänglich

Im Buddhismus heißt es: Die einzige Konstante in dieser Welt ist Veränderung. Das bedeutet, dass sich alles ständig wandelt. Unsere Lebensumstände, unsere Gedanken und Gefühle, unser Körper, unsere Beziehungen, die Welt in der wir leben, jedes Lebewesen, jeder Gegenstand – alles ist in Veränderung begriffen. 

Nun sind wir natürlich nicht alle Buddhisten und erfahren diese Beobachtung als tiefergreifende Erkenntnis. Trotzdem können wir diesen Gedanken für uns nutzen, denn auch unser Empfinden von Einsamkeit ist vergänglich! Um das zu erforschen, kannst du bewusst beobachten, wenn du dich das nächste Mal einsam fühlst. Schalte dann einmal nicht Netflix an um dich abzulenken. Versuche einmal, dich hinzusetzen und dieses Gefühl zu beobachten. Wie fühlt sich Einsamkeit eigentlich im Körper an? Welche weiteren Gefühle ploppen auf? Beobachte die Gedanken, die sie hervorrufen. Welche Handlungsimpulse hast du, wenn du einsam bist? 

Nimm dein Gefühl der Einsamkeit so lange wahr, bis es sich – wenn auch nur minimal – verändert. Wenn du das öfter tust, machst du die Erfahrung, dass jedes noch so unangenehme Gefühl irgendwann anders wird. Auch die Corona-Krise selbst wird sich verändern und anstatt uns hilflos zu fühlen, können wir Vertrauen entwickeln, dass jede innere und äußere Krise auch wieder vorübergeht. 

Eine langfristige positive Entwicklung

Krisen können uns dabei helfen, neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Besser mit Einsamkeit umgehen zu können, ist eine hilfreiche Fähigkeit – auch über die Corona-Krise hinaus. Wir befinden uns in einer Extremsituation, die mit vielen unangenehmen Gefühlen und Gedanken verbunden ist. 

Doch sie kann dir auch Nutzen bringen, indem du deine Beziehung zu dir und zu anderen verbesserst. Unsere 3 Tipps zum besseren Umgang mit Einsamkeit können dir dabei helfen, etwas Neues auszuprobieren. Der beste Experte für dein eigenes Wohlbefinden bist jedoch du selbst. Wir möchten dich daher dazu ermutigen, dir selbst 3 weitere Möglichkeiten zu überlegen, wie du besser mit Einsamkeitsgefühlen umgehen könntest. Schreibe dir deine Ideen auf – auch wenn sie dir abwegig vorkommen – und teste sie in deinem Alltag. Wenn du möchtest, teile deine Erfahrungen gerne mit uns und weiteren Menschen in unserer Facebook-Community.

Die Corona-Krise belastet dich in deinem Alltag, du wünschst dir mehr Unterstützung oder möchtest dich mit anderen austauschen? Entdecke unser kostenloses psychologisches Online-Training zur Stressbewältigung während der Corona-Krise, werde Teil unserer Facebook-Community oder hole dir Unterstützung von unseren Psychologen und Psychotherapeuten, die bis zum 21.08.2020 über die kostenlose Hotline 0800 000 33 45 für dich erreichbar sind (kostenlos aus dem dt. Fest- und Mobilfunknetz, täglich 9 – 17 Uhr).

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