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Geduld lernen: (Wie) geht das?

Eine Freundin von mir stellt sich grundsätzlich in keiner Schlange an und zwar mit der einfachen Begründung: „Ich habe keine Geduld.” Während sie damit ganz zufrieden durchs Leben geht, wünschen sich viele Menschen, mehr Geduld zu haben. Denn schließlich geht es nicht immer um das banale Schlange stehen, sondern auch um Geduld in der Beziehung, Geduld mit unseren Familienmitgliedern oder Geduld bei der Job- oder Wohnungssuche. Aber kann man Geduld lernen?

Was ist eigentlich Geduld?

Untersuchen wir das Wort Geduld sprachlich, hat Geduld mit dulden zu tun. Wir lassen aus Nachsicht etwas zu, obwohl es uns eigentlich unangenehm ist oder zu lange dauert. Geduld erkennen wir aber nicht nur am Zulassen – manchmal haben wir ja gar keine andere Wahl, zum Beispiel wenn wir im Stau stehen – sondern auch daran, dass wir beim Erdulden oder Warten nicht unsere innere Ruhe und gute Laune verlieren. Es geht also nicht um äußeres, sondern vor allem um inneres Zulassen. Das klingt nach einer wirklich praktischen Fähigkeit, die uns selbst und auch anderen viel Leid ersparen könnte. Aber …

Kann man überhaupt Geduld lernen?

Ja. Menschen können sich verändern. Es ist richtig, dass wir mit bestimmten Anlagen geboren werden, aber es liegt immer in unserer Hand, was wir daraus machen. Und zwar zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens. Wenn wir meinen, nicht geduldiger werden zu können, hat das eventuell Vorteile für uns und wir bemühen uns deshalb nicht um eine Veränderung. Vielleicht haben wir auch Angst vor Veränderung. Selbst unliebsame Eigenschaften sind uns schließlich vertraut und können uns ein sicheres Gefühl geben. Das kann auch mit negativen Glaubenssätzen zu tun haben, wie zum Beispiel: „Ich bin eben ungeduldig” oder „Ich kann mich nicht verändern.” 

Wenn du Geduld lernen möchtest, gehört also als Erstes die Bereitschaft dazu, anders zu werden und dich nicht hinter – wenn auch verständlichen Gründen – zu verstecken, eben kein geduldiger Mensch zu sein.

Wie kann ich Geduld lernen? 

Du bist bereit für Veränderung? Dann können dir die folgenden 4 Schritte helfen, Geduld zu lernen.

1Setze dir geduldiger werden als Ziel

Angenommen, du möchtest Italienisch lernen, wie würdest du vorgehen? Zunächst besteht ein Unterschied zwischen dem Wunsch und dem Ziel Italienisch zu sprechen. Ähnlich ist es mit der Geduld. Anstatt zu denken: „Ach, ich wäre auch gerne geduldiger”, kannst du dir ein Ziel setzen. Zum Beispiel: „Ich werde jetzt geduldiger.” Es geht dabei erst mal um den Entschluss an sich – weiter geht es im nächsten Schritt.

2Was bedeutet Geduld für dich?

Denken wir auch hier wieder an unser Italienisch-Beispiel: Woran merkst du, dass du Italienisch kannst? Möchtest du ein Fachbuch auf Italienisch lesen oder willst du ein Alltagsgespräch führen können? Genauso konkret solltest du dir nun über dein Ziel Geduld zu lernen bewusst werden: Was bedeutet Geduld für dich? Möchtest du ruhig mit deinen Kindern sprechen, anstatt mit lauter Stimme zu schimpfen oder geht es darum, auch die hundertste Bewerbung abzusenden, ohne dich ständig bei deinem Partner oder deiner Partnerin über die aussichtslose Jobsuche zu beklagen? Woran würdest du und woran würden andere merken, dass du geduldiger geworden bist?

3Geduld lernen heißt Geduld üben

Vielleicht kannst du bereits Italienisch oder eine andere Fremdsprache sprechen und erinnerst dich noch zu gut ans Vokabeln lernen, den Volkshochschulkurs und deinen Tandempartner Francesco. Genauso ist es mit der Geduld: Um Geduld lernen zu können, musst du dich in Situationen begeben, in denen du sie üben kannst. Stell dich im Supermarkt an die längste Schlange, geh noch mal in das Restaurant, in dem die Kellnerin erst nach einer halben Stunde die Rechnung bringt und sprich mit Menschen, die eher selten rasch auf den Punkt kommen – vielleicht freut sich eine ältere Person über deine Aufmerksamkeit. Und wenn du in diesen Übungssituationen bist …

4Lasse Ungeduld zu

Geduldig sein bedeutet nicht, keine Ungeduld zu fühlen. Im Gegenteil: Wirklich geduldig sein kannst du, wenn du selbst geduldig mit dir bist – und zwar mit deiner eigenen Ungeduld. Ansonsten kannst du es vielleicht schaffen, zähneknirschend im Stau zu stehen, ohne dich zu beschweren, aber irgendwann wird deine Ungeduld sich ein Ventil suchen und du raunzt deine Mutter am Telefon an. 

Bemerke stattdessen, wenn du ungeduldig wirst. Mache mentale Notizen wie: „Jetzt merke ich, dass ich ungeduldig werde. Und da ist definitiv auch Genervtheit – und ist da schon Wut im Anmarsch?” Schenke dieser Beobachtung deiner psychischen Vorgänge deine Aufmerksamkeit, ohne sie zu bekämpfen. Sich ungeduldig zu fühlen ist menschlich. Wenn du dir selbst Verständnis für diese Gefühlszustände entgegenbringen kannst, wirst du mehr und mehr deine Ruhe bewahren können. 

Stress und Geduld

Niemand von uns ist kategorisch entweder geduldig oder ungeduldig. Viele Menschen machen hingegen die Erfahrung, dass sie in manchen Situationen oder an manchen Tagen gelassen reagieren und an anderen sofort die Nerven verlieren. Stress, Frustration und schlechte Laune nagen sozusagen an unserem Geduldsfaden. Auch hier gilt es, nicht noch zusätzlich mit sich selbst ins Gericht zu gehen. Vermeide zum Beispiel Verallgemeinerungen wie: „Warum muss ich eigentlich immer so ausrasten – kann ich nicht einmal cool bleiben?” Auch der Vergleich mit dem Gleichmut anderer hilft meistens nicht weiter. 

Mache dir stattdessen bewusst, dass genau die Gefühle da sind, die nun mal gerade da sind und dass diese Gefühle sich auch wieder verändern. Keine Ungeduld, Frustration, kein Stress oder Ärger dauert ewig an. Sich ein Stück weit in diese unangenehmen Gefühle hinein zu entspannen, in dem Wissen, dass sie zum Leben dazugehören und wieder vergehen, kann den Geduldsfaden wieder länger werden lassen.

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Autorin:
Victoria Bindrum Psychologin
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