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Diabetes: Auswirkungen auf die Psyche

Diabetes ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen und betrifft allein in Deutschland etwa 7 Millionen Menschen. Wenn wir an Diabetes denken, fallen uns oft Aspekte wie das „Insulinspritzen“, „Ernährungs­umstellung“ oder „Blut­zucker­messen“ ein. Was seltener sichtbar ist und weniger thematisiert wird, sind die psychischen Belastungen, die häufig mit einer solchen Stoff­wechsel­erkrankung einhergehen. Aber warum hat Diabetes Auswirkungen auf die Psyche? Und was kannst du tun, wenn Körper und Seele betroffen sind? All das erfährst du in diesem Artikel.

Warum hat Diabetes Auswirkungen auf die Psyche?

An einer chronischen Erkrankung wie Diabetes zu leiden, stellt für die meisten Menschen eine Belastung dar. Egal ob sich die Diagnose länger angekündigt hat oder dich völlig unvorbereitet trifft, plötzlich gibt es vieles zu bedenken und zu beachten. Die eigenen Blut­zucker­werte im Auge zu behalten oder die Ernährung umzustellen, Insulin zu spritzen oder die Angst vor einer Unter­zuckerung – solche Faktoren können zu Stress und einem Gefühl der Überforderung beitragen. Auch die Sorgen über mögliche Folge­erkrankungen oder Arzt- und Klinikbesuche können Energie rauben.

Alltägliche Belastungen, wie z.B. Zeitdruck bei der Arbeit oder Streit in der Beziehung können Menschen mit Diabetes natürlich genauso betreffen wie Menschen ohne diese Stoff­wechsel­erkrankung. Dazu erleben sie jedoch durch die Erkrankung häufig zusätzliche Stressfaktoren und sind damit einem insgesamt höheren Risiko ausgesetzt, psychische Erkrankungen zu entwickeln.

Diabetes und Depressionen

Wie sich die Auswirkungen von Diabetes auf die Psyche äußern, kann unterschiedlich sein. Während eine Person sich ängstlicher fühlt und häufiger grübelt, erlebt sich eine andere vielleicht niedergeschlagen und hoffnungslos. Auch Gedanken, das alles nicht zu schaffen oder sich am liebsten zurückziehen zu wollen, können eine Reaktion auf die neuen Lebensumstände sein. Solche Gefühle oder Gedanken zu erleben, bedeutet nicht zwangsläufig, eine psychische Erkrankung entwickelt zu haben, es können jedoch Anzeichen sein. Ein erhöhtes Risiko besteht besonders für die Entwicklung einer Depression.

Menschen mit Diabetes sind doppelt so häufig von Depressionen betroffen wie Menschen ohne diese Stoffwechselerkrankung.

Auch die Blutzuckereinstellung kann einen Einfluss nehmen. Besteht über eine längere Zeit ein zu hoher Blutzucker (Hyperglykämie) kann dies zu Erschöpfung und Konzentrations­problemen führen, die langfristig die Entwicklung einer Depression begünstigen können. 

Auf ganz unterschiedliche Weise kann die Diabeteserkrankung so einen Einfluss auf die Entstehung einer Depression haben.

Zwei Seiten der Medaille

Nicht nur der Diabetes kann Auswirkungen auf die Psyche haben. Auch umgekehrt kann eine Depression begünstigen, dass sich ein Diabetes entwickelt.

Zu den Symptomen einer Depression zählen Antriebslosigkeit, Interessens­verlust und eine gedrückte Stimmung. Das kann dazu führen, dass man sich weniger körperlich bewegt und weniger auf sich und die eigene Ernährung Acht gibt. Wenig Bewegung und ungünstiges Essverhalten sind Risikofaktoren für die Entstehung einer Diabetes Typ 2.

Depressionen können aber nicht nur zur Entwicklung von Diabetes beitragen. Auch wenn man bereits an Diabetes leidet, kann eine Depression einen guten Umgang mit der Erkrankung erschweren. 

Den regelmäßigen Messungen nachzukommen, Arztbesuche wahrzunehmen und Empfehlungen umzusetzen: All das kann durch die depressiven Symptome erschwert sein. Auf diese Weise kann ein sich wechselseitig verstärkender Teufelskreis entstehen.

Graphik: Teufelskreis der Auswirkungen auf die Psyche:  Diabetes und Depression

Was kann ich tun, wenn Körper und Psyche belastet sind?

Wenn der Diabetes Auswirkungen auf die Psyche hat und sich depressive Beschwerden, Ängste oder Sorgen entwickeln, ist es wichtig, nicht nur das körperliche, sondern auch das psychische Wohl­befinden im Blick zu haben. Darum haben wir 3 Tipps für dich zusammengestellt, die dir dabei helfen können.

1Aktiviere deine Ressourcen

Manchmal kann der Eindruck entstehen, dass der Diabetes der Mittelpunkt des Lebens ist. Die Erkrankung selbst und die Auswirkungen, die der Diabetes auf die Psyche hat, stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dabei geraten andere Dinge in den Hintergrund. Du darfst deine Ressourcen, das heißt, die Dinge, die dir wichtig sind und Kraft geben, ganz aktiv zurück in den Vordergrund rücken. Das bedeutet nicht, dass du deinen Diabetes und die Behandlung vernachlässigen solltest, sondern vielmehr, sie nicht dein ganzes Leben ausfüllen zu lassen.

Frage dich: Was bereitet mir Freude? Wer tut mir gut? Was kann ich mir heute selbst Gutes tun? Diese Zeit für Selbstfürsorge ist wichtig und trägt letztlich nicht nur zu deinem psychischen, sondern auch körperlichen Wohlbefinden bei.

2In Bewegung bleiben

Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil in der Diabetes­behandlung. Aktiv zu sein, hat einen positiven Einfluss auf die Blut­zucker­einstellung und kann Folge­erkrankungen vorbeugen. Neben diesem Nutzen für die körperliche Gesundheit, hat Bewegung jedoch noch einen zusätzlichen positiven Effekt auf dein psychisches Wohlbefinden.

Bewegung kurbelt die Ausschüttung von Glückshormonen – sogenannten Endorphinen – in deinem Gehirn an. Endorphine haben einen stimmungs­aufhellenden Effekt, der sich positiv auf dein Wohl­befinden niederschlägt.

Bewegung muss nicht unbedingt bedeuten, dich in einem Sportverein anzumelden oder wöchentlich einen Fitnesskurs zu besuchen. Mit einigen Tricks kannst du eine „Extraportion Bewegung“ in deinen Alltag bringen. Fahre zum Beispiel mit dem Rad, gehe zu Fuß zum Einkaufen oder verabrede dich bewusst für einen Spaziergang statt einen Cafébesuch.

3Ärztliche Gespräche nutzen

Über belastende Gefühle, Stress, Sorgen oder Ängste mit dem eigenen Arzt oder der Ärztin zu sprechen, fällt oft schwer. Allerdings betreffen psychische Belastungen viele Menschen mit Diabetes. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass deine Ärztin oder dein Diabetologe Erfahrungen in diesem Bereich hat und sich mit dem Thema auskennt. Wenn sie auch über deine psychischen Beschwerden Bescheid wissen, können sie dich vermutlich nicht nur besser verstehen, sondern dich in allen Bereichen deiner Gesundheit besser unterstützen. Falls bei dir zum Beispiel eine Depression festgestellt wird, kann dein Arzt oder deine Ärztin dir eine begleitende Psychotherapie empfehlen und dich bei der Suche nach einem Therapieplatz unterstützen.

Psychische Erkrankungen wie eine Depression sind gut behandelbar. Indem du mit deinem Arzt oder deiner Ärztin auch über die oft weniger sichtbaren psychischen Beschwerden sprichst, öffnest du die Tür für eine umfassende und somit bestmögliche Behandlung.

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Autorin:
Annika Haffke

Kinder- und Jugendlichen­psychotherapeutin

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