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Die Angst vor Psychotherapie: 5 typische Sorgen

Psychotherapie? Nein, danke. Jemand völlig Fremdes die geheimsten Gefühle und Probleme anvertrauen, die man selbst den engsten Vertrauten nicht verrät. Das klingt nicht gerade verlockend und löst bei vielen Menschen geradezu Angst vor einer Psychotherapie aus. Wenn es um Therapie geht, herrschen viele Vorurteile, Erwartungen und Mythen, die Angst vor Psychotherapie schüren. Wir stellen dir heute 5 der häufigsten Sorgen und Ängste einmal genauer vor. Was ist wirklich dran an den Befürchtungen? Finden wir es heraus!

1Angst vor Psychotherapie: „Es wird alles nur schlimmer!”

Mühsam aufgebaute innere Mauern einzureißen, die du vielleicht um unangenehme Gefühle, Erfahrungen, Trauma oder andere belastende Themen errichtet hast. Das klingt eher bedrohlich als hilfreich. Die Angst vor Psychotherapie ist deshalb manchmal eine Angst, alte Wunden aufzureißen und damit alles nur noch schlimmer zu machen. Diese Angst ist nicht völlig unberechtigt, denn tatsächlich kann Psychotherapie zu Beginn zu einem Anstieg der Beschwerden führen.

Genauer betrachtet macht das auch total Sinn, denn oft beschäftigen wir uns nicht mit Problemen oder unangenehmen Gefühlen. Diese einmal offen zu thematisieren und sie sozusagen an die Oberfläche zu bringen, kann schmerzen. Aber nur so kannst du sie verändern und langfristig Linderung erfahren. Was kurzfristig beschwerlich ist, bringt dich langfristig deinem Ziel näher.

Wichtig ist auch: Du bist mit deinen Symptomen nicht mehr allein. Dein Psychotherapeut oder deine Psychotherapeutin kann dir helfen, das, was du erlebst, einzuordnen und gemeinsam mit dir nach Lösungen zu suchen.

2Angst vorm Psychologen: „Werde ich verurteilt?”

Hinter der Angst vor Psychotherapie kann auch eine Angst davor stecken, durch die Psychotherapeutin verurteilt oder abgelehnt zu werden. Diese Angst ist in Anbetracht dessen, dass es in der Therapie auch um schambesetzte oder unangenehme Themen gehen kann, mehr als verständlich. Vielleicht hast du schon mal in deinem Umfeld die Erfahrung gemacht, bewertet oder verurteilt zu werden. Aber auch wir selbst können uns innerlich ständig vergleichen und abwerten, Selbstzweifel, Minderwertigkeitskomplexe, vielleicht sogar Selbsthass erleben. Warum sollte es in einer Therapie also anders sein und die Angst vorm Psychologen oder der Psychologin unbegründet?

Die Beziehung zu deinem Therapeuten ist anders als zum Freundeskreis oder zur Familie. Das darf und muss auch so sein.

Anders als in vielen alltäglichen Beziehungen sollte dein Therapeut oder deine Therapeutin nicht bewertend sein und dir stets wertschätzend und offen begegnen. Bedenke auch, dass er oder sie vermutlich schon viele Menschen mit ganz ähnliche Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen wie du sie erlebst, kennt. Dich zu verurteilen, liegt nicht in ihrem oder seinem Interesse.

Diese akzeptierende und wohlwollende Haltung ist eine Grundvoraussetzung jeder Psychotherapie. In den allermeisten Fällen wirst du dein Gegenüber auch genauso erleben und die Angst vorm Psychologen wird sich als unberechtigt herausstellen. Solltest du jedoch merken, dass eure Beziehung nicht von Vertrauen, Wertschätzung und Empathie geprägt ist, kannst du deinen Therapeuten oder deine Therapeutin natürlich auch wechseln. 

3„Mein Umfeld wird mich für verrückt halten.”

„Was sollen die anderen nur denken, wenn ich zur Therapie gehe?“ Manchmal kann der Weg zu einer Psychotherapie durch genau solche Gedanken erschwert sein. Ist Therapie nicht nur etwas für Menschen, die verrückt oder einfach schwach sind? Tatsächlich bestehen solche Vorurteile auch heute noch in der Gesellschaft. Dadurch kann die Befürchtung entstehen, für eine Therapie verurteilt zu werden. 

Dabei besteht für jeden Menschen das Risiko eine psychische Erkrankung zu entwickeln. Sich in diesem Fall professionelle Unterstützung zu suchen ist dann kein Anzeichen dafür, schwach zu sein. Im Gegenteil. Es zeigt wie stark du bist – denn du sorgst für dich und deine psychische Gesundheit.

Durch Aufklärung und einen offeneren Umgang mit dem Thema psychische Gesundheit (denn die haben wir übrigens alle) können wir solchen Vorurteilen begegnen und so auch die Angst vor Psychotherapie Stück für Stück abbauen. Vielleicht wirst du sogar bemerken, dass ein offener Umgang mit dem Thema auch anderen ein Vorbild ist, und motivieren kann über Beschwerden oder Therapieerfahrungen zu berichten. Denn damit bist du nicht allein. Dennoch: Ob du deinem Umfeld von deiner Therapie erzählen möchtest, liegt selbstverständlich ganz in deiner Hand.

4Angst vor Psychotherapie: „Meine Geheimnisse werden ausgeplaudert.”

Über das sprechen, was man selbst dem Tagebuch nicht anvertraut? Kann das gut gehen? Die Sorge darüber, dass persönliche Informationen oder Geheimnisse, die in der Therapie besprochen werden, weitergetragen werden, kann die Angst vor Psychotherapie verstärken. Hier können wir jedoch Entwarnung geben.

Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen unterliegen der Schweigepflicht. Sie dürfen nichts, was ihr besprecht, weitererzählen, sonst machen sie sich strafbar.

Einzige Ausnahme ist, wenn du Gefahr läufst, dich oder andere ernsthaft zu gefährden, z.B. wenn nichts mehr geht und du akute Suizidabsichten hast oder jemandem etwas Schlimmes antun möchtest. In diesem Fall darf und muss dein Gegenüber sogar handeln – zu deinem eigenen Schutz. Alles andere wiederum darf die vier Wände der Therapiepraxis nicht verlassen. Du kannst also darauf vertrauen: Das, was du erzählst, ist in einer Psychotherapie sicher aufgehoben. 

5„Die Therapie verändert die Persönlichkeit.”

Hinter der Angst vor Psychotherapie kann auch die Sorge stecken, danach plötzlich ganz anders zu sein und die Persönlichkeit zu verändern. Das ist jedoch nicht der Fall, denn nicht die Therapie, sondern die Krankheit ist oft das, was dich anders denken, fühlen oder verhalten lässt. Das kann sich dann natürlich durch eine Therapie verändern. Es kann zum Beispiel sein, dass du, wenn du dich besser fühlst, auch wieder mehr unternimmst, dir mehr zutraust oder bestimmte Situationen nicht mehr vermeidest. Das ist jedoch keine Veränderung deiner Persönlichkeit – denn die bleibt. 

Wege in die Psychotherapie

Immer noch sucht ein großer Teil der Menschen, die eine psychische Erkrankung entwickeln, keine professionelle Hilfe auf. Angst vor Psychotherapie kann ein Grund für diese Zurückhaltung sein. Vielleicht konnte dir dieser Artikel ein paar Ängste nehmen und den ein oder anderen Mythos entlarven. Wenn du mehr darüber wissen möchtest, welche Therapieformen es gibt, wie eine Psychotherapie abläuft und wie du einen Therapieplatz findest, dann lies gerne unsere weiterführenden Artikel zu diesen Themen auf unserem Blog nach.

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Autorin:
Annika Haffke

Kinder- und Jugendlichen­psychotherapeutin

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