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Dankbarkeit im Alltag – wie geht das und was bringt’s?

Manchmal kommt es uns so vor, als passierten in unserem Leben keine schönen Ereignisse oder sogar solche, unter denen wir leiden. Dadurch können mehr und mehr Gedanken daran entstehen, wie nervig, belastend oder langweilig es zur Zeit ist. Vielleicht fühlen wir uns auch wie in einer Warteposition, dass die Umstände sich ändern, damit wir uns wieder gut fühlen.

Äußere Umstände und Ereignisse liegen häufig jedoch nicht vollständig in unserer Hand und es ist auch nicht garantiert, wie wir uns durch sie tatsächlich fühlen. Durch die Erkenntnisse der positiven Psychologie kennen wir glücklicherweise einen verlässlichen Weg, wie wir angenehme Gefühle selbst in uns erzeugen können: die Dankbarkeit. Wozu ist Dankbarkeit wichtig und wie können wir dankbarer sein?

Dankbarkeit (neu) lernen

„Hast du schon Danke gesagt?” Diese Frage stellen Eltern häufig ihren Kindern. Sich zu bedanken, zum Beispiel wenn man ein Geschenk bekommen hat, ist in vielen Familien Teil der Erziehung. Auch als Erwachsene sagen wir dadurch – manchmal wie automatisiert – Danke.

Das, was wir im Erwachsenenalter jedoch in vielen Fällen erst bewusst lernen müssen, ist Dankbarkeit tatsächlich zu empfinden.

Nicht nur jemand anderem etwas aus Gewohnheit zu sagen und weil es zum guten Ton gehört, sondern wirklich zu spüren, dass wir dankbar sind. Auf diese Weise können wir unseren Fokus von dem, was nicht gut läuft, auf das lenken, was bereits gut ist und was sich im gegenwärtigen Moment Schönes ereignet. 

Eine erste Übung in Dankbarkeit

Wenn du möchtest, kannst du mal 24 Stunden lang darauf achten, wann du das Wort „Danke” im Alltag gebrauchst. Versuche einfach mal in diesen Momenten aufzumerken. Dann nimm dir ein paar Sekunden Zeit, um die Dankbarkeit tatsächlich zu spüren. Das mag dir zunächst vielleicht albern vorkommen, ein paar Minuten innezuhalten und dankbar zu sein, wenn dir jemand die Tür aufhält oder beim Aussteigen des Busses den Vortritt lässt. Selbst wenn du etwas mit den Worten: „Nein, Danke!” ablehnst, kannst du Dankbarkeit für das Angebot und die Bereitschaft empfinden.

Dankbarkeit kann sich dabei für jede Person etwas anders anfühlen. Achte mal darauf: Wie fühlt sich Dankbarkeit für dich an – ist es ein freudiges Gefühl oder noch etwas seltsam und gewöhnungsbedürftig? Wo kannst du Dankbarkeit in deinem Körper spüren? Lächelst du, während du dankbar bist? Hast du anschließend mehr positive Gedanken? Wie lange dauern die Dankbarkeit und die Gefühle rundum die Dankbarkeit an?

Warum kann Dankbarsein schwerfallen?

Dankbarkeit ist für viele Menschen ein neuer und vielleicht ungewohnter Weg. Als ich damit begonnen habe, bewusst Dankbarkeit zu praktizieren, konnte ich oft eine Art Widerstand in mir bemerken. Es kam für mich die Frage auf, wem gegenüber ich überhaupt dankbar sein soll – vor allem, wenn es nicht um konkrete Situationen ging, sondern um allgemein glückliche Umstände, zum Beispiel dass ich Luft zum Atmen habe. 

Vielleicht geht es dir ähnlich. Dankbarkeit kann mit der Skepsis verbunden sein, dass wir durch sie automatisch in der Schuld von jemandem stehen. Dass sich Skepsis und Schuldgefühle einschleichen kann damit zusammenhängen, dass wir eher daran gewöhnt sind, die Dinge negativ zu sehen und an dieser Sichtweise ein Stück weit anhaften. Plötzlich dankbar sein? Das ist ungewohnt und wird sozusagen gleich boykottiert, denn Veränderungen können Angst machen. 

Ich habe in diesem Fall die Erfahrung gemacht, dass es hilfreich ist, mit Dankbarkeit auch die Bereitschaft zuzulassen, glücklich zu sein. Unzufriedenheit oder vielleicht sogar Gefühle der Verbitterung loszulassen. Das muss gar kein komplizierter Prozess sein. Du kannst einfach bemerken, wenn du einen inneren Widerstand gegen die Dankbarkeit spürst und dir sagen: Ich habe Angst vor Veränderung und möchte mich trotzdem weiter in Dankbarkeit üben.

Eine zweite Übung in Dankbarkeit

Zusätzlich zu der ersten Übung in Dankbarkeit, die du jeden Tag praktizieren kannst, lässt sich Dankbarkeit durch ein Dankbarkeitstagebuch fördern. Dafür kannst du dir ein Notizbuch zulegen oder auch die Notizfunktion deines Handys nutzen, um täglich 3 Dinge zu notieren, für die du dankbar bist. Das kann etwas sein, was genau diesen Tag betrifft, zum Beispiel das Treffen mit einer Freundin oder das gute Wetter. Es kann aber auch etwas sein, was du eher für selbstverständlich hältst, zum Beispiel fließendes warmes Wasser in deinem Zuhause oder der volle Kühlschrank.

Du kannst deine Dankbarkeit ganz speziell auf Lebensbereiche oder Personen richten, mit denen du Probleme hast.

Wenn du dich zum Beispiel mit deinem Partner oder deiner Partnerin gestritten hast, kannst du dir 3 Dinge in Zusammenhang mit diesem Menschen oder der Beziehung überlegen, für die du dankbar bist. So kannst du für mehr Wohlwollen und Wertschätzung und damit für eine gute Voraussetzung für eine Konfliktlösung sorgen. Auch hier musst du natürlich die Bereitschaft mitbringen, die Beziehung tatsächlich verbessern zu wollen –  und nicht in alten Mustern zu bleiben.

Eine gute Gewohnheit

Es ist tatsächlich möglich, mit Dankbarkeit Lebensfreude wiederzufinden. Doch alleine zu wissen, was zu tun ist, reicht nicht aus, um das zu erreichen. Um Dankbarkeit zur Gewohnheit zu machen und damit ihre volle Wirkung zu erleben, kannst du zum Beispiel das Ausfüllen deines Dankbarkeitstagebuchs an eine andere Gewohnheit knüpfen, die du bereits hast. Das kann zum Beispiel der Morgenkaffee oder das abendliche Zähneputzen sein. Stelle dafür eine klare Regel auf, beispielsweise: „Immer nach dem Zähneputzen, setze ich mich auf die Couch und notiere in meinen Handynotizen 3 Dinge, für die ich dankbar bin.” Durch diese sogenannte Gewohnheitskopplung kann Dankbarkeit zum festen Bestandteil deines Alltags werden. In diesem Sinne: Danke, dass du diesen Artikel gelesen hast!

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Autorin:
Victoria Bindrum Psychologin
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