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Grenzen setzen – wie schaffe ich das?

Überall in unserem Alltag begegnen uns Grenzen: Der Supermarkt hat nur bis 20 Uhr geöffnet, es gibt eine Wand zwischen meiner Wohnung und der meines Nachbarn, meine Freundin geht nicht mehr ans Telefon, seitdem wir uns gestritten haben.

Indem wir Grenzen setzen, versuchen wir eine verlässliche Ordnung herzustellen und auch etwas zu schützen – zum Beispiel unsere körperliche oder psychische Gesundheit. Die Schwierigkeit ist, dass an einer Grenze immer mindestens zwei Menschen beteiligt sind: die Person, die sie setzt und die Person, die sie respektieren muss. Ist eines von beiden nicht der Fall, wird es problematisch.

In diesem Artikel geht es darum, wie du dir deiner Grenzen bewusst werden und sie kommunizieren kannst, um deine psychische Gesundheit zu wahren. Außerdem erfährst du, wie du mit den Reaktionen anderer Menschen darauf umgehen kannst.

Wenn du bereits das Gefühl hast, dass deine Grenzen in Beziehungen häufig überschritten werden, könnte dich auch unser Artikel Toxische Beziehungen interessieren.

Warum ist Grenzen setzen schwierig?

Jeder Mensch hat das Bedürfnis nach Bindung. Das bedeutet, wir möchten positive Beziehungen zu anderen Menschen haben, uns verbunden fühlen, einer Gemeinschaft angehören. Deshalb ist es auch ganz normal, dass wir uns wünschen, von anderen gemocht zu werden. Wenn wir Grenzen setzen, laufen wir Gefahr, andere vor den Kopf zu stoßen, zu enttäuschen und uns ihre Sympathie zu verspielen. Denken wir. Was wir dabei jedoch übersehen ist, dass in dauerhaft gesunden Beziehungen, ob in Partnerschaft, Freundschaft, Familie oder auch in Arbeitsbeziehungen, Grenzen absolut notwendig und im Grunde unumgänglich sind. Wenn du Grenzen setzen lernen möchtest, lass uns nun einmal überlegen, um welche Grenzen es bei dir genau gehen könnte.

Grenzen setzen – aber welche?

Da wir uns in diesem Artikel auf deine psychische Gesundheit konzentrieren möchten, frage dich einmal: Was brauche ich, damit es mir gut geht?

Antworten darauf könnten zum Beispiel innere Werte sein, zum Beispiel:

  • Verlässlichkeit
  • Vertrauen
  • Respekt
  • gegenseitige Akzeptanz

Oder auch ganz praktisch sein, zum Beispiel:

  • 8 Stunden Schlaf
  • 3 feste Mahlzeiten
  • einmal pro Woche Sport
  • täglich 10 Minuten Meditation
  • zwei Verabredungen in der Woche mit Freunden
  • eine Woche Urlaub
  • abends Zeit zum Fernsehen oder lesen

Natürlich verändern sich deine Bedürfnisse und es geht nicht darum, sie jetzt zu pauschalisieren. Um zu erkennen, welche Grenzen du setzen willst, kannst du jedoch immer wieder in dich hineinhören und dich fragen: Was brauche ich jetzt, damit es mir gut geht? Welche anderen Erlebnisse, Anforderungen oder Aktivitäten stehen dem gerade entgegen, sind mir vielleicht zu viel oder passen nicht zu meinen Werten? Es spricht nichts dagegen, dich das wortwörtlich innerlich zu fragen, insbesondere in Momenten, denen du das Gefühl hast, dass dir „etwas gegen den Strich” geht. Womöglich ist dieser sprichwörtliche Strich ganz genau deine Grenze.

Beispiele für Grenzen setzen

  • Stell dir vor, du möchtest gerade meditieren und dein Partner oder deine Partnerin kommt immer wieder ins Zimmer und fragt dich etwas. In dieser Situation könntest du die andere Person bitten, dich in dieser Zeit nicht zu unterbrechen. Langfristig könntet ihr vereinbaren, dass niemand das Zimmer betritt, wenn die Tür geschlossen ist.
  • Ein Freund ruft an und fragt, ob du noch mitkommst etwas trinken. Doch du ahnst, dass du dann nicht zu deinen 8 Stunden Schlaf kommst. In diesem Fall könntest du einen anderen Tag vorschlagen, an dem ihr euch schon früher verabreden könnt.
  • In der Firma ist gerade viel los, doch du bemerkst, dass du einige Tage Pause brauchst, um leistungsfähig zu bleiben und auch körperlich nicht zu erkranken. Also reichst du einen Urlaubsantrag ein, obwohl momentan alle im Stress sind. Das ist völlig okay, denn Grenzen setzen im Job ist wichtig. Es geht schließlich langfristig um deine Gesundheit.

Deine Grenzen kommunizieren

Wie sage ich das jetzt? Es ist ein Zwiespalt: Einerseits möchten wir uns klar ausdrücken, andererseits nicht harsch rüberkommen. Das gelingt am besten, wenn wir beim Grenzen setzen bei uns selbst bleiben, begründen, warum uns bestimmte Dinge wichtig sind und klar formulieren, was wir uns wünschen: „Das wird heute nichts bei mir, ich brauche meine 8 Stunden Schlaf”, anstatt: „Ich will dich heute nicht treffen.” Es ist auch gar nicht notwendig, dass du dich rechtfertigst, warum du eine Grenze setzt. Je nach Kontext braucht es häufig nur eine kurze Erklärung – und manchmal gar keine. Wenn du darauf vertraust, dass dein Gegenüber Verständnis aufbringt, findest du meistens passendere Worte, als wenn du befürchtest, gegen etwas ankämpfen zu müssen. Grenzen setzen funktioniert daher am besten, wenn du Ruhe bewahrst und klar bei deinen Bedürfnissen bleibst.

Grenzen nicht persönlich nehmen

Vielleicht hilft es dir im Kopf zu behalten, sowohl beim selbst Grenzen setzen, als auch wenn andere Menschen ihre Grenzen wahren: Es handelt sich dabei um nichts Persönliches. Wenn du bisher Probleme damit hattest, Nein zu sagen, abzusagen, andere zu vertrösten und dir Zeit für dich zu nehmen, ist es umso wichtiger, dass du die Erfahrung machst, dass die meisten Menschen dir das gar nicht übel nehmen. Falls das doch einmal der Fall sein sollte, ist es die Aufgabe der anderen Person, mit dem Gefühl der Ablehnung zurechtzukommen. Du darfst darauf vertrauen, dass ihr das auch gelingt – vielleicht sogar wichtig ist, für sie zu lernen. 

Und je öfter du Grenzen setzt, desto leichter wird es dir auch fallen, die Grenzen der andere zu akzeptieren. Letztendlich können auf diese Weise schöne Beziehungen zwischen Menschen entstehen, die auf ihr eigenes Wohl achten.

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Autorin:
Victoria Bindrum Psychologin
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