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Gruppentherapie: Ablauf, Vor- und Nachteile

Deine persönlichsten Gedanken und Gefühlen nicht nur einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten anzuvertrauen, sondern gleich einer ganzen Gruppe mitzuteilen, kann zunächst beängstigend klingen. Dabei ist gerade diese Form der Psychotherapie in einigen Fällen besonders hilfreich. Wie eine Gruppentherapie in der Regel abläuft, welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringen und wann sie besonders hilfreich sein kann, erfährst du in diesem Artikel.

Was macht eine Gruppentherapie besonders?

Auch wenn Einzel- und Gruppentherapie auf den ersten Blick sehr unterschiedlich erscheinen, sind sie sich in ihrer Wirkungsweise in vielerlei Hinsicht ähnlicher, als man zunächst denken mag. Bei beiden Formen der Therapie trägt vor allem die therapeutische Beziehung zwischen Psychotherapeutin und Patient wesentlich dazu bei, wie wirksam die Behandlung ist. So ist beispielsweise eine Patientin, die ihrem Psychotherapeuten vertraut, mit größerer Wahrscheinlichkeit dazu bereit, sich mit ihren eigenen Ängsten auseinanderzusetzen als eine Patientin, die ihrem Therapeuten nur wenig vertraut.

Neben dieser und weiteren Gemeinsamkeiten gibt es jedoch auch Besonderheiten, die sich aus der Situation in der Gruppe ergeben. Einige dieser Besonderheiten können vorteilhaft sein, andere hingegen können mögliche Schwierigkeiten aufwerfen. Wir haben dir die wichtigsten Vor- und Nachteile einer Gruppentherapie zusammengestellt. 

Vorteile einer Gruppentherapie 

Lass uns zunächst einen genaueren Blick auf die möglichen Vorteile einer Gruppentherapie werfen…

1Du triffst auf andere Betroffene

Anders als bei einer Einzeltherapie triffst du in einer Gruppentherapie nicht nur auf eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten, sondern gleich auf eine ganze Gruppe anderer Betroffener. Ähnliche Erfahrungen können es dir einfacher machen, dich in die anderen Gruppenmitglieder einzufühlen – und umgekehrt. Wenn du dich wohl damit fühlst, dich der Gruppe anzuvertrauen, profitierst du im Vergleich zur Einzeltherapie nicht nur von einer professionellen Sicht auf dein Problem, sondern von der Rückmeldung durch die gesamte Gruppe. 

2Du bist nicht allein

Kennst du die Befürchtung, mit deinen belastenden Gedanken und Gefühlen allein zu sein? In einer Gruppentherapie auf Menschen zu treffen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und denen es so geht wie dir – das kann entlastend sein und Erleichterung bringen.

Oft kann uns das Gefühl, dass wir nicht alleine sind, bereits dabei helfen, dass wir uns erleichtert fühlen und es uns besser geht.

3Am Beispiel anderer lernen

Auch, wenn wir oft glauben zu wissen, was für andere Menschen „das Richtige” ist, kann es uns besonder schwerfallen, unsere eigenen Probleme zu lösen. In der Gruppe hast du die Möglichkeit, von den Erfahrungen der anderen Gruppenmitglieder zu lernen. Strategien, mit denen andere Gruppenmitglieder ihre Probleme lösen, können dir als eine Art Modell dienen, von dem du dir neue Lösungswege „abschauen” kannst. 

4Mikrokosmos Gruppe

In der Gruppe hast du die Möglichkeit, soziale Kompetenzen, wie zum Beispiel das Knüpfen neuer Beziehungen, in einem geschützten Raum zu üben. Die Gruppe kann dabei für dich ein eigener kleiner Kosmos sein, in dem du, unterstützt durch eine Psychotherapeutin und die anderen Gruppenmitglieder, deine eigenen Verhaltensmuster erkennen und soziale Fähigkeiten trainieren kannst. Das kann zum Beispiel hilfreich sein, wenn du wie etwa bei Depressionen soziale Kontakte stärken möchtest.

Nachteile einer Gruppentherapie 

Natürlich hat die Gruppentherapie, wie jede andere Therapieform auch, sowohl Vorteile als auch Nachteile. Ob die potenziellen Nachteile für dich von Bedeutung sind, kannst du am besten selbst entscheiden. 

1Die Angst, sich zu öffnen

Wenn es dir besonders schwerfällt, dich anderen Menschen anzuvertrauen, kann sich die Situation in der Gruppe für dich erst einmal überfordernd anfühlen. In diesem Fall kann es sinnvoll sein, mit einer Einzeltherapie zu starten. Falls du im Verlauf merken solltest, dass die Teilnahme an einer Gruppentherapie doch hilfreich für dich sein könnte, ist es in vielen Fällen auch noch möglich, zu wechseln oder beide Formen der Therapie zu kombinieren. Besprich das am besten mit deiner Psychotherapeutin.

Hast du allgemein Angst davor hast, dich in einer Psychotherapie zu öffnen? Dann schau gerne mal in unserem Artikel zum Thema Angst vor Psychotherapie vorbei. Dort findest du Antworten auf die 5 häufigsten Sorgen, die ein Grund für Zurückhaltung sein können. 

2Weniger Raum für deine Probleme und Bedürfnisse

In einigen Fällen kann es sein, dass deinen Problemen und Bedürfnissen in der Gruppentherapie weniger direkte Aufmerksamkeit geschenkt wird als in der Einzeltherapie. Das hängt vor allem von der Art der Gruppe ab. Während sich zum Beispiel einige Gruppen in jeder Sitzung der Reihe nach auf die Probleme und Bedürfnisse eines bestimmten Gruppenmitglieds konzentrieren, besprechen andere Gruppen in jeder Sitzung die Probleme und Bedürfnisse aller Gruppenmitglieder.

3Das Tempo stimmt nicht

Anders als bei einer Einzeltherapie ist das Tempo der Gruppentherapie nicht nur von dir, sondern auch von den anderen Gruppenmitgliedern abhängig. An einigen Stellen kann dir das therapeutische Vorgehen daher zu schnell oder zu langsam vorkommen. Zum Beispiel dann, wenn neue Gruppenmitglieder deiner bereits bestehenden Gruppe dazustoßen und Themen erneut besprochen werden. Oder aber wenn du einer bereits bestehenden Gruppe beitrittst und das Gefühl hast, dass die anderen Gruppenmitglieder bereits weiter fortgeschritten sind. Hier kann sich ein Gespräch mit der leitenden Psychotherapeutin oder dem leitenden Psychotherapeuten lohnen.

Verschiedene Formen der Therapie

Nicht jede Gruppentherapie ist gleich. Zwischen den verschiedenen Gruppen lassen sich entscheidende Unterschiede feststellen. Einer der wichtigsten Unterschiede liegt dabei in der Art des angewandten psychotherapeutischen Verfahrens. Hierbei unterscheidet man zwischen psychoanalytischen, tiefenpsychologischen, verhaltenstherapeutischen und systemischen Gruppentherapien. Entscheidend ist: Ein generell besseres oder schlechteres Verfahren gibt es nicht. Wichtig ist vor allem, welches Verfahren zu dir passt. Wie du das herausfinden kannst, erfährst du in unserem Artikel: Therapieformen: Welche gibt es und welche passt zu mir? 

Auch die Rolle der Therapeutin oder des Therapeuten kann sich unabhängig von dem angewandten Verfahren zwischen den verschiedenen Gruppen unterscheiden. Während die Therapeutin in einigen Gruppen eine aktivere Rolle annimmt, sich also aktiv in die Gruppendiskussion einbringt, hält sie sich in anderen Gruppen eher zurück und beobachtet. Ein weiterer Unterschied besteht darin, ob eine Gruppe geschlossen oder offen ist. In sogenannten geschlossenen Gruppen beginnen alle Gruppenmitglieder gemeinsam mit der Therapie und beenden diese in der Regel auch gemeinsam. In sogenannten offenen Gruppen ist das anders. Hier können zu jeder Zeit neue Gruppenmitglieder hinzukommen und bereits bestehende Gruppenmitglieder aus der Gruppe ausscheiden. 

Die Wahl einer passenden Gruppentherapie kann sich aufgrund der zahlreichen Unterschiede überwältigend anfühlen. Welche Form der Gruppe für dich die richtige ist, solltest du daher vorab mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten besprechen.

Ablauf einer Gruppentherapie

Auch wenn sich die verschiedenen Formen der Gruppentherapie mitunter deutlich unterscheiden, ist der Ablauf von der ersten psychotherapeutischen Sprechstunde bis zum Ende der Therapie in der Regel der gleiche.

1Die psychotherapeutische Sprechstunde

Genau wie bei einer Einzeltherapie steht am Anfang jeder Gruppentherapie eine bis zu 50-minütige psychotherapeutische Sprechstunde. Gemeinsam mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten besprichst du deine Beschwerden und Möglichkeiten der Behandlung. Neben der Einzelpsychotherapie oder der Teilnahme an einem Online-Therapiekurs kann die Gruppenpsychotherapie eine weitere Option sein. 

2Probatorik in der Gruppe

Solltest du dich nach der Sprechstunde für die Teilnahme an einer Gruppentherapie entscheiden, gilt es genau wie bei einer Einzeltherapie zunächst auszuprobieren, ob du dich in der jeweiligen Gruppe und dem leitenden Psychotherapeuten wohlfühlst. Diese Phase des anfänglichen Ausprobierens nennt sich auch „Probatorik” und dauert bis zu drei Sitzungen von jeweils 100 Minuten.

3Beginn der Gruppentherapie

Stimmt die Chemie zwischen dir und der Gruppe, beginnt nun die eigentliche Gruppentherapie. In insgesamt 24 Sitzungen von jeweils 100 Minuten (möglich sind auch 48 Sitzungen von jeweils 50 Minuten) sprichst du gemeinsam mit einer oder zwei Psychotherapeutinnen oder Psychotherapeuten über Themen, die für dich und die anderen Gruppenmitglieder relevant sind. Eine Gruppe besteht in der Regel aus 3 bis 8 Mitgliedern oder bis zu 14 Mitgliedern, wenn sie von zwei Psychotherapeuten gemeinsam geleitet wird.

Ist eine Gruppenpsychotherapie das Richtige für mich?

Ob eine Gruppentherapie für dich persönlich die bevorzugte Therapieoption ist, hängt vor allem davon ab, ob du dir vorstellen kannst, dich in einer Gruppe wohlzufühlen. Hier solltest du auf dein eigenes Bauchgefühl hören, denn wenn du dich in der Gruppe wohlfühlst, kannst du dich öffnen und von der Therapie profitieren. Die bis zu 3 sogenannten Probatoriksitzungen nach der psychotherapeutischen Sprechstunde können dir dabei helfen, dein Bauchgefühl zu ergründen. Wir empfehlen dir außerdem, deine Bedenken und Fragen vorab mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten zu besprechen. Die professionelle Einschätzung einer Therapeutin kann dir dabei helfen, die für dich passende Therapieoption zu finden. 

Wie bekomme ich einen Therapieplatz in der Gruppe? 

Dass es leider oft lange dauern und schwierig sein kann, einen Psychotherapieplatz zu finden, ist allseits bekannt. Auch die Suche nach einem Gruppentherapieplatz kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Einige Plattformen, wie zum Beispiel Gruppenplatz.de, bieten daher Hilfe bei der Suche nach einem Gruppenplatz an. Hier findest du außerdem weitere Informationen zum Thema Gruppentherapie. 

Wenn du das Gefühl hast, ein Online-Therapiekurs könnte für dich die passende Behandlung bieten, dann schau doch einmal auf unserer HelloBetter Kursseite vorbei oder wende dich direkt über WhatsApp an uns. Gerne beantworten wir dir deine Fragen und helfen dir bei der Auswahl eines passenden Online-Therapiekurses. 

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Autorin:
Anna Unger-Nübel Psychologin
  • Quellennachweis

    Sipos, V., & Schweiger, U. (2019). Gruppentherapie (Vol. 6). Hogrefe Verlag

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