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Angst vor Krieg – Wie gehen wir mit der Ohnmacht um?

Seit einigen Wochen herrscht Krieg in der Ukraine. Viele Menschen berichten von Gefühlen der Angst und Ohnmacht. Aus diesem Grund haben wir den HelloBetter Support Circle ins Leben gerufen. In einer Online-Veranstaltung haben wir mit euch darüber gesprochen, welche Bedeutung die Angst vor Krieg hat und was ihr tun könnt, wenn sie überhandnimmt. Die wichtigsten Informationen zum Thema findet ihr in diesem Artikel. Eure persönlichen Fragen haben wir euch zusätzlich in einem Q&A zusammengefasst.

Woher kommen Ängste und Sorgen?

Eines, was die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine gemeinsam haben, ist: Beide Situationen sind oder waren für viele Menschen unbekannt, unerwartet und unkontrollierbar. Viele von uns haben bisher weder eine Pandemie noch einen Krieg erlebt und wohl kaum jemand hat damit gerechnet. Die immer wieder stark ansteigenden Coronazahlen und die dramatischen, oft unvorstellbaren Bilder aus der Ukraine haben bei vielen Menschen Ängste und Sorgen ausgelöst. Und das ist völlig nachvollziehbar, denn aus der Psychologie wissen wir, dass Ängste insbesondere dann ausgelöst werden, wenn Situationen eben genau dies unbekannt, unerwartet und unkontrollierbar sind. Das gilt auch für die Angst vor Krieg. Was genau für Sorgen und Befürchtungen bei dem Einzelnen ausgelöst werden, ist von Person zu Person unterschiedlich und hängt sehr mit der Lebensgeschichte und den aktuellen Erfahrungen der Person zusammen.

Wichtig ist: Auch wenn Angst in den meisten Fällen kein angenehmes Gefühl ist, hat sie eine wichtige Funktion: Sie weist uns auf mögliche Gefahren hin und hilft uns, ihnen aus dem Weg zu gehen. Typische Angstsymptome wie negative Gedanken, Engegefühle in der Brust oder Magen- und Darmprobleme können also wichtige Warnsignale sein, die uns darauf hinweisen, dass etwas nicht stimmt und wir den Kurs ändern sollten. 

Angst kann also ein wertvoller Wegbegleiter sein, den wir zu wertschätzen lernen sollten. Erst dann, wenn Angst uns nicht zur Umsicht führt, sondern uns in Panik verfallen lässt oder im Alltäglichen einschränkt, kann sie zu einer starken Belastung werden.

Strategien im Umgang mit Kriegsangst

Was können wir also dem Gefühl des Unbekannten, Unerwarteten und Unkontrollierbarem entgegensetzen? Wie stärken wir unsere innere Widerstandsfähigkeit, um schwierige Situationen und psychische Krisen zu bewältigen? Als Antwort auf diese Frage hat der Soziologe Aaron Antonovsky ein psychologisches Modell entwickelt, das darauf abzielt, unser so genanntes Kohärenzgefühl zu stärken, ein Gefühl tiefer innerer Zufriedenheit. 

Verfügt eine Person über ein ausgeprägtes Kohärenzgefühl, kann sie flexibel mit Stress und Krisen umgehen, ihre eigenen Ressourcen aktivieren und dadurch Optimismus empfinden. Laut Antonovsky lässt sich das Kohärenzgefühl in drei wichtigen Schritten erzeugen. Sehen wir uns diese drei Schritte nun einmal genauer an.

Verständlichkeit: Ich verstehe, was gerade passiert und was die Angst vor Krieg bewirkt

Den wichtigsten Schritt hast du bereits getan: Du hast dich darüber informiert, woher das Gefühl der Angst kommt und welche Funktion es haben kann. Als Nächstes kann es hilfreich sein, wenn du dich fragst, welche Bedeutung die Angst vor Krieg für dich ganz persönlich hat. Vielleicht möchtest du dich unbedingt engagieren und jemanden bei dir zuhause aufnehmen, aber verspürst große Angst davor, dich mit der Situation überfordert zu fühlen? Die Angst kann hier ein wichtiger Hinweis sein, dass eine andere Form des Engagements besser zu dir passt. Oder du hast Angst davor, dass sich der Krieg trotz aller diplomatischen Bemühungen auf weitere Teile Europas ausweitet? In diesem Fall kann die Angst ein Hinweis auf dein Bedürfnis danach sein, dich sicher und aufgehoben zu fühlen und womöglich den Impuls in dir auslösen, etwas an der aktuellen Situation ändern zu wollen. 

Wenn du verstehst, welche Bedeutung die Kriegsangst für dich ganz persönlich hat, kannst du dein Verhalten nach deinen eigenen Bedürfnissen ausrichten und verständnisvoller mit dir selbst umgehen. 

Handhabbarkeit: Ich kann meinen Alltag gestalten und gut bewältigen 

Auch oder gerade in der jetzigen Zeit darfst du an dich und deine psychische Gesundheit denken. Auch wenn wir oft das Gefühl haben, dass wir uns in Zeiten wie diesen nicht gut fühlen dürfen (weil es den Menschen vor Ort gerade viel schlechter geht als uns), ist niemandem damit geholfen, wenn du dir jede Form der Freude untersagst. Natürlich kann es auch wichtig für dich sein, dich im Rahmen deiner Möglichkeiten zu informieren und engagieren. Aber genauso wichtig ist, dass du versuchst, deinen Alltag aufrechtzuerhalten, denn nur so kann es dir psychisch gut gehen und nur so kannst du eine Hilfe für andere Menschen sein. 

3 Tipps

In der aktuellen Situation für dich selbst sorgen

  1. Check-In: Wie geht es mir? Was brauche ich?

Gerade in Situationen, in denen viele neue Informationen und Eindrücke auf uns einwirken, ist es wichtig, dass wir uns in regelmäßigen Abständen fragen, wie es uns eigentlich gerade geht und was wir brauchen. Sind wir erschöpft oder aufgedreht? Brauchen wir Ruhe oder Ablenkung? Brauchen wir Zeit für uns alleine oder fehlt uns der Kontakt mit anderen? Tagebuch schreiben, Meditation, Yoga gegen Angst oder der Austausch mit vertrauten Personen können hier hilfreich sein.

Bedeutsamkeit: Ich tue etwas, das für mich Bedeutung hat und mir wichtig ist

Zusehen zu müssen, wie Menschen leiden, führt bei vielen zu Gefühlen von Ohnmacht und Hilflosigkeit. Was wir gegen dieses Gefühl tun können, ist Handeln und aktiv werden. 

Auch wenn es sich erst mal nicht nach viel anfühlt, so gibt es doch ein paar Dinge, die du tun kannst, um den Menschen in der Ukraine solidarisch zur Seite zu stehen. Wichtig ist, dass du eine Form der Unterstützung findest, die zu deinen Ressourcen passt. Hast du zum Beispiel viel Zeit und möchtest dich in einem Ehrenamt engagieren? Oder hast du wenig Zeit, dafür aber finanzielle oder materielle Ressourcen? In diesem Fall könnte Spenden die passendste Form der Unterstützung für dich sein. 

Fazit – Finde heraus, was dir persönlich guttut 

Ängste, wie die Angst vor Krieg, entstehen vor allem in unbekannten, unerwarteten und unkontrollierbaren Situationen. Ein Verständnis für die eigene Angst, die bewusste Gestaltung des eigenen Alltags und soziales Engagement können in der aktuellen Situation Halt geben. Welche Strategien im Umgang mit der Angst hilfreich sind, ist von Person zu Person unterschiedlich.

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Autorin:
Anna Unger-Nübel Psychologin
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