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Krank durch Stress: Kann Stress dem Körper schaden?

Stress ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts. Dabei schlägt er uns sprichwörtlich auf den Magen, geht an die Nieren und ist manchmal echt schwer zu verdauen. Aber ist an der Verbindung zwischen Stress und Körper wirklich etwas dran? Ja, denn wir können tatsächlich krank durch Stress werden. Wir zeigen dir welche gesundheitlichen Auswirkungen Stress haben kann und wie du besser für dich sorgst.

Ist Stress ein No-Go?

Wenn Stress als Gesundheitsgefahr gilt und man krank durch Stress werden kann, müssten wir dann nicht danach streben, vollkommen stressfrei zu leben? Nicht ganz. Denn Stress ist nicht per se gesundheitsschädlich. Manchmal kann er sogar förderlich sein. Worauf kommt es also an? Eine kleine Geschichte kann uns der Antwort auf die Frage etwas näherbringen. 

Denkanstoß

Das Wasserglas

Während eines Seminars zum Thema Stress hielt eine Rednerin ein Wasserglas in die Höhe und fragte in die Zuschauerreihen: Wie schwer ist dieses Glas?” 

Die meisten Antworten, die das Publikum in den Saal rief, pendelten zwischen 200g und 500g. Wenn es darum geht, wie schwer das Glas ist, spielt nicht nur das Gewicht eine Rolle”, fuhr die Rednerin fort. Es hängt davon ab, wie lange ich es halten muss. Muss ich das Glas eine Minute lang hochhalten, ist das vermutlich kein Problem. Nach einer Viertelstunde verspüre ich vielleicht ein leichtes Ziehen im Arm. Nach einigen Stunden oder einem ganzen Tag wäre mein Arm wahrscheinlich taub oder voller Schmerzen und das Glas wird schwer wie Blei. Sie sehen: Das tatsächliche Gewicht des Glases ändert sich zwar nicht, aber umso länger ich es halte, desto schwerer fühlt es sich an. Stress und Sorgen sind wie das Wasserglas. Über kurze Zeit sind sie nicht schädlich, wenn sie aber lange andauern, können sie Spuren hinterlassen oder lähmen.” (angelehnt an Gruber: Therapie-Tools Ressourcenaktivierung)

Nicht nur auf die Menge, sondern auch auf die Dauer kommt es an. Akuter – also kurz andauernder – Stress ist nicht gesundheitsschädlich. Er kann sogar unsere Leistung steigern und uns befähigen, Herausforderungen erfolgreich zu meistern. Lässt der Stress nach, setzt die Erholung ein. Dein Körper schöpft wieder Kraft und regeneriert sich. Hält der Stress an und die Erholungsphasen bleiben aus kann chronischer Stress entstehen. Dein Stresslevel verbleibt auf einem hohen Niveau. Das kann dann negative Folgen haben – auch für deine körperliche Gesundheit. In diesem Fall kann man tatsächlich krank durch Stress werden.

Krank durch Stress: Auswirkungen auf den Körper 

Bei Stress setzt unser Körper allerlei Hebel in Bewegung, um die Situationen bestmöglich zu bewältigen. Dabei helfen uns zum Beispiel unsere Stresshormone Adrenalin und Kortisol. Sie stellen uns eine extra Portion Energie zur Verfügung, machen uns widerstandsfähiger, besonders energiegeladen und konzentrierter. Allerdings nur auf kurze Sicht – langfristig bewirken sie genau das Gegenteil: Sie schwächen unsere Gesundheit.

Chronisch krank durch Stress

Ein dauerhaft erhöhter Stresshormonspiegel kann die Entwicklung verschiedener chronischer Erkrankungen begünstigen: 

Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauferkrankungen

Dauerhaft erhöhte Stresshormone fördern einen dauerhaft schnellen Herzschlag und eine Erhöhung des Blutdrucks. Das kann auf Dauer die Gefäße und Organe schädigen und auf lange Sicht die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen.

Diabetes mellitus

Bei Stress stellt der Körper Energie zur Verfügung. Dies tut er in der Regel indem körpereigene Zucker freigesetzt werden. Zusätzlich hemmt das Stresshormon Kortisol die Wirkung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse, welches wir benötigen, um Zucker zu verarbeiten. Das ist bei kurzem Stress sinnvoll, um Kraft und Energie zu erhalten. Bei langanhaltendem Stress jedoch schädigt dieser Mechanismus die normale Funktion der Bauchspeicheldrüse. Dadurch steigt das Risiko an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken. 

Hautausschläge

Fast jeder leidet in seinem Leben mal an mehr oder weniger starkem Hautausschlag. Durch langanhaltenden Stress wird die natürliche Widerstandskraft der Haut sowie das Immunsystem geschwächt. Dadurch können Entzündungen oder Hautkrankheiten wie eine Psoriasis der Haut verstärkt auftreten. 

Magen-Darm-Beschwerden

Auch unser Magen-Darm-System reagiert empfindlich auf Stress und die Ausschüttung von Stresshormonen. Folgen können Sodbrennen, Verdauungsbeschwerden oder Magengeschwüre sein.  

Psychische Beschwerden 

Mit der Zeit können sich durch Dauerstress auch psychische Erkrankungen entwickeln. Durch jahrelange Überforderung und Stress kann es zum Ausgebranntsein, dem sogenannten Burnout-Syndrom kommen. Aber auch zahlreiche weitere psychische Störungen haben chronischen Stress als Ursache. Dazu gehören zum Beispiel Schlafstörungen, Depressionen oder Angsterkrankungen.  

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Ständige Infekte durch Stress

Du hast das Gefühl, du wirst nicht so richtig gesund oder bist ständig krank? Durch Stress wird zwar kurzfristig unser Immunsystem zum Schutz gestärkt, ein dauerhaft erhöhter Stresshormonspiegel schwächt jedoch unsere Abwehrkräfte. Wir sind dann anfälliger für Infekte und nehmen gefühlt jeden Erkältungs- oder Herpesvirus mit. Aber damit nicht genug – ein dauerhaft erhöhter Stresspegel sorgt auch dafür, dass Erkrankungen, Wunden oder Infekte weniger schnell heilen oder abklingen.

Indirekte Auswirkungen von Stress auf die Gesundheit

Es ist nicht nur möglich, direkt, sondern auch indirekt krank durch Stress zu werden. Denn auch wie wir auf ihn reagieren, spielt eine Rolle. Manch einer greift vielleicht zu einer Zigarette, um die Nerven zu beruhigen oder trinkt ein paar Gläser Wein, um einen stressigen Arbeitstag vergessen zu lassen. Auch an Schlaf, Bewegung und gesunder Ernährung sparen wir in stressigen Zeiten. Diese Verhaltensweisen bringen uns zwar oft kurzfristig Entlastung, können jedoch langfristig der Gesundheit schaden.

Was tun bei zu viel Stress?

Wenn man krank durch Stress werden kann, aber „stressfrei“ nicht das Idealziel ist, was ist es dann? Die Antwort liegt in einer guten Stressbewältigung, also einem hilfreichen Umgang mit Stress. Dazu zählt zum Beispiel, dir genügend Ruhe- und Erholungspausen einzubauen. Oder, um es in den Worten der Geschichte zu sagen, das Wasserglas ab und zu abzustellen. 

Auch kann es helfen, Stress abzubauen, indem du äußere Belastungen reduzierst. Das kann vielleicht bedeutet, dein Zeitmanagement zu verbessern oder dich im Nein-Sagen zu üben. Mit einer guten Schlafhygiene, gesunder Ernährung und ausreichend Bewegung kannst du dein Immunsystem zusätzlich stärken. Weitere Tipps gegen Stress oder wie du deine Stressresistenz erhöhen kannst, findest du auf unserem Blog. 

Stressbewältigung mit HelloBetter

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ZUM KURS

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Autorin:
Sarah Boppert Ärztin
  • Quellennachweis
    1. Koch, S., Lehr, D., Hillert, A (2015). Burnout und chronischer beruflicher Stress (Auflage 1). Hogrefe Verlag: Göttingen.
    2. Dhabhar, F. S (2014). Effects of stress on immune function: the good, the bad, and the beautiful. Immunologic Research, 58(2-3):193-210. doi: 10.1007/s12026-014-8517-0
    3. Bergner, T. M. H (2008). Burnout-Prävention (2. Auflage). Stuttgart: Schattauer.
    4. Wirtz, P. H., von Känel, R (2017). Psychological Stress, Inflammation, and Coronary Heart Disease. Psychological Aspects of Cardiovascular Diseases, 19(11):111. doi: 10.1007/s11886-017-0919-x
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