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Negative Glaubenssätze erkennen und auflösen

Wie bin ich eigentlich? Und wie ist die Welt um mich herum? In unserem Inneren haben wir viele Antworten auf diese Fragen. Solche Glaubenssätze beeinflussen, was wir denken, welche Entscheidungen wir treffen und wie wir uns fühlen. Welchen Ursprung sie haben und wie du negative Glaubenssätze aufspüren und verändern kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Was sind Glaubenssätze?

Glaubenssätze sind tief verankerte Annahmen über uns selbst und die Welt um uns herum. Ein Mensch, der zum Beispiel den Glaubenssatz hat, dass die Welt ein gefährlicher Ort ist, wird sie so wahrnehmen. Kommt eine Freundin zu spät zu einer Verabredung, vermutet die Person vielleicht, dass ihr etwas zugestoßen ist und greift besorgt zum Hörer.

Hält sie die Welt hingegen für einen sicheren Ort, könnte sie dieselbe Verspätung ganz anders deuten und sich mit einem „Ach, sie steckt bestimmt nur im Stau“ entspannt zurücklehnen.

Glaubenssätze sind wie eine gut ausgebaute Autobahn. Wir sind sie schon so oft „gefahren”, dass die Strecke optimal geteert und leicht befahrbar ist. Wir nutzen sie mühelos – beinahe automatisch.

Gaspedal und Handbremse

Es gibt positive und negative Glaubenssätze. Positive Glaubenssätze können ein wahres Gaspedal auf dem Weg zu deinen Wünschen und Zielen sein. Sie sind motivierend, wohlwollend oder aufbauend. Beispiele für Glaubenssätze mit positivem Charakter sind „Das Leben meint es gut mit mir“ oder „Ich bin gut, so wie ich bin“. Sie zeichnen dabei meist ein positives Bild von dir, deinen Fähigkeiten oder deiner Umwelt. Aber auch eine neutrale Sichtweise wie „Das Leben hat Höhen und Tiefen. Das ist ganz normal”, kann einen positiven Glaubenssatz darstellen.

Negative Glaubenssätze sind dagegen eher wie eine angezogene Handbremse. Sie raunen einem Worte wie „Ich habe es nicht verdient, glücklich zu sein“ oder „Ich bin es nicht wert“ ins Ohr.

Jeder Mensch hat eine Vielzahl unterschiedlicher Glaubenssätze in sich verankert – positive und negative. Besonders dann, wenn negative Glaubenssätze überwiegen, können unangenehme Gefühle entstehen und Belastungen zunehmen.

Runde um Runde

Glaubenssätze bestimmen nicht nur, was wir denken. Sie beeinflussen auch unser Verhalten. Wenn eine Person zum Beispiel annimmt, dass sie wenig kompetent ist, wird sie sich wahrscheinlich auch wenig selbstbewusst verhalten. Wenn im Job die nächsten Projekte verteilt werden, stellt sich diese Person vermutlich eher in den Hintergrund und übernimmt am Ende die Aufgaben, die niemand anderes machen wollte.

Das Tückische an negativen Glaubenssätzen ist dabei: Sie bestätigen sich dadurch immer wieder selbst. Wir verhalten uns entsprechend dem, was wir über uns und die Welt denken. Dabei zeigt sich immer wieder: „Na, siehste! Recht gehabt. Ich bin eben weniger kompetent“.

Wir gondeln quasi in unserem Auto auf unserer gut ausgebauten Autobahn permanent im Kreis. Mit jeder Runde wird der Asphalt noch glatter, ebener und besser befahrbar. 

Wie entstehen Glaubenssätze?

Der Ursprung von Glaubenssätzen liegt oft in der Kindheit. Manche Glaubenssätze übernehmen wir dabei ganz unbewusst von wichtigen Bezugspersonen. Wenn deine Eltern zum Beispiel die Welt für einen sicheren Ort halten, ist die Chance hoch, dass auch du diese Annahme verinnerlichst. 

Andere Glaubenssätze entstehen durch Erfahrungen. Hast du erlebt, dass dir eine Aufgabe, sobald sie beim ersten Versuch nicht klappt, abgenommen wird? Dann können Annahmen wie „Es muss immer sofort klappen“ oder „Ich schaffe es nicht ohne Hilfe” entstehen.

Manchmal reicht auch ein einfacher Satz, um unser Leben nachhaltig zu prägen. „Sport liegt dir einfach nicht” oder „Du hast kein Rhythmusgefühl”. Solche Sätze, die dir vielleicht in deiner Schullaufbahn begegnet sind, können die Annahme, unsportlich oder unmusikalisch zu sein, noch Jahre später aufrechterhalten. 

Negative Glaubenssätze auflösen

Glaubenssätze können nicht nur lenken. Sie können auch gelenkt werden. Mit diesen 5 Schritten kannst du deine negativen Glaubenssätze verändern.

1Glaubenssätze erkennen

Der wichtigste Schritt, um negative Glaubenssätze aufzulösen, ist sie zu erkennen. Was banal klingt, ist dabei gar nicht so leicht. Denn sie sind uns oft nicht bewusst. Um ihnen auf die Schliche zu kommen, kannst du dich fragen: Welche Annahmen habe ich über mich und die Welt? Wie bewerte ich mich? Welche Vorannahmen habe ich über das, was geschehen wird? 

Falls es dir schwerfällt, kannst du auch an Situationen zurückdenken oder dich ganz bewusst beobachten, wenn es dir nicht gut geht. Welche Glaubenssätze könnten hinter deinen Gefühlen, deinen negativen Gedanken oder deinem Verhalten stecken? Schaue auch gerne einmal in unsere Liste mit Beispielen für Glaubenssätzen. Kannst du dich mit ihnen identifizieren?

Denkanstoß

Liste von Beispielen für negative Glaubenssätze

Ich bin nicht gut genug.“

„Ich kann niemandem trauen.“

„Ich darf nicht wütend/traurig/ärgerlich sein.“

„Ich darf keine Fehler machen.“

„Nur, wenn ich etwas leiste, werde ich geliebt.“

„Ich muss alles alleine schaffen“

„Ich bin unsportlich/­ungeschickt/­unmusikalisch.“

„Ich darf anderen nicht zur Last fallen.“

„Wenn ich um Hilfe bitte, ist das ein Zeichen von Schwäche.“

„Ich muss immer perfekt/­vernünftig/­stark/­mutig sein.“

„Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“

Negative Glaubenssätze lassen sich oft an bestimmten Signalwörtern erkennen. Sie sind oft absolut, verallgemeinernd oder lassen wenig Spielraum. Beispiele sind: muss, sollte, darf nicht, niemals, immer, völlig, keiner, niemand, alle, jeder.

2Den Faktencheck machen

Glaubenssätze erwecken den Eindruck, sie wären Wahrheiten. Deshalb stellen wir sie kaum in Frage. Das kannst du ändern und sie einem Faktencheck unterziehen. Frage dich zum Beispiel:

  • Wie komme ich darauf, dass dieser Satz stimmt? Habe ich vielleicht Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht, die erklären, warum ich so denke? Ist diese Annahme auch heute noch sinnvoll?
  • Entspricht der Gedanke den Tatsachen? Welche Beweise gibt es für meinen Gedanken? Was sind Gegenbeweise?
  • Hilft mir der Gedanke, mich so zu fühlen, wie ich mich fühlen möchte?
  • Hilft mir der Gedanke, meine Ziele zu erreichen?

3Negative Glaubenssätze verändern

Weg von der Autobahn und ab auf den Feldweg! Wenn du deine negativen Glaubenssätze entdeckt hast, die dich immer wieder im Kreis fahren lassen, dann setze den Blinker. Entscheide: „Ich biege jetzt hier ab.“ Du kannst dabei deine negativen Glaubenssätze durch positive Gedanken ersetzen (z.B. „Ich bin wertvoll“ oder „Ich darf Fehler machen“). Manchmal kann es aber auch leichter fallen, die negativen Glaubenssätze nicht radikal zu verändern, sondern sie erst einmal etwas umzuformulieren. Ein „Ich kann das nicht.“, könntest du in ein „Ich kann das noch nicht.“ verändern.

💡 Tipp: Du kannst dir deinen neuen Glaubenssatz vorsprechen, aufschreiben oder gedanklich wiederholen. Sorge aber auch für Abwechslung! Gibt es vielleicht ein Lied, das zu deinem neuen Glaubenssatz passen könnte? Höre dir den Song jeden Morgen an, um dich an deinen neuen Gedankenpfad zu erinnern.

4Neue Erfahrungen machen

Um negative Glaubenssätze aufzulösen, kannst du nicht nur deine Gedanken, sondern auch dein Verhalten ändern. Du möchtest als neue Annahme über dich selbst „Ich bin sportlich.“ etablieren? Dann frage dich: Was würde eine sportliche Person tun? Mit welchen kleinen Schritten hat sie angefangen? Tue dann genau das. Jedes Mal, wenn du dich entsprechend deiner neuen Glaubenssätze verhältst, stärkst du sie. Du bist der lebende Beweis: Deine Annahmen stimmen!

5Habe Geduld

Negative Glaubenssätze, die uns seit der Kindheit begleiten, können hartnäckig sein. Habe deshalb Geduld mit dir und bedenke, dass es Zeit braucht, bis sich neue Gedankenpfade ebnen. Von einer gut befahrenen Autobahn auf den Feldweg abzubiegen, ist oft unbequem. Aber auf Dauer wird es immer leichter fallen. Du wirst an Fahrt aufnehmen und bemerken, dass du dich fortbewegst – nicht im Kreis, sondern in Richtung deiner Ziele und Wünsche. Genieße die Fahrt!

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