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SehnSucht nach mehr – „Ab wann ist man Alkoholiker?”

Viele Menschen erleben, dass Alkohol in ihrem Leben „dazugehört” – ob zum Essen, beim Fernsehen oder in der Kneipe. In unserer Gesellschaft herrscht eine überwiegend positive Einstellung gegenüber Alkohol: Man wird geselliger und lustiger, man fühlt sich wohler oder kann sich besser entspannen und abschalten.

Aber was passiert, wenn schleichend immer mehr und häufiger konsumiert wird? Ab wann fängt problematisches Trinkverhalten an und woran merkt man das eigentlich? Und ab wann ist man „Alkoholiker”?

In medizinischen und psychologischen Fachkreisen wird der Begriff „Alkoholiker” nur sehr ungern verwendet, da er mit einer Stigmatisierung der Betroffenen einhergeht. Hier spricht man lieber von „Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit”. Umgangssprachlich wird die Bezeichnung „Alkoholiker” jedoch immer noch verwendet.

Wie viel Alkohol ist zu viel Alkohol?

Allgemein unterscheidet man in der Beurteilung des Alkoholkonsums drei Stufen: risikoarmer Konsum, schädlicher Gebrauch und Abhängigkeit. Offizielle Grenzwerte und Kriterien lassen sich jedoch nur begrenzt finden und auch in der Realität sind die Übergänge meist fließend.

Der risikoarme Konsum

Wie viel Alkohol „normal” ist, wird in Freundes- und Familienkreisen manchmal sehr unterschiedlich gesehen. Fachleute legen für einen sogenannten risikoarmen Konsum jedoch klare Grenzwerte bei der Trinkmenge und der Trinkhäufigkeit fest. So empfiehlt unter anderem das Robert-Koch-Institut, dass Frauen nicht mehr als ein Standardglas Alkohol pro Tag, Männer nicht mehr als zwei Standardgläser pro Tag trinken sollen. Zusätzlich gilt für alle: An mindestens zwei Tagen pro Woche sollte ganz auf Alkohol verzichtet werden.

Ein Standardglas Alkohol enthält 10-12 Gramm reinen Alkohol. Umgerechnet sind das in etwa ein kleines Bier (0,25l), ein Glas Wein (0,1l), ein Glas Sekt (0,1l) oder ein doppelter Schnaps.

Für Menschen unter 20 Jahren werden übrigens keine Grenzwerte für einen risikoarmen Konsum festgelegt, da der Alkoholkonsum in dieser Altersspanne immer riskant ist. So stört er zum Beispiel die Entwicklung des Gehirns. Aber auch für Erwachsene bedeutet risikoarm – wie der Name schon sagt – nicht risikofrei. 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass auch schon geringere als die oben angezeigten Alkoholmengen gesundheitliche Risiken bergen können. Mit steigendem Konsum nehmen die Risiken lediglich zu. Einen vollkommen unbedenklichen Alkoholkonsum gibt es demnach nicht.

Der schädliche Gebrauch

Wenn der Alkoholkonsum negative Folgen für die psychische oder körperliche Gesundheit hat, spricht man von einem schädlichen Gebrauch. Das schließt auch negative Konsequenzen im zwischenmenschlichen Bereich, wie zum Beispiel Eheprobleme mit ein. Der Alkoholkonsum muss dafür zwar seit mindestens einem Monat bestehen, genaue Aussagen zur Trinkmenge lassen sich aber nicht finden.

Und genau darin besteht das Problem: Betroffene können sich mit der Menge ihres Konsums durchaus im risikoarmen Bereich befinden und trotzdem bereits negative gesundheitliche Folgen aufweisen.

In solchen Fällen lohnt es sich also immer, seinen Alkoholkonsum kritisch zu hinterfragen und bestenfalls ärztlichen Rat einzuholen.   

Die Alkoholabhängigkeit

Bei der Alkoholabhängigkeit (oder auch Alkoholismus) handelt es sich um eine offizielle Diagnose, die von ärztlicher und/oder psychotherapeutischer Seite gestellt wird. Dafür müssen mindestens drei der folgenden Symptome über einen Zeitraum von mindestens einem Monat oder in einem Jahr wiederholt gemeinsam aufgetreten sein:

  • Starkes Verlangen, Alkohol zu konsumieren
  • Verminderte Kontrolle über den Konsum, d.h. über Beginn, Ende und Trinkmenge
  • Auftreten von Entzugssymptomen, wenn der Alkoholkonsum reduziert oder beendet wird
  • Toleranzentwicklung gegenüber Alkohol, d.h. es muss immer mehr Alkohol getrunken werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen oder die Effekte werden bei gleichbleibender Trinkmenge immer geringer
  • Einengung auf den Alkoholkonsum, d.h. andere wichtige Lebensbereiche werden für den Alkohol vernachlässigt oder es wird viel Zeit mit dem Trinken verwendet
  • Anhaltender Alkoholkonsum trotz eindeutig schädlicher Folgen

Eine Alkoholabhängigkeit ist typischerweise gekennzeichnet durch einen starken Wunsch, Alkohol zu trinken, eine verminderte Kontrolle über den Konsum und einen anhaltenden Alkoholkonsum trotz schädlicher Folgen.

„Ab wann ist man Alkoholiker?“

Die Absichten hinter dieser Frage können ganz unterschiedlich sein. So erhoffen sich manche eine Entlastung, dass ihr Alkoholkonsum unbedenklich ist und sie daher ihren Gebrauch nicht verändern müssen. Anderen dient die Antwort wiederum als erster Schritt zur Verhaltensänderung. Angehörige suchen in der Beantwortung vielleicht nach klaren Kriterien und hoffen, dass ihre Angehörigen schnell eine Behandlung bekommen.

Auf der Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kannst du einen Alkohol-Selbsttest machen, der dir eine erste Einschätzung zu deinem Alkoholkonsum gibt: https://www.kenn-dein-limit.de/selbst-tests/alkohol-selbst-test/

Gibt es unterschiedliche Formen der Abhängigkeit? 

Abhängigkeitsprobleme sind individuell und gerade deshalb auch oft nicht leicht erkennbar. Während einige Menschen über den Tag verteilt trinken, um einen leichten „Alkoholpegel” aufrechtzuerhalten, gibt es andere Betroffene, die es trotz guter Vorsätze nicht schaffen, nur kleine Mengen zu konsumieren und häufig einen Vollrausch erleben. 

Aber auch die hinter dem Alkoholkonsum stehenden Trinkmotive können sich unterscheiden. So trinken manche für die Geselligkeit und um dazuzugehören, andere wegen des belohnenden Effekts von Alkohol oder, um mit Stress und Konflikten umzugehen. Den einen „Alkoholiker” gibt es also nicht.

„Wie wird man Alkoholiker?“

Die Entstehung einer Alkoholabhängigkeit ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Wie bei einem Puzzle müssen die einzelnen Puzzleteile zusammenkommen, damit sich das Gesamtbild einer Alkoholsucht ergeben kann. 

Im Folgenden zeigen wir dir einige Beispiele, die zur Entwicklung von Alkoholismus beitragen können. 

1Gesellschaft und soziales Umfeld

In unserer Gesellschaft ist der Konsum von Alkohol anerkannt, allgegenwärtig und häufig sogar erwünscht. Ob auf einem Geburtstag, zum Anstoßen auf eine bestandene Prüfung oder wenn man zum neuen Jahr die Korken knallen lässt – viele Menschen erleben, dass ein genereller Verzicht auf Alkohol sehr schwer ist. Die ständige Verfügbarkeit und soziale Erwünschtheit begünstigt die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit.

2Familie

Wenn innerhalb der Familie Alkohol z.B. zur vermeintlichen Bewältigung von Problemen oder auch als selbstverständlicher Alltagsbegleiter gesehen wird, können schon Kinder ein problematisches Verhältnis zu Alkohol entwickeln. Auch die psychische Belastung, die z.B. durch das Zusammenleben mit einem abhängigkeitserkrankten Elternteil einhergeht, kann bei der Suchtentwicklung eine wichtige Rolle spielen.

3Genetische Ursachen

Studien weisen darauf hin, dass Kinder alkoholabhängiger Eltern eine höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen, selbst abhängig zu werden, als andere Kindern. Forscher gehen davon aus, dass unter anderem eine gewisse Anfälligkeit für Alkoholismus vererbt werden kann. Ein wirkliches „Abhängigkeits-Gen” konnte bislang jedoch nicht nachgewiesen werden. 

Wie gehst du mit deinem problematischem Alkoholkonsum um?

Der erste Schritt ist es, den eigenen Konsum kritisch zu hinterfragen. Dazu kann es hilfreich sein, mal genau hinzuschauen, wann, wie oft und wie viel du konsumierst. 

Im zweiten Schritt kannst du damit experimentieren, über einen gewissen Zeitraum mal keinen Alkohol zu trinken. Viele Menschen verzichten beispielsweise in der Fastenzeit auf Alkohol. Selbstverständlich kannst du auch selbst einen bestimmten Zeitraum festlegen. 

Im dritten Schritt kann es eventuell hilfreich sein, sich professionelle Hilfe zu suchen und ein Beratungsgespräch zu vereinbaren. Solche Möglichkeiten gibt es z.B. in ärztlichen und/ oder psychotherapeutischen Praxen sowie in speziell darauf ausgerichteten Suchtberatungsstellen.

Neben diesen drei allgemeinen Schritten gibt es auch einige Tipps, die du im Alltag berücksichtigen kannst, um den eigenen Alkoholkonsum zu reduzieren

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Für einen gesunden Umgang mit Alkohol: Unser HelloBetter Kurs Weniger trinken unterstützt dich dabei, deinen Alkoholkonsum zu reduzieren.

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Autorin:
Verena Schmitz Psychologische Psychotherapeutin für Erwachsene und Gruppen
Unsere Artikel werden von Psychologinnen und Psychologen geschrieben und von Psychotherapeutinnen geprüft. Wenn du mehr darüber erfahren willst, was uns beim Schreiben wichtig ist, dann lerne hier unser Autorenteam kennen.

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