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Job Crafting: Wie schneidere ich mir meinen perfekten Job?

Die meisten von uns verbringen werktags etwa zwei Drittel der Zeit, die wir wach sind mit unserer Arbeit. Das klingt nicht nur viel, sondern ist auch ganz schön viel! Gerade wenn wir unzufrieden mit unserer Arbeit sind, kann sich das nach einer ganzen Menge anfühlen. Der Gedanke an einen Jobwechsel liegt da oft nah, denn ein neuer Job bietet immer die Möglichkeit, dass das, was uns an der alten Arbeitsstelle nicht gefallen hat, besser wird. Aber kein Job ist zu 100 Prozent perfekt. Viele Menschen denken, sie müssten sofort den idealen Arbeitsplatz, den perfekten Arbeitgeber und das rundum glückliche Umfeld finden. Das ist jedoch ein Irrglaube, denn die Arbeitsplätze und wir selbst entwickeln uns ständig weiter. Was am Anfang passt, macht auf Dauer nicht unbedingt glücklich. Die gute Nachricht ist: Du kannst deine Arbeit mit großer Wahrscheinlichkeit mehr nach deinen eigenen Bedürfnissen ausrichten. Wie das geht? Mit Job Crafting!

Hast du es schon einmal mit Job Crafting versucht?

Ein Ansatz, um mehr Zufriedenheit in dein Arbeitsleben zu bringen, kann Job Crafting sein. Laut Definition versteht man unter Job Crafting (deutsch: die Arbeit/den Arbeitsplatz gestalten) das Anpassen der eigenen Arbeit an die individuellen Bedürfnisse. Es geht dabei im Vergleich zum Jobwechsel nicht darum, den perfekten Job zu finden, sondern vielmehr darum, die bereits bestehende Arbeitssituation mehr an die eigenen Wünsche und Vorstellungen anzupassen. Das wiederum soll dazu führen, dass du mehr Sinn in deiner Arbeit finden und erleben kannst. 

Das kannst du dir am besten wie bei einem Kleidungsstück vorstellen, das du zum Schneider bringst. Der Stoff und auch die Farbe können nicht verändert werden. Die Rahmenbedingungen sind also fix. Was jedoch verändert werden kann, ist, wie gut dir das Kleidungsstück passt. Es kann größer oder kleiner gemacht, also ganz individuell auf dich zugeschnitten, werden.

Das heißt jedoch nicht, dass jeder Job perfekt zu dir passen wird, wenn du nur gut genug daran rum schneiderst. Vielmehr geht es darum, möglichst passende Rahmenbedingungen zu finden und diese dann auf dich im Detail abzustimmen. Oder um in unserem Bild zu bleiben: Du solltest das Material und die Farbe deines Kleidungsstücks bereits grundsätzlich mögen, bevor du es zum Schneider bringst. 

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So funktioniert die Job Crafting Methode

Wie genau geht Job Crafting? Allgemein geht es beim Job Crafting nicht darum, den eigenen Job von Grund auf zu verändern. Es handelt sich dabei eher um kleine, kontinuierliche Veränderungen. Wichtig ist auch, dass die Motivation für das Job Crafting von dir selbst kommen sollte. Das heißt, nur, wenn du das Bedürfnis danach hast, deinen Job individueller zu gestalten, kann dir auch ein erfolgreiches Job Crafting gelingen. Denn nur du weißt ganz genau, was du benötigst, um mit deiner Arbeit zufrieden zu sein. 

Verschiedene Arten des Job Craftings

Die Wissenschaftlerinnen Amy Wrzesniewski und Jane E. Dutton beschäftigen sich bereits seit mehreren Jahrzehnten mit dem Thema und sie unterscheiden verschiedene Arten des Job Craftings: 

Job Crafting durch veränderte Aufgaben

Beim Verändern der Aufgaben im Sinne des Job Craftings geht es vor allem darum, die eigenen Aufgaben als wertvoller zu empfinden. Das ist vor allem dann der Fall, wenn wir das Gefühl haben, dass wir eine Vielzahl unserer Stärken für die Aufgabenbearbeitung einsetzen können. Wenn die Bewältigung einer Aufgabe also zum Beispiel nicht nur unser Organisationstalent fordert, sondern auch unsere Fähigkeit, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und komplexe Inhalte einfach darzustellen. Außerdem erleben wir eine Aufgabe als sinnvoll, wenn wir das Gefühl haben, dass sie für unsere Kolleginnen und Kollegen ebenfalls wichtig ist. 

Unsere Aufgaben können wir einerseits verändern, indem wir neue Aufgaben annehmen. Andererseits können wir Aufgaben, die uns sinnvoll erscheinen, mehr Zeit schenken oder aber Aufgaben, die uns nicht sinnvoll erscheinen, so verändern, dass wir mehr Sinn in ihnen finden können. Das können wir zum Beispiel tun, indem wir aus dem reinen Abarbeiten herauskommen und uns mit unseren eigenen Ideen in eine bereits bestehende Aufgabe einbringen. Macht dir zum Beispiel das Dokumentieren von Teamsitzungen nur wenig Spaß, weil die Protokolle sowieso niemand mehr liest? Dann fällt dir vielleicht eine Idee ein, wie ihr eure Besprechungen so festhalten könnt, dass sie auch in Zukunft noch erinnert werden. 

Job Crafting durch veränderte Beziehungen

Beziehungen am Arbeitsplatz können maßgeblich dazu beitragen, wie sinnvoll wir unsere Arbeit empfinden und wie zufrieden wir sind. Das liegt daran, dass wir den Großteil der Wertschätzung für unsere Arbeit häufig über unsere Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen erhalten. 

Vielleicht nimmst du dir an dieser Stelle eine Minute Zeit und fragst dich einmal, wie zufrieden du mit deinen Beziehungen am Arbeitsplatz bist. Gibt es eine oder vielleicht sogar mehrere Arbeitskolleginnen, die du wertschätzt und denen du vertraust? 

Falls du diese Frage mit ja beantworten kannst, super! Falls nein, kannst du dir überlegen, ob du in diesem Bereich deines Arbeitslebens gerne etwas verändern würdest. Im Sinne des Job Craftings könnte es sinnvoll sein, neue Beziehungen aufzubauen oder aber bereits bestehende so zu verändern, dass sie wertvoller für dich werden. Du könntest dir zum Beispiel überlegen, wie du deinen Arbeitskolleginnen noch mehr Unterstützung bieten könntest oder dich fragen, was du dir aus eurer Beziehung erhoffst. Wichtig ist hier, wie in allen anderen Beziehungen auch, die eigenen Bedürfnisse klar zu kommunizieren. Wie das geht, erklären wir dir  zum Beispiel in unserem Artikel zum Thema Grenzen setzen

Job Crafting durch veränderte Wahrnehmung

Im Gegensatz zu den ersten beiden Arten des Job Craftings geht es beim Verändern der eigenen Wahrnehmung nicht um äußere Faktoren. Es zählt hierbei vielmehr, die Einstellung zur eigenen Aufgabe oder Arbeit zu verändern. Das klingt vielleicht banal, tatsächlich können wir aber unser Gehirn austricksen, wenn wir uns auf bestimmte positive Aspekte fokussieren und das große Ganze sehen.

Frag dich also einmal, was genau du mit deinem Beitrag eigentlich bewegst? Trägst du als Bürofachangestellte zum Beispiel nicht nur zur Organisation deiner Abteilung bei, sondern sorgst auch für Teamzusammenhalt und bist Ansprechpartnerin für wichtige Fragen deiner Kolleginnen und Kollegen? Oder leistest du als Lehrerin nicht nur einen Beitrag zur schulischen, sondern auch zur persönlichen Bildung der Kinder und beeinflusst damit positiv und maßgeblich ihren weiteren Lebensweg? Vielleicht fallen dir ein paar Dinge in deinem Beruf ein, für die du Dankbarkeit empfindest.

Es kann sich auch lohnen, einen Zusammenhang zwischen deinen verschiedenen Aufgaben zu erkennen. Wenn du erkennst, dass alle Aufgaben in gewisser Weise zu deiner Arbeit und damit deinem Beitrag zu einem größeren Ziel zusammenspielen, fallen dir Aufgaben, die du nicht so gerne bearbeitest, eventuell leichter. Das Erstellen der Lohnabrechnungen am Ende des Monats wird so wahrscheinlich dennoch nicht zu deiner Lieblingsaufgabe, aber vielleicht etwas erträglicher. Natürlich sind dem Job Crafting für bestimmte Rollen Grenzen gesetzt und du wirst deinen Job nicht komplett verändern können. Besprich daher am besten mit deiner Führungsperson, was du verändern kannst.

Ist das etwas für mich?

Ob und inwieweit Job Crafting das Richtige für dich ist, kannst nur du entscheiden. Am besten findest du es in kleinen Schritten heraus. Nimm dir als ersten Schritt ein paar Minuten Zeit und überlege dir, was du am ehesten an deinem Job verändern könntest, um zufriedener zu sein und deinen Job als sinnvoller wahrzunehmen. Ist es deine Aufgabe, deine Einstellung zu deiner Aufgabe oder sind es vielleicht doch eher die Beziehungen am Arbeitsplatz, die du verändern möchtest? Am besten funktioniert Veränderung immer in kleinen Schritten. Frage dich also, welche kleine Veränderung du vielleicht bereits morgen vornehmen kannst. Wir wünschen dir viel Erfolg dabei! 

Übung

Job Crafting beginnen

Die Beantwortung dieser Fragen kann ein guter erster Schritt sein:

  • Welche Aufgaben machen dir besonders viel Spaß und würdest du gern mehr tun?
  • Wo liegen deine persönlichen Stärken?
  • Welche Aufgaben würdest du gern weniger machen?
  • Bei welchen Tätigkeiten brauchst du mehr Unterstützung und von wem?
  • Mit wem würdest du gerne öfter zusammenarbeiten?
  • Inwiefern dient deine Arbeit einem größeren Zweck als nur der Stellenbeschreibung? Und ist es einer, an den du glaubst und den du unterstützen möchtest?

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  • Quellennachweis

    Berg, J. M., Dutton, J. E., & Wrzesniewski, A. (2013). Job crafting and meaningful work.

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