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Antriebslosigkeit verstehen und überwinden

Jeder von uns fühlt sich hin und wieder antriebslos. Man kommt nicht richtig in die Gänge, fühlt sich müde und hat keine Lust, irgendetwas zu tun. Das ist ganz normal und in den meisten Fällen ein Anzeichen dafür, dass dein Körper eine Pause braucht. Der Antrieb kommt oft dann zurück, sobald wir wieder neue Energie getankt haben. Aber wie macht sich Antriebslosigkeit eigentlich bemerkbar und welche Ursachen können dahinter stecken? Wir geben dir Antworten und zeigen dir, wie du deine Antriebslosigkeit bewältigen kannst.

Wie macht sich Antriebslosigkeit bemerkbar?

Unter Antrieb versteht man in der Medizin eine bewegende Kraft, die alle körperlichen und psychischen Funktionen in ihrer Geschwindigkeit, Intensität und Ausdauer beeinflusst. 

Was erstmal schwer vorstellbar ist, merken wir im Alltag vor allem daran, wie aktiv, energiegeladen und motiviert wird sind. Wenn wir antriebslos sind, fehlt genau diese Energie, Motivation und auch das Interesse an Dingen. Das beeinflusst dann oft unseren Alltag und wir können z.B. nur schwer anstehende Aufgaben anpacken und erledigen. Antriebslosigkeit macht sich dabei häufig schon am Morgen bemerkbar, indem es uns schwerfällt, überhaupt aus dem Bett zu kommen. Wir fühlen uns müde, schwach und träge – selbst dann, wenn wir eigentlich genug geschlafen haben. 

Darüber hinaus kann Antriebslosigkeit auch mit Konzentrationsproblemen und einer niedergeschlagenen Stimmung einhergehen. Wie lange dieser Zustand anhält, ist sehr unterschiedlich und hängt ganz von der Ursache ab.

Ursachen von Antriebslosigkeit

Antriebslosigkeit ist keine eigenständige Erkrankung, sondern kann als Folge verschiedener körperlicher, psychischer und umweltbedingter Ursachen auftreten. Um deine Antriebslosigkeit überwinden zu können, ist es wichtig, deinen Auslöser zu kennen.

Körperliche Ursachen der Antriebslosigkeit

Körperliche Mangelerscheinungen und Erkrankungen können die Energie- und Stoffwechselprozesse deines Körpers beeinflussen. Das schränkt deine Leistungsfähigkeit ein und führt zu Antriebslosigkeit. Dazu gehören beispielsweise:

  • Eisenmangel 
  • Vitamin-B12- und Vitamin-D-Mangel
  • Flüssigkeitsmangel 
  • Stoffwechselerkrankungen (z.B. Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes mellitus)
  • Niedriger Blutdruck (arterielle Hypotonie)
  • Bakterielle oder virale Infektionen
  • Übergewicht 

Umweltbedingungen

Schlechtes Wetter und ein grauer Himmel können dazu führen, dass wir uns antriebslos fühlen. Das trifft besonders auf die kalte Jahreszeit zu. Saisonal bedingt werden die Tage kürzer und damit sinkt auch die Menge an Tageslicht, die wir aufnehmen können. In Folge der zunehmenden Dunkelheit schüttet unser Gehirn vermehrt das Schlafhormon Melatonin aus. Unser Gehirn denkt an dunklen Tagen nämlich fälschlicherweise, dass es Nacht sei und bereitet unseren Körper auf Schlaf vor. Die erhöhte Melatoninkonzentration macht uns dann müde und antriebslos. Dieser Effekt steht auch im Zusammenhang mit der saisonalen Depression – der sogenannten Winterdepression

Aktuelle Lebenssituation

Antriebslosigkeit kann auch durch Stress, Konflikte und eine generelle Überlastung entstehen. Zum einen hält Stress unseren Körper in einem Anspannungszustand, für den viel Energie benötigt wird. Wenn diese Energie dann nicht mehr nachgetankt wird, merken wir das früher oder später daran, dass wir keine Kraft mehr haben. 

Zum anderen können familiäre oder auch berufliche Konflikte unsere Stimmung beeinträchtigen und dazu führen, dass wir generell weniger aktiv sein wollen. Auch fehlende Ziele und Aufgaben können zu Antriebslosigkeit führen. Wenn wir z.B. nicht wissen, in welche Richtung wir im Leben gehen wollen, sind wir oft nicht motiviert, uns morgens aufzuraffen und mit Elan in den Tag zu starten. 

Antriebslosigkeit und Depression

Hinter einer Antriebslosigkeit können in manchen Fällen auch Depressionen stecken. Dabei geben die Dauer und Intensität deiner Antriebslosigkeit erste wichtige Hinweise. 

  • Hält die Antriebslosigkeit länger als 2 Wochen an? 
  • Tritt sie zur meisten Zeit und an den meisten Tagen auf? 
  • Und nimmt sie ein für dich ungewöhnlich starkes Ausmaß an? 

Darüber hinaus kannst du einen Blick darauf werfen, ob du dich auch dann weiterhin antriebslos fühlst, wenn die vermeintlichen Auslöser gelöst sind. Wenn z.B. der Stresspegel nachgelassen und Konflikte geklärt sind. Wenn dann auch bisher hilfreiche Strategien nicht zu mehr Energie führen, kann das tatsächlich auf eine mögliche Depression hinweisen. In solchen Situationen ist es sinnvoll, dass du dir medizinischen oder psychotherapeutischen Rat einholst, um deine Symptome weiter abzuklären und mögliche körperliche Ursachen auszuschließen. 

Es gilt: Obwohl sich Antriebslosigkeit und Depressionen überschneiden, sind Depressionen mehr als nur ein fehlender Antrieb. Für die Diagnose müssen mehrere Symptome über mindestens zwei Wochen zusammen auftreten. Mehr Informationen über die Phasen und Verlaufsformen von Depressionen haben wir dir in unserem Blog zusammengefasst.

Antriebslosigkeit überwinden: 5 Schritte zu mehr Elan

Unabhängig davon, welche Ursache deine Antriebslosigkeit hat, solltest du bestmöglich auf die Anzeichen deines Körpers achten. Die gute Nachricht ist: In nahezu allen Fällen kannst du selbst etwas tun, um deine Antriebslosigkeit überwinden und wieder Energie tanken zu können.

1Finde deine Balance zwischen Aktivität und Erholung

Genau wie eine Autobatterie, können wir Menschen dadurch Energie gewinnen, indem wir uns bewegen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Mach es dir deshalb zunächst leichter, indem du Dinge tust, die angenehm für dich sind. Sinnvoll sind auch Aktivitäten wie Sport oder Spaziergänge, denn sie regen deinen Kreislauf an und machen dich fitter. Wichtig ist dabei, dass du eine Balance zwischen Aktivitäten und Erholung findest. Plane bewusste Ruhemomente und ausreichend Schlaf ein, damit du abschalten und deine Ressourcen aktivieren kannst.  

2Mache Pläne und To-Do-Listen

Wenn wir antriebslos sind, fällt es oft schwer, Entscheidungen zu treffen und Aufgaben anzupacken. Wenn du deine Aktivitäten dann genau planst – also Uhrzeit und Ort festlegst – brauchst du nicht mehr lange zu überlegen. Du hast dann sozusagen eine Verabredung mit dir selbst und setzt deinen Plan „einfach” um. 

Hilfreich können auch To-Do-Listen sein. Mit diesem Hilfsmittel hast du nicht nur ein genaues Ziel vor Augen, sondern wirst durch das Abhaken der einzelnen Punkte zusätzlich motiviert. Auf diese Weise kannst du einer Antriebslosigkeit sogar vorbeugen.

3Achte auf deine Ernährung

Um einer Antriebslosigkeit durch Nährstoffmangel entgegenzuwirken, solltest du auf eine ausgewogene Ernährung achten. Dazu eignen sich am besten frische und gesunde Lebensmittel. Fertigprodukten fehlt es meist nicht nur an wichtigen Nährstoffen, sie enthalten oft auch zu viel Salz oder Zucker. Letzterer lässt deinen Blutzuckerspiegel schnell schwanken und kann in der Folge zu Antriebslosigkeit führen – das bekannte Mittagstief. 

Außerdem ist es wichtig, dass du ausreichend Flüssigkeit trinkst, damit dein Blut besser zirkuliert und dein Gehirn ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Erwachsene sollten zwischen 1,5 und 2 Liter Wasser oder ungesüßte Getränke zu sich nehmen.

4Achte auf Tageslicht

In Fällen, in denen die Antriebslosigkeit saisonal oder wetterbedingt ausgelöst wird, kann Tageslicht helfen. Das trifft übrigens auch auf Menschen zu, die viel Zeit drinnen verbringen. Tageslicht hemmt die Ausschüttung von Melatonin und erhöht zusätzlich den für unseren Stoffwechsel verantwortlichen Vitamin-D-Spiegel. Neben Spaziergängen und Sport im Freien, können dir Tageslichtlampen helfen. Achte darauf, dass diese eine Lichtstärke von 10.000 Lux bieten und du dich täglich für mindestens 30 Minuten ihrem Licht aussetzt.

5Bleib nicht allein

Andere Menschen in seine Aktivitäten einzubinden, kann helfen, seine eigene Antriebslosigkeit überwinden zu können. Wenn du dich z.B. mit Freunden zum Sport verabredest, fällt es schwerer, der Antriebslosigkeit nachzugeben und deinen Begleitern abzusagen. Manchmal kann es auch hilfreich sein, keine eigenen Entscheidungen treffen zu müssen, sondern sich einfach mitziehen zu lassen. Dann bekommt deine Autobatterie sozusagen eine kleine Starthilfe von außen und du gewinnst wieder an Antrieb und Energie.

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