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Gut gewappnet in die Praxis: Arztgespräche vorbereiten

„Ich versteh nur Bahnhof.“ – Oft laufen Arztgespräche nicht so ab, wie wir sie uns eigentlich gewünscht haben. Nicht selten verlassen wir die Praxis am Ende mit mehr Fragezeichen als wir sie betreten haben oder konnten unser eigentliches Anliegen gar nicht vorbringen. Ärzte und Ärztinnen meinen es dabei in der Regel nicht böse und wollen uns mit ihrem Fachwissen auch nicht absichtlich verwirren. 

Gerade wenn Arztbesuche regelmäßig stattfinden, wie etwa bei einer Diabeteserkrankung, lohnt es sich jedoch, sich für diese Termine gut zu wappnen. Wir verraten dir, wie du mit 5 einfachen Tricks dafür sorgen kannst, das Beste aus deinen Arztgesprächen herauszuholen und die Praxis zufrieden und gut informiert zu verlassen.

1Arztgespräche vorbereiten

Vor dem Arztbesuch war noch völlig klar, was du für Fragen stellen wolltest, aber während des Gesprächs wollen sie dir einfach nicht einfallen. Im Patient-Arzt-Gespräch sind viele Menschen etwas angespannt und nervös und vergessen schnell wichtige Fragen. Eine gute Möglichkeit, auch alle deine Anliegen loszuwerden ist, schon zu Hause das Arztgespräch vorzubereiten. Schreibe dir deine Fragen und Themen vorab auf einem Zettel, in ein Notizheft oder vermerke sie dir im Handy. Vielleicht fühlst du dich etwas komisch, wenn du diese Liste im Gespräch hervorholst, aber letztlich zeigt es nur, dass du dich auf den Arztbesuch vorbereitet hast.

💡 Zusatztipp: Frage dich vor dem Termin auch, was die Ärztin über dich wissen sollte. Das können etwa familiäre Vorbelastungen, Allergien oder eingenommene Arzneimittel sein. Bei der eben erwähnten Diabeteserkrankung würde es sich z. B. auch lohnen, dein Blutzuckertagebuch zu deinen Terminen mitzubringen. Auf diese Weise könnt ihr gemeinsam einen Blick auf deine Werte werfen und, falls nötig, Anpassungen vornehmen.

2Nachfragen

Ärzte und Ärztinnen neigen manchmal in Gesprächen dazu, eine Fachsprache zu verwenden, die eher schwer zu verstehen ist. Sie werfen mit lateinischen Begriffen oder Namen von Medikamenten und Krankheiten nur so um sich, sodass der Eindruck entstehen kann, man müsste doch wissen, wovon sie da reden. Musst du aber nicht. Wenn du nicht gerade selbst Medizin studiert hast, kannst du das oft auch gar nicht. Es ist dein gutes Recht und sehr sinnvoll, nachzufragen, wenn du etwas nicht verstanden hast oder ein Wort nicht kennst. In Arztgesprächen Fragen zu stellen ist kein Zeichen von Schwäche – ganz im Gegenteil: Es zeigt, dass du aufmerksam zuhörst und mehr wissen und verstehen möchtest.

Unser Beispiel: Glykämischer Index, Langhans-Inseln, Insulinresistenz – Wenn es um die Entstehung und Mechanismen rund um den Diabetes geht, gibt es eine Unmenge von Fremdwörtern und Vorgängen im Körper, die du nicht auf Anhieb verstehen musst. Frage in diesen Fällen einfach noch einmal nach.

3Zusammenfassen

Ein super Trick, um sicherzugehen, dass du im Arztgespräch alles richtig verstanden hast, ist, das Gesagte am Ende des Gesprächs noch einmal zusammenzufassen. Sage einfach „Ich habe verstanden, dass…“ und gib noch einmal wieder, was du aus dem Gespräch mitnimmst. Das hilft dir, das Besprochene zu verinnerlichen und gibt deinem Gegenüber die Möglichkeit, dich zu korrigieren, falls du etwas nicht richtig verstanden hast.

Beispiel: Mit der Diagnose Diabetes gibt es oft viel Neues zu beachten. Die Ernährung, den Lebensstil oder Bewegungsgewohnheiten sollen plötzlich umgestellt werden. Hier ist es besonders wichtig, noch einmal zusammenfassen, was du aus dem Gespräch mitnimmst. So kannst du schon vorab dafür sorgen, dass du die einzelnen Schritte richtig umsetzen kannst.

4Das Wichtigste nach dem Arztgespräch notieren

Selbst ein kurzes Patient-Arzt-Gespräch kann viele Informationen enthalten. Dazu kommt, dass medizinische Themen für uns oft einfach Neuland sind. Das kann es noch schwerer machen, alles im Gedächtnis zu behalten. Nimm dir nach dem Arztgespräch einen Moment im Wartezimmer und schreibe dir die wichtigsten Punkte des Termins auf. Welche Themen wurden besprochen? Was sind die Vereinbarungen, die getroffen wurden? Da du noch in der Praxis bist, kannst du im Zweifelsfall auch noch mal schnell nachfragen, wenn dir auffällt, dass du etwas nicht ganz genau verstanden hast.

Beispiel: Du kannst notieren, über welche Hauptthemen ihr gesprochen habt (z.B. Medikamente, Ernährung und Bewegung). Zu jedem Bereich kannst du dann notieren, was genau die Absprachen waren. Diese Notizen kannst du übrigens auch gut zum nächsten Termin wieder mitnehmen. So wisst ihr genau, wo ihr anknüpfen könnt.

5Zeit für Arztgespräche einfordern

Wenn ein Termin den nächsten jagt, kann es dem ärztlichen Personal oft an Zeit fehlen. Was zurückbleibt ist dann das ungute Gefühl, „abgefertigt” worden zu sein. Auch wenn es dir unangenehm ist, sprich am besten direkt an, dass du dir mehr Zeit wünschst. Um dabei nicht unhöflich oder genervt zu wirken, kann es helfen, dein Bedürfnis nicht als Beschwerde, sondern als Wunsch zu äußern. 

Beispiel: Du kannst sagen: „Ich würde mir wünschen, dass wir einmal etwas länger Zeit haben, zu sprechen. Ich merke, dass ich das wirklich brauche und dass es mir sehr helfen würde. Ich weiß, Sie haben viel zu tun, aber wann hätten Sie Zeit für einen längeren Termin?”

Jedes Gespräch ist eine Chance

Wir hoffen, dass dir die 5 Tipps helfen können, deinen nächsten Arztbesuch so zu gestalten, wie du es dir wünschst. Arztbesuche sind dabei nicht immer angenehm. Aber auch wenn es sich mitunter nicht so anfühlen mag, jedes Gespräch ist eine Chance. Eine Möglichkeit, deine Fragen loszuwerden, deine Gedanken, Sorgen oder Ängste zu teilen, Unterstützung einzufordern und letztendlich bestmöglich behandelt zu werden. Dafür wünschen wir dir nur das Beste.

Digitale Gesundheitsanwendungen mit deinem Arzt besprechen

Haben dir die Tipps gefallen? Solche Anregungen, wie du ein ärztliches Gespräch gut gestalten kannst, sind auch Teil unseres Online-Kurses Diabetes und Depression. Wusstest du schon, dass du dir diesen und andere digitale Therapiekurse von HelloBetter im Arztgespräch verordnen lassen kannst? Vielleicht möchtest du deinen Arzt oder deine Ärztin auf die neue Möglichkeit ansprechen. Auch hier kann es helfen, dich gut vorzubereiten. Informiere dich über weitere Details und den Verschreibungsprozess auf der Seite HelloBetter auf Rezept und sprich bei deinem Termin ganz direkt an, dass du dir ein Rezept für einen HelloBetter Kurs wünschst. Zusätzlich kannst du ein Infoblatt für deinen Arzt oder deine Ärztin mitnehmen, in dem alle wichtigen Schritte und Informationen zusammengefasst sind. Das Dokument zum Ausdrucken stellen wir bereit: 

Lasse dir einen HelloBetter Online-Kurs auf Rezept verordnen: Erfahre, welche Kurse verfügbar sind und wie du dein Rezept erhältst.

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Autorin:
Annika Haffke

Kinder- und Jugendlichen­psychotherapeutin

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