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Selbstbestimmung: Bedeutung, Beispiele und Tipps für ein selbstbestimmtes Leben

Selbstbestimmung ist ein Begriff, den wir im Alltag eher selten verwenden. Doch wir spüren fast täglich, ob wir über unsere Lebenszeit selbstbestimmt verfügen oder ob wir uns fremdbestimmt fühlen. Dieses Gefühl kann eine wichtige Stellschraube für unsere persönliche Lebensqualität sein kann. Daher lohnt es sich, sich genauer damit zu beschäftigen, welche Bedeutung Selbstbestimmung eigentlich hat und wie wir selbstbestimmter leben können. Los geht’s!

Selbstbestimmung: der Unterschied zwischen „ich muss“ und „ich will“

Ich sitze mit meinem Laptop draußen in einem Café in der Sonne und schreibe diesen Artikel über Selbstbestimmung. Ich mache oft die Erfahrung: Wenn ich das tue, was ich will, dann geht es mir gut und nach getaner Arbeit fühle ich mich energievoll anstatt ausgelaugt. Ein Zusammenhang, der auch in wissenschaftlichen Studien bestätigt werden kann. Nun könnte man sagen, draußen in der Sonne zu sitzen, das ist wirklich eine tolle Sache. Dass ich in diesem Moment glücklich bin, könnte nichts mit Selbstbestimmung zu tun haben. Doch bei der Selbstbestimmung geht es nicht nur um Angenehmes. 

Wenn wir einem Freund beim Umzug helfen, macht uns das vielleicht keinen Spaß – es ist sogar ziemlich anstrengend. Nichtsdestotrotz handeln wir selbstbestimmt, denn unser Freund hat uns nicht dazu gezwungen. Wenn wir ihm wirklich helfen wollen, haben wir wahrscheinlich trotz Anstrengung das wohlige Gefühl, unsere Zeit sinnvoll zu investieren. Langfristig kann dieses „wohlige Gefühl“, das mit Selbstbestimmung einhergeht, zu einer höheren Lebensqualität führen.

Was ist Fremdbestimmung?

Fremdbestimmung erleben wir hingegen, wenn uns von Außen etwas auferlegt wird, was wir nicht tun wollen. Ich muss nur an die Bundesjugendspiele in meiner Schulzeit zurückdenken. Wenn wir Fremdbestimmung erleben, können wir Unzufriedenheit, Hilflosigkeit, innere Wut oder Widerstand fühlen.

» Es gibt nichts, was mehr Stress auslöst, als am falschen Ort zur falschen Zeit mit den falschen Dingen beschäftigt zu sein. «

Lothar J. Seiwert

Leider erleben viele Menschen Fremdbestimmung zum Beispiel im Job: Täglich um 8 Uhr im Büro zu sein, war zumindest nicht dein Wunsch. Aber auch in der Freizeit sind wir manchmal nicht so frei, wie wir es gerne wären. Menschen, die zum Beispiel Kinder haben, müssen am Wochenende Fangen und Verstecken spielen, anstatt auf der Couch Netflix zu gucken. Vielleicht wird anhand dieser Beispiele für Selbstbestimmung schon deutlich, dass Selbstbestimmung etwas mit Lebensentscheidungen und Alltagsgestaltung zu tun hat. Und dass wir in den allermeisten Fällen einen gewissen Spielraum haben, um mehr Selbstbestimmung in unser Leben zu bringen.

Wie kann ich selbstbestimmter leben?

In der Psychologie weiß man um die Bedeutung von Selbstbestimmung. Sie ist wie beschrieben wichtig, damit Tätigkeiten uns Energie schenken, anstatt sie uns zu nehmen und sie kann zu einer höheren Lebensqualität führen.

Für mehr Selbstbestimmung können wir nun einerseits versuchen, aktiver für Freiräume zu sorgen, in denen wir machen können, was wir wollen. Das ist ratsam, allerdings wird uns das nur bedingt gelingen.

Andererseits können wir uns daher die Selbstbestimmung in unseren Alltagsaktivitäten bewusst machen. Wirklich fremdbestimmt sind wir nämlich eher selten. Um die Selbstbestimmung in deinem Leben gewissermaßen zu entdecken, können diese 3 Schritte hilfreich sein:

Schritt 1: Welche Tätigkeiten fühlen sich für dich fremdbestimmt an?

Vielleicht bemerkst du, dass du viel über die Arbeit schimpfst, du fährst nur deinem Partner oder deiner Partnerin zuliebe mit zu den Schwiegereltern und auf dem Weg ins Fitnessstudio fragst du dich, warum du eigentlich nicht lieber Pizza essen gehst. Manchmal scheint es so, als würden wir wirklich viele Dinge tun, die wir nicht tun wollen. Das kann zu Frustration führen. Liste diese Dinge daher einmal auf – von Arbeit bis Zahnarzt. Falls dir das aus dem Stegreif schwerfällt, gehe in Gedanken die nächste Woche durch und notiere, was du lieber nicht tun würdest.

Schritt 2: Welche Werte verbergen sich hinter diesen Tätigkeiten?

Hinter jeder unliebsamen Tätigkeit, verbirgt sich meistens ein Grund, weshalb wir sie machen. Denn grundsätzlich kann uns niemand zu etwas zwingen. Die meisten Menschen arbeiten zum Beispiel, um Geld zu verdienen. Mit diesem Geld können sie sich dann eine schöne Wohnung leisten, zum Friseur gehen oder in den Urlaub fahren. Hinter diesen Möglichkeiten, stecken jedoch eigentlich bestimmte innere Werte, zum Beispiel Selbstfürsorge. Liebe und Familie sind die Gründe, weshalb Eltern sonntags Fangen spielen, anstatt auszuschlafen. Und für den Wert Gesundheit sorgen wir durch den Besuch im Fitnessstudio. Du kannst dir nun also für jede Tätigkeit auf deiner Liste überlegen, welchen deiner inneren Werte du damit lebst. 

Werte sind immaterielle Qualitäten, denen wir durch bestimmte Handlungen Ausdruck verleihen können. Zum Beispiel grüße ich die Busfahrerin morgens, weil der Wert Freundlichkeit mir wichtig ist. Weitere Beispiele für Werte sind Selbstfürsorge, Loyalität, Mitgefühl, Wertschätzung, Liebe, Abenteuer, Flexibilität oder Kreativität.

Schritt 3: Aussortieren

Jetzt wirst du vielleicht bemerken, dass unliebsame Tätigkeiten auf deiner Liste stehen, die im wahrsten Sinne keinen oder wenig Wert für dich haben. Habe Mut, sie zu streichen. Du kannst auch noch mal prüfen, ob es vielleicht Dinge gibt, die du gerne machst, die aber ebenso wertlos für dich sind: zum Beispiel Shopping oder Zeit in Social Media Plattformen zu verbringen. Auch diese Tätigkeiten kannst du zumindest einschränken, um deinen Alltag selbstbestimmter und erfüllender zu gestalten.

Selbstbestimmung und Selbstreflexion

Tatsächlich ist Zufriedenheit ein gutes Anzeichen dafür, dass du selbstbestimmt nach deinen Werten lebst. Dann ist es langfristig fast unmöglich, bis auf die normalen Stimmungsschwankungen, Unzufriedenheit zu spüren. Doch Selbstbestimmung ist gar nicht so leicht. Dazu gehört nämlich regelmäßige Selbstreflexion und auch Selbstmotivation

Letztendlich ist es eine lebenslange Aufgabe so zu leben, wie wir wollen. Wir müssen Abweichungen immer wieder bemerken und korrigieren und den Wunsch ablegen, es allen recht machen zu wollen. Doch dieser Weg lohnt sich, wir wünschen dir dabei viel Geduld und vor allem Selbstliebe!

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Autorin:
Victoria Bindrum Psychologin
  • Quellennachweis
    1. Lachapelle, Y., Wehmeyer, M. L., Haelewyck, M. C., Courbois, Y., Keith, K. D., Schalock, R., … & Walsh, P. N. (2005). The relationship between quality of life and selfdetermination: an international study. Journal of intellectual disability research, 49(10), 740-744.
    2. ​​Bennett, A. A., Bakker, A. B., & Field, J. G. (2018). Recovery from workrelated effort: A metaanalysis. Journal of Organizational Behavior, 39(3), 262-275.
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