Zurück zur Übersicht

Auf Schritt und Tritt verfolgt: Was tun bei Stalking?

Auflauern, Verfolgen, Belästigen, Bedrohen – Stalking kann viele Formen annehmen. Dabei sind der „Kreativität” der Täter und Täterinnen keine Grenzen gesetzt: Sie bestellen im Namen der Betroffenen teure Gegenstände, informieren sich in der Nachbarschaft über das Opfer, hinterlassen überall Liebesbotschaften oder üben Telefonterror aus. Dies sind nur wenige Stalking-Beispiele. Doch was treibt die Täterinnen und Täter an? Häufige Motive sind das Ausüben von Macht, Dominanz und Kontrolle sowie das übersteigerte Bedürfnis, von den Betroffenen wahrgenommen zu werden, Kontakt aufzunehmen oder zu halten. In diesem Blogartikel erfährst du, was Stalking bedeutet und was du tun kannst, wenn du selbst betroffen bist.

Was ist Stalking?

Stalking (aus dem Englischen „to stalk”, also pirschen, verfolgen) liegt vor, wenn ein Opfer verfolgt, belästigt, häufig auch bedroht wird und diese wiederholte und andauernde Belästigung – bis hin zu körperlicher Gewalt – bei dem Opfer Angst auslöst. 

Stalking ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Strafbestand, der im Strafgesetzbuch unter § 238 StGB „Nachstellung“ geführt wird. Täterinnen oder Täter können so mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren bedacht werden. Um Opfer noch besser zu schützen, wurde im Oktober 2021 der Strafbestand erweitert. Nun werden auch Opfer von Cyberstalking berücksichtigt. 

Auch beim Cyberstalking wird versucht, die Opfer zu verunglimpfen, bloßzustellen oder zu bedrohen. Allerdings findet das Ganze im Internet statt und kann massenhafte E-Mails oder Nachrichten mit Liebesbekundungen, Beschimpfungen oder mit sexuellen Inhalten, Veröffentlichung von privaten Details und Bildern in den sozialen Netzwerken oder das Ausspionieren durch sogenannte „Spyware” umfassen – um nur wenige Cyberstalking-Beispiele zu nennen. 

Wichtig ist, Stalking und Cyberstalking von Gaslighting, Mobbing oder toxischen Beziehungen abzugrenzen. Auch diese Verhaltensweisen verursachen bei Betroffenen beträchtliches Leid, doch sind im engeren Sinne kein Strafbestand. 

Wer ist betroffen?

Beim Thema Stalking denken viele an Personen aus dem öffentlichen Leben. Aktuelle Daten aus dem Jahr 2020 zeigen jedoch, dass 11% aller Deutschen im Laufe ihres Lebens einmal von Stalking betroffen sind. Dabei sind mit 83% vor allem Frauen Stalking-Opfer. Die Täter oder Täterinnen kommen meistens aus dem privaten Umfeld und sind in der Hälfte der Fälle Ex-Partner oder -Partnerinnen. Nicht nur eine Zurückweisung, Eifersucht oder Rache können Gründe für Stalking sein, manchen Stalkern geht es auch um den Ausdruck von Bewunderung, Zuneigung oder dem unrealistischen Wunsch nach einer Beziehung. Was für die Täter oft ein Kampf um Beziehung, Kontakt und Macht ist, bedeutet für die Opfer eine starke psychische Belastung. 

Welche Bedeutung hat Stalking für die Opfer?

Verfolgt, belästigt, bedroht – für die Opfer bedeutet Stalking, in andauernder Angst und akutem Stress zu leben. Und das hat schwerwiegende Folgen. Betroffene leiden zum Beispiel unter körperlichen Symptomen wie Magen-Darm-Problemen oder Hautausschlag durch Stress. Genauso gravierend sind oft auch die psychischen Beschwerden. Betroffene von Stalking ziehen sich beispielsweise zurück, leiden unter Konzentrationsproblemen, Antriebslosigkeit und Schlafstörungen. So entwickeln sie häufig Symptome, die auch bei posttraumatischen Belastungsstörungen, Depression, Panikstörungen oder Anpassungsstörungen vorliegen. 

Nicht selten müssen Stalking-Opfer auch mit deutlichen sozialen und finanziellen Konsequenzen leben. Aufgrund der andauernden Anrufe bei der Arbeit oder der Bestellung von teuren Gegenständen, können sie ihren Job verlieren oder bleiben auf den Kosten sitzen. Spätestens jetzt sollten sich Betroffene Unterstützung suchen. 

Was tun bei Stalking?

Betroffene von Stalking erleben häufig eine Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Egal, was sie tun, das Stalking scheint nie aufzuhören. Tatsächlich solltest du dir Hilfe bei der Polizei oder Justiz suchen, wenn du betroffen bist. Doch auch du selbst hast Handlungsspielraum. In den „Anti-Stalking-Regeln” werden die wichtigsten Schritte zusammengefasst.

„Anti-Stalking-Regeln”

  1. Klare, deutliche Formulierung, dass kein Kontakt gewünscht ist. 
  2. Alle Kontaktversuche konsequent ignorieren.
  3. Stalking-Vorfälle dokumentieren.
  4. Rechtliche und polizeiliche Maßnahmen einleiten.
  5. ​​Unterstützung suchen.

Klar und deutlich den Kontakt beenden

Es klingt so naheliegend, dabei fällt genau das Betroffenen oft schwer. Der erste Schritt, um sich gegen Stalking zu wehren, ist der stalkenden Person klar und deutlich zu sagen, dass kein Kontakt gewünscht ist. Am Besten dokumentierst du diese Unterlassungsaufforderung, um sie gegebenenfalls später als Beweismittel zur Verfügung zu haben. Viele Betroffene – insbesondere wenn es sich um eine Ex-Beziehung handelt – lassen sich immer wieder auf Gespräche oder Kontaktversuche ein, da sie hoffen, die stalkende Person so zur Vernunft zu bringen. Leider vergeblich. Anstatt sich in endlosen Diskussionen zu verstricken, ist es hilfreicher, der Person einmal klar und deutlich zu sagen, dass kein Kontakt gewünscht ist. Anschließend sollten alle Kontaktversuche ignoriert werden. 

Stalkende Person konsequent ignorieren

Die wichtigste Regel, um sich Stalking zu widersetzen, lautet:

Alle Kontaktversuche der stalkenden Person müssen konsequent ignoriert werden.

Stalking-Verhalten wird mit dem Mechanismus der sogenannten operanten Konditionierung erklärt. Nach diesem psychologischen Modell wird die stalkende Person für ihr Stalking-Verhalten belohnt, immer dann, wenn der Stalker oder die Stalkerin eine Reaktion von dem Opfer erhält. Dabei ist es ganz egal, ob die Reaktion positiv (z. B. Zuwendung, Erklärungsversuche, die Bitte aufzuhören) oder negativ (z. B. Beschimpfungen, Drohungen) ausfällt. 

Besonders wichtig ist dabei auch zu wissen: Je unregelmäßiger das Opfer auf die Kontaktversuche eingeht, desto mehr lernt die stalkende Person, dass sie nur hartnäckig genug bleiben muss, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Das kannst du dir vielleicht so vorstellen: Ein Vater geht mit seiner Tochter in den Supermarkt. Die Tochter möchte unbedingt eine Süßigkeit, jedoch lehnt der Vater ihren Wunsch zunächst ab. Die Tochter hört nicht auf zu quengeln, bis sie irgendwann einen Wutanfall bekommt und so sehr schreit und tobt, dass sich schon die ganzen Leute umdrehen. Der Vater gibt schließlich zähneknirschend nach und kauft die ersehnte Süßigkeit. In diesem Beispiel lernt die Tochter, dass sie nur hartnäckig bleiben muss, um ihr Ziel zu erreichen. Genauso lernt auch die stalkende Person, dass sie nur „dranbleiben” muss, um ihr erwünschtes Ziel – endlich einen Kontakt zu haben – erreicht. 

Was bedeutet das in der konkreten Umsetzung? 

Es geht darum, die stalkende Person im Unklaren darüber zu lassen, ob und wie die Aktionen ankommen. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass Opfer die Handy- oder Telefonnummer wechseln. Dabei kann es hilfreich sein, die alte Nummer zu behalten, um der Stalkerin oder dem Stalker so „Spielraum” zu geben und gleichzeitig Beweise für eine eventuell folgende Anklage zu sammeln. Zudem sollten Geschenke und Briefe nicht zurückgeschickt werden. Bei einer Begegnung sollte das Opfer nicht mit dem Täter oder der Täterin sprechen, sondern möglichst wortlos vorbeigehen und bei einer Bedrohung Öffentlichkeit herstellen. Zum Beispiel, indem man einen belebten Platz aufsucht oder Personen der Nachbarschaft informiert.

All diese Verhaltensweisen sind nicht einfach, daher ist es völlig nachvollziehbar, dass sie nicht sofort und in jeder Situation gelingen. Um Unterstützung zu bekommen, können sich Betroffene jedoch professionelle Beratung suchen. 

Hilfsangebote bei Stalking nutzen

Deutschlandweit gibt es Beratungsstellen, die sich auf das Thema Stalking spezialisiert haben. Wenn du von Stalking betroffen bist, solltest du hier unbedingt Hilfe suchen. Sowohl der Weisse Ring, Stop Stalking oder bei Cyberstalking Frieda bieten professionelle Angebote.

Weiterhin können Betroffene bei der Polizei Anzeige erstatten. Dazu solltet ihr die Stalking-Vorfälle dokumentiert haben, um der Polizei direkt Beweismittel zur Verfügung zu stellen. Die Polizei hat so auch die Möglichkeit, eine sogenannte „Gefährderansprache” vorzunehmen. Dabei handelt es sich um eine polizeiliche Maßnahme, bei der besonders geschulte Polizistinnen und Polizisten den Täter oder die Täterin aufsuchen, um mit ihnen über die strafrechtlichen Aspekte ihres Handelns zu sprechen. Erfahrungswerte der Polizei zeigen, dass ungefähr die Hälfte der stalkenden Personen danach aufhört. Außerdem besteht die Möglichkeit, ein Kontakt- und Näherungsverbot durch ein Gericht zu erwirken. Diese Anordnung verbietet dem Stalker oder der Stalkerin, sich in einem bestimmten Abstand der Wohnung, dem Arbeitsplatz oder anderen möglichen Orten, an denen das Opfer sich aufhält, zu nähern. 

Falls du von Stalking betroffen bist, ist das Wichtigste: Du musst dein Problem nicht alleine lösen und deine Ängste nicht allein bewältigen. Suche dir Hilfe bei einer Beratungsstelle oder der Polizei. Sie sind für dich da und unterstützen dich.

Artikel teilen:Share this:

Twitter Facebook LinkedIn
Autorin:
Dr. Alena Rentsch Psychologische Psychotherapeutin für Erwachsene, Jugendliche, Kinder und Gruppen
  • Hinweis zu inklusiver Sprache

    Unser Ziel bei HelloBetter ist es, alle Menschen einzubeziehen und allen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich in unseren Inhalten wiederzufinden. Darum legen wir großen Wert auf eine inklusive Sprache. Wir nutzen weibliche, männliche und neutrale Formen und Formulierungen. Um eine möglichst bunte Vielfalt abzubilden, versuchen wir außerdem, in unserer Bildsprache eine große Diversität von Menschen zu zeigen.

    Damit Interessierte unsere Artikel möglichst leicht über die Internetsuche finden können, verzichten wir aus technischen Gründen derzeit noch auf die Nutzung von Satzzeichen einer geschlechtersensiblen Sprache – wie z. B. den Genderdoppelpunkt oder das Gendersternchen.

Unsere Artikel werden von Psycho­log­innen, Psycho­thera­peut­innen und Ärztinnen geschrieben und in einem mehrschrittigen Prozess geprüft. Wenn du mehr darüber erfahren willst, was uns beim Schreiben wichtig ist, dann lerne hier unser Autorenteam kennen.

Kostenfreie psychologische Soforthilfe auf Rezept

Einige unserer HelloBetter Therapieprogramme erhältst du jetzt schon kostenfrei auf Rezept. Lasse dir unsere Kurse einfach von deiner Ärztin oder deinem Psychotherapeuten verschreiben.