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Interview: „Die Stärkung der psychischen Gesundheit ist aktuell besonders wichtig”

Seit einigen Wochen ist die Politikerin und ehemalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt Schirmherrin der HelloBetter-Initiative „Stark durch die Krise”. Sie hat sich Zeit genommen, um mit unserem CEO Hannes darüber zu sprechen, warum sie unsere Initiative unterstützt und wieso die Beachtung und Stärkung der psychischen Gesundheit in Zeiten von Corona so wichtig ist.

Hannes Klöpper: Liebe Frau Schmidt, wie kommen Sie durch die Corona Krise?


Ulla Schmidt: 
Danke der Nachfrage! Ich bin zum Glück gesund und hoffe natürlich, dass das so bleibt. Diese Krise ist mit großer Geschwindigkeit gekommen und hat sich mittlerweile verstetigt, sodass ein neuer Alltag, ein Leben mit dem Virus, entstanden ist. Das war anfangs gar nicht leicht und hat mir durchaus zu schaffen gemacht, wie so vielen anderen auch. Ich bin ein sehr geselliger Mensch und treffe mich gerne mit Freunden oder verbringe Zeit mit meiner Familie. Und auch in meinem Arbeitsalltag genieße ich es, mit vielen Menschen gemeinsam zu arbeiten. Mitte März fiel das alles für eine ganze Weile plötzlich weg. Ich musste mich erst an diesen neuen Alltag gewöhnen, das war nicht einfach. 

Hannes Klöpper: Warum haben Sie sich entschieden, die Schirmherrschaft für die Initiative „Stark durch die Krise” von HelloBetter zu übernehmen?


Ulla Schmidt: 
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie verlangen den Menschen in Deutschland psychisch enorm viel ab und das schon seit Monaten. Deshalb habe nicht lange gezögert, als HelloBetter mich darum bat, die Initiative „Stark durch die Krise” zu unterstützen. Es ist aktuell enorm wichtig, dass jede*r Zugang zu einem umfassenden, hochqualitativen und gleichzeitig niedrigschwelligen Versorgungsangebot im Bereich der psychischen Gesundheit erhält.

Hannes Klöpper: Warum ist gerade jetzt ein die Versorgung der mentalen Gesundheit so wichtig?

Ulla Schmidt: Weltweit hat die Corona-Pandemie die Art und Weise, wie wir leben und arbeiten, grundlegend verändert. Der Großteil der Unternehmen musste innerhalb nur weniger Tage auf Home-Office umstellen und viele Menschen arbeiten nun schon seit Monaten von zu Hause aus oder in Kurzarbeit mit Gehaltseinbußen. Dazu kommen die Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Diese Veränderung hat nicht nur große Auswirkungen auf unseren Tagesablauf, sondern beeinflusst auch unsere mentale Gesundheit enorm. Wir Menschen sind einfach nicht für die Quarantäne gemacht. Auch wenn die Ausgangsperren gelockert wurden, bringt der neue Alltag eine hohe psychische Belastung mit sich. Viele Aspekte des Lebens haben sich nun mal grundlegend verändert und diese Veränderungen werden uns noch eine ganze Weile begleiten. Viele Menschen sind einfach erschöpft, denn Homeoffice und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen verlangt viel ab. Andere plagen finanzielle Sorgen und Zukunftsängste oder die Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus. Andere leiden darunter, dass niemand sicher sagen kann, wie lange der aktuelle Zustand noch anhält und wie lange die Krise uns begleiten wird. Es wurde auch von Anfang an darauf hingewiesen, dass die Krise zu einem Mehr an häuslicher Gewalt führen könnte. Es sind also viele Faktoren, die die psychische Gesundheit herausfordern. Wir müssen jetzt als Gesellschaft zusammenstehen und achtsam miteinander umgehen.

Hannes Klöpper: Welche Folgen können diese psychischen Belastungen haben?

Ulla Schmidt: Wenn psychischen Belastungen unbehandelt bleiben, können sie bei vielen Menschen zu Depressionen, Schlaf- und Anpassungsstörungen führen. Vor allem wer schon mal eine Depression hatte, ist nun gefährdet, einen Rückfall zu erleiden. Und das sind nicht wenige: Etwa 30 Prozent der Menschen in Deutschland leiden im Laufe ihres Lebens einmal an einer psychischen Erkrankung.

Hannes Klöpper: Was ist das Besondere an der Initiative Stark durch die Krise?

Ulla Schmidt: Die Initiative “Stark durch die Krise” bietet einen einfachen, schnellen und kostenfreien Zugang zu Hilfsangeboten bei psychischen Beschwerden aufgrund von Isolation, Infektionsangst, wirtschaftlichen Sorgen oder dem Fehlen gewohnter sozialer Kontakte. Das Besondere an der Initiative ist, dass sie Hilfe über viele verschiedene Kanäle bietet: Das Angebot von “Stark durch die Krise” umfasst Beratungen per Telefon, Online-Trainings, eine Online-Community und Live Q&A-Sessions mit Psychotherapeut*innen. 

Die Initiative ist seit Mitte April live und stößt seitdem auf großes Interesse: Tausende von Nutzern haben sich bereits für einen kostenlosen Online-Kurs angemeldet, die Hotline angerufen und sich einer Facebook-Support-Community angeschlossen. 

Hannes Klöpper: Liebe Frau Schmidt, ich danke Ihnen für das Gespräch, bleiben Sie gesund!

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