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Mit Cholerikern umgehen: Tipps im Umgang mit der Wut

Stell dir mal vor, jeder von uns würde einen Luftballon vor sich hertragen. Wenn wir ruhig und entspannt sind, dann ist auch der Ballon leer. Wenn wir aber gestresst sind oder uns über etwas ärgern, dann füllt sich der Luftballon – so sehr, dass er manchmal sogar platzt. Und jetzt stell dir mal vor, dein Luftballon wäre ständig aufs Äußerste gefüllt – dauervoll sozusagen. Und jede noch so kleine Nadel würde ihn zum Platzen bringen. Für Menschen, die wir umgangssprachlich als „Choleriker” bezeichnen, trifft genau das zu. Sie tragen meistens einen prall gefüllten Luftballon vor sich her, der jeden Moment platzen und zu scheinbar unkontrollierbaren Wutausbrüchen führen kann. Auch für das Umfeld kann das zur richtigen Belastung werden.

Aber woran erkennst du einen cholerischen Menschen und wie kannst du mit ihnen umgehen, um dich selbst zu schützen? Wir geben dir die wichtigsten Antworten und Tipps. 

Was ist eigentlich ein Choleriker: Symptome erkennen

Als cholerisch bezeichnen wir Menschen, die aufbrausend, unausgeglichen und jähzornig sind, also zu plötzlichen, heftigen und scheinbar grundlosen Wutausbrüchen neigen. Von ihrem sozialen Umfeld werden Choleriker daher oft als sehr unangenehm empfunden, da sich ihre Wut meist gegen andere richtet und sie in ihrem Ausbruch laut, aggressiv und verletzend werden können. Das kann beim Gegenüber Hilflosigkeit, Ärger und sogar Angst auslösen.

Der Begriff „Choleriker” stammt unter anderem ab vom altgriechischen Wort cholē, was übersetzt so viel bedeutet wie Galle oder Gallensaft. So wurde die Galle schon früh mit negativen Gefühlen und Charaktereigenschaften wie Wut und Aggression verbunden. Wer sich zum Beispiel besonders ärgert, dem kommt „die Galle hoch” oder der muss „Gift und Galle spucken.”

Gibt es den typischen Choleriker?

Auch wenn sich allgemeine cholerische Eigenschaften und Verhaltensweisen finden lassen: Den einen typischen Choleriker gibt es nicht. Das fängt schon beim Geschlecht an. Während viele davon ausgehen, dass nur Männer cholerische Züge haben, beschränken sich die entsprechenden Eigenschaften und Verhaltensweisen nicht auf ein bestimmtes Geschlecht – auch viele Frauen sind cholerisch. Aber hier gibt es einen Unterschied: Während cholerische Männer meist entweder brüllen oder gewalttätig werden, zeigen Cholerikerinnen meist beides, das heißt sie werden laut und werfen zum Beispiel mit Gegenständen um sich.

Zudem können auch ganz verschiedene Auslöser zu Wutausbrüchen führen. So reagieren manche besonders auf vermeintliche Kritik, während es bei anderen der heruntergefallene Bleistift ist, der den Ballon zum Platzen bringt. Gemeinsam ist allen Auslösern aber, dass es sich meist um Kleinigkeiten handelt. 

Gute Seiten, schlechte Seiten

Fest steht: Choleriker sind nicht per se schlechte Menschen. Es ist vor allem ihr aufbrausendes und aggressives Verhalten, das zur Belastung werden kann. Dabei gibt es auch positive cholerische Eigenschaften. So verfügen Choleriker oft über viel Energie, sind begeisterungsfähig und mitreißend. Sie gelten auch als sehr willensstark und motiviert, Dinge anzupacken und Leistung zu bringen. 

Mögliche Ursachen: Warum werden Menschen cholerisch?

Es gibt verschiedene Erklärungen dafür, warum Menschen cholerische Eigenschaften und Verhaltensweisen entwickeln. So kann es sein, dass Betroffene nicht gelernt haben, negative Gefühle wie Ärger angemessen auszudrücken und unter Kontrolle zu halten. Also rücksichtsvoll und wenn nötig Luft abzulassen, um den Ballon nicht zum Platzen zu bringen. 

Darüber hinaus sind auch ungelöste, aufgestaute Probleme oder ein geringer Selbstwert als Ursachen möglich. Betroffene reagieren dann beispielsweise sehr empfindlich auf Kritik, nehmen Dinge schnell persönlich und haben das Gefühl, sich wehren zu müssen. Im Kern wäre der cholerische Wutausbruch dann keine Böswilligkeit, sondern auch ein Zeichen von Hilflosigkeit und Überforderung

Tipps im Umgang mit Cholerikern 

Die ständigen Wutausbrüche können oft nicht nur für Choleriker selbst zur großen Belastung werden, sondern vor allem auch für das private und berufliche Umfeld. Der Partner, der andauernd an die Decke geht oder die Chefin, die ihr Team grundlos anschreit – es gibt verschiedene Möglichkeiten, cholerischen Menschen zu begegnen. Dabei kann es helfen, für sich selbst klare Regeln zu finden, was man in solchen Momenten tun oder auch lassen sollte.

Bei unseren Tipps geht es um die Frage, was du für dich selbst tun und wie du dich schützen kannst. Denn die Verantwortung dafür, einen Umgang mit den cholerischen Wutausbrüchen zu finden und diese zu verändern, trägt in allererster Linie der Betroffene selbst. Mach dir dafür bewusst: Auch wenn wir anderen die Hand reichen können, die Schritte gehen muss jeder selbst.

Was man nicht sagen oder tun sollte

  • Weiter provozieren – Wenn der Ballon einmal geplatzt ist, hilft es nicht, weiter Luft hineinzupumpen. Auch wenn das manchmal leichter gesagt ist als getan. Das macht die Situation nur noch schlimmer. 

  • Gut gemeinte Ratschläge geben – Tipps wie „Jetzt entspann dich doch mal!” oder „Bleib ruhig!” sind zwar oft nett gemeint, können einen Wutausbruch aber noch weiter anfachen. Das Problem: Genau das können Betroffene ja nicht: sich entspannen und ruhig bleiben. Das kann frustrieren und wütend(er) machen. 

  • Alles recht machen wollen – Kurzfristig mag das vielleicht helfen, Konflikten aus dem Weg zu gehen und einzelnen Wutausbrüchen sogar vorzubeugen. Auf lange Sicht kann es aber zur richtigen Belastung werden, wenn du dich immer nur hinten anstellst, alles runterschluckst und dich klein machst. 

  • Vorwürfe machen – Auch wenn es sich manchmal „gut” anfühlt, Luft abzulassen: Niemand ist freiwillig cholerisch und oft sind Wutausbrüche ein Zeichen von Hilflosigkeit. Schuldzuweisungen sind also wenig sinnvoll. Das verschärft die Situation sogar eher, statt sie zu lösen.

Was man tun und sagen kann

In der Situation: 

  • Bleib ruhig – Atme tief durch und mach dir bewusst, dass die Wutanfälle meist schon nach kurzer Zeit von selbst weggehen. Versuche auch zu akzeptieren, dass Betroffene oft „nicht anders können”, als wütend zu werden. Das kann helfen, ruhig zu bleiben und die Wut nicht persönlich zu nehmen. 

  • Schalte deine Lautstärke in die andere Richtung – Je lauter dein cholerisches Gegenüber, desto leiser deine eigene Stimme. 

  • Vereinbare ein Signalwort – Es kann hilfreich sein, ein Signalwort zu finden, das gesagt wird, falls es „zu viel” wird. Das kann ein Ausruf wie „Stopp!” oder auch ein völlig freies Wort wie „Kartoffel” sein. Vereinbart das Signal am besten in einem ruhigen Moment, damit es im Notfall schon bereit ist. 

  • Verlasse den Raum – In Momenten der Wut lassen sich keine Probleme lösen. Auch wenn es schwer fällt und du dich am liebsten wehren willst, kann es helfen, in einen anderen Raum zu gehen oder das Haus zu verlassen. So hat jeder Luft für sich. 

Vorher und nachher: 

  • Finde Frühwarnzeichen – Und zwar am besten gemeinsam. Was füllt den Luftballon und was bringt ihn zum Platzen? Wenn ihr lernt, bestimmte Schlüsselreize und Warnsignale frühzeitig zu erkennen, könnt ihr euch rechtzeitig und gegenseitig etwas Freiraum geben. 

  • Vereinbare ein Gipfeltreffen – Findet feste Termine, zu denen ihr euch zusammensetzt, miteinander sprecht und die letzte Zeit auswertet. Hört euch dabei gegenseitig zu und gebt Möglichkeit zum Sprechen. Hat sich jeder an das Signalwort gehalten? Habt ihr neue Frühwarnzeichen entdeckt? Was hat gut geklappt und was nicht? So müsst ihr Probleme nicht dann lösen, wenn sie schon da sind, sondern könnt in Ruhe miteinander sprechen. 

  • Erkenne deine Grenzen und Bedürfnisse – Schwierige Situationen sind besser zu meistern, wenn du ausgeglichen und ganz bei dir bist. Schaffe dir regelmäßige Phasen, in denen du zur Ruhe kommst, finde Gleichgesinnte oder triff dich mit Freunden, die dich unterstützen.

  • 10 Dinge, die ich an dir mag – Schreibe dir zehn Dinge auf, die du an deinem Gegenüber aufrichtig magst. Ihr könnt diese Liste auch gemeinsam anschauen und euch bewusst machen, warum es sich lohnt, einen Umgang mit der Wut zu finden. 

Und wenn das alles nicht hilft?

Letztlich gilt: Wenn du dich permanent unwohl fühlst, Angst hast oder nichts mehr funktioniert, dann darfst du loslassen und gehen. Das kann bedeuten, dass du deinen Arbeitsplatz wechselst, eine Freundschaft auflöst oder dich von deiner Partnerin trennst. Das kann wahnsinnig schwerfallen und manchmal unmöglich erscheinen. Vor allem dann, wenn du der Person sehr nahe stehst. Deshalb kann es hilfreich sein, wenn du dir Unterstützung durch einen guten Freund oder eine Beratungsstelle suchst. Du darfst dir jemanden suchen, der dir die Hand reicht. Und mach dir nochmal bewusst: Es geht um dich und dein Leben.

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