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Die DiGA-Beratung: Wie klären Sie Betroffene am besten über digitale Gesundheitsanwendungen auf?

Das Thema digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) ist sowohl für viele Behandelnde als auch für Patientinnen und Patienten neu. Daraus resultieren einige Fragen und Unsicherheiten: Wie spreche ich DiGA bei Betroffenen an, die von dieser Behandlung profitieren könnten? Muss ich alle Inhalte kennen, um auf potenzielle Fragen gut eingehen zu können? Schließlich möchte man seinen Patientinnen und Patienten die bestmögliche Versorgung bieten und dazu gehören auch informative Beratungsgespräche. Für den Einstieg in die DiGA-Nutzung und die erste DiGA-Beratung möchten wir hier eine praxisnahe Hilfestellung geben. 

Wozu eine DiGA-Beratung?

Durch digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) können Sie Ihren Patienten und Patientinnen einen niederschwelligen Zugang zu psychologischer Soforthilfe ermöglichen. Einige Betroffene haben Hemmungen, eine Vor-Ort-Psychotherapie zu versuchen. Und auch auf die Patientinnen, die sich grundsätzlich eine solche klassische psychotherapeutische Behandlung vorstellen können, kommen Wartelisten von mehreren Monaten zu. Digitale Gesundheitsanwendungen können genau hier ansetzen, indem sie den Betroffenen unterschiedliche Unterstützungsangebote bieten:

  • als Wartezeitüberbrückung,
  • als Begleitung der ärztlichen Behandlung,
  • als Nachsorge oder Rückfallprophylaxe,
  • sowie als eigenständige Intervention.

Mehr zu Chancen und Grenzen von Online-Kursen erfahren Sie auch in unserem Fachblog

Haben Sie eine geeignete DiGA im Kopf oder über das DiGA-Verzeichnis eine passende Anwendung gefunden, muss die Patientin noch zustimmen und offen dafür sein. Um Patientinnen eine fundierte Entscheidung zu ermöglichen, ist ein DiGA-Beratungsgespräch notwendig. Schließlich möchte man nichts verschreiben, das die Patientin am Ende doch nicht nutzt, weil nicht klar war, was auf sie zukommt. Um Ihnen den Einstieg in die DiGA-Beratung zu erleichtern, haben wir Ihnen hier unsere Checkliste für das DiGA-Beratungsgespräch verfasst.

Checkliste für das DiGA-Beratungsgespräch

  1. Indikation und Kontraindikationen klären
  2. Kurze Erläuterung der digitalen Gesundheitsanwendung
  3. Weiterführende Informationen bereitstellen
  4. Rezept ausstellen

1Indikation und Kontraindikationen klären

Digitale Gesundheitsanwendungen gibt es mittlerweile für eine Vielzahl von Diagnosen. Verschreibungen werden von den Krankenkassen nur dann akzeptiert, wenn die richtige Diagnose gestellt wurde, für die die DiGA zugelassen ist. Welche Indikationen und Kontraindikationen die einzelnen DiGA haben, können Sie jederzeit für jede zertifizierte DiGA im DiGA-Verzeichnis einsehen. Für alle psychotherapeutischen DiGA von HelloBetter ist beispielsweise Suizidalität eine Kontraindikation, da dies einer zeitintensiven Behandlung im Face-to-Face-Setting bedarf. Daher sollte diese bei Verdacht in der DiGA-Beratung immer abgeklärt werden.

Um diesen ersten Schritt etwas zu vereinfachen, haben wir Ihnen hier eine Übersicht über die Indikationen und Kontraindikationen der digitalen Gesundheitsanwendungen von HelloBetter zusammengestellt. 

2Kurze Erläuterung der digitalen Gesundheitsanwendung

Im nächsten Schritt ist es sinnvoll, den Patienten eine kurze Erläuterung darüber zu geben, was es mit digitalen Gesundheitsanwendungen auf sich hat. Dadurch können sich die Betroffenen ein Bild davon machen, um was für eine Therapieform es sich handelt und ob sie sich eine solche therapeutische Online-Intervention vorstellen könnten. Dabei ist wichtig zu wissen, dass Sie als Behandler natürlich nicht alle DiGA bis ins kleinste Detail kennen müssen. Dafür gibt es schließlich die Service-Hotlines der Hersteller oder Herstellerinnen, zu denen Sie Patienten mit tiefergehenden Fragen gerne verweisen können. 

Das DiGA-Beratungsgespräch sollte folgende Fragen für die Patienten beantworten:

Was ist eine digitale Gesundheitsanwendung?

Eine digitale Gesundheitsanwendung ist ein Online-Programm (oder eine App), das die Erkennung oder Behandlung eines bestimmten Beschwerdebildes unterstützt. Dies können bei psychischen Beschwerden zum Beispiel psychotherapeutische Methoden sein. DiGA können von Behandelnden auf Rezept verschrieben und dann von der Krankenkasse vollständig erstattet werden. Die Anwendungen, die als DiGA auf Rezept verschrieben werden können, wurden vorher intensiv wissenschaftlich geprüft, sind (daten)sicher und zertifiziert.

Wie ist die zu verschreibende DiGA aufgebaut?

Eine psychotherapeutische DiGA ist in der Regel aus mehreren Einheiten zusammengesetzt, die in Abständen bearbeitet werden. Bei HelloBetter Stress und Burnout z. B. sind dies 8 Einheiten, die innerhalb von 12 Wochen bearbeitet werden. 
Für jede Einheit sollten Ihre Patienten ca. 60 Minuten pro Woche (bei HelloBetter) einplanen. Dabei bleibt es ihnen ganz flexibel überlassen, wann und wo sie die Einheiten bearbeiten möchten. Zusätzlich erhalten sie in einigen Einheiten Übungen, die sie im Verlauf der Woche immer wieder anwenden und üben sollten. Bei HelloBetter können das z. B. Audiodateien mit Entspannungsübungen oder die Umsetzung von in der Einheit erstellten Plänen sein. 
Die Inhalte können mit den Inhalten verglichen werden, die auch in einer Vor-Ort-Psychotherapie behandelt werden würden.

Welche Voraussetzungen sollten bei Betroffenen gegeben sein?

Die einzige Voraussetzung ist ein Computer mit Internetzugang. Außerdem können manche Funktionen, wie z. B. das Stimmungstagebuch auch auf einer App am Smartphone genutzt werden, was aber nicht zwingend notwendig ist.

3Weiterführende Informationen bereitstellen

Weiterführend können Sie Patientinnen Informationen der DiGA-Hersteller zur Verfügung stellen. Die meisten DiGA-Hersteller und Herstellerinnen bieten Broschüren an, welche sich die Betroffenen zu Hause in Ruhe durchlesen können. Außerdem können Sie auf die Webseiten der Hersteller verweisen, die weitere wichtige Informationen bereithalten. Diese Informationen können sich die Patientinnen zu Hause durchlesen und dann beim nächsten Termin  mit Ihnen besprechen, ob sie sich eine Verschreibung wünschen.

Zur Bestellung der HelloBetter Informationsbroschüren gelangen Sie ▷ hier.

Weiterhin können Sie den Patientinnen, die tiefergehende Fragen haben, an die Support-Hotlines der Hersteller verweisen. Bei HelloBetter sitzen dort ausgebildete Psychologinnen und Psychologen hinter dem Apparat, die umfassend und gut auf alle Fragen eingehen und zu digitalen Gesundheitsanwendungen beraten können. An dieser Stelle können auch Fragen zu Themen beantwortet werden, auf die Sie als Behandlerin oder Behandler keine Antwort haben oder zu denen Sie noch keine Zeit hatten, sich umfassend zu informieren. Zudem ist die Support-Hotline der Ansprechpartner bei technischen Problemen. 

Die HelloBetter Patientenhotline ist über die +49 (0)40 52 47 333 10 (Mo. – Fr.: 9 – 18 Uhr) erreichbar.  

4Rezept ausstellen

Hat sich der Patient für die Nutzung einer DiGA entschieden, können Sie das Rezept zur Verordnung ausstellen. Dies erfolgt auf einem Muster 16-Rezeptformular. Analog zur Verordnung von Arzneimitteln besitzt jede DiGA eine individuelle Pharmazentralnummer (PZN), über welche Diagnose und Verordnungsdauer verschlüsselt sind. Unter Angabe der Bezeichnung „digitale Gesundheitsanwendung”, des Produktnamens und der PZN können Sie die digitale Gesundheitsanwendung verordnen.  

Rezept ausstellen

Angaben auf dem Rezept

Musterrezept zeigt Verschreibung der DiGA Stress und Burnout

Wenn Ihre Praxisverwaltungssoftware es noch nicht ermöglicht, DiGA zu finden und auf die Verordnung zu drucken, können Sie diese händisch in das Rezept eintragen. Die Namen und PZN unserer DiGA haben wir hier für Sie vermerkt:

  1. DiGA HelloBetter Stress und Burnout: PZN 17871905
  2. DiGA HelloBetter Panik: PZN 18094846
  3. DiGA HelloBetter Vaginismus Plus: PZN 18016941
  4. DiGA HelloBetter Diabetes und Depession: PZN 17937797
  5. DiGA HelloBetter ratiopharm chronischer Schmerz: PZN 17946626

Das Rezept kann der Patient dann bei der gesetzlichen Krankenkasse einreichen. Je nach Krankenkasse geht dies über eine App, online oder nur in der Filiale. Zudem bietet HelloBetter einen Rezept-Service an. Hier kann der Patient nach Auswahl des Kurses das Rezept auf unserer Webseite hochladen und der Patientenservice übernimmt die Einreichung bei der Krankenkassen. 

Nach wenigen Tagen Bearbeitungszeit erhält der Patient dann einen Zugangscode und alle Informationen zur Anmeldung auf der Webseite des DiGA-Anbieters. 

Häufige Fragen im DiGA-Beratungsgespräch

Für die häufigsten Fragen, die in der DiGA-Beratung auftreten können, haben wir Ihnen hier die Antworten zusammengestellt.

„Ich komme nicht so gut mit Technik zurecht. Kann ich das Programm trotzdem nutzen?”
Ja, denn DiGA werden so entwickelt, dass sie benutzerfreundlich, übersichtlich und einfach zu bedienen sind. Bei technischen Rückfragen steht außerdem eine persönliche Psychologin oder ein Psychologe zur Verfügung.

„Ist das so gut wie eine Vor-Ort-Psychotherapie?”
Die Inhalte und Methoden, die in den psychotherapeutischen Online-Programmen vermittelt werden, stammen aus der klassischen Verhaltenstherapie, wie sie auch in einer Vor-Ort-Therapie verwendet werden. Außerdem wurde die Wirksamkeit jeder DiGA in wissenschaftlichen Studien geprüft und nachgewiesen. Es gibt bereits Forschungsarbeiten, die zeigen, dass Online-Therapie oder gemischte Therapie genauso wirksam sein kann wie eine reine Vor-Ort-Therapie, wenn Sie als Patient oder Patientin offen für solche Möglichkeiten sind.1

„Ist das nicht eher was für junge Leute?”
Die meisten DiGA sind so gestaltet, dass sie sehr einfach und nutzungsfreundlich in der Bedienung sind. So sind sie auch für ältere Menschen leicht zu nutzen. Außerdem sind die Inhalte meist so geschrieben, dass sie nicht nur auf junge Personen eingehen, sondern sich auch auf Problematiken von Menschen im mittleren oder höheren Lebensalter beziehen. Zum Vergleich: das durchschnittliche Alter der HelloBetter Nutzer und Nutzerinnen liegt aktuell bei 45 Jahren. 

„Wie lange kann ich das Online-Programm nutzen?”
Die HelloBetter Online-Programme können innerhalb von 12 Wochen bearbeitet werden. Außerdem haben Patienten und Patientinnen für ein Jahr Zugriff auf die Inhalte. Bei Bedarf kann zudem eine Folgeverordnung ausgestellt werden. Bei DiGA von anderen Herstellern können jedoch andere Nutzungszeiträume vorliegen. 

„Wenn ich mich für eine DiGA entscheide, darf ich dann keine Psychotherapie mehr machen?”
DiGA und Psychotherapien sind voneinander unabhängige Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Der Anspruch auf eine spätere oder gleichzeitige Vor-Ort-Psychotherapie bleibt daher bestehen.

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Autorin:
Sarah Boppert Ärztin
  • Quellennachweis
    1. Wagner, B., Horn, A. B., Maercker, A (2014). Internet-based versus face-to-face cognitive-behavioral intervention for depression: a randomized controlled non-inferiority trial. Journal of affective disorders, volume 152-154, pages 113-121. doi: 10.1016/j.jad.2013.06.032
  • Hinweis zu inklusiver Sprache

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Unsere Artikel werden von Psycho­log­innen, Psycho­thera­peut­innen und Ärztinnen geschrieben und in einem mehrschrittigen Prozess geprüft. Wenn du mehr darüber erfahren willst, was uns beim Schreiben wichtig ist, dann lerne hier unser Autorenteam kennen.

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