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Online-Therapie und Co: Ohne Wartezeit zu psychologischer Soforthilfe?

Eine Online-Therapie oder eine App bei psychischen Erkrankungen? Kann das wirklich helfen? Lange Zeit wurden psychologische Online-Angebote misstrauisch beäugt und in der deutschen Gesundheitsversorgung kaum berücksichtigt. Mit der zunehmenden Digitalisierung unseres Lebens findet jedoch ein Umdenken statt. Wir verraten dir, was es damit auf sich hat, welche Vor- und Nachteile Online-Therapien haben und wie du sogenannte Online-Therapiekurse kostenlos auf Rezept bekommst.

Was versteht man unter Online-Therapie?

Eine Online-Therapie meint streng genommen eine von psychologischen Psychotherapeuten durchgeführte Psychotherapie per Videokonferenz – man nennt es dann auch Online-Psychotherapie.

Insbesondere seit der Corona-Pandemie bieten viele Psychotherapeuten Videositzungen an und ermöglichen Betroffenen damit eine Psychotherapie von zu Hause aus. 

Umgangssprachlich werden aber oft alle digitalen Therapieangebote unter dem Begriff der Online-Therapie zusammengefasst. Damit verstehen viele Menschen zum Beispiel auch Online-Therapiekurse als eine Form der Online-Therapie, obwohl diese eigentlich nicht darunter fallen.

Was sind Online-Therapiekurse?

Online-Therapiekurse nutzen elektronische Geräte wie Computer, Smartphones und Tablets bei der Prävention, Behandlung und Nachsorge psychischer und körperlicher Erkrankungen. Dazu gehören zum Beispiel Online-Selbsthilfeprogramme, Gesundheits-Apps, Online-Kurse, digitale Gesundheitsanwendungen, aber auch virtuelle Realitäten zur Konfrontation mit angstauslösenden Situationen.

Der Fokus liegt dabei jeweils auf einem bestimmten Bereich psychischer oder körperlicher Gesundheit – zum Beispiel auf Depressionen, Stress, chronischen Schmerzen oder Schlafstörungen. Zudem können die meisten Online-Therapiekurse ganz eigenständig durchgeführt werden. Falls sie eine Begleitung durch Psychologinnen oder Psychotherapeuten enthalten, erfolgt dieser Kontakt dann vor allem per E-Mail oder telefonisch anstatt per Videokonferenz wie in einer klassischen Online-Therapie.

Insgesamt eröffnen Angebote im Bereich der Online-Therapie – egal ob als Videokonferenz oder digitaler Therapiekurs – damit eine Vielzahl von Möglichkeiten, um Betroffene noch besser zu erreichen und die Gesundheitsversorgung weiter voranzubringen.

Vorteile von psychologischer Hilfe online

Sowohl videobasierte Psychotherapie als auch Online-Therapiekurse erreichen Menschen, die nicht an einer Psychotherapie vor Ort teilnehmen können oder wollen. Das kann jeweils an gesundheitlichen, persönlichen, zeitlichen, räumlichen oder anderen Gründen liegen. Bei einer videobasierten Psychotherapie müsste also beispielsweise kein Termin abgesagt werden, wenn der Bus ausfällt oder man gerade verreist ist.

Online-Therapiekurse haben zudem den großen Vorteil, dass sie eigenständig und flexibel zu selbst festgelegten Zeiten und Orten genutzt werden können. So ermöglichen sie einen selbstbestimmten Umgang mit den Symptomen und können das Selbstvertrauen der Nutzer stärken. Sie können auch dann eingesetzt werden, wenn die alltäglichen Anforderungen das Einhalten eines wöchentlich festen Therapietermins erschweren. Außerdem bieten sie sich für Menschen an, die sich zwar Unterstützung wünschen, sich aber nicht „krank genug“ fühlen, um eine Psychotherapie zu beginnen.

Gut zu wissen: Es gibt mittlerweile eine Reihe von Studien, die die Wirksamkeit von Online-Therapiekursen aufzeigen. Vor allem als begleitete Selbsthilfe und in der Behandlung von Depressionen und Angststörungen sind Online-Therapiekurse und klassische Vor-Ort-Psychotherapie in ihrer Wirksamkeit sogar vergleichbar.

Darüber hinaus gibt es bei eigenständig durchgeführten oder begleiteten Online-Therapiekursen auch keine langen Wartezeiten. Sobald du dich angemeldet oder die entsprechende App heruntergeladen hast, kann es losgehen. Vielleicht hast du auch schon einen Psychotherapieplatz in Aussicht und willst die Zeit bis dahin sinnvoll nutzen? Online-Therapiekurse können für sich genommen schon wirksam sein, eine Psychotherapie aber auch gut vorbereiten oder ergänzen.

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Grenzen und Nachteile von Online-Therapie

Ein Nachteil von Online-Psychotherapien könnte sein, dass die digitalen Sitzungen durch Internetprobleme oder mangelnde Privatsphäre zu Hause gestört werden können. Dadurch sind sie eventuell nicht so gewinnbringend wie Vor-Ort-Sitzungen. Auch bestimmte Übungen wie Rollenspiele lassen sich nur schwer über Videositzungen umsetzen. Viele Psychotherapeuten bieten daher eine Mischung aus einer Vor-Ort-Psychotherapie und der Möglichkeit von Online-Sitzungen an, um die Vorteile aus beiden Welten zu verbinden.

Einen reinen Online-Psychotherapieplatz zu bekommen ist für gesetzlich Versicherte übrigens gar nicht so leicht. Während der Corona-Pandemie war es für Psychotherapeutinnen ohne Probleme möglich, Online-Psychotherapien anzubieten. Diese Möglichkeit wurde mittlerweile teilweise zurückgenommen und Psychotherapeuten mit Kassensitz dürfen nur noch einen Teil der Sitzungen per Video anbieten.

Auch Online-Therapiekurse können an ihre Grenzen stoßen. Die Nutzung von Computern und Smartphones gehört für die meisten Menschen mittlerweile ganz selbstverständlich zum Leben dazu. Trotzdem können Online-Therapiekurse die Nutzer überfordern oder frustrieren. Sei es, weil die Umsetzung im Alltag nicht gelingt, bestimmte Übungen nicht ausreichend erklärt werden oder weil der Online-Therapiekurs doch nicht zu den eigenen Problemen passt. Zudem mag sich ein Online-Therapiekurs oft weniger verpflichtend anfühlen und es ist leichter, die Übungen abzubrechen.

Einige Online-Therapiekurse versuchen diesen Risiken daher entgegenzuwirken, indem sie eine persönliche Begleitung durch Psychologen anbieten und den Nutzern ermöglichen, den Kurs weitestgehend an die eigenen Schwerpunkte anzupassen. 

Wie viel kostet Online-Therapie?

Eine Psychotherapie wird in Deutschland von den Krankenkassen bezahlt – vorausgesetzt der Psychotherapeut hat einen sogenannten Kassensitz und kann so mit den Krankenkassen abrechnen. Auch die Online-Sitzungen im Rahmen einer Psychotherapie werden von den Krankenkassen übernommen. 

Im Fall von Online-Therapiekursen gibt es sowohl kostenfreie als auch kostenpflichtige Angebote. Meistens informieren die Anbieter direkt, ob die Kosten ihres Kurses von den Krankenkassen übernommen werden. Manche Krankenkassen erstatten Online-Therapiekurse auch anteilig. Wenn du sichergehen willst, dass die Kosten für einen Online-Therapiekurs vollständig übernommen werden, halte nach sogenannten Digitalen Gesundheitsanwendungen – auch als „Apps auf Rezept“ bekannt – Ausschau.

Digitale Gesundheitsanwendungen gibt es für verschiedene psychische und körperliche Erkrankungen. Sie werden von einem Arzt oder einer Psychotherapeutin auf Rezept verschrieben und die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen alle Kosten dafür.

Wie finde ich eine für mich passende Online-Therapie?

Wenn du dich im Internet über Online-Therapien informierst, wirst du schnell merken, dass es viele Angebote gibt. Und der Markt an Online-Kursen, Online-Psychologen und Gesundheits-Apps wächst immer weiter. Das ist erst mal eine gute Nachricht. Das Problem ist, dass die Qualität dieser Angebote oft nicht sichergestellt oder klar erkennbar ist. Die wichtigste Frage dabei lautet: Sind die Angebote in ihrer Qualität und Wirksamkeit wissenschaftlich überprüft?

Wenn du dir einen Online-Therapiekurs wünschst, dessen Qualität und Wirksamkeit schon geprüft wurde, orientiere dich auch bei diesem Thema an den sogenannten digitalen Gesundheitsanwendungen.

Denn diese werden ausführlich vom Bundesministerium für Arzneimittel und Medizinprodukte geprüft und müssen viele Anforderungen erfüllen. Erst nach einem erfolgreichen Prüfprozess werden Online-Therapiekurse als digitale Gesundheitsanwendung zertifiziert.

Wenn du dir eine Psychotherapie wünschst, die teilweise oder komplett über Videositzungen stattfindet, frag am besten bei für dich in Frage kommenden Psychotherapeuten nach dieser Möglichkeit. Denn nicht alle Psychotherapeutinnen bieten Videositzungen an. Falls du wissen möchtest, wie du einen Psychotherapieplatz findest, erfährst du mehr dazu in unserem Blogartikel.

HelloBetter Online-Therapiekurse als digitale Gesundheitsanwendung

Auch wir von HelloBetter haben mit vielen unserer Online-Therapiekurse den Zertifizierungsprozess bereits erfolgreich durchlaufen. Somit kannst du dir diese Kurse als digitale Gesundheitsanwendungen kostenlos auf Rezept verschreiben lassen – zum Beispiel „HelloBetter Stress und Burnout“, „HelloBetter Panik“, „HelloBetter Schlafen” oder „chronischer Schmerz“. Unsere Kurse entsprechen den höchsten wissenschaftlichen Standards und konnten ihre Wirksamkeit bereits in zahlreichen Studien nachweisen.

Auf unserer Kursseite erfährst du mehr über die Online-Therapiekurse. Eine Anleitung, wie die Verschreibung Schritt für Schritt funktioniert, findest du außerdem auf der Seite: HelloBetter auf Rezept.

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Autorin:
Verena Düttmann Psychologische Psychotherapeutin für Erwachsene und Gruppen
  • Quellennachweis
    1. Etzelmueller, A., Vis, C., Karyotaki, E., Baumeister, H., Titov, N., Berking, M., Cuijpers, P., Riper, H. & Ebert, D. S. (2020). Effects of Internet-Based Cognitive Behavioral Therapy in Routine Care for Adults in Treatment for Depression and Anxiety: Systematic Review and Meta-Analysis. Journal of Medical Internet Research, 22(8), e18100. https://doi.org/10.2196/18100
    2. Mack, S., Jacobi, F., Gerschler, A., Strehle, J., Höfler, M., Busch, M. A., Maske, U. E., Hapke, U., Seiffert, I., Gaebel, W., Zielasek, J., Maier, W. & Wittchen, H. (2014). Self-reported utilization of mental health services in the adult German population – evidence for unmet needs? Results of the DEGS1-Mental Health Module (DEGS1-MH). International Journal of Methods in Psychiatric Research, 23(3), 289–303. https://doi.org/10.1002/mpr.1438
    3. Carlbring, P., Andersson, G., Cuijpers, P., Riper, H. & Hedman, E. (2018). Internet-based vs. face-to-face cognitive behavior therapy for psychiatric and somatic disorders: an updated systematic review and meta-analysis. Cognitive Behaviour Therapy, 47(1), 1–18. https://doi.org/10.1080/16506073.2017.1401115
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