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Major Depression – was steckt dahinter?

Major Depression, klinische Depression oder unipolare Depression: Es gibt viele Bezeichnungen für Depressionen und vielleicht ist dir die ein oder andere davon schon über den Weg gelaufen. Neben den verschiedenen Bezeichnungen für Depression gibt es auch noch unterschiedliche Varianten und Schweregrade der Erkrankung. In diesem Artikel möchten wir ein bisschen Licht ins Dunkel bringen und erklären, was es mit dem Begriff der Major Depression auf sich hat und woran du erkennst, ob du betroffen bist. 

Der Begriff Major Depression

Major Depression kommt aus dem englischsprachig-amerikanischen Raum. „Major“ bedeutet erst mal nur „stark“ oder „schwer“. Der Begriff bezieht sich also in erster Linie auf die Schwere der Erkrankung. Eine weniger schwere Depression wird in englischsprachigen Ländern als Minor Depression bezeichnet („Minor” bedeutet hier „gering” oder „leicht”). Alternativ wird auch oft der Begriff der klinischen Depression verwendet. Diese Begriffsbestimmung und auch die Kriterien zur Diagnose sind im sogenannten DSM-5 („Diagnostic and Statistic Manual of Mental Disorders“) festgehalten. Dies ist ein Leitfaden für Behandelnde, mit dem psychische Erkrankungen bestimmt werden.

Unterschiedliche Klassifikationssysteme 

In Deutschland wird der Begriff Major Depression eher seltener benutzt. Der Unterschied kommt daher, dass in Deutschland ein anderes System zur Einordnung psychischer Erkrankungen verwendet wird. Hier nutzen Behandelnde das sogenannte ICD-10 („Internationale Klassifikation von Krankheiten“). Auch hierbei handelt es sich um einen Leitfaden, welcher alle bekannten Krankheiten enthält und regelmäßig nach neuen Erkenntnissen überarbeitet wird. Behandelnde können dort nachschlagen und die jeweiligen Symptome und Kriterien der Erkrankungen vorfinden.

Im ICD-10 wird die gleiche Krankheit, die in Amerika mit Major Depression gemeint ist, als unipolare Depression oder einfach depressive Erkrankung beschrieben. Diese wird dann anhand der Ausprägung der Symptome in leicht, mittelgradig oder schwer eingeteilt.

Trotzdem kann dir auch der englische Begriff Major Depression während deiner Behandlung oder vielleicht anderweitig schon mal über den Weg gelaufen sein. Auf Krankschreibungen und in Arztbriefen von Behandelnden wirst du immer den deutschen Begriff lesen. Aber gerade im Sprachgebrauch von Therapeutinnen und Therapeuten oder in den Medien wird auch hier manchmal von der Major Depression gesprochen. 

Was genau ist eine Major oder unipolare Depression?

Es gibt verschiedene Formen der Depression. Unter anderem wird zwischen unipolar (nur depressive Episode) und bipolar (depressive und manische Episoden) unterschieden. Eine unipolare Depression oder eben Major Depression meint, dass du in deinem Leben bisher nur depressive Episoden hast oder hattest. Dabei kann es sein, dass es sich um nur eine Episode handelt oder du bereits mehrere Episoden erlebt hast. Während einer depressiven Episode ist deine Stimmung in der Regel sehr gedrückt, der normale Alltag wird zur Herausforderung und die Motivation für Aktivitäten fehlt dir.

Im Gegensatz dazu gibt es auch die sogenannte bipolare Erkrankung. Bei dieser erleben Betroffene im Laufe ihres Lebens sowohl depressive Episoden als auch manische Episoden. Bei einer manischen Episode fühlen sich Betroffene hochaktiv, energiegeladen und voller Ideen – in einem Ausmaß, das es schwer macht, noch gut reflektierte Entscheidungen zu treffen. Das führt oft dazu, dass schwerwiegende Fehlentscheidungen getroffen werden (z.B. Anschaffungen, die man sich nicht leisten kann), sich Familie und Freunde abwenden, man kaum schläft und sich im Alltag sehr riskant verhält (z. B. durch gefährliche Sportarten oder Glücksspiel). Mehr dazu findest du auch in unserem Artikel zu Phasen und Verlaufsformen der Depression

Typische Symptome einer Major Depression

In diesem Artikel wollen wir aber bei der Major Depression bzw. der unipolaren Depression bleiben. Ein Hinweis auf eine depressive Episode kann sein, dass du dich in den letzten Wochen in einer sehr trauriger Stimmung wiedergefunden hast oder das Gefühl hattest, gar keine Emotionen mehr zu fühlen. Als Überblick über weitere Hinweis auf eine Major Depression haben wir dir hier typische Symptome zusammengestellt:

  • Du fühlst dich ständig traurig und musst häufig weinen.
  • Du hast Schuldgefühle oder fühlst dich wertlos.
  • Du kannst dich kaum konzentrieren und nur schwer Entscheidungen treffen.
  • Du schläfst mehr oder weniger als üblicherweise.
  • Du hast kein Interesse an Dingen, die dir normalerweise Freude bereiten.
  • Dir fehlen Energie und Antrieb, deinen Alltag zu bewältigen.
  • Du hast keinen Appetit und vielleicht schon deutlich Gewicht verloren.

Gut zu wissen

Ein weiteres schweres Symptom einer Major Depression können Gedanken daran sein, dass du nicht mehr leben möchtest. Solche Gedanken nennt man suizidale Gedanken. Wenn du das von dir kennst, solltest du dir unbedingt professionelle Hilfe suchen. Ein offenes Ohr findest du rund um die Uhr und ganz anonym bei der Telefonseelsorge unter der 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Im Notfall kannst du auch den Rettungsdienst oder die Polizei anrufen unter der 112 oder 110. Diese kennen hilfreiche Anlaufstellen wie Kliniken. Dort kümmern sich dann ausgebildetes ärztliches oder psychotherapeutisches Personal darum, dass dir geholfen wird.

Wenn eines oder mehrere der genannten Punkte auf dich zutreffen, kann es notwendig sein, dir Unterstützung zu suchen. Ein guter erster Anlaufpunkt wäre deine Hausärztin oder dein Hausarzt. Dieser wird dir sicher einige Fragen zu deinem mentalen Befinden in den letzten Wochen stellen. Denn zur Diagnose einer Major Depression gibt es keinen Bluttest und keine körperliche Untersuchung. Die Diagnose wird durch verschiedene, ausführliche Fragen zu deinem eigenen Befinden gestellt. Eine andere Möglichkeit ist es, direkt in eine psychotherapeutische Sprechstunde zu gehen. Dafür benötigst du keine Überweisung. 

Therapiemöglichkeiten der Major Depression

Wenn die Diagnose einer Major Depression gestellt wurde, wird dein behandelnder Arzt oder deine Ärztin mit dir zusammen überlegen, wie deine Depression behandelt werden kann. Eine Möglichkeit der Behandlung stellen Medikamente dar, die sogenannten Antidepressiva. Oft sind Medikamente allein jedoch nicht ausreichend und eine Psychotherapie kann sehr hilfreich sein. Der Vorteil ist, dass du dabei nicht nur die akute depressive Phase behandeln kannst, sondern Techniken erlernst, die du auch nach der Depression weiter in deinen Alltag integrieren kannst, um das Auftreten einer neuen Depression vorzubeugen. Manchmal kann es auch notwendig sein, zur Behandlung einer Depression in eine (Tages-)Klinik zu gehen. Auch eine Kombination aus verschiedenen Therapien ist möglich. Das Wichtigste ist, dass du dir Unterstützung suchst, die dir hilft, die Depression zu überwinden.

Die Wartelisten für Psychotherapieplätze sind leider in vielen Fällen sehr lang. Psychologische Soforthilfe oder Überbrückungsmöglichkeit kann dir der Online-Kurs HelloBetter Depression bieten, der von einigen Krankenkassen kostenfrei zur Verfügung gestellt wird (z. B. BARMER, Audi BKK und SVLFG). In diesem lernst du Techniken kennen, die dir dabei helfen können, deine depressiven Beschwerden zu verringern und deine Stimmung zu verbessern. Schau dir auch gerne mal den Erfahrungsbericht einer Kursteilnehmerin an.

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Autorin:
Sarah Boppert Ärztin
  • Quellennachweis
    1. American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders Fifth Edition (DSM-5). Washington DC, London England. 
    2. Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (2017). S3-Leitlinie – Unipolare Depression. Nationale Versorgungsleitlinie. Abgerufen von: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-005k_Unipolare_Depression-2018-02-abgelaufen.pdf
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