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Was hinter Ungeduld steckt und wie wir sie nutzen können

Die lange Zugfahrt, das Warten in der Arztpraxis, die Beförderung, der ersehnte Heiratsantrag, das überfällige Paket, ständig fragende Kinder – es gibt viele Gründe, die uns ungeduldig werden lassen können. Aber warum eigentlich? Was bringt Ungeduld und wie können wir mit ihr umgehen?

Warum werden wir ungeduldig? 

Vermutlich mag niemand das Gefühl zu warten. Wenn wir warten, werden wir häufig ungeduldig, weil wir wollen, dass etwas vorangeht. Wir fühlen uns dabei von jemandem oder etwas abhängig – dass etwas passiert, jemand etwas tut oder lässt – und dadurch in unserem Weiterkommen behindert.

Spüren wir Ungeduld, sind wir in gewisser Weise im Widerstand mit dem, was ist.

Wir wollen zum Beispiel endlich eine Antwort auf unsere E-Mail bekommen, aber sie bleibt einfach aus. Das geht es uns gegen den Strich, vor allem, wenn wir keine weiteren Einflussmöglichkeiten haben. Haken wir ein paar Male nach und es kommt immer noch nichts, werden wir vielleicht sogar wütend. Ungeduld kann also ähnlich wie Frustration mit dem Thema Angst vor Kontrollverlust zu tun haben und eine Reaktion darauf sein, dass etwas nicht so ist, wie wir es wollen. Was können wir dann tun?

Ungeduld bekämpfen: Lösungen finden

Während du vielleicht händeringend mit der Frage beschäftigt bist, wie du Geduld lernen kannst, ist es auch möglich, praktische Lösungen zu finden, um die Ungeduld aufzulösen. Sitzt du vor dem Arztgespräch schon eine Stunde im Wartezimmer, könntest du dich nach der ungefähren Wartezeit erkundigen und dir dann zum Beispiel beim Bäcker noch ein Brötchen holen. Bekommst du keine Antwort auf dein Bewerbungsschreiben in einer Firma, kannst du dich bei weiteren Firmen bewerben, anstatt alles auf eine Karte zu setzen.

Die Frage, die du dir also stellen kannst, ist: Worauf warte ich und wie könnte ich auf anderem Wege das bekommen, was ich möchte? Oder auch: Wie könnte ich das Beste aus der Situation machen?

Was das voraussetzt, ist allerdings die Bereitschaft, sich anders zu fühlen. Das klingt erst mal merkwürdig, schließlich wollen wir nicht ungeduldig sein, sondern uns gut fühlen. Doch beobachte das mal: Häufig sind wir so daran gewöhnt, uns zu beschweren, uns vielleicht auch gemeinsam mit anderen über etwas aufzuregen, dass es sich ungewohnt anfühlen kann, die Situation ganz proaktiv anders zu gestalten. Das Schöne ist, dass es uns mit der Zeit zur Gewohnheit werden kann, lösungsorientiert statt problemorientiert zu denken und zu handeln.

Vom „Kampfmodus” in den „Akzeptanzmodus”

Ungeduld bekämpfen, indem wir passende Lösungen finden, funktioniert manchmal nur bedingt. In einigen Situationen bringen uns Alternativen und Lösungsversuche eben keine innere Ruhe und Gelassenheit und die Ungeduldigkeit bleibt. Doch das bedeutet nicht, dass wir ihr hilflos ausgeliefert sind. 

Was wir tun können, ist uns zunächst bewusst zu machen, dass wir gerade gegen das ankämpfen, was ist oder vielmehr was nicht ist. Der Heiratsantrag kommt nicht, die Kinder hören nicht auf Fragen zu stellen, der Zug steht seit einer Stunde auf dem Gleis.

Unserer Ungeduld freien Lauf zu lassen, ob innerlich oder anderen gegenüber, führt meistens nicht dazu, dass die Situation sich verbessert. Im Gegenteil. Wir steigern uns eher in unsere Ungeduld hinein.

Das bedeutet jedoch nicht, dass du die Ungeduld leugnen sollst. Das würde bloß dazu führen, dass du nicht nur gegen die Situation, sondern auch noch gegen dein eigenes Erleben ankämpfst und umso angespannter wirst. Versuche, deine Gedanken und Gefühle wahrzunehmen und zu benennen, etwa: „Oha, ich bin gerade wirklich ungeduldig, wie unangenehm.” Du akzeptierst damit, dass das Gefühl da ist. Ohne es mögen zu müssen.

Allein dadurch kannst du schon mal etwas Abstand zur Ungeduld gewinnen. Als Nächstes kannst du folgende Übung ausprobieren:

Übung

Blick in die Zukunft

Im Alltag haben oftmals Dinge große Wichtigkeit für uns, die sich mit der Zeit verliert. Mit schwindender Wichtigkeit verblassen zum Beispiel auch Ungeduld, Frustration und Unzufriedenheit. Achtung: Ziel der Übung ist nicht, dass du gleichgültig wirst und dir nichts mehr etwas bedeutet. Diese Übung kann dir helfen, dich aus einer Fixierung auf etwas oder jemanden zu befreien, indem sie deine Perspektive verändert.

Dein Zug steht zum Beispiel seit 20 Minuten bewegungslos auf dem Gleis und du wartest ungeduldig auf die Weiterfahrt, weil du zu einem Termin musst. Stelle dir dieses Problem nun einfach mal in einem Jahr vor. 

Ist das dann noch wichtig? Was hätte es bis dahin für Auswirkungen? Wen würde das noch interessieren? Ist diese Situation die innere Unruhe wert? 

Vielleicht möchtest du dich in Situationen der Ungeduld an dieses Gedankenexperiment erinnern und es ausprobieren.

Stress und Ungeduld

Manchmal sind wir noch ungeduldiger, wenn wir gestresst sind. Fühlen wir uns erschöpft und überarbeitet, kann jede Geduldsprobe eine weitere Belastung darstellen und auf die Stimmung drücken. Vielleicht liest du diesen Artikel, weil du dich häufiger gestresst fühlst. In unserem Online-Kurs HelloBetter Stress und Burnout stellen wir dir hilfreiche Strategien vor, um besser mit Stress umzugehen. Neben gezielten Übungen zu Akzeptanz, lernst du darin zum Beispiel auch, wie du systematisch Probleme löst oder kraftgebende Aktivitäten planst. Den Kurs gibt es kostenlos auf Rezept, schau doch mal auf unserer Kursseite vorbei!

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Autorin:
Victoria Bindrum Psychologin
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