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Brauche ich eine Therapie?

Wenn wir uns den Arm brechen, fahren wir ganz selbstverständlich ins Krankenhaus. Will die Erkältung einfach nicht weichen, holen wir uns Rat in der Apotheke oder in unserer Hausarztpraxis. Doch was, wenn es nicht um unser körperliches, sondern seelisches Wohl geht? Bei psychischen Belastungen ist der Gang zur Psychotherapie oft nicht so selbstverständlich. Fragen wie „Brauche ich wirklich eine Therapie oder stelle ich mich vielleicht nur an?“ sind keine Seltenheit und erschweren den Weg, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Warum das so ist und wann psychotherapeutischer Rat sinnvoll ist, erfährst du in diesem Artikel.

Warum die Psyche oft hintenansteht

Psychische Erkrankungen sind weit verbreitet und betreffen hierzulande jährlich etwa jeden vierten Erwachsenen. Viele Menschen suchen sich dabei erst spät, manche sogar nie professionelle Hilfe. Nur etwa ein Drittel der Betroffenen nimmt eine fachspezifische Behandlung in Anspruch. Du kannst dir vermutlich vorstellen, dass der Anteil derer, die sich bei einem gebrochenen Arm in Behandlung begibt, deutlich höher ist. Aber wieso ist das so?

Fehlende Sichtbarkeit

Einen gebrochenen Arm erkennen wir oft schon von Weitem. Einer Person, die hingegen an einer psychischen Erkrankung, z.B. einer Depression leidet, können wir dies meist nicht ansehen. Dadurch, dass psychische Erkrankungen oder Beschwerden weniger sichtbar sind, kann auch das Aufsuchen von professioneller Hilfe erschwert sein. Manchmal ist man sich einfach nicht sicher, ob das was man fühlt und erlebt wirklich echt ist. Oder man befürchtet, von anderen nicht ernst genommen zu werden, da man keine offensichtlichen Verletzungen oder Beschwerden „vorweisen” kann. 

Die „Unsichtbarkeit“ macht psychische Erkrankung aber nicht weniger echt und eine Behandlung nicht weniger wichtig. Du darfst dir immer wieder bewusst machen: Deine mentale Gesundheit ist genauso wichtig wie dein körperliches Wohl – auch wenn sie weniger sichtbar ist.

Stigmatisierung

Brauche ich eine Therapie? Ist das nicht nur etwas für „Verrückte” oder Menschen, die zu schwach sind, sich selbst zu helfen? – Solche oder ähnliche Gedanken halten sich auch heute noch hartnäckig in der Gesellschaft. Das Aufsuchen einer Psychotherapie ist daher oft immer noch mit Stigmata und Vorurteilen behaftet. Viele Menschen scheuen deshalb den Gang in die Praxis, wollen nichts mit Therapie zu tun haben oder befürchten, abgestempelt zu werden.

Dabei trägt jeder Mensch das Risiko in sich, eine psychische Erkrankung zu entwickeln und Hilfe in Anspruch zu nehmen ist kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil, es ist ein Zeichen von Stärke – denn du kümmerst dich um dich und deine psychische Gesundheit.

Vergleich mit anderen

Die Frage „Brauche ich psychologische Hilfe?“ beantworten wir auch deshalb manchmal mit nein, weil wir uns mit anderen vergleichen. Der Freundin, dem Nachbarn oder der Kollegin geht es doch eigentlich noch viel schlechter als mir.

Vergleiche dich nicht mit anderen, wenn du dir die Frage „Brauche ich eine Therapie?“ stellst. Denn letztendlich geht es um deine psychische Gesundheit, nicht die der anderen. Dass es auch anderen nicht gut geht, macht dein Befinden nicht weniger wichtig oder weniger ernstzunehmend.

Manchmal suggeriert uns auch die Gesellschaft oder unser Umfeld, dass wir Dinge „aushalten müssen“ oder uns „nicht so anstellen sollten“. Solche verinnerlichten Gedankenmuster oder der Vergleich mit anderen können uns dann daran hindern, uns psychologische Hilfe zu suchen – obwohl wir sie eigentlich bräuchten. 

Brauche ich eine Therapie? – Welche Anzeichen dafürsprechen

Mal einen schlechten Tag zu haben ist normal. Auch Gefühle wie Traurigkeit, Angst oder Wut gehören zum Leben dazu. Daher kann es schwierig sein, zu entscheiden, ab wann das eigene Erleben, die Gefühle oder Gedanken Anlass dafür sind, professionellen Rat einzuholen.

Es gibt kein allgemeingültiges, sondern viele verschiedene Anzeichen, die dir Hinweis geben können, dass eine Psychotherapie sinnvoll sein könnte. Beispielsweise kann die Stimmung betroffen sein, indem du über einen längeren Zeitraum oder wiederkehrend Gefühle wie Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit oder eine innere Leere verspürst. Auch das Verhalten kann Hinweise geben, wenn du dich zum Beispiel mehr zurückziehst, aus Antriebslosigkeit weniger unternimmst oder an Durch- oder Einschlafproblemen leidest. Zudem können die Gedanken eine Rolle spielen und sich beispielsweise in Form von anhaltenden Grübel-, Schuld-, Scham- oder Angstgedanken äußern.

Weitere Anhaltspunkte

Auch die Beantwortung folgender Fragen kann dir helfen, zu entscheiden, ob es sich bei dem, was du fühlst und erlebst, um Anzeichen einer psychischen Erkrankung handeln könnte:

  • Belasten dich deine Gefühle, dein Verhalten oder deine Gedanken?
  • Schränken dich die Beschwerden im Alltag ein?
  • Zeigen sich die Beschwerden in einem für dich ungewöhnlichen Ausmaß?
  • Leiden deine Beziehungen (z.B. zu Familie oder Freunden)?
  • Äußert sich dein Umfeld besorgt oder merkt an, dass du dich verändert hast?
  • Steckst du in einer psychischen Krise oder erlebst Veränderungen, die du alleine nicht bewältigen kannst?

💡 Tipp: Wenn du merkst, dass es dir psychisch nicht gut geht, du darunter leidest und dieser Zustand nicht innerhalb von einigen Tagen oder Wochen vorübergeht, scheue dich nicht, dir ärztlichen oder psychotherapeutischen Rat zu holen.

An wen kann ich mich wenden?

Am Ende kannst du die Frage „Brauche ich eine Therapie?“ am besten mit einem Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin beantworten. Du kannst dich auch zuerst an deine Hausarztpraxis wenden oder aber gleich eine psychotherapeutische Praxis aufsuchen, denn du brauchst in diesem Fall keine Überweisung. Wie du eine Praxis in deiner Nähe findest, erfährst du in unserem Artikel: „Wie finde ich einen Psychotherapieplatz“.

In einem ersten Gespräch kannst du dann deine Beschwerden schildern, sodass dein Gegenüber ein gutes Bild davon bekommt, wie es dir geht. So könnt ihr klären, ob eine Psychotherapie für dich das Richtige ist. Selbst wenn sich herausstellt, dass du keine Therapie brauchst, kann die Therapeutin oder der Therapeut dir alternative Hilfsangebote aufzeigen. Du hast also mit einem Gespräch nichts zu verlieren.

Psychotherapiepraxen haben oft Wartelisten und es braucht etwas Geduld und Durchhaltevermögen, um ein Erstgespräch und einen Therapieplatz zu bekommen. Lasse dich davon nicht entmutigen und rufe ruhig bei mehreren Praxen an.

Wartezeit überbrücken

Du stehst auf der Warteliste für eine Psychotherapie? Das ist klasse und bereits ein erster Schritt. Wenn du die Zeit bis zum Beginn deiner Therapie schon einmal nutzen möchtest, um deine psychische Gesundheit zu stärken, können Online-Trainings helfen. Wenn du dich über unserer nachweislich wirksamen HelloBetter Online-Trainings informieren möchtest, schaue gerne auf unseren Trainingsseiten vorbei.

Was, wenn ich keine Therapie brauche?

Vielleicht bemerkst du auch, dass du im Moment keine Therapie brauchst, dein psychisches Wohlbefinden aber dennoch stärken möchtest. Auch dann können Online-Trainings eine gute Wahl sein. Zum Beispiel bieten wir speziell zu diesem Zweck die vorbeugenden Online-Trainings Fit im Stress und Depression Prävention an. Genauso wie empfohlen wird, jährlich zum Zahnarzt oder der Krebsvorsorge zu gehen, kannst du auch für deine psychische Gesundheit vorsorgen. Schließlich ist diese genauso wichtig wie dein körperliches Wohlbefinden.

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