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Wie gehe ich mit Verlustangst in der Partnerschaft um?

Ob frisch verliebt oder seit Jahren zusammen, Verlustangst kann uns eine ganze Partnerschaft lang begleiten oder immer wieder phasenweise auftauchen. Woher kommt diese Angst, den anderen zu verlieren? Woran kannst du sie erkennen und was kannst du tun, wenn du deine Verlustangst überwinden willst?

Woher kommt Verlustangst?

Traurig, aber leider wahr: Es ist möglich, dass wir den Menschen, mit dem wir eine Partnerschaft führen, verlieren. Entweder durch eine Trennung oder durch ein anderes Ereignis. Daran möchte man am liebsten gar nicht denken und meistens gelingt uns das auch. Das liegt daran, dass wir Tag für Tag die Erfahrung machen: Das passiert nicht. Durch diese beruhigende Gewohnheit sind diese Sorgen und Ängste nicht ständig präsent. Doch wie kann es dazu kommen, dass sie es doch sind und wir unter Verlustangst leiden? Dafür kann es mehrere Gründe geben:

1Vergangene Erfahrungen

Die meisten Menschen haben bereits Trennungen erlebt und wenn sie zum Beispiel unvorhergesehen kamen, können wir befürchten, dass uns genau das wieder passiert: Plötzlich ist „alles” vorbei und der geliebte Mensch verlässt unser Leben. Das muss sich nicht nur auf eine Partnerschaft beziehen, sondern kann auch andere Verlust- und Trennungserfahrungen betreffen, zum Beispiel in der Familie.

2Gefühlsunsicherheit

Ein anderer Grund kann sein, dass wir uns der Gefühle des anderen (noch) nicht sicher sind. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn die Partnerschaft noch frisch ist oder unser Partner oder unsere Partnerin uns zu wenig zeigt, wie wichtig wir ihm oder ihr sind. Das muss gar nichts mit uns zu tun haben – sondern kann wiederum an vergangenen Erfahrungen unseres Partners oder unserer Partnerin liegen.

3Eigener Trennungswunsch

Ein dritter Grund ist etwas versteckter und eventuell wollen wir ihn nicht recht wahrhaben: Verlustangst kann auch erlebt werden, wenn wir selbst unzufrieden in der Partnerschaft sind und uns eigentlich trennen möchten. Wenn wir jedoch Angst davor haben, diesen Schritt tatsächlich zu gehen, können wir den Wunsch, uns zu trennen auf den Partner oder die Partnerin übertragen – und leiden unter Verlustangst. 

In etwa nach dem Motto: „Gib es zu, du willst mich verlassen!” Dabei wollen wir es selbst. 

Verlustangst: Symptome und Anzeichen

Wie andere Ängste, kann sich auch Verlustangst auf der Ebene der Gefühle, der Gedanken und des Verhaltens äußern. Das vorherrschende Gefühl ist natürlich Angst, aber wir können uns bei Verlustangst auch traurig, bedrückt, unzufrieden oder frustriert fühlen. Ebenso kann Eifersucht mit Verlustangst einhergehen, da wir fürchten können, den geliebten Menschen an jemand anderen zu verlieren. 

Typische Gedanken bei Verlustangst sind: 

„Er oder sie liebt mich nicht mehr.” 

„Bald werde ich verlassen.”

„Ihm oder ihr könnte etwas Schlimmes passieren.”

Insbesondere während solcher Gedanken können wir Verlustangst auch körperlich wahrnehmen. Zum Beispiel, indem wir eine flachere Atmung oder ein unangenehmes Kribbeln im Körper bemerken.

Auf der Ebene des Verhaltens kann Verlustangst dazu führen, dass wir uns ständig beim Partner oder bei der Partnerin rückversichern, dass alles in Ordnung ist.

Das kann sich entweder darauf beziehen, dass die Gefühle und der Beziehungswille noch genauso stark sind wie zum Beispiel gestern oder auch, dass dem anderen nichts passiert ist. 

Verlustangst kann auch zu Schwierigkeiten führen, sich voneinander zu verabschieden oder Freiheiten zuzugestehen, wie zum Beispiel alleine in den Urlaub zu fahren. Am liebsten möchte man den Partner oder die Partnerin ständig um sich haben, um das Gefühl der Beziehungssicherheit zu erfahren – das sich dadurch häufig trotzdem nicht einstellt. 

Ist Verlustangst schlimm?

Wahrscheinlich erlebt jeder Mensch im Laufe seines Lebens mal Verlustangst. Das lässt nicht auf Beziehungsunfähigkeit schließen und bedeutet auch nicht, dass die Beziehung zum Scheitern verurteilt ist. Im Gegenteil: Wenn wir Verlustangst wahrnehmen, können wir sie als Aufforderung verstehen, uns persönlich weiterzuentwickeln und damit auch unsere Beziehung auf eine andere – für uns meistens angenehmere Ebene – zu bringen. Wie kann das funktionieren?

Wie kann ich Verlustangst überwinden?

Die folgenden 3 Tipps unterstützen dich dabei, dich der Angst zu stellen und an ihr zu wachsen.

1Sei mutig

Der Gegenspieler zur Angst ist Mut. Zunächst braucht es genau das: Mut, die Verlustangst zu fühlen. Achtung, das ist unangenehm! Du kannst es dir jedoch wie einen heftigen Regenschauer oder ein Gewitter vorstellen, dem du dich aussetzt. Kein schönes Gefühl, durchnässt zu werden, aber du kannst dir sicher sein, dass der Schauer – im wahrsten Sinne – irgendwann weniger wird und vielleicht sogar ganz aufhört.  

Aber wozu soll es gut sein, dass du dich der Verlustangst stellst? Es ist wichtig, dass du die Erfahrung machst, dass du die Verlustangst aushalten kannst, ohne dich zum Beispiel beim Partner rückzuversichern. Schreibe ihm oder ihr zum Beispiel keine Nachricht, wenn du die Angst fühlst. Erlebe, dass die Angst sich mit der Zeit von alleine in dir auflöst und nicht erst durch eine Nachricht oder ein Treffen. Das zu wissen, kann dein Selbstbewusstsein stärken.

2Spiele (ein wenig) Detektiv

Es kann sehr hilfreich sein, wenn du weißt, welche vergangenen Erfahrungen eventuell zur Verlustangst beigetragen haben. Vielleicht ist es dir auch bereits bewusst. Wenn du es weißt oder herausfindest, kannst du dir in Verlustangstmomenten sagen: „Das hat gerade nichts mit meinem Partner oder meiner Partnerin zu tun” oder: „Das ist Vergangenheit.” 

Doch Obacht: Es ist wichtig, dass du dich nicht in der Ursachenfindung oder der Vergangenheit verlierst. Wenn sich deine Stimmung durch diese Rückschau eher verschlechtert, konzentriere dich wieder auf die Gegenwart, zum Beispiel mit der 5-4-3-2-1-Übung in unserem Artikel zu Überforderung.

3Kümmere dich um dich selbst

Verlustangst kann auch mit emotionaler Abhängigkeit zu tun haben. Um uns weniger abhängig in der Partnerschaft zu machen, ist es wichtig, dass wir unser eigenes Leben mit Hobbys, Freundschaften und Interessen weiterführen. Dann fällt es uns auch leichter, dem Partner oder der Partnerin Aktivitäten und Zeit außerhalb der Partnerschaft zuzugestehen – uns sogar zu freuen, wenn er oder sie etwas unternimmt, was ihm oder ihr Spaß macht. Falls du dein „Eigenleben” also vernachlässigt hast, nimm es wieder auf. Ideen für den Alltag kannst du dazu auch in unserem zum Thema Selbstfürsorge finden und eine Liste mit schönen Aktivitäten zur Inspiration in Valentinstag alleine.

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