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Digitale Gesundheitsanwendungen im Krankenhaus: Einbindung von DiGA ins Entlassmanagement

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) kommen zur Unterstützung der Versorgung zunehmend in der Regelversorgung an. Dabei beschränkt sich der Einsatz bisher hauptsächlich auf den ambulanten Bereich. Seit Kurzem können DiGA jedoch im Rahmen des Entlassmanagements auch in den klinischen Kontext integriert werden. Alles Wichtige zu den Hintergründen von DiGA im Krankenhaus erfahren Sie hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im März 2022 wurde der Rahmenvertrag „Entlassmanagement” aktualisiert, wodurch eine Verordnung von DiGA durch Kliniken möglich wird. 
  • DiGA können entweder nach regulärer stationärer Behandlung im Rahmen des Entlassmanagements oder über eine psychiatrische Institutsambulanz (PIA) verordnet werden.
  • Die Verordnung erfolgt auf einem Muster 16-Rezeptformular ohne den Vordruck Entlassmanagement unter Angabe der Bezeichnung „digitale Gesundheitsanwendung”, des Produktnamens und der Pharmazentralnummer (PZN).

Informationen zu DiGA

Nach ausgiebiger Prüfung und DiGA-Zertifizierung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) können digitale Anwendungen ins DiGA-Verzeichnis aufgenommen und daraufhin flächendeckend Patientinnen und Patienten verschrieben werden. Die Kosten dafür tragen dabei die gesetzlichen Krankenkassen, die ärztliche Vergütung erfolgt budgetneutral. Aktuell sind über 30 digitale Gesundheitsanwendungen im DiGA-Verzeichnis gelistet (Stand: Juli 2022). Sie decken verschiedene Diagnosebereiche ab, unter anderem das Herz- und Kreislaufsystem, das Nervensystem oder Hormonsystem. 14 der gelisteten DiGA sind darauf ausgerichtet, die Erkennung und Behandlung psychischer Beschwerden zu unterstützen.

Wenn Ihnen mehrere DiGA zur gleichen Indikation zur Auswahl stehen, gibt es einige Anhaltspunkte, um die für die Betroffenen richtige DiGA zu finden. So kann es sich beispielsweise lohnen, einen Blick auf die Evidenzlage und die Bestandteile der DiGA zu werfen oder sich mithilfe von Testzugängen ein eigenes Bild zu machen.

DiGA im klinischen Kontext

Bisher kommen DiGA hauptsächlich in der ambulanten Versorgung zum Einsatz und können beispielsweise parallel zur ärztlichen und psychotherapeutischen Behandlung oder zur Überbrückung von Wartezeiten verordnet werden. Der klinische Sektor ist bislang weitgehend unbeachtet geblieben, obwohl für DiGA laut gesetzlicher Grundlage auch eine Verordnung im Entlassmanagement vorgesehen ist. Das lag vor allem daran, dass DiGA trotz mehrfacher Aktualisierung des entsprechenden Rahmenvertrages der Vertragspartner GKV-Spitzenverband, Kassenärztliche Bundesvereinigung und Deutsche Krankenhausgesellschaft noch nicht in diesen aufgenommen waren. 

Dabei befinden sich beispielsweise jährlich über 800.000 von psychischen Erkrankungen Betroffene in psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken. Nach der Stabilisierung im stationären Setting erleben Betroffene immer wieder eine Verschlechterung ihrer Symptomatik. Dies deuten darauf hin, dass eine Versorgungslücke im Übergang zwischen Klinik und Ambulanz besteht. Im März 2022 wurde nun die entsprechende Veränderung im Rahmenvertrag realisiert und die Verordnung von DiGA aufgenommen. Dadurch ist es möglich, dass Behandelnde auch im Rahmen des Entlassmanagements nach § 39 Abs. 1a SGB V DiGA verschreiben können. Für weitere Informationen finden Sie hier die Lesefassung des Rahmenvertrages Entlassmanagement

Wie können DiGA im Entlassmanagement verordnet werden?

In Kliniken gibt es zwei Möglichkeiten, Ihren Patienten DiGA zu verordnen. Einerseits ist die Verordnung für alle Betroffenen möglich, die sich am Ende einer regulären stationären Behandlung befinden. Diesen Patienten können Sie im Rahmen des Entlassmanagements neben nachstationären Medikamenten und Hilfsmitteln auch DiGA auf Rezept verschreiben. Andererseits können alle psychiatrischen Institutsambulanzen (PIA) ihren angebundenen Patienten parallel zur Behandlung DiGA auf Rezept verordnen. 

Musterrezept

Vorlage zum Ausfüllen eines Muster-16-Rezeptes

Musterrezept zeigt Verschreibung der DiGA Stress und Burnout

Analog zu Verordnungen von Arzneimitteln besitzt jede DiGA eine individuelle Pharmazentralnummer (PZN), über welche Diagnose und Verordnungsdauer verschlüsselt sind. Unter Angabe der Bezeichnung „digitale Gesundheitsanwendung”, des Produktnamens und der PZN können Sie auf einem Muster 16-Rezeptformular die digitale Gesundheitsanwendung verordnen. Muster 16-Rezepte mit dem Vordruck Entlassmanagement haben eine Gültigkeit von nur drei Tagen, was für die Beantragung eines DiGA-Zugangs oft zu kurz ist. Deshalb ist es wichtig, wie im Rahmenvertrag vermerkt, Muster 16 ohne den Vordruck Entlassmanagement zu verwenden.  

Wenn Ihre Krankenhausverwaltungssoftware es noch nicht ermöglicht, DiGA zu finden und auf die Verordnung zu drucken, können Sie diese händisch in das Rezept eintragen. Die Namen und PZN unserer DiGA haben wir hier für Sie vermerkt:

  1. DiGA HelloBetter Stress und Burnout: PZN 17871905
  2. DiGA HelloBetter Panik: PZN 18094846
  3. DiGA HelloBetter Vaginismus Plus: PZN 18016941
  4. DiGA HelloBetter Diabetes und Depession: PZN 17937797
  5. DiGA HelloBetter ratiopharm chronischer Schmerz: PZN 17946626

Zur Information: Bei HelloBetter können Sie auch vorgedruckte Muster 16-Rezepte bestellen. Schreiben Sie uns dafür gerne über fachpublikum@hellobetter.de.

Vorteile von DiGA im Entlassmanagement 

Die Stärkung des Entlassmanagements wurde vor allem von dem Wunsch getrieben, den Übergang von der stationären in die ambulante Versorgung zu verbessern. Denn mit der Entlassung aus einer Klinik ist für die Patientinnen der Behandlungspfad in vielen Fällen noch nicht abgeschlossen. Eine zentrale Herausforderung der Behandlung von vor allem von psychischen und psychosomatischen Krankheitsbildern betroffenen Menschen ist die Nachhaltigkeit der Therapieerfolge. Betroffene befinden sich nach der stationären Therapie oft an einem besonders kritischen Punkt, da die Rückkehr in die Häuslichkeit mit zahlreichen Veränderungen und Herausforderungen verbunden sein kann. Eine Nachsorge ist insbesondere bei psychischen Erkrankungen mit hohem Risiko zu Rückfall und Chronifizierung wie beispielsweise im Fall von affektiven Störungen angezeigt. 

Das Schnittstellenproblem beim Übergang von Klinik in den Alltag ist hier schon lange bekannt: Zu wenig Therapieplätze und lange Wartezeiten bilden die größte Hürde.1

An diesem Punkt können digitale Gesundheitsanwendungen Abhilfe schaffen. DiGA in der Nachsorge können Elemente der stationären Behandlung aufgreifen und bei der Integration in den Alltag hilfreich sein. Besonders förderlich können hier Wirkelemente der kognitiven Verhaltenstherapie wie Psychoedukation, Aktivitätenaufbau, kognitive Umstrukturierungen, Strukturierung des Tagesablaufs und Verbesserung von Problemlösefertigkeiten sein. Ziel digitaler Gesundheitsanwendungen ist die „Hilfe zur Selbsthilfe”. Dabei können Betroffene ihre Selbstwirksamkeitserwartung und ihr Selbstmanagement stärken.1

Studienlage von DiGA in der stationären Nachsorge

Bezüglich der grundsätzlichen Effektivität von DiGA und Blended Care-Ansätzen gibt es bereits zahlreiche Studien, in denen die Wirksamkeit und die Gleichwertigkeit zur klassischen Face-to-Face-Therapie belegt werden konnte.3,4 Hinsichtlich des Einsatzes von DiGA im Entlassmanagement und der Sicherung des Behandlungserfolges liegt derzeit jedoch nur eine geringe Studienlage vor. Eine Studie von Schmädeke und Bischoff aus dem Jahr 2015 zu smartphonegestützten ambulanten Nachsorgeangeboten nach psychosomatischer Rehabilitation bei Menschen mit Depression gibt jedoch erste Hinweise. So verfolgte hier die Nachsorgeanwendung das Ziel, den Behandlungserfolg zu sichern und Rückfällen vorzubeugen. Dabei zeigte sich, dass die Betroffenen, die an dem Programm teilnahmen, deutlich seltener Rückfällen erlitten. Auch gab es positive Effekte für die Bereiche Selbstmotivierung und Selbstregulationskompetenz.1 

 Bei weiteren Fragen zu DiGA im Entlassmanagement vereinbaren Sie ein Informationsgespräch.

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Autorin:
Sarah Boppert Ärztin
  • Quellennachweis
    1. Schmädeke, S., Bischoff, C (2015). Wirkungen smartphonegesützter psychosomatischer Rehabilitationsnachsorge (eATROS) bei depressiven Patienten. Verhaltenstherapie, 25:277-286. doi: 10.1159/000441856
    2. Rahmenvertrag über ein Entlassmanagement beim Übergang in die Versorgung nach Krankenhausbehandlung nach § 39 Abs. 1a SGB V (Rahmenvertrag Entlassmanagement) in der Fassung der 8. Änderungsvereinbarung vom 01.03.2022. Abgerufen von: https://www.kbv.de/media/sp/Rahmenvertrag_Entlassmanagement.pdf 
    3. Wagner, B., Horn, A. B., Maercker, A (2014). Internet-based versus face-to-face cognitive-behavioral intervention for depresion: a randomized controlled non-inferiority trial. Journal of affective disorders, volume 152-154, pages 113-121. doi: 10.1016/j.jad.2013.06.032
    4. Bielinski, L., Trimpop, L., Berger, T (2021). Die Mischung macht’s eben? Blended-Psychotherapie als Ansatz der Digitalisierung in der Psychotherapie. Der Psychotherapeut, Ausgabe 5/2021, Seite 447-454. doi: https://doi.org/10.1007/s00278-021-00524-3
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