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Hochfunktionale Depression: Ich fühle was, was du nicht siehst

„Du wirkst ja gar nicht depressiv“ – Menschen, die an einer sogenannten hochfunktionalen Depression leiden, kennen diesen Satz oft nur zu gut. Anders als bei einer „klassischen Depression”, erleben Betroffene weniger sichtbare oder andere Beschwerden und wirken deshalb von außen betrachtet weniger belastet. Im Inneren sieht es jedoch ganz anders aus. Was sich hinter dem Begriff hochfunktionale Depression verbirgt und wie er sich einordnen lässt, erklären wir in diesem Artikel. Zum Schluss erfährst du außerdem, was du bei dieser Form der Depression tun kannst.

Wie äußert sich eine „klassische“ Depression?

Eine Depression ist gekennzeichnet durch verschiedene Symptome, die mindestens zwei Wochen lang anhalten. Zu den sogenannten Kernsymptomen zählen eine gedrückte Stimmung, Interessen- und Freudverlust sowie Antriebslosigkeit. Zusätzlich erleben Betroffene oft einen Verlust ihres Selbstvertrauens oder werden von Selbstvorwürfen geplagt. Auch Konzentrationsprobleme oder Schlafstörungen können Anzeichen sein. Den beruflichen, sozialen oder alltäglichen Aktivitäten nachzukommen, fällt bei einer Depression in der Regel schwer. Je nach Anzahl und Intensität der Symptome wird eine leichte, mittelgradige oder schwere depressive Episode unterschieden. 

Was ist eine hochfunktionale Depression?

Der Begriff hochfunktionale Depression steht für eine Form der Depression, bei der die Person im beruflichen, sozialen und alltäglichen Leben weniger eingeschränkt und belastet wirkt. Denn sie scheint im Alltag zu „funktionieren“, geht zur Arbeit, Schule oder Ausbildung und ist dabei nicht selten sogar sehr erfolgreich. Alltäglichen Verpflichtungen wird nachgekommen und so unterscheidet sich die Person oberflächlich kaum von ihrem Umfeld. Im Inneren können jedoch Selbstzweifel, Sorgen, Ängste oder der Satz „Ich kann nicht mehr!” herrschen.

Auch wenn einem der Begriff hochfunktionale Depression immer häufiger begegnet, stellt er keine Diagnose dar. Am ehesten lässt sich das Konzept der hochfunktionalen Depression den Diagnosen atypische Depression oder Dysthymia zuordnen.

Atypische Depression

Wenn depressive Beschwerden sich von denen einer „typischen Depression“ unterscheiden, – zum Beispiel in der Art, Dauer oder Anzahl – kann von einer atypischen Depression die Rede sein. Wie genau das aussehen kann, wird im amerikanischen Klassifikationssystem für psychische Erkrankungen (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, DSM-5) näher definiert.

Die gedrückte Stimmung kann bei einer atypischen Depression von den äußeren Umständen beeinflusst werden. Das heißt, wird etwas Positives erlebt, kann sich die Stimmung für den Moment aufhellen.

Weitere Anzeichen können ein gesteigerter Appetit und ein erhöhtes Schlafbedürfnis sein. Ebenfalls zu möglichen Symptomen zählen eine Empfindlichkeit gegenüber Kritik und sozialer Zurückweisung sowie Taubheits- oder Schweregefühle in Armen und Beinen.

Oft geht bei einer atypischen Depression das Leben oberflächlich normal weiter. Das heißt, Betroffene ziehen sich nicht zurück, sondern nehmen an sozialen Aktivitäten teil, fühlen sich danach aber schwer und ausgelaugt. Dieses scheinbare „Funktionieren” prägt den Begriff hochfunktionale Depression, mit dem eine atypische Depression gemeint sein kann.

Dysthymia

Der Begriff hochfunktionale Depression kann auch für eine Dysthymia stehen. Von ihr wird dann gesprochen, wenn depressive Beschwerden mindestens zwei Jahre anhalten, jedoch nie oder nur selten so stark sind, dass die Kriterien einer depressiven Episode erfüllt sind. Phasen, in denen die Stimmung normal ist, können zwar vorkommen, dauern jedoch selten länger als einige Wochen. Auch bei dieser Form der Depression können Betroffene durch die milderen Symptome wenig belastet wirken, obwohl sie sich anders fühlen. Denn die anhaltende depressive Verstimmung kann das Wohlbefinden stark beeinträchtigen.

Was sind die Gefahren einer hochfunktionalen Depression?

Psychische Erkrankungen und das Aufsuchen von therapeutischer Hilfe sind auch heute noch oft mit Vorurteilen behaftet. Sieht das, was du erlebst, dann auch noch anders aus als das, was von einer Depression „erwartet“ wird, kann es doppelt schwerfallen, sich Unterstützung zu suchen. Denn wenn nicht gesehen und anerkannt wird, wie es dir eigentlich geht, können schnell Fragen aufkommen wie: Ist das, was ich erlebe, eigentlich echt? Ist es wirklich „schlimm genug“?

Vertraut man sich dann doch einer anderen Person an, können Kommentare wie „Du wirkst doch gar nicht depressiv“ oder „Ach, du kriegst das doch alles super hin“ noch mehr verunsichern.

Menschen mit einer hochfunktionalen Depression können durch die fehlende Sichtbarkeit und Rückmeldungen aus ihrem Umfeld das Gefühl haben, dass sie an keiner Depression leiden. Sie suchen sich deshalb auch seltener therapeutische Hilfe.

Hochfunktionale Depression – was tun?

Egal ob klassische, atypische oder anhaltende mildere Symptome: Depressionen sind gut behandelbar. Das gilt auch dann, wenn du das Gefühl hast, vielleicht an einer hochfunktionalen Depression zu leiden. Du darfst dir bewusst machen, dass nur weil das, was du fühlst oder erlebst, eventuell nicht dem „Standard“ entspricht oder du im Alltag „funktionierst“, dennoch depressive Beschwerden vorliegen können. Sich professionellen Rat und Hilfe in Form von einer Psychotherapie zu suchen, kann deshalb sinnvoll sein. Welche weiteren Möglichkeiten Depressionen zu behandeln es gibt, erfährst du in unserem Blogartikel zu diesem Thema.

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