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Beziehungsangst überwinden – (wie) geht das?

Beziehungen zu haben und sich mit anderen verbunden zu fühlen, ist eines der menschlichen Grundbedürfnisse. Eigentlich sollte man also meinen, wir würden freudig eine neue Beziehung eingehen, wenn wir einen Menschen finden, den wir sehr mögen – denn damit könnten wir unser Bindungsbedürfnis erfüllen. Was hat es also mit dem Begriff Beziehungsangst auf sich? Wie kommt es zur Angst vor einer neuen Beziehung und was können wir tun, um der Beziehungsangst den Wind aus den Segeln zu nehmen?

Bindungsstil und Beziehungsangst

Unsere ersten Bindungserfahrungen werden uns buchstäblich in die Wiege gelegt. Die meisten von uns machen sie mit den eigenen Eltern oder anderen ersten Bezugspersonen. Schon im Babyalter lernen wir also unweigerlich etwas über Beziehungen und versuchen – ohne uns darüber bewusst zu sein – sie mitzugestalten. Das bedeutet in erster Linie: Wir lachen oder weinen und nehmen wahr, wie unser Gegenüber darauf reagiert. Dadurch entstehen unterschiedliche Bindungsstile. Vereinfacht erklärt ist der Bindungsstil einer Person die Art und Weise, wie sie Bindungen zu Mitmenschen aufbaut und sich dann in ihnen verhält. 

Besonders ein Bindungsstil steht dabei mit Beziehungsangst im Erwachsenenalter in Verbindung: der unsicher-vermeidende. Er entsteht dann, wenn die Eltern oder nahen Bezugspersonen auf die kindlichen Signale und Bedürfnisse mit Zurückweisung, Ablehnung oder Rückzug reagieren.

Bei einem unsicher-vermeidendem Bindungsstil werden – wie der Name schon verrät – Beziehungen aus Angst vor Zurückweisung vermieden.

 Im Erwachsenenalter kann sich das zum Beispiel durch Beziehungsangst und das nicht eingehen von Beziehungen äußern. 

Bindungsstile sind aber nicht unveränderlich und es müssen auch nicht immer frühkindliche Erfahrungen sein, die bei Beziehungsangst eine Rolle spielen.

Beziehungserfahrungen im Erwachsenenalter

Auch unsere bisherigen Liebesbeziehungen können eine Rolle bei der Entwicklung von Beziehungsangst spielen. Trennungen sind schließlich in den meisten Fällen mit psychischem Leiden verbunden und jede neue Beziehung birgt die Gefahr, wieder im Liebeskummer zu enden. Davor fürchten wir uns und können daher dazu tendieren, lieber gar keine neue Beziehung einzugehen: keine Beziehung, kein Kummer. Leider berauben wir uns damit auch der Möglichkeit, neue und vielleicht positive Beziehungserfahrungen zu machen. Wie können wir unsere Angst vor einer Beziehung also überwinden? 

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Beziehungsangst erkennen

Selbst wenn wir uns glücklich und verliebt in eine Beziehung stürzen, können früher oder später Gedanken auftauchen wie: „Was ist, wenn das Beziehungsglück nicht anhält, der oder die andere mich verlässt oder sich meine eigenen Gefühle ändern?”  Mit anderen Worten: Jetzt ist es gut, aber es könnte schmerzhaft werden.

Gedanken wie diese zu bemerken und eine gewisse Verlustangst in der Partnerschaft zu spüren, ist ein gutes Zeichen, dass uns der oder die andere wirklich wichtig ist.

Wenn wir diese Angst erkennen, vielleicht sogar zu schätzen wissen, muss sie unsere Beziehung oder unsere Bereitschaft, eine Beziehung einzugehen, in keiner Weise negativ beeinträchtigen. Häufig wird Beziehungsangst für uns erst zum Problem, wenn sie sich auch auf unser Verhalten auswirkt. Wie kann das konkret aussehen?

Was sind Anzeichen von Beziehungsangst? 

Es gibt keine Regel dafür, wie ein „optimaler Kennenlernprozess” auszusehen hat. Es ist möglich, dass zwei Personen sich nach einem ersten Treffen für eine Beziehung entscheiden und manche Paare sprechen erst nach einigen Monaten von einer Beziehung. Alles ist möglich und erlaubt. Es ist auch kein Kriterium einer Beziehungsangst, wenn du oder die andere Person keine Beziehung möchte. Eine Beziehung ist nicht per se etwas, dass sich jeder Mensch in allen Lebensphasen wünscht – und das ist vollkommen in Ordnung. Du solltest also weder dir noch der anderen Person den Begriff Beziehungsangst „überstülpen”.

Ein Anzeichen von Beziehungsangst könnte jedoch sein, wenn du darunter leidest, dich nicht (näher) auf eine Beziehung einlassen zu können.

Das kann sich zum Beispiel äußern, indem du es vermeidest, den- oder diejenige häufiger zu sehen, obwohl du dir das eigentlich wünschst. Vielleicht denkst du auch oft darüber nach, was der Haken an der oder dem anderen sein könnte, obwohl alles gut läuft. Das kann bis hin zu einer Art Sabotage der Beziehung führen.

Sabotierst du deine Beziehung?

Wenn wir eine Beziehung vermeiden wollen, weil wir Beziehungsangst haben, können wir – häufig unbewusst – in eine „Trickkiste” von Verhaltensweisen greifen, die dazu führen können, dass die Beziehung nicht funktioniert oder gar nicht erst zustande kommt. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn wir den oder die andere auf Abstand halten. So lange, bis es der Person irgendwann zu bunt wird und sie auch keine Nähe mehr herzustellen versucht. Es ist aber auch möglich, dass wir genau das Gegenteil tun: Wir klammern uns an den neuen Menschen in unserem Leben, bis dieser sich zurückzieht.

Falls du schon andere Artikel zum Thema Bindungsangst im Internet gelesen hast, ist dir vielleicht aufgefallen, dass Beziehungsangst häufig den Männern zugeschrieben wird. Für Frauen können Männer daher eine gute Projektionsfläche sein. Von Projektion spricht man in der Psychologie, wenn eigene Gedanken und Gefühle einer anderen Person zugeschrieben werden. Stark vereinfacht: Der andere hat die Beziehungsangst – ich nicht, überträgt es aber auf mich.

Prüfe daher einmal, ob in der ein oder anderen Verhaltensweise von dir vielleicht ein unbewusster Wunsch stecken könnte, die Beziehung nicht weiter- oder gar nicht erst angedeihen zu lassen.

Raus aus der Beziehungsangst – wie geht das?

Die folgenden Tipps können dir dabei helfen, besser mit Beziehungsangst umgehen zu können:

1Beziehungsangst akzeptieren

Wie bereits im Abschnitt „Beziehungsangst erkennen” beschrieben, kannst du auf ängstliche Gedanken in Bezug auf einen anderen Menschen oder deine Beziehung achten. Häufig sind es auch Bilder oder ganze Szenarien, die dir durch den Kopf ziehen und die darauf hindeuten, dass du Angst hast, den oder die andere zu verlieren. Anstatt dich hineinzusteigern und diese Ängste mit deiner Aufmerksamkeit „zu füttern”, könntest du dir sagen: „Wow, diese Person ist mir wirklich wichtig und deshalb habe ich Angst, sie zu verlieren.”

2Loslassen

Die unbequeme Wahrheit ist: Es kann schon sein, dass wir geliebte Menschen aus dem einen oder anderen Grund verlieren oder unser Beziehungstraum zerplatzt. Das ist das Risiko, mit dem wir alle leben, wenn wir Bindungen eingehen. Dieses Risiko auszuhalten, kann sehr herausfordernd sein. Insbesondere, wenn wir jemanden gerade erst kennengelernt haben und uns seiner oder ihrer Zuneigung noch gar nicht sicher sein können. Vielleicht möchtest du in Momenten, in denen du Beziehungsangst bemerkst, den obigen Satz noch erweitern, indem du dir sagst:

„Diese Person ist mir wirklich wichtig und deshalb habe ich Angst, sie zu verlieren. Ich bin aber sicher, dass ich auch das verkraften würde und kann daher den Dingen ihren Lauf lassen.”

3Miteinander sprechen

Es kann sehr hilfreich sein, wenn die Person, die wir kennenlernen, irgendwann erfährt, dass wir Probleme haben, uns auf die Beziehung einzulassen. In diesem Zusammenhang können wir auch vergangene Beziehungserfahrungen teilen, damit der oder die andere uns besser versteht. Dabei geht es nicht darum, den Expartner oder die Expartnerin in den Mittelpunkt zu rücken, sondern unsere eigenen Gefühle. Wenn unser Gegenüber um unsere Angst weiß, kann er oder sie unser Verhalten besser einordnen und die Beziehungsangst wird sich weniger auf die Beziehungsdynamik auswirken.

Vertrauen lernen durch Beziehungsangst

Mit diesen Tipps wird es nicht sofort möglich sein, Beziehungsangst zu überwinden. Vielleicht taucht die Angst immer wieder im Laufe deines Lebens oder deiner Beziehung auf. Es ist jedoch möglich, dass sie dich weniger beeinflusst und sie vielleicht sogar eine Stufe auf dem Weg zum Loslassen und Vertrauen ist.

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