Zurück zur Übersicht

Beziehung ohne Sex – ist das normal?

Du bist in einer Beziehung, aber hast keinen Sex mit deinem Partner oder deiner Partnerin. Viele Menschen bringt das ins Grübeln, da sie das Gefühl haben, dass etwas nicht so ist, wie es sein sollte. Gehen wir daher der Sache psychologisch auf den Grund: Eine Beziehung ohne Sex ist das möglich und normal – oder gibt es Grund zur Sorge? Und was kannst du tun, wenn du etwas daran verändern willst?

Die Sache mit der Häufigkeit

Sparen wir uns die Statistiken, wie oft Menschen in Deutschland durchschnittlich pro Woche Sex haben. Denn der Durchschnitt sagt letztendlich nichts aus: Wenn ein Paar einmal pro Woche Sex hat, das andere Paar zehnmal, liegen wir im Durchschnitt bei fünfmal Sex pro Woche – solltest du dir eine durchschnittliche Zahl also wirklich zu Herzen nehmen? Eher nicht. Dazu kommt, dass viele Menschen bei solchen Befragungen nicht ehrlich sind und so antworten, wie sie glauben, dass es von ihnen erwartet wird. In der Psychologie spricht man dabei von sozialer Erwünschtheit. Klammern wir uns also nicht an Häufigkeiten, schon gar nicht an durchschnittliche Häufigkeiten oder die Frage: Was ist eigentlich normal? Stattdessen kannst du dir die Frage stellen …

Bin ich in meiner Beziehung ohne Sex zufrieden?

Vielleicht liest du diesen Artikel, weil du gerne eine Bestätigung, vielleicht auch eine gefühlte „Erlaubnis” haben möchtest, um genau so viel Sex zu haben, wie du willst – momentan eben eventuell gar keinen. Hier kommt sie:

An deinen Bedürfnissen ist niemals etwas falsch.

Eine Beziehung ohne Sex ist vollkommen in Ordnung, wenn ihr beide zufrieden damit seid. 

Eure Partnerschaft kann auch ohne Sex erfüllend sein, denn das Verlangen nach Sex ist schlichtweg nicht nur zwischen Personen unterschiedlich, sondern auch abhängig von Lebensphasen. Zum Beispiel berichten viele Paare, dass sie nach der Geburt eines Kindes erst mal keinen Sex mehr hatten, da sie mit dem Baby beschäftigt waren. Das muss keineswegs mit Unzufriedenheit einhergehen, sondern kann beglückend sein, weil es den inneren Werten entspricht. 

Übung

Das Gute wahrnehmen

Anstatt darüber zu grübeln, ob dein fehlendes Bedürfnis nach Sex nun normal oder „gut” ist, kannst du dir schöne Gedanken darüber machen, was dich gerade erfüllt, worauf du dich fokussierst und bei was du Leidenschaft spürst. Kein Bedürfnis nach Sex zu haben, bedeutet vielleicht einfach nur, das Bedürfnis nach anderen Dingen zu haben. Welche sind es? Und welchen anderen schönen gemeinsamen Nenner habt ihr als Paar? Bei welchen Aktivitäten erlebst du in der Partnerschaft Nähe und Verbundenheit? Eine Beziehung ohne Sex muss keine Beziehung ohne körperliche Nähe sein. Vielleicht berührt ihr euch und kuschelt gerne? Erlaube dir diese Zufriedenheit durch andere Dinge. Du kannst dich auch in Dankbarkeit üben, um dieses Gefühl zu verstärken, denn Sex an sich ist niemals ein Garant, um glücklich zu sein.

Es ist kompliziert

In einer Beziehung ist es nicht selten so, dass die Häufigkeit miteinander zu schlafen mit der Zeit abnimmt. Am Anfang einer Beziehung ist die körperliche Anziehung häufig stark und kann dann nachlassen. Dass dieser „Reiz des Neuen” vergeht, ist ein ganz normales Phänomen, das nichts mit allgemeiner sexueller Unlust zu tun haben muss. Wir sind uns dabei auch nicht immer sofort im Klaren darüber, ob das den eigenen Bedürfnissen entspricht und wie das beim Partner oder bei der Partnerin ist, wissen wir ohne ein offenes Gespräch auch nicht. 

Sex ist ein komplexes Thema, das meistens auf den Tisch kommt, wenn eine Person in der Beziehung ein stärkeres sexuelles Bedürfnis als die andere hat.

Dann spielt es eine Rolle, ob man – eventuell nach einer Hochphase am Anfang – allgemein eher wenig oder keinen Sex will und von anderen Dingen erfüllt ist. Wenn es dem oder der anderen genauso geht, ist das prima. Ist das nicht der Fall, kann das zu sexuellem Druck führen und durchaus ein Grund sein – je nachdem wie groß der Bedürfnisunterschied ist – dass die Beziehung langfristig nicht funktioniert. 

Aber auch hier gilt: Es ist komplex. Was, wenn ihr „unfreiwillig” eine Beziehung ohne Sex führt, ihr beide euch mehr Sex wünscht, aber das sexuelle Verlangen einseitig oder beidseitig dafür fehlt?

Beziehung ohne Sex: Woran liegt es? 

Kein sexuelles Verlangen zu spüren, obwohl man es sich eigentlich wünscht, kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Dazu können gehören:

  • Körperliche Ursachen: Hormone spielen eine entscheidende Rolle, wenn es um Lust und Unlust geht. Daher können körperliche Veränderungen, zum Beispiel durch eine Schwangerschaft oder die Wechseljahre eine Rolle spielen.

  • Asexualität: Es ist auch möglich, dass du keine sexuelle Anziehung anderen gegenüber verspürst und allgemein kein Verlangen nach Sex hast – grundsätzlich kein Bedürfnis nach Sex zu haben, kann also auch ein natürlicher Zustand sein.

  • Stress: Wenn man Stress erlebt, führt das zur Anspannung, die Gedanken sind durch die Stressthemen vereinnahmt, man erlebt unangenehme Gefühle und die sexuelle Lust kann ausbleiben.

  • Nebenwirkungen durch Medikamenten: Durch Medikamente, zum Beispiel „die Pille” oder Antidepressiva, kann die Lust beeinträchtigt sein.

  • Partnerschaftsprobleme: Partnerschaftsprobleme können dazu führen, dass die Lust, miteinander zu schlafen, abnimmt oder ganz ausbleibt. Hier kann zum Beispiel fehlende Aufmerksamkeit und Wertschätzung und (unterschwelliger) Ärger und Aggression eine Rolle spielen.

  • Angst vor Sex: Angst ist ein Gegenspieler zur sexuellen Erregung. Wenn du Angst hast, zum Beispiel vor Schmerzen beim Sex, kann das die Lust beeinträchtigen. 

  • Geringes Selbstwertgefühl: Ein geringes Selbstwertgefühl in der Sexualität kann dazu beitragen, dass keine sexuelle Lust aufkommt. Selbstzweifel, Scham oder Leistungsdruck können verhindern, sich dem oder der anderen zu öffnen.

Wie lässt sich eine Beziehung ohne Sex verändern?

Eine pauschale Antwort, wie man mehr Sex in die Beziehung bringt, gibt es aufgrund der vielen verschiedenen Ursachen für fehlendes sexuelles Verlangen nicht. Oftmals hilft es allerdings schon, die Ursache zu kennen oder gegebenenfalls in Einzel- oder Paartherapie herauszufinden. 

Für alle partnerschaftlichen Veränderungen braucht es jedoch vor allem eins: Kommunikation. Wenn du dir Veränderung wünschst, sprich mit deinem Partner oder deiner Partnerin in offener und wertschätzender Weise darüber. Es kann dabei helfen, die Frage im Hinterkopf zu haben: Welche Worte könnte ich wählen, um etwas in Richtung meines Bedürfnisses zu bewirken und die Beziehung langfristig zu verbessern? 

Wenn du unter dem speziellen Fall leidest, Schmerzen beim Sex zu erleben und daher Sex zu vermeiden, wie zum Beispiel bei Vaginismus, hält unser Online-Kurs Vaginismus Plus viele wertvolle Informationen und Übungen für dich bereit. Dabei geht es nicht nur um die Verbesserung deiner Beschwerden, sondern auch um gute partnerschaftliche Kommunikation und Partnerübungen wie Sensate Focus. Schau am besten einfach auf unserer Kursseite vorbei!

Lust statt Frust mit Vaginismus Plus: Im Online-Kurs lernst du, wie du vaginale Schmerzen beim Einführen oder beim Sex reduzieren kannst ✓ wissenschaftlich belegt.

ZUM KURS

Artikel teilen:Share this:

Twitter Facebook LinkedIn
Autorin:
Victoria Bindrum Psychologin
Unsere Artikel werden von Psychologinnen und Psychologen geschrieben und von Psychotherapeutinnen geprüft. Wenn du mehr darüber erfahren willst, was uns beim Schreiben wichtig ist, dann lerne hier unser Autorenteam kennen.
Kostenfrei auf Rezept

HelloBetter Stress und Burnout

Fühlst du dich so überlastet, dass dein Arbeits- und Privatleben darunter leiden? Dann kann unser Online-Therapiekurs HelloBetter Stress und Burnout dein Weg aus der Erschöpfung sein. Der Kurs wird von allen gesetzlichen und vielen privaten Krankenkassen übernommen.

Zum Kurs