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Soll ich meine Psychotherapie abbrechen? Und wenn ja – wann?

Einen Psychotherapieplatz zu finden ist oft nicht einfach und kostet viel Zeit und Mühe. Wenn du erst einmal einen Platz gefunden hast, bist du wahrscheinlich ziemlich erleichtert und froh. Aber was, wenn du das Gefühl hast, dass dir die Psychotherapie nichts bringt? Ist es sinnvoll, trotzdem weiter zu machen, schon allein weil die Suche so viel Zeit und Mühe in Anspruch genommen hat? Oder ist es vielleicht besser, nach Alternativen zu suchen? Diese Fragen lassen sich nur individuell beantworten. Wir wollen dir in diesem Artikel jedoch ein paar Anhaltspunkte mit auf den Weg geben, die dir bei deiner Entscheidung helfen können. Außerdem zeigen wir dir einige alternative Hilfsangebote auf, auf die du zurückgreifen kannst, wenn du dich dazu entscheiden solltest, die Psychotherapie abzubrechen.

Was, wenn Psychotherapie nicht hilft?

Die Gründe dafür, eine Psychotherapie abbrechen zu wollen, können vielfältig sein. Vielleicht fühlst du dich nicht verstanden oder aber du hattest eine ganz andere Vorstellung davon, wie eine Therapie ablaufen sollte. Vielleicht stimmt aber auch einfach die Chemie zwischen dir und deiner Psychotherapeutin oder deinem Psychotherapeuten nicht. Ob eine Therapie für dich hilfreich ist oder nicht, kannst am Ende nur du entscheiden. Die eigene Intuition ist dabei häufig der beste Ratgeber. Bevor du jedoch ernsthaft darüber nachdenkst, die Psychotherapie abzubrechen, lohnt es sich, ein paar Dinge zu bedenken, die auch bei einer hilfreichen Therapie üblicherweise auftreten können. 

1Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück

Bevor eine Besserung eintreten kann, erleben viele Patientinnen und Patienten zunächst eine Verschlechterung ihrer Symptome. Das mag kontraintuitiv klingen, aber das liegt daran, dass du dich in der Therapie häufig mit Dingen auseinandersetzt, mit denen du dich vielleicht lange Zeit nicht auseinandersetzen wolltest oder konntest. Das können mitunter sehr schmerzhafte Themen sein. Die gezielte Auseinandersetzung mit deinen tiefsten Sorgen, Ängsten und Bedenken kann dazu führen, dass diese in den Vordergrund rücken. Damit können auch deine Symptome stärker werden. 

Aber wichtig ist: Nur wenn du dich mit diesen Themen auseinandersetzt, kannst du sie verarbeiten, wodurch auch deine Symptome auf lange Sicht abnehmen. Das ist oft nicht einfach und bedeutet in vielen Fällen harte Arbeit. Sei daher geduldig mit dir und gib dir den Raum und die Zeit, um einen Weg durch die schwierigen Themen zu finden.

Das lohnt sich, denn am Ende steht die Aussicht darauf, dass es dir wieder besser geht und du eine Menge dazu gelernt hast.

2Zuerst kommt das Kennenlernen

Genau wie bei jeder anderen Beziehung in deinem Leben kann es zunächst eine Weile dauern, bis du dich mit deiner Psychotherapeutin oder deinem Psychotherapeuten völlig wohl und vertraut fühlst. Die ersten Sitzungen einer Therapie dienen vor allem dem gegenseitigen Kennenlernen und dem gemeinsamen Festlegen von Therapiezielen. Das bedeutet, dass du die meisten deiner Ziele erst im späteren Verlauf der Therapie erreichen können wirst. Dabei ist auch wichtig zu bedenken, dass deine Therapeutin oder dein Therapeut kein Wunderheiler ist. Sie oder er kann dich auf deinem Weg begleiten und dir dabei helfen, schwierige Themen anzustoßen und deine Probleme besser zu verstehen. Die eigentliche Bewältigung der Probleme liegt aber bei dir. Denn nur du kannst dein Leben so verändern und gestalten, wie du es dir wünscht.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf lohnt es sich in Hinblick auf einen möglichen Abbruch der Psychotherapie, auf deine eigenes Bauchgefühl zu hören:

Fühlst du dich grundsätzlich wohl mit deiner Psychotherapeutin oder deinem Psychotherapeuten? Hast du das Gefühl, dich in deinem eigenen Tempo öffnen und für dich wichtige Themen in einem sicheren Umfeld besprechen zu können? 

3Ein mulmiges Gefühl am Anfang ist ganz normal

Vor allem wenn du zum ersten Mal eine Therapie machst, bist du zu Beginn mit sehr viel Neuem konfrontiert. Vielleicht schwirren dir Fragen im Kopf wie: Was passiert heute? Wie viel muss ich erzählen? Ist es auch okay, wenn ich etwas nicht erzählen möchte? Weiß mein Therapeut sofort, was mit mir los ist, auch wenn ich es nicht gleich anspreche? Diese Fragen und Sorgen zu Beginn einer Therapie, vor allem am Anfang der allerersten Therapie, sind ganz normal und können zu Gefühlen wie Angst und Beklemmung fühlen. Angst kann dich daran hindern, dass du dich wohlfühlst und dich öffnen möchtest. 

Es lohnt sich, diese Angst wahrzunehmen und gegebenenfalls mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten darüber zu sprechen. Das muss nicht sofort zu Beginn der Therapie sein. Achte dabei einfach auf dein eigenes Tempo. 

Um zu überprüfen, ob Angst eine Rolle bei deinem Gedanken an einen möglichen Abbruch der Psychotherapie spielen könnte, versuche dir einmal folgende Fragen zu beantworten: Macht mir die Situation grundsätzlich Angst? Hindert mich meine Angst vor der Psychotherapie daran, dass ich mich öffne? Lasse ich eventuell einige wichtigen Informationen aus, weil ich Angst habe, darüber zu sprechen? Oder beschönige ich an einigen Stellen, weil ich Angst vor der Reaktion meiner Therapeutin oder meines Therapeuten habe?

Psychotherapie abbrechen? Gründe, die dafür sprechen können

Vielen Menschen, die sich dazu entschlossen haben, eine Psychotherapie zu beginnen, geht es besonders zu Beginn der Therapie noch sehr schlecht. Oft leidet auch der Selbswert unter den akuten psychischen Beschwerden. Das kann dazu führen, dass es Betroffenen schwer fällt, auf die eigenen Gefühle zu vertrauen. Ohne Vertrauen in die eigenen Gefühle können Entscheidungen jedoch besonders mühsam sein. Auch die Frage danach, ob es besser wäre, die begonnene Psychotherapie abzubrechen, ist dann nur schwierig zu beantworten. Neben den oben genannten Punkten, die auch bei hilfreichen Therapien mit großer Wahrscheinlichkeit auftreten, gibt es Situationen, in denen es sich lohnt, über das Abbrechen einer Psychotherapie nachzudenken.

1Nach dem Kennenlernen stimmt die Chemie immer noch nicht

Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn du auch nach einigen Sitzungen noch das Gefühl hast, mit deiner Psychotherapeutin oder deinem Psychotherapeuten nicht richtig warm zu werden. Zwar geht es nicht darum, eine Freundschaft aufzubauen, aber es ist wichtig, dass eure Beziehung von gegenseitigem Vertrauen geprägt ist und du das Gefühl hast, dich öffnen zu können. 

Falls du den Eindruck hast, dass dies nicht der Fall ist, lohnt sich auf jeden Fall ein klärendes Gespräch. Das kann dabei helfen, Missverständnisse zu klären und einen besseren Weg zu finden, gemeinsam zu arbeiten. 

Wenn du dich nicht traust, ein solches Gespräch aufzusuchen, dann kann eine E-Mail oder ein Brief mit deinen Sorgen eine Alternative sein. Vielleicht hilft es dir aber auch, eine vertraute Person zu der nächsten Therapiestunde mitzubringen, die das Thema für dich anspricht. Das solltest du jedoch im besten Fall vorab mit deiner Therapeutin besprechen, damit diese darauf vorbereitet ist. 

2Du fühlst dich (noch) nicht bereit

Manchmal kann es sein, dass du dich noch nicht dazu bereit fühlst, dich mit einigen, vielleicht besonders schmerzhaften Themen auseinanderzusetzen. Das ist völlig okay und verständlich, wenn man bedenkt, wie lange dich diese unangenehmen Themen wahrscheinlich schon belasten. Auch hier ist es ratsam, dieses Problem mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten zu besprechen. Vielleicht war das Tempo der Therapie etwas zu schnell und ihr könnt gemeinsam beschließen, etwas langsamer und behutsamer vorzugehen. Oder vielleicht ist es angenehmer für dich, wenn ihr euch lediglich alle zwei Wochen dafür aber in Doppelsitzungen seht. So hast du zwischen den einzelnen Terminen mehr Zeit, das Besprochene zu verarbeiten und wieder zu entspannter zu werden.

3Das Timing stimmt nicht

Vielleicht ist gerade aber auch viel in deinem Leben los und es fühlt sich nicht wie der richtige Zeitpunkt für eine Therapie an. Auch das ist völlig okay und solltest du am besten mit deiner Therapeutin und deinem Therapeuten besprechen. Vielleicht hilft hier ebenfalls zunächst eine Therapiepause oder aber ihr kommt zu dem Schluss, dass du gerade jetzt dabei bleiben solltest, weil dir die Unterstützung in der Therapie bei den weiteren Belastungen guttut.

Wie geht es jetzt weiter?

Wenn du auch nach dem Gespräch mit deiner Psychotherapeutin oder deinem Psychotherapeuten noch zu dem Schluss kommst, dass du gerne die Psychotherapie abbrechen möchtest, dann ist das völlig okay. In diesem Fall ist es wichtig, ein klärendes Gespräch zu suchen. 

Häufig fragt die Therapeutin oder der Therapeut zu Beginn jeder Sitzung, ob es wichtige Punkte zu besprechen gibt, die der Patientin oder dem Patienten auf dem Herzen liegen. Das wäre zum Beispiel ein guter Zeitpunkt, um deinen Wunsch nach einem Abbruch der Psychotherapie anzusprechen.

Wenn du dich mit dem Gedanken wohler fühlst, kannst du ein solches Gespräch natürlich auch zum Ende oder zu jedem anderen Zeitpunkt einer Sitzung suchen. 

Manchmal kann es auch hilfreich sein, vorab eine E-Mail zu versenden, in der du bereits mitteilst, dass du in der anstehenden Sitzung etwas wichtiges besprechen möchtest. Das hilft dir, das Thema nicht zu vermeiden und gibt deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten bereits die Möglichkeit, sich vorzubereiten. Mache dir bewusst, dass dein Wunsch, die Psychotherapie abzubrechen, völlig okay ist. Du entscheidest selbst, was für dich das Beste ist. Du bist deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten gegenüber nicht dazu verpflichtet, die Behandlung weiterzuführen. 

Die Psychotherapie abbrechen oder Alternativen ausprobieren?

Möchtest du grundsätzlich eine Therapie machen, hast aber das Gefühl, dass die Chemie zwischen dir und deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten nicht stimmt? Dann lohnt es sich nach einer anderen Therapeutin oder einem anderen Therapeuten Ausschau zu halten. Am besten suchst du ein paar psychotherapeutische Erstberatungsgespräche auf, sodass du ein Gefühl dafür bekommst, mit welcher Art von Therapeutin oder Therapeut du gut arbeiten könntest. 

Oder aber hast du den Eindruck, dass eine klassische Therapie nicht der richtige Weg für dich ist? Dann lohnt es sich auch hier nach Alternativen zu schauen. Eine Alternative oder Ergänzung kann zum Beispiel die Teilnahme an einem Online-Therapiekurs sein. Der Vorteil hierbei ist, dass du professionelle Unterstützung erhältst und gleichzeitig ganz selbstbestimmt an deinen Beschwerden arbeiten kannst. Außerdem kannst du diese Therapiekurse ganz flexibel nutzen, egal wo du bist und wann du sie brauchst. Dabei wirst du bei uns von qualifizierten HelloBetter Psychologen oder Psychologinnen begleitet. Falls sich das für dich interessant anhört, schau dir doch gleich einmal unsere Online-Therapiekurse an.

Fazit – Am Ende kannst nur du entscheiden, was das Beste für dich ist

Das Abbrechen einer Psychotherapie sollte gut überlegt sein, denn keine Therapie ist zu jedem Zeitpunkt einfach. Wenn du jedoch auch über einen längeren Zeitraum das Gefühl hast, dass dir die Therapie nicht weiterhilft, dann lohnt es sich, nach Alternativen Ausschau zu halten. Am Ende weißt du am besten, was das Richtige für dich ist. Und selbst wenn du später zu dem Schluss kommen solltest, dass es ein Fehler war, die Psychotherapie abzubrechen – es gibt immer die Möglichkeit, erneut Hilfe zu finden. Versuche, in dich hineinzuhören und in deinem besten Interesse zu entscheiden. Dein wichtigstes Ziel sollte es dabei sein, wieder gesund und glücklich zu werden. 

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Autorin:
Anna Unger-Nübel Psychologin
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