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Achtsamkeit bei chronischen Schmerzen

„Die Schmerzen sollen endlich weggehen!” – Dieser Wunsch nach Schmerzfreiheit ist nur allzu verständlich. Chronische Schmerzen sind nicht nur unangenehme körperliche Empfindungen, sondern belasten auch die Psyche. Achtsamkeit ist ein wichtiges Werkzeug, um das psychische Leiden rundum chronische Schmerzen zu lindern.

Was ist Achtsamkeit? 

Achtsam sein bedeutet, bewusst aufmerksam im gegenwärtigen Moment zu sein. Doch wozu soll das eigentlich gut sein? Häufig sind wir mit unseren Gedanken ganz woanders. Wir sind vielleicht mit einem Freund in einem Café und denken an den nächsten Arbeitstag. Wir sitzen im Büro vor dem Rechner und fantasieren vom Feierabend oder dem nächsten Urlaub. Wenn du unter chronischen Schmerzen leidest, kennst du dieses Phänomen bestimmt auch: Du bist auf einem Geburtstag oder machst einen Spaziergang, doch deine Aufmerksamkeit gilt eigentlich den Schmerzen. Achtsamkeit bei Schmerzen anzuwenden, geschieht leider nicht von selbst. Wenn wir nicht achtsam sind, verpassen wir ganz einfach das, was geschieht. 

Kannst du Glück nur durch Schmerzfreiheit erleben? 

Wie können wir mit Achtsamkeit unsere Lebensqualität steigern? Viele von uns sehen Glück als etwas an, nach dem man suchen muss, um es zu finden. Diese Wahrnehmung von Glück bedeutet, dass viele Menschen ihr Leben damit verbringen, nach dem Glück zu suchen. Sie sehen es als Misserfolg an, wenn sie es nicht finden. Bei chronischen Schmerzen ist es häufig der Fall, dass Betroffene denken, sie können erst wieder glücklich sein, wenn sie schmerzfrei sind. Die Krux ist leider: Chronische Schmerzen überdauern und daher lohnt es sich, einen Weg zu finden, trotz der Schmerzen glücklich zu sein. So lassen sich die Schmerzen auch besser aushalten. Achtsamkeit bei Schmerzen zu praktizieren ist dafür eine gute Methode.

Das Glück ist immer da – auch wenn du Schmerzen hast

Für mehr Lebensqualität trotz chronischer Schmerzen ist es notwendig, die eigene Sicht auf das persönliche Glück zu verändern: Glück ist nichts, was wir durch Schmerzfreiheit erreichen können. Überlege mal: Warst du etwa immer glücklich, bevor die Schmerzen begannen? Sind Menschen ohne Schmerzen immer glücklich? Stell dir einmal vor, das Glück sei ein Sommerregen. Kleine, warme, leichte Tropfen, die nach unten fallen und manchmal auch bloß ganz sanft auf uns landen. Wenn du das Glück, diesen Sommerregen, nicht erst finden musst oder herbeiführen kannst, wie kannst du dann glücklich sein?

Achtsamkeit bei chronischen Schmerzen: Mehr Lebensqualität

Stell dir vor, dass du dein Leben unter freiem Himmel lebst und die kleinen Regentropfen, die das Glück darstellen, manchmal auf deinem Körper landen. Wenn du ständig damit beschäftigt bist, darüber nachzudenken, warum du Schmerzen hast und wie die Schmerzen weggehen könnten, hast du dann noch Zeit und Aufmerksamkeit, um die Tröpfchen auf dir zu bemerken? Wenn wir mit unseren Gedanken nicht im Moment sind, besteht dann nicht ein Risiko, dass wir das Glück nicht wahrnehmen, weil wir zu beschäftigt sind mit Sorgen um die Schmerzen? Achtsamkeit bei Schmerzen anzuwenden, bringt dich zurück zur Wahrnehmung jedes noch so kleinen „Glückstropfens”. 

Achtsamkeit braucht Übung

Die Aufmerksamkeit auf den Moment richten und das gegenwärtige Glück zu erleben – das klingt gut, bedarf aber Übung. Wir sind es schlichtweg nicht gewohnt, uns auf das Jetzt zu konzentrieren. Achtsam sein fällt den meisten Menschen anfangs schwer, Achtsamkeit bei Schmerzen kann dadurch zunächst eine Herausforderung sein. Doch wir können unsere bewusste Aufmerksamkeit trainieren wie einen Muskel: Je häufiger wir sie benutzen, desto stärker wird sie und desto leichter wird uns das achtsame Sein fallen. Doch noch etwas anderes außer der fehlenden Übung erschwert es uns, Achtsamkeit bei chronischen Schmerzen anzuwenden.

Achtsamkeit erfordert Loslassen

Oft hegen wir Gedanken an etwas, weil wir uns wünschen, die Dinge damit zu kontrollieren. Häufig ist jedoch das Gegenteil der Fall: Indem wir Problemen wälzen, halten wir an ihnen fest. Dies trifft insbesondere zu, wenn es sich um momentan unlösbare Probleme handelt. Mehr zum Unterschied zwischen lösbaren und unlösbaren Problemen findest du in unserem Blogartikel zum Thema Stress abbauen

Vielleicht hast du die unbewusste Annahme, dass du deinem Schmerz Herr werden könntest, wenn du dich nur intensiv damit beschäftigst, wie du sie beseitigen kannst. Natürlich ist es sinnvoll, sich zunächst mit möglichen Lösungen zu beschäftigen. Doch wenn du schon sehr viel unternommen hast, kannst du deine Lebensqualität zurückzugewinnen, in dem du die Kontrolle Schritt für Schritt aufgibst, akzeptierst und achtsam bist, für die alltäglichen Glücksmomente. Mehr zum Thema Akzeptanz und Kontrolle findest du auch in unserem Blogartikel: Was hilft bei Fibromyalgie?

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Autorin:
Victoria Bindrum Psychologin
Unsere Artikel werden von Psychologinnen und Psychologen geschrieben und von Psychotherapeutinnen geprüft. Wenn du mehr darüber erfahren willst, was uns beim Schreiben wichtig ist, dann lerne hier unser Autorenteam kennen.
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