Zurück zur Übersicht

Wie kann ich innere Wut loswerden?

Am liebsten möchten wir unangenehme Gefühle wie innere Wut nicht fühlen. Wenn sie trotzdem oft oder immer mal wieder auftaucht, fragst du dich vielleicht, wie du die innere Wut loswerden kannst. In diesem Artikel erfährst du, was innere Wut überhaupt ist und was die Ursachen für dieses Gefühl sein können. Außerdem verraten wir dir, ob und wie du innere Wut loswerden kannst.

Was ist innere Wut?

Wut ist genauso wie zum Beispiel Lebensfreude, Angst oder Traurigkeit ein Gefühl. Gefühle entstehen meistens in einem Zusammenspiel aus körperlichen und psychischen Reaktionen. Sehen wir uns das am Beispiel der Wut an: Stell dir vor, jemand kritisiert dich scharf. Du fühlst dich daraufhin angegriffen, entwickelst ärgerliche Gedanken, dein Körper sendet Stresshormone aus, die wiederum nicht dazu beitragen, dass du dich selbst beruhigen kannst. Der Kreislauf aus negativen Gedanken, Wut, körperlichen Reaktionen und innerer Unruhe nimmt seinen Lauf. 

Jetzt ist die Frage: Wie gehst du damit um? Verteidigst du dich lautstark? Oder bleibt es bei der inneren Wut, die du auf unbestimmte Zeit mit dir herum schleppst? 

Mit innerer Wut ist also das Gefühl der Wut gemeint, das du nicht nach Außen hin ausdrückst, sondern nur erlebst.

Aus innerer Wut kann sich leicht Groll entwickeln, der meistens jedoch etwas abgeschwächter und allgemeiner ist. Das heißt, er bezieht sich häufig nicht auf eine bestimmte Situation, sondern gleicht eher einem ärgerlichen und pessimistischen Grundgefühl. 

Was ist besser: innere Wut oder äußere Wut?

Vielleicht geht es dir ähnlich wie mir und du hast insgeheim die Annahme, dass es am besten wäre, gar keine Wut zu fühlen, und falls doch, sollte es nur innere Wut sein. Sobald es zu äußerer Wut kommt, kriege ich ein schlechtes Gewissen und frage mich, warum ich bloß so ausgeflippt bin. Bin ich etwa ein Choleriker? Um das Ausflippen zu vermeiden, strafen wir andere Menschen manchmal mit der „kalten Schulter”. In der Psychologie spricht man dabei auch von passiven Aggressionen. Das Wort verrät es bereits: Auch passive Aggressionen sind Aggressionen. Ist wütendes Schweigen also wirklich besser, als mal ordentlich Dampf abzulassen und lautstark unseren Ärger loszuwerden? 

Der Fehler liegt tatsächlich in der Frage. Wir beurteilen das Gefühl der Wut anders als zum Beispiel das Gefühl der Freude. Das führt auch dazu, dass wir uns darüber ärgern, dass wir wütend sind, was die Wut natürlich noch steigert. Das hat mit der negativen Bewertung der Wut zu tun und der Annahme, dass es falsch ist, innere Wut loszuwerden, indem wir sie als äußere Wut zeigen. 

Vermutlich würdest du dich jedoch nie fragen, ob nun innere oder äußere Freude „besser” ist. Du fühlst die Freude einfach und wenn dir danach ist, drückst du sie aus. Um dem unangenehmen Gefühl der Wut gewissermaßen den Stachel zu nehmen, müssen wir also nicht am Gefühl an sich, sondern an der Bewertung drehen. 

Mit gutem Gefühl innere Wut loswerden?

Um mit Wut umzugehen, nützt es natürlich nichts, uns einzureden, dass Wut sich genauso großartig anfühlt wie Freude. Wir alle wissen: Das ist nicht der Fall.

Wut ist ein unangenehmes Gefühl. Wie alle unangenehmen Gefühle kann dieses Gefühl gut im Sinne von hilfreich sein und zwar dann, wenn wir die Botschaft der Wut für uns entschlüsseln. Das kann zum Beispiel gelingen, indem wir ganz bewusst auf unsere Gedanken achten, wenn wir wütend sind

Wenn wir kritisiert werden, könnten Gedanken auftauchen wie: „Die andere Person sieht gar nicht, wie sehr ich mich bemühe und wie viel ich leiste.” 

Ein spannender Gedanke – es geht also vielleicht um das Bedürfnis nach äußerer Anerkennung und um das Thema Selbstwert. Anstatt die andere Person nun innerlich ärgerlich abzuwerten oder sie ebenfalls zur Schnecke zu machen, können wir für uns den Schluss ziehen: Vielleicht sollte ich meinen Selbstwert stärken, um mich durch Kritik weniger aus der Fassung bringen zu lassen. 

Innere Wut loswerden durch Selbstreflexion 

Natürlich gibt es viele weitere Möglichkeiten, mit Kritik umzugehen und es ist auch nicht falsch, wütend darauf zu reagieren. Aber um innere Wut nicht nur schneller loswerden, sondern noch dazu etwas über uns selbst lernen zu können, kann Selbstreflexion sehr hilfreich sein. Falls dir das in der Situation selbst schwerfällt, kannst du dir bewusst eine Auszeit nehmen, wenn du wütend bist und zum Beispiel in ein anderes Zimmer oder spazieren gehen. Vielleicht möchtest du der anderen Person in diesem Fall sagen: „Deine Worte haben mich gerade wirklich erwischt, ich brauche einen Moment für mich.”

Mit Wut umgehen lernen: Neue Wut-Gewohnheiten schaffen

Wir alle haben mit der Zeit gewisse Gewohnheiten entwickelt, um mit unangenehmen Gefühlen umzugehen. Diese Gewohnheiten stammen meistens aus unserer Kindheit und sind Reaktionen, mit denen wir damals „gut gefahren” sind. Das bedeutet, dass wir zum Beispiel Ärger, Enttäuschung oder sogar Bestrafung dadurch vermieden haben. Es können auch negative Glaubenssätze hinter unserem Umgang mit Wut stecken wie zum Beispiel: Ich darf nicht wütend sein.

Wenn du nun versuchst, mithilfe von Selbstreflexion mit Wut umgehen zu lernen, werden sich deine alten Wut-Gewohnheiten bemerkbar machen. Das bedeutet, obwohl sich ein neues Bewusstsein in das Erleben der inneren Wut geschlichen hat, kannst du den inneren Drang verspüren, „auszuflippen” oder auch, dich passiv aggressiv zurückzuziehen. Wenn du lernen willst, wie du mit Wut umgehen kannst, musst du also wahrscheinlich auch Geduld lernen und ab und an Frustration aushalten. Denn anders zu reagieren, als du es bisher getan hast, braucht Übung.

Doch du darfst dir sicher sein: Je öfter du es schaffst, desto schneller wirst du einen neuen Umgang mit Wut finden. Und wirst dabei vielleicht Schritt für Schritt etwas mehr mit dir selbst im Reinen sein.

Kennst du schon unsere HelloBetter Online-Kurse? Sie unterstützen dich bei psychischen Belastungen wie Stress und Burnout, depressiven Gefühlen oder Panik.

ZU DEN KURSEN

Artikel teilen:Share this:

Twitter Facebook LinkedIn

War dieser Artikel hilfreich für dich?

Autorin:
Victoria Bindrum Psychologin
  • Hinweis zu inklusiver Sprache

    Unser Ziel bei HelloBetter ist es, alle Menschen einzubeziehen und allen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich in unseren Inhalten wiederzufinden. Darum legen wir großen Wert auf eine inklusive Sprache. Wir nutzen weibliche, männliche und neutrale Formen und Formulierungen. Um eine möglichst bunte Vielfalt abzubilden, versuchen wir außerdem, in unserer Bildsprache eine große Diversität von Menschen zu zeigen.

    Damit Interessierte unsere Artikel möglichst leicht über die Internetsuche finden können, verzichten wir aus technischen Gründen derzeit noch auf die Nutzung von Satzzeichen einer geschlechtersensiblen Sprache – wie z. B. den Genderdoppelpunkt oder das Gendersternchen.

Unsere Artikel werden von Psychologinnen und Psychologen geschrieben und von Psychotherapeutinnen geprüft. Wenn du mehr darüber erfahren willst, was uns beim Schreiben wichtig ist, dann lerne hier unser Autorenteam kennen.

Kostenfreie psychologische Soforthilfe auf Rezept

Einige unserer HelloBetter Therapieprogramme erhältst du jetzt schon kostenfrei auf Rezept. Lasse dir unsere Kurse einfach von deiner Ärztin oder deinem Psychotherapeuten verschreiben.