Das Wichtigste in Kürze (TL;DR): Innere Unruhe – dieses diffuse Gefühl, dass irgendetwas brodelt, ohne dass man genau sagen könnte, was – kennen wohl die meisten. Sie kann sich körperlich und psychisch auf ganz unterschiedliche Weisen äußern, hat vielfältige Ursachen und lässt sich mit den richtigen Mitteln gezielt angehen. Stress, Hormone und selbst Nährstoffmangel können zu diesem Zustand beitragen. Dieser Artikel zeigt Sofortmaßnahmen wie Achtsamkeitsübungen die helfen können und wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist. Ein kurzer Selbsttest hilft dir außerdem, deinen persönlichen Unruhezustand besser einzuschätzen.
Was sind Symptome von innerer Unruhe?
Innere Unruhe zeigt sich vor allem in der Unfähigkeit, sich zu entspannen. Häufig steht innere Unruhe daher auch im Zusammenhang mit Schlafstörungen. Innere Unruhe wird außerdem manchmal von Gedankenrasen begleitet. Wir springen von einem Gedanken zum nächsten – meistens handelt es sich dabei eher um unangenehme und schwierige Themen. Ein Gedankenkarussell, das sich nicht so leicht abstellen lässt. Auch unsere Gefühle können verrückt spielen und – abhängig von unseren Gedanken – von Verzweiflung, Bedrücktheit oder Gereiztheit geprägt sein. Innere Unruhe kann aber auch mit angenehmen Gedanken und Gefühlen wie Freude, Aufregung oder Verliebtheit einhergehen.
Körperliche Symptome
Innere Unruhe kann sich körperlich in einer Vielzahl von Anzeichen und Warnsignalen zeigen – von offensichtlichen bis hin zu subtileren Beschwerden. Psychomotorische Unruhe – also der Drang, sich ständig zu bewegen – kann ebenso dazugehören wie feinere somatische Reaktionen. Körperlich zeigt sich innere Unruhe unter anderem in folgenden Beschwerden:
- Bewegungsdrang und Rastlosigkeit
- Herzklopfen oder Schweißausbrüche
- An den Fingernägeln kauen
- Mit den Füßen wackeln
- An Kleidung, Haaren oder Haut zupfen
- Mit den Fingern auf eine Oberfläche trommeln
Sensorische Missempfindungen: Kribbeln im Körper und inneres Zittern
Viele Menschen berichten bei innerer Unruhe auch von einem Kribbeln im Körper – oft in den Händen, Füßen oder im ganzen Rumpf. Dieses Körperkribbeln ist keine Einbildung, sondern eine gut erklärbare Reaktion: Wenn unser Sympathikus – der „Gas-geben”-Teil unseres vegetativen Nervensystems – aktiviert wird, verändert sich unter anderem die Durchblutung. Das führt mitunter zu Kribbeln, Taubheitsgefühlen oder einem Gefühl von innerem Zittern. Auch eine flachere oder beschleunigte Atmung (Hyperventilation), die manchmal bei innerer Anspannung unbewusst auftritt, kann sensorische Missempfindungen verstärken.
Ständige Anspannung im Körper oder innere Unruhe mit Zittern können sich auch morgens besonders stark zeigen – zum Beispiel als diffuses Unruhegefühl beim Aufwachen, noch bevor der Tag begonnen hat. Wer das kennt, merkt oft: Es geht gar nicht um eine konkrete Sorge. Es ist mehr so ein körperliches Grundrauschen.
Gut zu wissen
Das Gehirn und innere Unruhe
Innere Unruhe ist keine falsche Wahrnehmung, sondern hat eine reale neurobiologische Grundlage. Dabei ist das Gehirn häufig in einem aktivierten Zustand, der mit gedanklicher Beschäftigung einhergeht, etwa in Form von Sorgen, Grübeln oder erhöhter Wachsamkeit. Diese Prozesse sind jedoch nicht immer zielgerichtet problemlösend, sondern können sich auch verselbstständigen.
Im Gegensatz zu diesem aktiven Arbeitsmodus gibt es aber auch einen Ruhemodus unseres Gehirns, das sogenannte „Default Mode Network”. Das Default Mode Network ist ein Netzwerk bestimmter Hirnregionen und ist vor allem dann aktiv, wenn wir nicht auf äußere Aufgaben fokussiert sind, sondern mit unseren Gedanken nach innen gehen, etwa beim Erinnern, Tagträumen oder Nachdenken über uns selbst.
Was im Kopf beginnt, setzt sich im Körper fort: Bei anhaltender innerer Unruhe zeigt der Sympathikus erhöhte Aktivität – das System, das unseren Körper in Alarmbereitschaft versetzt. Der Cortisolspiegel steigt, Herzschlag und Atemfrequenz erhöhen sich, das Gehirn bleibt im Hyperarousal (einem erhöhten Erregungszustand). Der Gegenspieler, der Parasympathikus, kommt kaum zu Wort – dabei wäre er für die Entspannung zuständig. Eine effektive Möglichkeit, ihn zu aktivieren, ist die Vagusnerv-Stimulation, zum Beispiel durch langsames, tiefes Atmen oder kaltes Wasser im Gesicht.
Wie stark ist meine innere Unruhe? Selbsttest
Kein Laborwert, kein Arztbefund – aber manchmal hilft es, kurz innezuhalten und sich selbst zu fragen: Wie geht es mir eigentlich gerade wirklich? Die folgenden Fragen sind kein Diagnoseinstrument – sie sollen dir einfach helfen, ein klareres Gefühl für deinen aktuellen Zustand zu bekommen. Beantworte sie für die letzten zwei Wochen, so ehrlich wie möglich.
Beantworte jede Frage mit: 0 = nie / 1 = manchmal / 2 = häufig / 3 = fast immer
- Ich habe Schwierigkeiten abzuschalten und zur Ruhe zu kommen.
- Meine Gedanken kreisen, auch wenn ich das nicht möchte.
- Ich spüre ein körperliches Unruhegefühl (Herzklopfen, Kribbeln, Zittern).
- Ich fühle mich schnell reizbar oder angespannt.
- Ich schlafe schlecht oder wache nachts auf.
- Ich kann mich schwer konzentrieren.
- Ich fühle mich körperlich angespannt oder verspannt.
- Es fällt mir schwer, im Moment präsent zu sein.
- Ich greife häufig zu Kaffee, Alkohol oder anderen Mitteln, um mich zu regulieren.
- Ich mache mir viele Sorgen, auch über kleine Dinge.
Auswertung
0–10 Punkte: Leichte Unruhe. Präventive Maßnahmen wie Entspannungstechniken und Bewegung können helfen.
11–20 Punkte: Moderate Unruhe. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Probiere die Strategien in diesem Artikel aus und hole dir eventuell Unterstützung.
21–30 Punkte: Ausgeprägte Unruhe. Ein Gespräch mit einer Ärztin / einem Arzt oder einer Psychotherapeutin / einem Psychotherapeuten ist empfehlenswert.
Was sind mögliche Ursachen innerer Unruhe?
Wie bei den meisten psychischen Beschwerden gibt es auch für innere Unruhe eine Vielzahl von möglichen Ursachen. Diese lassen sich vereinfacht in körperliche und psychische Ursachen unterteilen. Manchmal steckt auch beides dahinter – weil Körper und Psyche eben keine getrennten Welten sind, sondern ständig miteinander kommunizieren. Damit du dir einen ersten Überblick verschaffen kannst: Hier sind die häufigsten Ursachen auf einen Blick – bevor wir tiefer einsteigen.

Körperliche Ursachen
Wenn wir innerlich unruhig sind, ist es gut möglich, dass unserem Körper etwas fehlt. Zu wenig Flüssigkeit, Essen, Bewegung. Manchmal steckt auch ein zu hoher Konsum von Kaffee, Nikotin oder Alkohol dahinter. All diese Substanzen können unseren Körper anregen und innere Unruhe verursachen.
Wichtig ist auch, körperliche Erkrankungen als mögliche Ursache abklären zu lassen. Deine Ärztin oder dein Arzt wird dich nach einem ausführlichen Gespräch beispielsweise auf eine mögliche Unterzuckerung, zu niedrigen Blutdruck oder eine Schilddrüsenüberfunktion untersuchen. All diese körperlichen Beschwerden beziehungsweise Erkrankungen können ebenfalls die Ursache von innerer Unruhe sein.
Was sind weitere häufige körperliche Auslöser innerer Unruhe?
• Innere Unruhe durch Kaffee: Koffein hemmt Adenosin, einen schlaffördernden Botenstoff im Gehirn – das verursacht Wachheit, kann aber auch Herzrasen und Unruhezustände auslösen, besonders am Abend.
• Innere Unruhe durch Alkohol: Auch wenn Alkohol kurzfristig entspannend wirkt, stört er in der Regel den Schlaf und aktiviert in der Folge das Stresssystem – besonders in den frühen Morgenstunden.
• Innere Unruhe nach dem Essen: Starke Blutzuckerschwankungen nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten können Unruhegefühle auslösen.
• Innere Unruhe nach dem Sport: In den ersten Stunden nach intensivem Training ist der Cortisolspiegel erhöht – das kann sich als Unruhe äußern. In der Regel normalisiert sich der Cortisolspiegel nach einigen Stunden.
• Innere Unruhe bei einer Erkältung: Infektionen aktivieren das Immunsystem – dabei werden Botenstoffe freigesetzt, die Schlaf, Stimmung und Erregungszustand beeinflussen können.
• Innere Unruhe durch Verspannungen: Chronische Muskelverspannungen, besonders im Nacken- und Schulterbereich, halten das sympathische Nervensystem in einem erhöhten Aktivierungszustand (Hallman & Lyskov, 2012).
• Medikamentenbedingtes Unruhegefühl (Akathisie): Bestimmte Medikamente – darunter einige Antipsychotika und Antidepressiva – können eine sogenannte Akathisie verursachen: ein intensives Gefühl von Bewegungsdrang und innerer Anspannung, das durch ein Ungleichgewicht im Dopaminsystem entsteht (Patel & Marwaha, 2023).
Hormonelle Ursachen: Wechseljahre, Schilddrüse und Co.
Viele Frauen* leiden in Phasen starker hormoneller Umstellung, wie zum Beispiel den Wechseljahren, unter nervöser Unruhe und innerer Anspannung.
Aber auch außerhalb der Wechseljahre spielen Hormone eine große Rolle: Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) zählt zu den klassischen organischen Ursachen von Unruhezuständen. Darüber hinaus kann eine Dysregulation der Stresshormone, insbesondere Cortisol, zu dauerhafter Anspannung führen. Ursache kann anhaltender Stress sein, aber seltener auch Erkrankungen der Nebennierenrinde.
(*) Gemeint sind alle Personen, die hormonellen Veränderungen durch den Zyklus oder die Menopause ausgesetzt sind.
Welcher Mangel führt zu innerer Unruhe?
• Magnesium: Ein Magnesiummangel wird mit erhöhter Ängstlichkeit und innerer Unruhe in Verbindung gebracht. Tarleton et al. (2015) zeigten, dass eine erhöhte Magnesiumzufuhr Stimmungs- und Erschöpfungssymptome lindern kann.
• Vitamin D: Vitamin-D-Mangel ist weit verbreitet und wird in der Forschung zunehmend mit Stimmungsveränderungen und Angstsymptomen in Verbindung gebracht.
• Eisen: Eisenmangel führt nicht nur zu Müdigkeit, sondern kann auch das Nervensystem beeinflussen – und damit Unruhegefühle verstärken.
• B-Vitamine: Insbesondere B12 und Folat sind unverzichtbar für ein funktionierendes Nervensystem. Sie sind direkt an der Herstellung von Neurotransmittern beteiligt – also jenen Botenstoffen im Gehirn, die unsere Stimmung, unseren Schlaf und unsere innere Ruhe regulieren.
Ein kurzer Bluttest beim Arzt oder bei der Ärztin kann hier viel Klarheit bringen – und stellt sicher, dass du genau das bekommst, was dein Körper wirklich braucht.
Psychische Ursachen
Unser Kopf ist erstaunlich mächtig – manchmal leider ein bisschen zu mächtig. Denn ob wir innerlich ruhig sind oder uns die Anspannung schleichend hochkriecht, hängt oft weniger von dem ab, was gerade wirklich passiert, als von dem, was wir gerade denken. Ein flüchtiger Gedanke an die To-do-Liste von morgen, eine Erinnerung an ein schwieriges Gespräch – und schon meldet sich die innere Unruhe, ganz ohne äußeren Anlass.
Stress, Grübeln und kognitive Überlastung
Stress ist dabei eine der häufigsten Ursachen für Unruhezustände. Wenn wir dauerhaft unter Druck stehen, bleibt der Cortisolspiegel chronisch erhöht – das Gehirn kann nicht mehr richtig zur Ruhe kommen. Forschende sprechen in diesem Zusammenhang auch von Hyperarousal: einem dauerhaften Erregungszustand, bei dem Entspannung kaum möglich ist.
Der bekannte Neurowissenschaftler McEwen (2007) zeigte, dass chronischer Stress buchstäblich die Struktur des Gehirns verändert – insbesondere in Regionen, die für Emotionsregulation zuständig sind. Er beschreibt das Gehirn als zentrales Organ der Stressreaktion: Es entscheidet, was als bedrohlich wahrgenommen wird – und damit, ob überhaupt Stress entsteht. Chronischer Alltagsstress hinterlässt dabei im Laufe der Zeit messbare Spuren, die McEwen als „allostatische Last” bezeichnet:Je länger wir anhaltenden Stress erleben, desto mehr zehrt das an Körper und Gehirn.
Auch Grübeln und Overthinking spielen eine große Rolle. Wenn Gedanken in immer denselben Schleifen kreisen – sogenannte Rumination – fühlt sich das innerlich wie ein nicht abschaltbarer Motor an. Dazu kommt kognitive Überlastung: Wenn wir täglich mehr verarbeiten müssen, als unser Gehirn bequem handhaben kann – Reizflut, Multitasking, Überlastung – bleibt das Nervensystem dauerhaft im Aktivierungsmodus.
Das kann sich auch körperlich bemerkbar machen: Der Körper „speichert” Stress zum Beispiel in Form von Verspannungen, einem aus dem Gleichgewicht geratenen Nervensystem und dauerhafter innerer Anspannung – Fachleute sprechen dann von Somatisierung, wenn psychische Belastung sich vorwiegend körperlich ausdrückt.
Innere Unruhe und psychische Erkrankungen
Besonders Menschen in sogenannten Burnout-Phasen kennen das: Anhaltende innere Unruhe ist oft ein frühes Warnsignal – lange bevor die eigentliche Erschöpfung einsetzt. Manchmal taucht dabei auch die Frage auf, ob man noch „normal" tickt oder ob etwas ernsthaft nicht stimmt. Diese Angst, verrückt zu werden ist verständlich, aber in der Regel kein Zeichen einer schwerwiegenden Erkrankung – sondern ein Hinweis darauf, dass Körper und Geist gerade wirklich an ihre Grenzen stoßen.Innere Unruhe kann außerdem im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen wie zum Beispiel einer Anpassungsstörung, Depression sowie Angst und Panik stehen. Menschen mit hochfunktionaler Angst tragen ihre Unruhe oft verborgen nach außen – und merken selbst erst spät, wie ausgelaugt sie wirklich sind.
Gut zu wissen: Eine Untersuchung von Donegan & Dugas (2012) zeigte, dass sowohl kognitive Verhaltenstherapie als auch angewandte Entspannungsverfahren bei anhaltender psychischer Unruhe und weiterführend auch bei Angst wirksam sind.
Innere Unruhe behandeln
Innere Unruhe kann für Betroffene sehr belastend sein. Aber das Gute ist: Du bist ihr nicht hilflos ausgeliefert. Gegen die Unruhe lässt sich etwas tun.
Was hilft gegen innere Unruhe? Sofort-Tipps
Wir sind der inneren Unruhe genau so lange hilflos ausgeliefert, wie wir sie nicht bewusst bemerken. Rennen unsere Gedanken von A nach B, gehen wir nervös von einem Zimmer ins andere oder versuchen uns durch Fernsehen oder im Internet-Surfen abzulenken, bleiben wir vermutlich weiterhin angespannt. Der erste Schritt, um die innere Anspannung zu lösen, ist also das achtsame Bemerken innerer Unruhe.
Um innere Unruhe zu stoppen, ist es hilfreich, sowohl den Geist als auch den Körper anzusprechen. Die folgenden Techniken können dabei helfen, die Unruhe schnell und gezielt zu lindern:
1 Die 4-7-8 Atemtechnik
Atemtechniken wie die 4-7-8-Methode können dazu beitragen, das Nervensystem zu beruhigen. Vor allem langsames, verlängertes Ausatmen wird mit einer stärkeren Aktivität des Parasympathikus in Verbindung gebracht – also dem Teil des Nervensystems, der für Erholung und Entspannung zuständig ist.
So funktioniert es:
- 4 Sekunden lang einatmen
- 7 Sekunden den Atem halten
- 8 Sekunden lang langsam ausatmen
- Drei- bis viermal wiederholen
Schon ein paar Runden können helfen, damit das Nervensystem wieder durchatmet – im wahrsten Sinne. (Wer die Sekunden nicht ganz genau einhält: kein Problem – auf die Regelmäßigkeit des Atems kommt es an, nicht auf die Stoppuhr.)
2 Grounding: Die 5-4-3-2-1 Methode
Sogenannte Grounding-Übungen sind besonders hilfreich, wenn das Gedankenkarussell oder Katastrophendenken einsetzt. Denn manchmal braucht es nur einen kleinen Anker, um aus dem Gedankenstrudel wieder aufzutauchen – und der liegt oft näher, als wir denken. Die 5-4-3-2-1-Methode, hilft dabei, sich im Hier-und-Jetzt zu verankern, indem wir unsere Aufmerksamkeit auf die Umgebung richten:
- Benenne 5 Dinge, die du siehst
- Benenne 4 Dinge, die du hörst
- Benenne 3 Dinge, die du fühlst
- Benenne 2 Dinge, die du riechst
- Benenne 1 Ding, das du schmeckst
Versuche, bei allen Sinnen neutral zu beschreiben, was geschieht, anstatt zu beurteilen, ob die Dinge gut oder schlecht, richtig oder falsch sind.
3 Kaltes Wasser ins Gesicht
Kaltes Wasser ins Gesicht – das klingt nach wenig, aber es steckt mehr dahinter als man denkt: Der sogenannte Tauchreflex, eine tief in uns verwurzelte Überlebensreaktion, bremst den Herzschlag und aktiviert den Ruhemodus des Nervensystems. Manchmal sind die ältesten Tricks die besten (Jungmann et al., 2018).
4 Journaling
Wenn Gedanken kreisen, kann Schreiben helfen: Nimm ein Blatt Papier und schreibe alles auf, was dich gerade beschäftigt – unzensiert, kein Ziel, keine Struktur. Einfach raus damit. Studien zur sogenannten Expressive-Writing-Methode zeigen, dass das Aufschreiben von Sorgen die kognitive Last reduziert und Entspannung fördern kann (Pennebaker & Chung, 2012).
5 Kurze intensive Bewegung
Der Körper ist kein Mysterium – er signalisiert ziemlich deutlich, was er braucht. Wenn alles in ihm auf Bewegung drängt, ist das kein Fehler, sondern ein Hinweis. Eine kurze Laufeinheit, ein zügiger Spaziergang, ein paar Stockwerke zu Fuß – und was eben noch wie aufgestaute Energie brodelte, kann sich entladen.
Langfristige Strategien
Innere Ruhe ist kein Schalter, den man einfach umlegt – sie ist eher wie ein Muskel, den man trainiert. Das Nervensystem beruhigen und Nervösität bekämpfen brauchen Zeit, aber die richtigen Werkzeuge machen den Unterschied.
Gezielte Entspannung und Achtsamkeit
Ein bewährter Einstieg sind Entspannungsübungen wie Yoga gegen Stress, Meditation oder Progressive Muskelentspannung – Methoden, die dabei helfen, den Körper aus der Daueranspannung herauszuholen.
Wer es wissenschaftlich mag: MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) ist eine gut erforschte Methode, um Hyperarousal und innere Unruhezustände langfristig zu reduzieren. Achtsamkeit klingt dabei einfacher, als sie ist – aber genau das macht sie interessant. Sie will geübt werden, immer wieder, und wird mit der Zeit zu etwas, das sich anfühlt wie ein innerer Ruhepol.
Regelmäßige Bewegung
Auch Bewegung ist ein unterschätztes Werkzeug gegen innere Unruhe. Anderson & Shivakumar (2013) zeigen, dass regelmäßige körperliche Aktivität direkt in die biologischen Mechanismen eingreift, die Angst und Anspannung aufrechterhalten.
Erwachsene, die sich regelmäßig bewegen, berichten von weniger Angstsymptomen und haben ein geringeres Risiko, psychische Beschwerden zu entwickeln. Dabei reichen laut den Autorinnen bereits 2 bis 2,5 Stunden leichte bis moderate Bewegung pro Woche aus, um einen schützenden Effekt zu erzielen – das entspricht zum Beispiel fünf halbstündigen Spaziergängen. Denn die beim Sport ausgeschütteten Endorphine können nicht nur die Stimmung heben, sondern auch Stress reduzieren und innere Anspannung lösen.
Und manchmal ist es noch einfacher als das: Eine warme Dusche, ein langes Bad – der Körper weiß oft selbst, was er braucht, um das Stresslevel zu senken und wieder zu sich zu finden.
Innere Unruhe nachts: Was hilft beim Einschlafen?
Unruhe in der Nacht ist besonders frustrierend – du bist müde, aber dein Gehirn hat noch lange keinen Feierabend. Du liegst im Bett und gehst gedanklich die Aufgabenliste für den nächsten Tag durch, oder grübelst über ein Gespräch von vor drei Wochen nach.
Ein paar konkrete Tipps bei Einschlafproblemen und wenn wir nachts aufwachen oder zu früh aufwachen:
- Festes Schlafritual entwickeln: Unser Nervensystem liebt Vorhersehbarkeit. Immer zur gleichen Zeit ins Bett, immer dieselbe Routine – das signalisiert dem Körper: Zeit, runterzufahren. Wer unter Schlafstörungen durch Stress leidet, profitiert besonders von konsequenten Abendroutinen.
- Bildschirme 60 Minuten vor dem Schlafen meiden: Blaues Licht hemmt die Melatoninproduktion – also den Botenstoff, der unserem Körper signalisiert, dass es Zeit zum Schlafen ist. Wer abends noch durch Social Media scrollt oder Serien schaut, hält das Gehirn künstlich wach, auch wenn die Augen längst schwer werden. Eine gute Alternative: ein Buch, ruhige Musik oder einfach mal bewusstes Nichtstun
- Box-Breathing (4-4-4-4): Vier Sekunden einatmen, vier Sekunden halten, vier Sekunden ausatmen, vier Sekunden halten – und von vorne. Die gleichmäßige Struktur gibt dem Atem einen Rhythmus, an dem sich das Nervensystem orientieren kann, und hilft so, den Kreislauf aus Anspannung und Gedankenrasen sanft zu unterbrechen.
- Sorgen-Aufschreiben vor dem Zubettgehen: Schreib alles auf, was dich noch beschäftigt, und notiere dazu: „Darum kümmere ich mich morgen.” Das klingt simpel, hat aber tatsächlich eine Wirkung: Scullin et al. (2018) fanden heraus, dass das Aufschreiben von To-dos vor dem Schlafen den Einschlafprozess messbar beschleunigt.
Noch ein paar Ideen für alle, die die Nacht als besonders unruhige Zeit kennen: eine kurze Entspannungsübung oder sanftes Dehnen kann schlaffördernd wirken. Und wer merkt, dass Vergesslichkeit durch Stress und Schlafmangel sich gegenseitig hochschaukeln, sollte nicht erst abends gegensteuern, sondern schon tagsüber bewusst Pausen einbauen.
Bei Panikattacken nachts oder dauerhaft unruhigem Schlaf lohnt sich außerdem das Gespräch mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Psychotherapeutin / einem Psychotherapeuten – denn manche Muster werden nicht alleine durch eine gute Abendroutine durchbrochen.
Medikamente gegen innere Unruhe: Überblick und Optionen
Manchmal reichen Atemtechniken und Sport allein nicht aus – und das ist vollkommen in Ordnung. Hier ein kurzer, sachlicher Überblick über medizinische und pflanzliche Optionen. Achtung: Das ist kein ärztlicher Rat – bitte besprich jede Veränderung mit einer ärztlichen Fachperson.
Pflanzliche Mittel gegen innere Unruhe
- Lavendelextrakt: Einer der am besten untersuchten pflanzlichen Wirkstoffe bei innerer Unruhe – mit nachgewiesener Wirkung auf das Nervensystem (Dold et al., 2023).
- Baldrian: Ein Klassiker, der traditionell bei Unruhezuständen und Einschlafschwierigkeiten eingesetzt wird. Die Wirkung ist eher subtil, aber der Körper verträgt ihn in der Regel gut (Shinjyo et al., 2020).
- Passionsblume: Wird in der Pflanzenheilkunde bei nervöser Unruhe eingesetzt. Es gibt erste Studien mit positiven Hinweisen, insgesamt ist die Datenlage jedoch weniger umfangreich als bei anderen Wirkstoffen (Appel et al., 2011).
Auch Magnesium kann – bei nachgewiesenem Mangel – zur Symptomlinderung beitragen.
Verschreibungspflichtige Medikamente
Bei anhaltenden, stark belastenden Unruhezuständen kann eine Ärztin oder ein Arzt auch verschreibungspflichtige Medikamente in Erwägung ziehen. Dazu gehören unter anderem bestimmte Antidepressiva (zum Beispiel SSRIs) oder bei Bedarf kurzfristig angstlindernde Mittel.
Medikamente sind meist sinnvoll in Kombination mit psychotherapeutischer Unterstützung – nicht als alleinige Lösung.
Wenn du Unruhe als Nebenwirkung eines Medikaments erlebst (Stichwort Akathisie – ein intensiver, schwer auszuhaltender Bewegungsdrang), sprich unbedingt mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über eine Dosisanpassung (Tachere & Modirrousta, 2017).
Langfristig ist es eine nachhaltigere Grundlage, das Stresslevel zu senken und das eigene Nervensystem zu stärken – Medikamente können dabei Unterstützung bieten, aber sie ersetzen nicht das, was Verhaltensänderungen im Alltag bewirken können.
Welche professionelle Unterstützung jetzt weiterhelfen kann
Wenn du das Gefühl hast, dass du alleine nicht zur Ruhe kommst, kann sich das Aufsuchen einer Psychotherapeutin oder eines Psychotherapeuten lohnen. Ein:e Psychotherapeut:in kann dir dabei helfen, deine nervöse Unruhe besser zu verstehen und einen hilfreichen Umgang damit zu finden. Ein (Haus-)Arztgespräch empfiehlt sich ebenfalls, um mögliche körperliche Ursachen der nervösen Unruhe abzuklären.
» Ich bin endlich wieder ich selber. Gelassener, ruhiger. Bei diesem Weg von HelloBetter an die Hand genommen zu werden, war seit Langem die beste Entscheidung meines Lebens. «
– Tanja (42), Teilnehmerin des Online-Therapieprogramms HelloBetter Stress und Burnout




