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Wie entstehen Depressionen?

„Warum habe ich eine Depression?“, „Hätte ich etwas ändern können?“ oder „Bin ich schuld?“: Wenn eine Depression Angehörige oder einen selber betrifft, können solche Gedanken schnell in den Kopf schießen. Die eigentliche Frage hinter diesen Gedanken ist: „Wie entstehen Depressionen?“

Die Antwort findest du in diesem Artikel und du erfährst außerdem, warum uns das Bild von einem inneren Fass dabei helfen kann zu verstehen, wie Depressionen entstehen.

Wer kann eine Depression entwickeln?

Jeder Mensch trägt das Risiko in sich, eine Depression zu entwickeln. An einer Depression zu leiden, ist also weder ein Zeichen von Schwäche noch ein persönliches Verschulden. Ob jemand tatsächlich erkrankt, ist von Faktoren abhängig, die wir manchmal gar nicht steuern können, wie zum Beispiel unsere Gene oder das soziale Umfeld. Wir sprechen in diesem Zusammenhang auch von der Vulnerabilität einer Person.

Das Wort Vulnerabilität leitet sich von dem lateinischen Wort „vulnerare” ab und bedeutet so viel wie „verwunden”. Die Vulnerabilität einer Person bezeichnet daher in diesem Zusammenhang die „Verletzlichkeit” oder „Anfälligkeit” dafür, eine Depression zu entwickeln.

Ein inneres Fass

Du kannst dir Vulnerabilität so vorstellen, dass jeder Mensch ein inneres Fass in sich trägt. Dieses Fass hat – je nach Verletzlichkeit einer Person – ein individuelles Fassungsvermögen und kann somit unterschiedlich schnell volllaufen. Wenn du zum Beispiel in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen bist, kann dein Fass vielleicht weniger aufnehmen als das deiner besten Freundin, die ganz behütet groß geworden ist. 

Zu den Faktoren, die eine Anfälligkeit für Depressionen erhöhen – also das Fassungsvermögen bestimmen – zählen biologische, psychische und soziale Einflüsse. Eine kleine Auswahl typischer Faktoren, die eine Rolle spielen können, haben wir für dich in dieser Übersicht zusammengestellt:

  • Biologisch: Vererbung (z.B. Depressionen in der Familie), hormonelle Veränderungen (z.B. Einnahme der Pille, Wechseljahre), körperliche Erkrankungen, Alkohol- und Drogenkonsum

  • Psychisch: negatives Denken, geringer Selbstwert, Versagensängste, Perfektionismus

  • Sozial: Ablehnung und Ausgrenzung, traumatische Erfahrungen, schwierige Familienverhältnisse, wenig soziale Kontakte

Wie entstehen Depressionen? – Was das Fass zum Überlaufen bringt

Ein geringeres Fassungsvermögen alleine führt aber noch nicht zu einer Depression. Erst wenn Stress oder belastende Lebensereignisse hinzukommen, füllt sich das Fass. Solche Belastungen können kleine Tropfen sein, wie ein Fahrradplatten auf dem Weg zur Arbeit oder ein Streit mit der Mitbewohnerin. 

Manchmal ist es aber auch ein ganzer Wasserfall, der in das Fass prasselt, wenn du zum Beispiel deinen Job verlierst, eine Trennung oder den Verlust eines lieben Menschen erlebst.  

Je nach Fassungsvermögen läuft das Fass dann irgendwann über – oder eben auch nicht. Wir Menschen sind nun einmal unterschiedlich.  

Der Hahn am Fass

Auch wenn zwei Personen dieselben Vulnerabilitäts- und Belastungsfaktoren haben, kann es sein, dass eine von ihnen eine Depression entwickelt und die andere nicht. Bei der Frage „Wie entstehen Depressionen?“ muss also noch etwas anderes eine Rolle spielen. Aber was? 

Das Gute ist, dass es neben den Dingen, die das Fass füllen und ihr Fassungsvermögen beeinflussen, auch solche Faktoren gibt, die uns vor Depressionen schützen. Sie werden auch Schutzfaktoren oder Ressourcen genannt. 

Ressourcen oder Schutzfaktoren sind alle Bedingungen, die dich gegen Stress und Belastungen widerstandsfähiger machen. Sie können in deiner eigenen Person, aber auch in deiner Familie oder deinem Umfeld liegen. 

Du kannst es dir wie einen Hahn vorstellen, der außen am Fass befestigt ist. Dieses Ablaufventil können wir bewusst trainieren und stärken und damit dazu beitragen, dass Belastungen besser „abfließen” können. Mehr darüber, wie man die eigene Widerstandskraft gezielt unterstützen kann, erfährst du in unserem Artikel zu Resilienz. Das innere Fass haben wir für dich noch einmal in dieser Grafik veranschaulicht:

„Wie entstehen Depressionen?“ – Ein Zusammenspiel

Die Frage „Wie entstehen Depressionen?“ lässt sich also nicht mit einer Ursache beantworten. Die Tatsache allein, dass Depressionen in deiner Familie häufig vorkommen, bedeutet nicht, dass du eine Depression entwickeln musst. Genauso wenig gibt es ein einzelnes Lebensereignis, auf das zwingend eine Depression folgt (z.B. nach einer Trennung).

Welcher Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt, können wir oft gar nicht so genau sagen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Vulnerabilität  (also dem Fassungsvermögen), aktuellen Belastungsfaktoren (also das, was ins Fass hineinkommt) und Schutzfaktoren (also das, was Belastungen abfließen lässt). 

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie du deine Schutzfaktoren stärken, Belastungen abbauen und einer Depression vorbeugen kannst, könnte unser Online-Kurs Depression Prävention etwas für dich sein. In dem Kurs lernst du zum Beispiel, wie du mit einem Problemlöseplan deine Probleme Schritt für Schritt lösen kannst oder wie du mehr kraftgebende Aktivitäten in deinen Alltag bringst. Außerdem findest du darin viele abwechslungsreiche Inhalte, unter anderem auch unsere Illustration des inneren Fasses.

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Autorin:
Annika Haffke

Kinder- und Jugendlichen­psychotherapeutin

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