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Sexueller Druck in der Beziehung

Beziehungen und insbesondere eine Partnerschaft können das eigene Leben bereichern. Doch wo und wie auch immer Menschen in Beziehung zueinanderstehen, kann es früher oder später zu Konflikten oder auch ungesunden Dynamiken kommen. Dazu gehört zum Beispiel sexueller Druck in der Beziehung. Das kann verschiedene Hintergründe haben und eine Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Beziehungsthema lohnt sich, damit die Beziehung wachsen kann. Wie das?

Was ist mit sexuellem Druck gemeint?

In den meisten Partnerschaften spielt Sexualität eine Rolle. Sex kann zur Beziehungszufriedenheit und auch zur eigenen Lebenszufriedenheit einen wichtigen Beitrag leisten. Sexueller Druck in der Beziehung entsteht aber zum Beispiel dann, wenn die Beziehungspartner unterschiedlich oft Sex haben wollen und glauben, die Erwartungen und Wünsche des anderen nicht zu erfüllen.

Wie äußert sich sexueller Druck in der Beziehung? 

Sexueller Druck macht sich zum Beispiel durch Unwohlsein beim Gedanken an Sex oder an die Frage, ob man zu wenig Sex oder zu viel Sex mit dem Partner oder der Partnerin haben möchte, bemerkbar. Typische Gedanken sind: „Ich/wir bin/sind nicht normal”, „mein Partner wird mich verlassen” oder „wir müssen mehr Sex haben”. Diese Gedanken gehen häufig mit Gefühlen der Scham, Schuld und Angst einher. Als Folge ist es möglich, dass man dem Partner oder der Partnerin ausweicht, um Sex zu vermeiden. Durch dieses Verhalten kann es auch zu Missverständnissen oder sogar Streitigkeiten kommen. Wenn es Probleme bei der Aussprache gibt, leidet die Partnerschaft und der sexuelle Druck in der Beziehung kann dadurch wiederum wachsen.

Gründe für sexuellen Druck in der Beziehung

Es gibt verschiedene Gründe, durch die sich sexueller Druck in der Beziehung aufbauen kann, dazu gehören vor allem:

Glaube an Stereotype 

Vielleicht kommen dir Sätze wie: „Männer wollen immer Sex”, „Frauen sollten Männer mit dem Sex warten lassen” oder „für Paare ist es normal, 2-3 mal pro Woche miteinander zu schlafen”, bekannt vor. Oft werden uns diese überhöhten Erwartungen von der Gesellschaft vermittelt und wir übernehmen sie einfach. Durch dieses stereotype Denken kommt es aber mitunter zur Annahme, dass deine sexuelle Lust oder Unlust „nicht richtig” ist. Dadurch wächst der Druck, sich dem Partner gegenüber anders verhalten zu müssen.

Sex macht keinen Spaß

Wenn du Sex nicht als erfüllend oder bereichernd für dich erlebst, ist es ganz natürlich, dass du keine große Lust darauf verspürst. Wichtig ist: Wenn das für dich in Ordnung ist, ist das auch in Ordnung! Hier kann wieder der Glaubenssatz: „Sex muss immer Spaß machen, erfüllend sein etc.” dahinterstecken – und dieser erzeugt Druck. Sollte Sex allerdings unangenehm sein, du vielleicht sogar Schmerzen erleben, gibt es psychotherapeutische Möglichkeiten, um dein Sexerleben positiv zu verändern. Zum Beispiel, indem du dir einen Therapiekurs gegen Ängste und Schmerzen beim Sex verschreiben lässt und dir so dein sexuelles Wohlbefinden zurückeroberst. Weitere Informationen findest du auch in unserem Artikel Vaginismus behandeln oder in unserem ausführlichen Artikel Vaginismus & Co.

Unterschiedliche Erwartungen

Es ist recht unwahrscheinlich, dass zwei Menschen in allen Phasen des Lebens immer gleich viel Lust auf Sex haben. Deinem Partner oder deiner Partnerin in dieser Hinsicht stets gerecht werden zu wollen, wird daher früher oder später ein inneres Druckgefühl erzeugen.

Partnerschaftsprobleme

Liegen andere Bereiche der Partnerschaft im Argen, ist es möglich, dass du weniger Lust auf Sex mit deinem Partner oder deiner Partnerin verspürst. Um die Partnerschaft jedoch nicht weiter gefährden zu wollen, kann es zu dem Gefühl kommen, „wenigstens miteinander schlafen zu müssen”. Diese Gedanken erzeugen Druck.

Was hilft bei sexuellem Druck in der Beziehung?

Versuche zunächst, für dich herauszufinden, woher der empfundene sexuelle Druck in der Beziehung kommt. Fragen, die dir dabei helfen, sind:

  • Sind es tatsächlich die Erwartungen oder Wünsche meines Partners, die mir Druck machen? Oder sind es die Erwartungen, von denen ich befürchte, dass mein  Partner sie haben könnte?
  • Habe ich Erwartungen an mich selbst, die aus meinem Umfeld, den Medien, gängigen Stereotypen kommen?
  • Erlebe ich Sex als angenehm und bereichernd? Falls nein: Möchte ich daran etwas ändern?
  • Fühle ich mich zu meinem Partner hingezogen oder wünsche ich mir eigentlich einen anderen (Sexual-)Partner?
  • Fühle ich mich bei meinem Partner vertrauensvoll und sicher, um meine Sexualität ausleben zu wollen und zu können?

Miteinander reden

Die erste dieser Fragen kannst du vielleicht nur in einem offenen Gespräch mit deinem Partner klären. Die Wünsche und Erwartungen deines Gegenübers kannst und solltest du nicht versuchen zu erraten. Ein solches Gespräch einzuleiten, fällt vielleicht schwer, doch das Aushalten des sexuellen Drucks stellt langfristig ebenso eine Belastung für dich dar. Daher: nur Mut! Als Einstieg kannst du genau diese ehrliche Formulierung wählen: „Es fällt mir schwer dieses Thema anzusprechen, aber bevor ich mir zu viele Gedanken mache, möchte ich dich einfach fragen.”

Veränderungen zulassen

Es ist ganz normal, dass sich die eigene und auch die gemeinsam erlebte Sexualität während einer Partnerschaft verändert.

Durch bestimmte Lebensphasen und Ereignisse kann es zu mehr oder weniger Lust auf Sex kommen. Dich „zwingen” zu wollen, immer gleich viel Verlangen nach Sex mit deinem Partner zu haben, kann einen enormen Druck erzeugen. Versuche stattdessen einmal, Veränderungen zuzulassen. Wenn du Druck verspürst, sage dir innerlich zum Beispiel: „Meine Beziehung darf sich weiterentwickeln, unser Sexleben und mein Bedürfnis nach Sex darf sich in alle möglichen Richtungen verändern.”

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