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Depressionen: Phasen und Verlaufsformen

Kürzer oder länger, einmalig oder wiederkehrend – Depressionen können sich in ihrer Gestalt stark unterscheiden. Die Dauer, Intensität und Anzahl der depressiven Phasen entscheiden, welche Bezeichnung wir der jeweiligen Verlaufsform geben. Dabei kann es durch die vielen Begrifflichkeiten manchmal schwierig sein, den Durchblick zu behalten. Wir möchten dich genau dabei unterstützen und dir die verschiedenen Verläufe und Phasen einer Depression vorstellen.

Wann sprechen wir von Phasen einer Depression?

Unser Wohlbefinden kennt Höhen und Tiefen. Wenn unsere Stimmung jedoch länger als zwei Wochen niedergeschlagen oder hoffnungslos ist, wir uns erschöpfter oder unkonzentrierter fühlen, kann es mehr sein als ein vorübergehendes Stimmungstief. 

Depressionen sind eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Auch wenn die Phasen einer Depression sich ganz unterschiedlich äußern, haben sie gemeinsam, dass wir sie ernst nehmen sollten. 

Gegensätzliche Pole

Wenn wir über die Verlaufsformen von Depressionen sprechen, wird uns auch der Begriff der Manie begegnen. Genau wie Depressionen gehört die Manie zu den psychischen Erkrankungen, die mit einer Veränderung der Stimmung einhergehen – den sogenannten „affektiven Störungen“. Die Stimmung schlägt hierbei jedoch nicht nach unten, sondern nach oben aus. So bildet die Manie gewissermaßen den Gegenpol zur Depression. 

Wann sprechen wir von Phasen einer Manie?

Eine manische Phase ist gekennzeichnet durch deutlich gehobene Stimmung. Moment –- ist eine gute Stimmung nicht das, was sich jeder wünscht? Das stimmt, aber eine Manie ist mehr als ein kurzes Hochgefühl oder gute Laune. Betroffene erleben länger als vier Tage eine für sie untypische Hochstimmung, sind oft aktiver, geselliger und redseliger als sonst. Schlaf wird zum Teil zur Nebensache. Es kommt nicht selten vor, dass sich Personen überschätzen und sich selbst oder andere durch unüberlegtes, leichtsinniges Verhalten gefährden. Eine Hypomanie ist eine leichtere Ausprägung einer manischen Phase.

Die häufigste Verlaufsform einer Depression

Unipolare Depressionen stellen die häufigste Verlaufsform dar. Das Wort „unipolar“ bedeutet so viel wie „in eine Richtung“. Es kommen also nur Phasen einer Depression und keine manischen oder hypomanen Episoden vor. Je nach Anzahl, Dauer und Stärke der Phasen lassen sie sich die Verlaufsformen weiter unterteilen.

Eine einzelne Phase 

Erlebt eine Person zum ersten Mal in ihrem Leben eine Depression sprechen wir von einer depressiven Episode. Je nach Anzahl der Beschwerden wird diese als leicht, mittelgradig oder schwer bezeichnet. Die Dauer kann dabei mehrere Wochen, aber auch Monate betragen. Die gute Nachricht ist: Wir können durch eine Behandlung Einfluss nehmen. Während Phasen einer Depression unbehandelt durchschnittlich sechs bis zwölf Monate andauern, verkürzt eine Behandlung die Dauer im Schnitt um drei Monate. Auch die Intensität der Beschwerden kann so abgeschwächt werden. 

Wenn Depressionen wiederkehren

Etwa die Hälfte der Betroffenen erlebt im Laufe ihres Lebens mindestens eine weitere Phase einer Depression. Diese Verlaufsform nennt sich rezidivierende, also wiederkehrende, Depression. Der Zeitraum zwischen den einzelnen Episoden kann Monate, Jahre, aber auch Jahrzehnte betragen. Manchmal können Depressionen auch in bestimmten Lebenssituationen wiederkehren (oder zum ersten Mal auftreten), zum Beispiel wenn Depressionen in den Wechseljahren auftreten. 

Schaubild: Verauf depressive Episode & wiederkehrende Depression

Wenn die Beschwerden anhalten

Etwa jede zehnte Depression nimmt einen chronischen Verlauf. Wenn die Beschwerden über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren andauern, sprechen wir von einer chronischen Depression

Ebenfalls zu den langanhaltenden Verlaufsformen einer Depression zählt die Dysthymia. Hierbei handelt es sich um eine chronische depressive Verstimmung. Auch sie dauert mindestens zwei Jahre an. Phasen normaler Stimmung können zwar vorkommen, betragen aber nur selten länger als einige Wochen. 

Im Unterschied zu einer chronischen Depression sind die Symptome nicht, oder nur sehr selten so stark ausgeprägt, dass die Kriterien einer depressiven Episode erfüllt sind. Wenn dies doch der Fall ist und sich im Laufe einer Dysthymia eine depressive Episode entwickelt, kann man von einer sogenannten doppelten Depression (Double-Depression) sprechen. 

Bipolar – Phasen von Depression und Manie

Vielleicht hast du schon einmal von einer bipolaren oder manisch-depressiven Erkrankung gehört. Wie du anhand des Namens vermutlich bereits erahnen kannst, treten bei dieser Verlaufsform neben Phasen der Depression auch mindestens eine manische oder hypomane Episode auf. Dabei müssen sich diese nicht zwangsläufig abwechseln oder in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Sobald die „Kurve“ nicht mehr nur in eine, sondern in beide Richtungen ausschlägt wird aus „unipolar“ „bipolar“. 

Wenn die Stimmung schwankt

Auch bei der Zyklothymia schwingt die Stimmung in beide Richtungen. Diese „Wellen“ schlagen im Vergleich zur Bipolaren Störung jedoch weniger stark aus. Die Stimmung ist über mindestens zwei Jahre von einer Instabilität mit leichten depressiven Beschwerden und leicht gehobener Stimmung geprägt. Eine vollständige manische oder depressive Episode kommt hingegen nicht vor. 

Wenn Besserung eintritt

Nun hast du schon viel darüber erfahren, welche Verlaufsformen einer Depression es gibt und wodurch sie gekennzeichnet sind. Bei den allermeisten Menschen gehen Phasen einer Depression irgendwann wieder vorbei. Auch dieser Zustand, wenn die Symptome nachgelassen haben, hat einen Namen. Er wird als (Teil-) Remission bezeichnet. Nach einem halben Jahr der vollständigen Remission können wir von einer Genesung sprechen. Treten Beschwerden erneut auf, sprechen wir von einem Rezidiv, also einem Rückfall. Daher kommt auch die Bezeichnung einer rezidivierenden Depression. 

Behandlung in den Phasen einer Depression

Der Fokus einer Behandlung von Depressionen orientiert sich daran, wo „in der Kurve“ wir uns befinden. Am niedrigsten Punkt, also da wo die Beschwerden stark sind, kommt die Akuttherapie zum Tragen. Sie zielt auf Verbesserung und Linderung ab. Die Erhaltungstherapie setzt dann ein, wenn wir uns am Punkt der Remission befinden. Ziel ist es, die Verbesserungen aufrechtzuerhalten. Auch nach Ende der Erhaltungstherapie kann eine Fortführung der Behandlung sinnvoll sein. In dieser Phase, der Rückfallprophylaxe, erfolgen die Therapiestunden über einen Zeitraum von maximal 2 Jahren in einem größeren Abstand. Ziel ist es, die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls zu verringern. 

Wir haben gesehen, dass die Verläufe von Depressionen ganz unterschiedlich aussehen können. Es gibt aber auch eine Gemeinsamkeit. Egal ob die Phasen einer Depression unipolar oder bipolar, wiederkehrend oder chronisch verlaufen, es gibt wirksame Behandlungsmethoden, mit denen wir den Verlauf positiv beeinflussen können.  

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