Wie bist du auf die Idee gekommen, ein psychologisches Online-Programm auszuprobieren?
Liv: Ich habe in der App meiner Krankenkasse gestöbert und entdeckt, dass sie verschiedene Fitness- und Mental-Health-Kurse kostenlos anbietet. Ich wusste bis dahin gar nicht, dass es dieses Angebot gibt. Also habe ich online recherchiert, welche Online-Kurse für psychische Gesundheit verfügbar sind, und bin schließlich auf HelloBetter gestoßen.
Was war deine Motivation, dich anzumelden und welche Erwartungen hattest du an den Präventionskurs?
Liv: Ich hatte schon viele Bücher über psychische Gesundheit gelesen und einige Kurse gemacht, aber nur die wenigsten davon haben bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Zu den wenigen Ausnahmen bin ich über die Jahre immer wieder zurückgekehrt, um noch mehr daraus mitzunehmen.
Ehrlich gesagt hatte ich keine großen Erwartungen, als ich mich für den HelloBetter Kurs entschieden habe. Ich war neugierig. Und vielleicht wollte ich mir auch ein Stück weit selbst beweisen, dass ich schon alle Ressourcen gefunden hatte, die ich brauchte, und dass kein neuer Kurs besser sein oder wirklich etwas verändern könnte.
Was war dein größtes Erfolgserlebnis oder deine größte Erkenntnis im Kurs?
Liv: Ich habe den Präventionskurs „Fit im Stress“ gemacht. Ich war überrascht, dass der Kurs auf die Nutzung am Smartphone ausgelegt ist und hatte Bedenken, dass mir dieses Format vielleicht nicht gefallen würde.
Ich habe das erste Modul an einem Samstagmorgen gestartet. Wie gesagt, hatte ich wenig Erwartungen und dachte nicht, dass mir die Kursinhalte noch etwas Neues bringen würden. Aber da lag ich falsch.
Was mich als Erstes aufhorchen ließ, war, dass der Kurs weder den Begriff „negative Gefühle“ verwendet noch erklärt, wie man sie „loswird“, um „ach so glücklich“ zu sein.
Stattdessen wurde erklärt, wie uns unsere Umgebung beibringt, manche Gefühle für besser zu halten als andere, und dass wir uns doch bitte immer glücklich, gelassen und motiviert fühlen sollten, niemals wütend oder traurig.
Der Kurs machte mir klar: Alle Gefühle haben ein Recht darauf, da zu sein. Sie erfüllen einen Zweck und sind wichtig. Das allein war die größte Erkenntnis, die ich aus dem Kurs mitgenommen habe. Sie hat mir das Gefühl gegeben, dass es in Ordnung ist, manchmal traurig oder wütend zu sein oder sogar Groll zu hegen. Das macht mich nicht zu einem „schlechten“ Menschen mit „schlechten“ Gefühlen, sondern einfach zu einem Menschen mit menschlichen Gefühlen.
Das war etwas, dem ich vorher so noch nie begegnet bin. Es hat ein tiefes Bedürfnis in mir erfüllt: einfach das zu fühlen, was ich fühle, ohne mich dafür schämen zu müssen.
Was ist dir im Kurs schwergefallen?
Liv: Das Schwierigste war das Üben von Akzeptanz – einfach wahrzunehmen, dass ich wütend bin, und diese Wut anzunehmen. Also nicht zu versuchen, sie wegzudrücken, mich davon abzulenken oder mich rational aus der Wut herauszudenken. Das fiel mir nicht leicht, denn der Ansatz, „negative Gefühle“ als gut oder gar notwendig anzusehen, begegnet einem in der Therapiewelt selten, und wenn, dann meist nicht in dieser Form.
Im Kurs gab es viele Übungen, die mir dabei geholfen haben. Eine meiner liebsten war die Progressive Muskelentspannung. Die Übung hat mir gezeigt: Auch wenn ich nicht kontrollieren kann, wie ich mich in einem bestimmten Moment fühle, kann ich zumindest meine Muskeln kontrollieren und mich entscheiden, sie zu entspannen, anstatt angespannt zu bleiben und mich dadurch noch gestresster zu fühlen als ohnehin schon.
Welcher Kursinhalt hat es in deinen Alltag geschafft?
Liv: Die Übung, zu der ich am häufigsten zurückkehre, ist folgende Formulierung, die ich mir innerlich vorsage, wenn ich mich gereizt oder aufgewühlt fühle: „Ich fühle mich [wütend/verletzt/genervt], und das ergibt Sinn, weil gerade etwas passiert ist, das ich nicht mag oder nicht will. Das ist okay, und ich muss das nicht ändern.“
Wie lautet dein Fazit nach Ende des Präventionskurses und wie fühlst du dich inzwischen? Würdest du den Kurs weiterempfehlen?
Liv: Wie sich herausstellt, gibt es da draußen gute Kurse, die mir auf eine Art helfen können, die ich nicht erwartet hätte. Vielleicht hatte ich eine gewisse Voreingenommenheit gegenüber dem Mental-Health-Bereich, weil es dort so oft darum zu gehen scheint, „kaputte" Menschen mit „Störungen“ oder „psychischen Erkrankungen“ zu reparieren.
Ich habe mich an die Kurse und Bücher gehalten, von denen ich wusste, dass sie dieses Narrativ nicht bedienen, weil ich mich nicht unnötig verurteilt fühlen möchte. Denn ich weiß: Ich bin weder kaputt noch gestört. Ich bin einfach neugierig. Ich möchte mich selbst besser kennenlernen, verstehen, wie mein Kopf tickt, und lernen, mit meinen eigenen Erfahrungen besser umzugehen.
Ich persönlich glaube, Menschen, die eine Therapie machen oder solche Kurse belegen, sind in einem viel gesünderen Zustand als jene, die sich einreden, alles im Griff zu haben, und die durchs Leben gehen, ohne zu verstehen, welche Gedanken in ihrem Kopf ablaufen oder warum sie sich so fühlen, wie sie sich fühlen.
Wir sind alle blind für das, was wir nicht wissen, bis wir uns entscheiden, die Augen zu öffnen und jeden Tag ein bisschen mehr dazuzulernen.
Also ja, ich würde diesen Kurs jemandem empfehlen, der sich in seinem Leben gestresst fühlt und nicht weiß, wo er anfangen soll. Es ist ein schneller und leichter erster Schritt, der dir das Vertrauen in die psychische Gesundheitsversorgung zurückgeben kann, wenn du in einer Therapie schon einmal das Gefühl hattest, für deine Probleme verurteilt zu werden, oder wenn dir jemand den Tipp gegeben hat, einfach „positiv zu denken“.
Wenn du einen Tag lang bei HelloBetter arbeiten würdest, was würdest du am Kurs noch verändern wollen?
Liv: Wenn ich etwas verändern könnte, würde ich einen Bereich im Kurs schaffen, in dem ich meine Gefühle festhalten und sie für ein paar Minuten einfach da sein lassen kann, ohne zu bewerten, was sie bedeuten.
Ich weiß, dass es eine Tagebuchfunktion gibt, aber dort sind Gefühle in zwei Kategorien aufgeteilt. Diese Aufteilung hat bei mir das Gefühl verstärkt, dass manche Gefühle wertvoller sind als andere. Dabei würde ich lieber jedes Gefühl gleichermaßen feiern und ihm denselben Respekt entgegenbringen.
Dieser Ansatz ist schließlich das Beste an dem Kurs.
Gibt es einen Rat, den du anderen mit auf den Weg geben möchtest?
Liv: Je mehr du über dich lernst und je mehr du annimmst, wer du bist, desto wohler wirst du dich in deiner eigenen Haut fühlen und desto weniger wird es eine Rolle spielen, was andere über dich denken oder was sie dir gegenüber empfinden.
Wenn du glaubst, dass dieser Kurs dir helfen könnte, dann probiere es aus. Und selbst wenn du dir nicht sicher bist, wäre es nicht die schlechteste Idee, es trotzdem zu versuchen. Vielleicht wirst du – so wie ich – angenehm überrascht sein.
Ich bin der Meinung: Es ist immer besser, etwas zu bereuen, das man ausprobiert hat, als sich für immer zu fragen: „Was wäre, wenn...?“
Wir bedanken uns herzlich bei Liv für ihre offenen und ehrlichen Worte. Wir freuen uns sehr, dass der Kurs ihr eine so wertvolle Perspektive auf den Umgang mit Gefühlen vermitteln konnte. Wir wünschen ihr weiterhin alles Gute auf ihrem Weg.
Du hast beim Lesen ebenfalls Lust bekommen, deine Erfahrungen zu teilen? Sende uns gern eine Mail an: feedback@hellobetter.de
Weitere Erfahrungsberichte findest du in unserem HelloBetter Blog.




