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Therapieformen: Welche gibt es und welche passt zu mir?

Wer sich auf die Suche nach einer Psychotherapie begibt, stellt schnell fest: Psychotherapie ist nicht gleich Psychotherapie. Plötzlich begegnen einem Wörter wie „Verhaltenstherapie“, „Tiefenpsychologie“ oder neuerdings auch „Systemische Therapie“. Das kann zu Überforderung und Unsicherheit beitragen, denn damit steht man vor der Frage: „Wie und wofür soll ich mich entscheiden?“

Wir möchten dir helfen, den Dschungel der Therapieformen zu durchsteigen, dir die häufigsten Therapiearten vorstellen und Tipps geben, wie du die richtige Wahl für dich treffen kannst.

Welche Therapieformen gibt es?

Auch wenn es viele verschiedene Therapieformen gibt, stehen bei der Suche nach einem Psycho­therapie­platz besonders 4 Verfahren im Vordergrund. Denn ihre Kosten werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen: die Psychoanalyse, Tiefen­psychologisch fundierte Psycho­therapie, Kognitive Verhaltens­therapie und Systemische Therapie. Diese Therapiearten unterscheiden sich in ihrem Verständnis darüber, wie psychische Erkrankungen entstehen und in ihrem Behandlungs­fokus. Auch wenden sie andere Behandlungs­techniken an und unterscheiden sich in Frequenz sowie maximaler Dauer der Therapie. Wie das genau aussieht, verraten wir dir jetzt.

💡 Tipp: Neben den Therapieformen, die von den Krankenkassen bezahlt werden, gibt es noch viele weitere Verfahren. Bei manchen davon (wie z.B. der Paar­therapie) müssen die Kosten selbst getragen werden. Andere (wie z.B. eine Familien- oder Lerntherapie) werden zwar nicht von den Kranken­kassen, manchmal jedoch von anderen Trägern wie dem Jugendamt finanziert. Bei Interesse lohnt es sich also, dort nachzufragen.

Psychoanalyse

Auf der Couch liegen, während die Psychoanalytikerin hinter einem sitzt. Dieses klassische Bild, das der Begriff „Psychotherapie“ auslösen kann, entstammt dieser Therapieform. Die Psychoanalyse ist die älteste der Therapie­schulen und geht auf einen Mann zurück, dessen Namen du wahrscheinlich schon einmal gehört hast: Sigmund Freud.

Die Psychoanalyse geht davon aus, dass psychische Beschwerden deshalb entstehen, weil Gefühle und Konflikte aus der Vergangenheit verdrängt wurden und so eine gesunde Entwicklung blockieren. Das Ziel dieser Therapieart ist es, diese zunächst immer unbewussten inneren Konflikte aufzudecken und damit auflösen zu können.

Der Therapeut oder die Therapeutin nimmt in der Psychoanalyse eine eher zurückhaltende Rolle ein, spricht wenig und befindet sich oft sogar gar nicht in deinem Sichtfeld. Denn wenn du dich für diese Therapieform entscheidest, erwartet dich auch heute noch oft eine Therapie im Liegen. Auf diese Weise sollst du möglichst wenig beeinflusst werden und ganz frei von dem berichten, was dir in den Sinn kommt. Diese häufig angewendete Methode nennt sich „freie Assoziation“. Die Sitzungen finden in der Regel bis zu dreimal die Woche statt und die Therapie kann insgesamt bis zu 300 Therapiesitzungen umfassen.

Auch wenn es für jede Therapieform eine maximale Anzahl von Sitzungen gibt, deren Kosten die Krankenkasse übernimmt, bedeutet das natürlich nicht, dass jede Therapie so lange dauern muss.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Diese Therapieform ist eine Weiter­entwicklung der Psychoanalyse und ähnelt ihr daher in einigen Punkten. Auch in der Tiefen­psychologisch fundierten Psycho­therapie wird davon ausgegangen, dass unbewusste Konflikte die zentrale Rolle in der Entstehung psychischer Erkrankungen spielen. Der Fokus liegt deshalb ebenfalls viel auf der Vergangenheit, in der die Ursachen deiner Beschwerden vermutet werden.

Im Gegensatz zur Psychoanalyse konzentriert sich die Tiefen­psycho­logisch fundierte Psycho­therapie jedoch mehr auf einen zentralen Konflikt und formuliert konkrete Ziele, die du erreichen möchtest.

Auch der Therapierahmen unterscheidet sich und die Sitzungen finden in der Regel im Sitzen statt. Außerdem nimmt dein Therapeut oder deine Therapeutin eine aktivere Rolle ein als in der Psycho­analyse. Diese Therapieart ist im Vergleich auch zeitlich begrenzter, das heißt, sie findet in der Regel einmal pro Woche und maximal über 100 Sitzungen statt.

Kognitive Verhaltenstherapie

Diese Therapieform wird in Deutschland am häufigsten angewandt. Die Kognitive Verhaltens­therapie – oft auch nur Verhaltens­therapie genannt – geht davon aus, dass psychische Erkrankungen das Ergebnis von ungünstigen Lern­erfahrungen, also erlernten Verhaltens- und Gedankenmustern sind. Diese können jedoch auch wieder verlernt oder verändert werden. Genau das macht sich diese Therapieform zunutze.

Die Verhaltenstherapie ist eher gegenwartsorientiert. Das bedeutet nicht, dass du nicht auch über die Vergangenheit sprichst und überlegst, was zur Entwicklung deiner psychischen Beschwerden beigetragen haben könnte. Der Schwerpunkt liegt jedoch darauf, wie du dein Erleben, deine Verhaltens- und Gedankenmuster im Hier und Jetzt verändern kannst.

Eine Verhaltenstherapie findet meist wöchentlich statt und kann bis zu 80 Sitzungen umfassen. Dabei sitzt du in der Regel deiner Therapeutin gegenüber, die oft eine viel aktivere Rolle einnimmt, indem sie Fragen stellt und dich unterstützt, Lösungen zu finden oder neue Wege zu gehen.

Systemische Therapie

„Alles hängt zusammen“ –  so könnte das Motto der Systemischen Therapie lauten. Denn im Fokus dieser Therapieform steht nicht die Einzelperson, sondern das gesamte „System“. Damit ist der soziale Kontext, also zum Beispiel deine Familie oder andere wichtige Bezugspersonen, gemeint.

Eine psychische Erkrankung einer einzelnen Person wird in der Systemischen Therapie als Symptom für eine Störung der Interaktion im System (z.B. der Familie) gesehen. Die Person, die psychische Beschwerden entwickelt, ist sozusagen der „Symptomträger des Systems“.

Eine Methode dieser Therapieform kann beispielsweise sein, eine systemische Aufstellung zu machen. Das kann bedeuten, mithilfe von Figuren, Gegenständen oder Personen, Teile deines Umfelds im Raum darzustellen und dadurch Einblicke in eure Strukturen und Interaktionen zu erlangen.

Die Therapie findet meist mit dir alleine einmal pro Woche statt und kann bis zu 48 Sitzungen betragen. Es kann auch vorkommen, dass wichtige Bezugs­personen für einzelne Sitzungen hinzugebeten werden.

Auf einen Blick

Therapiearten

Psychoanalyse

  • Fokus: unbewusste innere Konflikte, die in der Vergangenheit entstanden sind; kein festgelegtes konkretes Konfliktthema
  • Dauer und Frequenz: 50-minütige Sitzungen, 2-3 Mal pro Woche, bis zu 300 Sitzungen
  • Therapiesetting: meist im Liegen, Einzel- und Gruppentherapie möglich

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

  • Fokus: unbewusste innere Konflikte, die in der Vergangenheit entstanden sind; ein zentrales Konfliktthema wird festgelegt
  • Dauer und Frequenz: 50-minütige Sitzungen, 1-2 Mal pro Woche, bis zu 100 Sitzungen
  • Setting: in der Regel im Sitzen, Einzel- und Gruppentherapie möglich

Verhaltenstherapie

  • Fokus: Gedanken, Gefühle und Verhalten; gegenwartsorientiert
  • Dauer und Frequenz: 50-minütige Sitzungen, 1 Mal pro Woche, bis zu 80 Sitzungen
  • Setting: im Sitzen, Einzel- und Gruppentherapie möglich

Systemische Therapie

  • Fokus: Interaktion des sozialen Umfelds
  • Dauer und Frequenz: 50-minütige Sitzungen, 1 Mal pro Woche, bis zu 48 Sitzungen
  • Setting: im Sitzen, Einzel- und Gruppentherapie möglich

Welche ist die beste Therapieform für mich?

Welche der Therapieformen am besten geeignet ist, ist sehr individuell und oft gibt es hier auch kein richtig oder falsch. Vielmehr basiert es meist auf den eigenen Vorlieben, welches Verfahren zu dir passen könnte.

Um eine Entscheidung treffen zu können, kann es aber helfen, dir folgende Fragen zu stellen:

  • Will ich „tiefer“ gehen, möglichen Ursachen auf den Grund gehen und eher vergangenheitsorientiert arbeiten?
  • Oder möchte ich den Fokus auf die Gegenwart legen, mein Verhalten, meine Gedanken und Gefühle erforschen und verändern?
  • Ist das System (also mein Umfeld) sehr wichtig in Bezug auf meine Beschwerden?
  • Was sagt mir mein Bauchgefühl?

Keine Sorge, deine Entscheidung ist nicht endgültig. Bevor du eine Therapie startest, finden 2 bis 4 probatorische Sitzungen statt, in denen du deinen Therapeuten oder deine Therapeutin kennenlernen kannst. Hier kannst du auch noch einmal alle Fragen stellen und entscheiden, ob dein Gegenüber und die Therapieform das Richtige für dich sind. Diesen Prozess haben wir übrigens auch in unserem Artikel Ablauf einer Psychotherapie für dich zusammengefasst.

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