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Zukunftsangst: Den Geistern der Zukunft die kalte Schulter zeigen

 „Die Angst vor Morgen kommt immer einen Tag zu früh!“

Phil Bosmans

Was verbirgt sich hinter der Tür am anderen Ende des Raumes? Oder anders ausgedrückt: Was hält die Zukunft für mich bereit? Die Sorge vor dem, was morgen kommt, ist ein ganz normales Gefühl. Entscheidend ist jedoch, in welchem Umfang wir uns um unsere Zukunft sorgen und inwieweit die Zukunftsangst unser alltägliches Leben beeinträchtigt. Wie sich Zukunftsängste entwickeln können und wie du einen hilfreichen Umgang mit ihnen finden kannst, erfährst du in diesem Artikel. 

Die Zukunft in unserem Kopf

Kennst du das Gefühl, wenn die Zukunft nicht greifbar scheint? Dafür gibt es einen eigentlich einfachen Grund: die Zukunft ist nämlich etwas, das tatsächlich nicht fassbar ist, da sie im Prinzip nicht existiert. Niemand hat sie jemals zu Gesicht bekommen. Der einzige Ort, an dem wir sie finden, ist in unserem Kopf. Folglich gibt es auch nicht „die eine Zukunft”, da sie sich jeder von uns anders ausmalt.

Im Grunde genommen ist die Zukunftsangst, wie der Begriff bereits andeutet, die Sorge über das, was auf uns zukommen wird. Diese Befürchtungen finden ihren Ursprung in unseren Gedanken.  

Die Angst vor der Zukunft muss keinen bestimmten Anlass haben und ist nicht an ein Lebensalter gebunden. Bereits Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene können sich Sorgen um ihre Zukunft machen. Kurzum: die Angst vor der Zukunft kann uns unser Leben lang begleiten. Häufig tritt sie aber auf, wenn wir uns in einem Umbruch befinden, wie zum Beispiel nach Abschluss der Schule oder bei einer Kündigung. Die Zukunftsangst kann allerdings auch ohne einen konkreten Anlass in unserem Kopf herumspuken. Bereits mit dem ersten Augenaufschlag am Morgen kann die Angst vor dem Ungewissen auf uns lasten. Und zwar ohne, dass wir genau wissen, warum. In diesen Momenten kann uns schon der nächste Tag unvorhersehbar und unkontrollierbar vorkommen.

Ursachen der Zukunftsangst

Warum begegnen wir dem Ungewissen mit Angst? Im Grunde genommen hat die Zukunftsangst einen evolutionären Hintergrund: So bedeutete das Unbekannte immer schon eine mögliche Bedrohung. Unser Körper bereitet sich auf potentielle Gefahren vor, indem er alle Kraft zusammennimmt. Das spüren wir dann als Angst. 

Angst hat vor allem zwei wichtige Funktionen. Sie warnt uns bei Gefahr und aktiviert uns, damit wir uns bestmöglich vor dieser Gefahr schützen können. Anders ausgedrückt, kann die Angst helfen, uns auf das Unbekannte in der Zukunft vorzubereiten und  ist damit per se nichts Schlechtes. Die Angst vor der Zukunft kann jedoch auch über ein hilfreiches Maß hinausgehen und uns in einer gewissen Art und Weise in unserem Alltag lähmen. 

Zukunftsangst und Depression

Die Angst vor der Zukunft kann uns ganz schön im Weg stehen. Manchmal sogar so sehr, dass wir die Gegenwart nicht mehr richtig wahrnehmen, geschweige denn genießen können. 

Sorgen wir uns über eine längere Zeit hinweg über das hilfreiche Maß hinaus um zukünftige Ereignisse, kann die Zukunftsangst in einer Depression münden. Wir können dann in eine negative Abwärtsspirale unserer Gedanken geraten, in der den möglichen positiven Aspekten unserer Zukunft kein Raum gegeben wird.

Den Mechanismus der negativen Abwärtsspirale haben wir in unserem Artikel zum Thema Depression überwinden ausführlicher beschrieben.

„Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht: Du wirst auf jeden Fall recht behalten.“

Henry Ford

Pessimismus und Depression

Die Angst vor der Zukunft und eine depressive Verstimmung können also zusammenhängen. Die Zukunftsangst alleine ist jedoch nicht per se ein Zeichen für eine Depression. Vielmehr sind negative und pessimistische Zukunftsperspektiven ein Symptom von vielen, die erfüllt sein müssen, um von einer Depression sprechen zu können. In unserem Artikel „Bin ich depressiv?” erklären wir, inwiefern du mit Selbsttests herausfinden kannst, ob sich bei dir Hinweise auf eine Depression ergeben.

3 Schritte, wie du einen hilfreichen Umgang mit Zukunftsängsten erlernen kannst

Wie gelingt es nun, sich aus dieser Negativspirale zu befreien? Erinnere dich einmal daran, dass die Zukunft etwas ist, was allein in unserem Kopf haust. Denn genau dort können wir ansetzen, um die Angst vor der Zukunft zu überwinden. Hol dir schon einmal deine farbenfrohen Stifte heraus und räume die grauen Bleistifte beiseite: Denn nun bestimmst du, mit welchen Farben du deine Zukunft ausmalst.

1Klarheit schaffen

Gedanken, wie „Was wäre wenn,…” spuken teilweise wie Geister in unserem Kopf herum. Manchmal können sich diese Geister verselbstständigen und eine Größe annehmen, die nichts mehr mit der Realität zu tun hat. Im ersten Schritt wollen wir diese daher nun einmal zu Fassen bekommen. Denn wenn du verstehst, was die Angst erzeugt, kannst du einen Weg finden, um hilfreich mit ihr umzugehen. 

Überlege einmal genau, was dir an der Zukunft Angst bereitet und was du in diesem Punkt aktiv tun kannst, um sie zu beeinflussen. Das kannst du dir wie bei einem Profi-Boxer vorstellen, der die Stärken und Schwächen seines Gegners vor dem Kampf bereits genau studiert und seinen Trainingsplan danach ausrichtet. Dabei liegt es ganz in deiner Hand, ob du dir deine Ängste auf ein Blatt Papier schreiben magst oder doch lieber laut überlegst. 

2Ins Handeln kommen

Nun geht es darum, deinen Trainingsplan in die Tat umzusetzen. Anders ausgedrückt: warte nicht bis zu dem Zeitpunkt, an dem dein Gegner zum ersten Schlag ausholt, sondern werde bereits vorher aktiv. Mach dir dabei jedoch bewusst: wie die Schläge deines Gegners, kann auch die Zukunft nicht hundertprozentig vorhersehbar sein. Daher kann es hilfreich sein, wenn du dir in diesem Schritt über verschiedene mögliche Ausgänge deiner Zukunft bewusst wirst. Fokussiere dich dann auf das, was du verändern kannst, anstatt dich darüber zu sorgen, was du nicht in der Hand hast. Nutze den evolutionären Sinn der Zukunftsangst, indem du dich auf diese vorbereitet und ins aktive Handeln kommst. 

Von heute auf morgen lässt sich die graue Brille nicht so einfach ablegen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass du dir wohlwollend gegenüberstehst und dich Schritt für Schritt auf das Positive fokussierst. Dabei kann es hilfreich sein, ein Positiv-Tagebuch zu führen, in welchem du dir jeden Abend zwei Punkte notierst, die für dich am jeweiligen Tag angenehm waren oder die du geschafft hast. Sei es das Notieren deiner Ängste oder eine heiße Tasse Kaffee am Morgen: es zählt jedes Ereignis und jeder Moment. 

3Selbstvertrauen stärken

Die Zukunft anzugehen, ist nicht immer leicht. Du kannst der Zukunftsangst jedoch den Nährboden entziehen, wenn du dir wieder deiner eigenen Stärke bewusst wirst. Du hast schon so einiges in deinem Leben erreicht und schon vielen Geistern den Rücken zugewandt. Um nun auch den gegenwärtigen Geistern der Zukunftsangst die kalte Schulter zu zeigen, kann ein starker Selbstwert sehr hilfreich sein.

Gelassener in die Zukunft

Unter dem Strich ist und bleibt die Zukunft etwas Ungewisses, schließlich liegt sie noch vor uns. Dennoch sollten wir uns bewusst werden, dass es diese Zukunft immer geben wird und wir selber einen großen Anteil an ihr leisten können. Versuche, die Zukunft gelassen anzunehmen, ganz nach dem Motto: „Es kommt, wie es kommt.” So können wir Vertrauen in uns und die Welt schöpfen und das Beste aus der Zukunft machen.

„Die Angst vor einer Zukunft, die wir fürchten, können wir nur überwinden durch Bilder von einer Zukunft, die wir wollen.“

Wilhelm-Ernst Barkhoff

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