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Freundschaft – wozu sie wichtig ist und wie wir sie pflegen

Oft sind wir uns über den Wert unserer Freundschaften nicht recht bewusst. Dann ist es für uns normal, dass eine bestimmte Person unser Freund oder unsere Freundin ist. Wir sind es einfach gewohnt. Dabei ist Freundschaft enorm wichtig für unsere psychische Gesundheit und kann zudem zu unserer Beziehungszufriedenheit und beruflichen Erholung beitragen. Sehen wir uns einmal an, warum das so ist und was wir aktiv dafür tun können, um erfüllte Freundschaften zu führen.

Unser Bedürfnis nach Freundschaft 

Manche Menschen haben einen großen Freundeskreis, andere nur wenige enge Vertraute – uns Menschen gemein ist jedoch unser grundsätzliches Bedürfnis nach sozialen Beziehungen. In der Psychologie wird dieses Bedürfnis unterschiedlich erklärt. Einige Theorien gehen eher davon aus, dass wir durch soziale Beziehungen ein Gefühl der Zugehörigkeit und des Verbundenseins erleben wollen. Mit anderen Worten führen wir Freundschaften, um uns wohlzufühlen. Weitere Theorien betonen unser biologisches Erbe. Das bedeutet, dass wir instinktiv wissen, dass wir andere Menschen brauchen, um zu überleben. Das Bedürfnis nach Bindung geht in dem Fall also mit unserem Bedürfnis nach Sicherheit einher.

Freundschaft und die Rolle der Kindheit

Nach der Bindungstheorie des Psychoanalytikers John Bowlby liegt die Ursache für die Art und Weise, wie wir unsere sozialen Beziehungen, also auch unsere Freundschaften, führen, in unserer Kindheit. So sei zum Beispiel unsere Fähigkeit zu vertrauen, unter anderem davon abhängig, wie verlässlich sich unsere Bezugspersonen in unserer Kindheit verhalten haben. 

Heute wissen wir aufgrund wissenschaftlicher Studien, dass wir durch unser Verhalten immer Einflussmöglichkeiten auf unser psychisches Erleben haben und aktiv etwas verändern können. Wenn du momentan also eher unzufrieden mit deinen Freundschaften bist, sind deine Kindheitserfahrungen und erlernten Muster kein Hindernis. Vielleicht wünschst du dir etwa mehr Freunde oder intensiveren Kontakt mit deinen Freundinnen. Es gibt viele Möglichkeiten, wie du deine Freundschaften aktiv verändern kannst.

Die Bedeutung für unsere Paarbeziehung

Bevor wir zu konkreten Tipps zur Pflege von Freundschaften kommen, ist ein interessanter Aspekt für die Wichtigkeit von Freundschaften auch die Entlastung unserer Paarbeziehung. Wenn wir zu wenige oder zu wenig erfüllende Freundschaften haben, kann das zu Beziehungsproblemen führen. Denn so ist unser Partner oder unsere Partnerin mitunter unsere „einzige Quelle” zur Befriedigung unseres Bedürfnisses nach Bindung. Dadurch kann eine emotionale Abhängigkeit entstehen. 

Außerdem kann ein Mangel an (erfüllenden) Freundschaften dazu führen, dass wir unsere Freizeit nahezu nur mit dem Partner oder der Partnerin verbringen.

Erlebnisse, die wir mit Freunden teilen, können jedoch unsere Paarbeziehung beleben, da wir zum Beispiel durch sie einander etwas zu erzählen haben.

So kommt es zu weniger Langeweile und wir können unabhängig voneinander das Leben genießen.

Durch Freundschaften können wir auch unsere Erwartungen an eine Partnerschaft relativieren und es fällt uns leichter, eigenverantwortlich zu handeln. Der Paartherapeut Jorge Bucay spricht hier von „Selbstabhängigkeit”. Das bedeutet, wenn mein Partner oder meine Partnerin nicht Skifahren möchte, muss ich keinen Druck aufbauen, um doch gemeinsam auf der Piste zu stehen. Ich kann einfach einen Freund oder eine Freundin fragen.Wenn wir Freundschaften aufbauen, sorgen wir indirekt für unsere Beziehungszufriedenheit, indem wir unsere eigene Unabhängigkeit stärken und Unzufriedenheit Abhilfe schaffen.

Gut zu wissen

Auch unserer beruflichen Leistungsfähigkeit kann es guttun, unsere Freundschaften zu pflegen. Die Erholungsforschung zeigt nämlich, dass das gedankliche Abschalten wichtig für unsere Regeneration ist. Freunde bringen uns leicht auf ganz andere Gedanken, zum Beispiel durch gemeinsame Unternehmungen oder indem sie uns etwas von sich erzählen. Mehr Erholungstipps findest du auch in unserem Artikel: Was kann ich bei Überarbeitung tun?

Wie kann ich Freundschaften pflegen?

Das Schöne ist, dass wir aktiv viel dafür tun können, um unsere Freundschaften so zu gestalten, dass wir sie als erfüllend erleben. Dafür haben wir 4 Tipps für dich:

1In Kontakt bleiben

Was so einfach klingt, ist es häufig nicht. Oft haben wir gefühlt bereits so viele Verpflichtungen durch den Beruf oder die Familie, dass wir zu beschäftigt sind, um noch einem Freund eine Nachricht zu schreiben oder eine Freundin anzurufen. In diesem Fall lohnt es sich, unsere Freundschaften bewusst zu einer Priorität zu machen. Zum Beispiel indem wir uns vornehmen, jedes Wochenende zu mindestens einem Freund oder einer Freundin Kontakt aufzunehmen. 

2Sich verabreden

Wenn uns Nachrichten und Anrufe schon schwerfallen, bleibt für Verabredungen vermutlich auch keine Zeit. Doch umso wichtiger ist es, dass wir uns die Zeit nehmen. Dabei kann es helfen, im Voraus zu planen, aber ebenso spontan ein Treffen vorzuschlagen, wenn zum Beispiel unverhofft früher Feierabend ist. Vielleicht kann dich auch unser Artikel „Keine Zeit für mich” inspirieren, wie du dir mehr Freiräume im Alltag schaffen kannst.

3Wertschätzung und Dankbarkeit zeigen

Die Qualität all unserer Beziehungen, ob Freundschaften, Familie, Paarbeziehungen oder die Beziehung zu uns selbst – Stichwort Selbstwert – kann sich erheblich verbessern, wenn wir Wertschätzung und Dankbarkeit zeigen. Dazu gehören zum einen die größeren Anlässe wie Geburtstage, zu denen wir uns gegenseitig beschenken und damit sagen: „Wie schön, dass du geboren wurdest!” Doch auch nach einem lustigen Treffen noch einmal zu schreiben: „Danke, dass du mich immer zum Lachen bringst”, kann Freundschaften stärken.

4Sich öffnen und füreinander da sein

„Du bist der Einzige, dem ich das erzählt habe.” Vielleicht hast du selbst schon erlebt, was solche Sätze auslösen können. Wenn ein anderer Mensch sich uns gegenüber öffnet, ist das meist berührend. Es zeigt Vertrauen, stellt Nähe her und wir bekommen das Gefühl, etwas Besonderes für die andere Person zu sein. Am besten ist es, wenn das „sich öffnen” auf Gegenseitigkeit beruht. Das bedeutet, ihr seid beide füreinander da und ebenso bereit, etwas von euch preiszugeben. So entsteht ein freundschaftliches Gleichgewicht und das gute Gefühl der Verbundenheit.

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Autorin:
Victoria Bindrum Psychologin
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