Zurück zur Übersicht

Positive Psychologie im Alltag

Lange Zeit hat sich die Psychotherapie auf psychische Störungen fokussiert. Es wurde erforscht, was nicht gut funktioniert und wie man es verbessern kann. Mittlerweile steht jedoch die sogenannte Positive Psychologie im Mittelpunkt. Die Positive Psychologie interessiert sich nicht für psychisches Leiden, sondern für Wohlbefinden. Sie geht der Frage nach: Was macht uns glücklich? Wir haben die Antworten zur Positiven Psychologie im Alltag für dich zusammengetragen.


Positive Psychologie als Bedürfnisbefriedigung?

Auch wenn der Begriff Positive Psychologie erst in den letzten Jahren populär wurde, eigentlich hat der Psychologe Abraham Maslow ihn bereits in den 50er Jahren eingeführt. Maslow ist vor allem für seine sogenannte „Bedürfnispyramide“ bekannt. Die Bedürfnispyramide bietet ein interessantes Modell dafür, wie wir Erfüllung finden. Sie lässt sich ungefähr so zusammenfassen: Wir sollten keinen Hunger oder Durst haben, uns sicher fühlen, liebe Menschen um uns herum wissen, Wertschätzung erfahren und uns selbst verwirklichen können. Das klingt nach einer wirklich guten Glücksformel. Die Krux ist jedoch: Selbst wenn wir genau wissen, was wir brauchen, können wir dem nicht immer gerecht werden. Manchmal geben die Umstände das einfach nicht her. Was dann?


Werte in der Positiven Psychologie

Der Neurologe und Psychiater Viktor Frankl hat nicht nur das Konzentrationslager Auschwitz überlebt, er hat aus seinen Erlebnissen auch eine wichtige Erkenntnis gezogen: Wenn wir dem eigenen Leben einen Sinn verleihen, können wir selbst in den widrigsten Umständen ein Gefühl der Erfüllung erleben. Die Rede ist von Werten. Werte sind keine konkreten Ziele, die wir erreichen, wie etwa nach Italien zu reisen. Werte gleichen metaphorisch eher einer Richtung, die wir einschlagen, z.B. nach Süden zu gehen. Es geht nicht darum, irgendwo anzukommen, sondern unsere Richtung zu kennen und sie zu verfolgen. Das macht uns dauerhaft glücklich. Häufige Werte sind: Selbstfürsorge, Liebe, Dankbarkeit, Mitgefühl oder Freude. Wenn wir unsere persönlichen Werte unserem Leben zugrunde legen, haben wir das Gefühl, ein gelingendes Leben zu führen.


Flow in der Positiven Psychologie

Während Werte noch etwas abstrakt klingen, geht es beim Flow, den der Psychologe Mihály Csíkszentmihályi ausführlich beschrieben hat, um konkrete Tätigkeiten. Was macht uns im Alltag glücklich? Welchen Aktivitäten sollten wir nachgehen? Von einem Flow-Zustand spricht man, wenn wir ein Gefühl der Einheit mit einer Tätigkeit erleben. Wir vergessen dabei die Zeit, wo wir uns befinden und ob wir Hunger oder Durst haben. Wir gehen voll und ganz in unserer Aktivität auf und fühlen uns dabei großartig. Flow-Zustände entstehen, wenn wir etwas tun, das nicht zu schwer und nicht zu leicht für uns ist. Außerdem sollten wir am Ende zu einem Ergebnis kommen können. Besonders nachhaltig werden wir glücklich, wenn wir das Flow-Konzept mit den Werten in Verbindung bringen, d.h. wenn unsere Tätigkeit nicht nur unglaublichen Spaß macht, sondern sie auch noch sinnvoll ist.


Positives wahrnehmen

Was erst mal banal klingt, ist für uns meistens gar nicht so leicht umsetzbar: Positives wahrnehmen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass das menschliche Gehirn sich nur allzu gern auf das konzentriert, was schlecht läuft. Das ist jedoch kein Fehler im System, sondern dient unserem Überleben. Gefahren zu entdecken und ihnen vorzubeugen (indem wir uns z.B. sorgen), ist etwas ganz Normales und Nützliches. Um glücklich zu sein, müssen wir daher etwas gegen unseren gewohnten neurologischen Strom schwimmen. Das bedeutet nicht, dass wir versuchen sollten, uns einzureden, dass alles positiv ist. Studien haben ergeben, dass das sogar zu noch mehr negativen Gedanken führen kann. Stattdessen sollten wir bewusst das fokussieren, was tatsächlich gut ist! Eine effektive Methode ist ein Dankbarkeitstagebuch. Schreibe jeden Abend oder Morgen drei Dinge auf, für die du dankbar bist. Das kann das leckere Stück Kuchen am Nachmittag sein, deine Gesundheit oder dein Job. Nach einiger Zeit wirst du feststellen, dass sich dein gewohnter „Filter“ geändert hast und du insgesamt glücklicher bist.


Sport als Positive Psychologie im Alltag

Glück kann so einfach sein! Wenn wir uns bewegen, schüttet unser Körper Glückshormone aus und baut Stresshormone ab. Oftmals geht es jedoch gar nicht darum, dass wir das nicht wissen, wir müssen es nur irgendwie hinkriegen, uns zum Sporteln zu motivieren. Hierfür ist es sehr wichtig, dass wir eine Sportart finden, die uns wirklich Spaß macht. Sport sollte kein Mittel zum Zweck sein, sondern wir sollten uns vor allem auf ihn freuen. Tanzen, spazieren gehen, Badminton oder Tischtennis spielen  – oder vielleicht etwas ganz Neues? Viele Hochschulen bieten z.B. sehr viele und auch außergewöhnliche Sportarten zum kleinen Preis an, auch für externe Teilnehmer. Es lohnt sich daher auf jeden Fall, einen Blick in die entsprechenden Listen im Internet zu werden! 


Tägliches Glück

Um in Sachen Glück wirklich auf deine Kosten zu kommen, solltest du die vorgestellten Techniken der Positiven Psychologie im Alltag anwenden. Lege z.B. drei Werte fest, die dir wichtig sind. Diese Werte kannst du auswendig lernen und dir während deiner Alltagstätigkeiten immer wieder bewusst machen. Finde außerdem heraus, wann du am besten in den Flow gerätst: Vielleicht bei einem Gespräch mit einer Freundin, beim Kochen oder wenn du Fußball spielst? Binde mehr dieser Tätigkeiten in deinen Alltag ein! Führe außerdem ein Dankbarkeitstagebuch und achte darauf, dass du dich genügend bewegst. Wenn du die Strategien der Positiven Psychologie wirklich umsetzt, wirst du bald einen großen Unterschied in deinem Erleben bemerken. Oder um es mit den Worten Erich Kästners zu sagen: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“

Artikel teilen:Share this:

Twitter Facebook LinkedIn