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Eine Indikation – mehrere DiGA: Wie Sie die richtige DiGA finden können

Das DiGA-Verzeichnis füllt sich zunehmend mit neuen, vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassenen, digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA). Mittlerweile liegen verschiedene DiGA zur gleichen Indikation vor. Dies ist vor allem bei häufig auftretenden psychischen Erkrankungen wie einer Panikstörung oder einer Depression der Fall. Für Behandelnde kann damit die Frage einhergehen, wie sie eine für ihre Patientinnen und Patienten passende DiGA finden, wenn mehrere DiGA zur gleichen Indikation zur Auswahl stehen. Wir stellen Ihnen einige Anhaltspunkte vor, die Ihnen die Suche nach einer geeigneten DiGA erleichtern können.

Die richtige DiGA finden – 7 Tipps 

1Auf Indikation und Kontraindikation achten

Einige DiGA sind auf eine bestimmte Störungsgruppe zugeschnitten, andere sind wiederum breiter aufgestellt und adressieren mehrere Störungsgruppen gleichzeitig. DiGA, die sich auf eine Störungsgruppe konzentrieren, können Betroffenen oft gezieltere und spezialisierte Inhalte anbieten.

Wenn mehrere DiGA für eine Indikation passen, dann kann sich ein Blick auf die evtl. darüber hinaus gelisteten Indikationen lohnen. Bezieht sich eine DiGA beispielsweise auf weitere Indikationen, die sich im Störungsmodell und therapeutischen Ansatz stark unterscheiden, kann das darauf hindeuten, dass die DiGA für die jeweilige Indikation eine weniger starke Spezialisierung im Hinblick auf vermittelte Interventionen und psychoedukative Inhalte gewährleisten kann. So unterschieden sich beispielsweise die nach den Leitlinien empfohlenen Inhalte und Methoden für die Therapie von verschiedenen Angststörungen, wie z.B. einer Generalisierte Angststörung oder einer Panikstörung, da den beiden psychischen Erkrankungen unterschiedliche Störungsmodelle zugrunde liegen.

Ein weiterer Vorteil von spezialisierten DiGA besteht darin, dass sich Betroffene mit den Therapieinhalten besser identifizieren können und dadurch die Implementierung der Übungen in den Alltag erleichtert wird.

Auch ein Blick in die Kontraindikationen kann sich lohnen. Für DiGA, welche die gleiche Indikation adressieren, können aufgrund des therapeutischen Behandlungskonzepts, der zugrundeliegenden Studien oder Maßnahmen des Risikomanagements unterschiedliche Kontraindikationen vorliegen. Insgesamt ist es wichtig, dass das therapeutische Konzept, inklusive Indikationen und Kontraindikationen, für Sie schlüssig und nachvollziehbar ist.

2Filterfunktion im DiGA-Verzeichnis nutzen

Das DiGA-Verzeichnis beinhaltet alle vom BfArM zugelassenen und damit für Sie verschreibungsfähigen DiGA und eignet sich daher gut, um sich einen Überblick zu verschaffen und nach bestimmten Merkmalen zu suchen. Sollte eine Patientin oder ein Patient beispielsweise eine DiGA als Webanwendung im Gegensatz zu einer App auf dem Smartphone präferieren, kann dies als Filterfunktion im DiGA-Verzeichnis eingestellt werden. Auch nach Sprachen und Altersgruppen kann gesucht werden. Außerdem können Diagnosen nach ICD-10 eingegeben werden, sodass nur für die spezifische Indikation zugelassene DiGA angezeigt werden. So können Sie sich bereits einen ersten Überblick über die zur Verfügung stehenden DiGA machen, die auch zu den Anforderungen Ihres Patienten oder Ihrer Patientin passen.

3Störungsübergreifende Inhalte und Zusatzmodule

In der klassischen Psychotherapie gibt es die Möglichkeit, auf individuelle Probleme und störungsübergreifende Themen wie Schlafschwierigkeiten oder soziale Kompetenzen einzugehen. DiGA sind hingegen in der Regel nur begrenzt individualisierbar und konzentrieren sich auf die Behandlung einer bestimmten Erkrankung. Einige DiGA bieten jedoch zusätzlich auch störungsübergreifende Inhalte an, wie beispielsweise ein Problemlösetraining (Technik aus der kognitiven Verhaltenstherapie zur Förderung des problemlösenden Denkens) oder Übungen zur Schlafhygiene. Dies kann sich beispielsweise in Wahlmodulen ausdrücken, welche den Teilnehmenden in der DiGA zur Verfügung stehen. Sollten Sie das Gefühl haben, dass Ihr Patient oder Ihre Patientin von bestimmten Zusatzmodulen profitieren könnte, kann es sich anbieten, die DiGA auch danach auszuwählen. Informationen über die zur Verfügung stehenden Module finden Sie in der im DiGA-Verzeichnis vorliegenden Beschreibung der DiGA oder beim Hersteller selbst. 

4Auf bereits vorliegende Wirksamkeitsnachweise achten

Vorläufig vs. dauerhaft gelistete DiGA – Was bedeutet das?

Wenn Sie versuchen, die richtige DiGA zu finden, stoßen Sie im DiGA-Verzeichnis sowohl auf vorläufig, als auch auf dauerhaft gelistete DiGA. Dauerhaft gelistete DiGA haben Wirksamkeitsnachweise bereits vorgelegt, vorläufig gelistete DiGA müssen den Nachweis innerhalb eines Jahres nachreichen. Um als DiGA vorläufig gelistet zu werden ist die Voraussetzung, dass alle weiteren Anforderungen (z.B. Datenschutz, Benutzerfreundlichkeit, Interoperabilität) erfüllt sind und die notwendige Wirksamkeitsstudie innerhalb der Erprobungszeit nachgereicht wird. Außerdem müssen zur vorläufigen Aufnahme bereits Hinweise auf den Nutzen im Versorgungsalltag aufgezeigt werden.

Der Vorteil der vorläufigen Listung besteht darin, dass DiGA in unterschiedlichen Indikationsbereichen frühzeitig Einzug in die Versorgung bekommen und Ihnen als Behandelnde eine breite DiGA Auswahl bereits jetzt zur Verfügung steht.

Wenn Sie jedoch mehrere DiGA für eine Indikation zur Auswahl haben und eindeutig wirksame DiGA auswählen wollen, empfiehlt es sich, dauerhaft gelistete DiGA zu verschreiben oder sich bei den Herstellern nach der Evidenz der DiGA zu informieren. 

5Sich ein eigenes Bild machen

Viele DiGA Hersteller bieten die Möglichkeit eines Testzugangs an. So können Sie sich mit der DiGA vertraut machen und die einzelnen Inhalte genauer anschauen. Außerdem bieten viele DiGA Hersteller Schulungen, Beratungstermine oder Fortbildungen an. Diese Einblicke ermöglichen es Ihnen, ein Gefühl dafür zu bekommen, wer hinter den Angeboten steht, was die DiGA beinhaltet und wie die Evidenzlage dazu ist.

6Präferenzen der Patientinnen und Patienten

Damit Patientinnen und Patienten von DiGA profitieren können, ist es wichtig, dass ihnen die DiGA zuspricht und sie sich damit identifizieren können. Sprechen Sie also auch gemeinsam mit Ihren Patientinnen und Patienten über die zur Verfügung stehende DiGA und welche davon auf Basis der Präferenzen geeignet sind. Häufig gibt es bestimmte Faktoren, die Betroffenen wichtig sind. Je mehr sich Ihre Patientinnen und Patienten von der DiGA abgeholt fühlen, desto höher ist die Chance, dass sie die DiGA bis zum Ende durchlaufen und sich langfristig Veränderungen einstellen. Einige DiGA Hersteller bieten auch kostenlose Angebote für Betroffene, zum Beispiel in Form von Blogartikeln oder Workshops an. Hier können ihre Patientinnen und Patienten erste Eindrücke gewinnen und sich zu verschiedenen Themen informieren. 

7Einen Blick auf den Hersteller werfen

Sie fragen sich vielleicht, wer eine DiGA eigentlich entwickelt und ob auch erfahrene Expertinnen und Experten an der Entwicklung beteiligt waren? Ein Blick auf die Hersteller kann sich lohnen, um einen Eindruck zu bekommen, welche Schwerpunkte die DiGA Hersteller haben, wer an der DiGA Entwicklung beteiligt ist, wie lange das Unternehmen schon besteht, welche Erfahrungswerte es bereits gibt und welchen Stellenwert hochwertige Forschung einnimmt. 

Um unter mehreren DiGA zur gleichen Indikation die richtige DiGA finden zu können, gibt es also ein paar Anhaltspunkte und Kriterien, die Ihnen die Suche erleichtern. Wenn Sie mehr zum Thema DiGA Verordnung, Chancen und Grenzen von DiGA oder wie eine DiGA entwickelt wird erfahren wollen, schauen Sie gerne auf unserem Fachblog vorbei. Bei Fragen rund um DiGA stehen Ihnen bei uns auch Beratungstermine und weitere Informationen zur Verfügung. 

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Autorin:
Juliane von Hagen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin
  • Quellennachweis
    1. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. (2022). Das Fast Track Verfahren für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) nach § 139e SGB V. [Leitfaden]. Abgerufen am 19. April 2022, von https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Medizinprodukte/diga_leitfaden.html;jsessionid=D3CBF2C3697A76A8E017CA8BBD071598.intranet362?nn=597198 
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