Alkoholismus Manifest



Was ist Alkoholismus?

Feierabendbier, ein gemütliches Glas Rotwein zum Essen oder der Verdauungsschnaps nach einer schweren Mahlzeit. In Deutschland ist Alkohol sehr beliebt und kulturell verankert. Laut Statista wurden in Deutschland 2018 pro Kopf 102 l Bier, 20,5 l Wein, 3,4 l Schaumwein und 5,4 l Spirituosen konsumiert. Da fragt man sich: Was ist Alkoholismus und wo sind die Grenzen?

Aktuell sind ca. 1,3 Millionen Menschen in Deutschland süchtig nach Alkohol.

Um als alkoholabhängig zu gelten, müssen dabei mehrere diagnostische Kriterien erfüllt werden. Der Übergang von einem normalen, genüsslichen Alkoholkonsum zu einer schädlichen Abhängigkeit kann fließend sein. Wie bei anderen Süchten kennzeichnet die Alkoholsucht körperliche sowie psychische Abhängigkeiten zum jeweiligen Suchtmittel. Die Schäden, die dadurch entstehen, betreffen den eigenen Körper, Geist und auch das soziale Umfeld, in dem sich der Betroffene befindet.


Wann ist man alkoholabhängig?

Alkoholismus kann sich sehr schleichend über einen längeren Zeitraum hinweg entwickeln. Im Fokus dieses Zeitraumes steht jedoch eins: der Alkohol. Wenn man alkoholsüchtig ist, benötigt man Alkohol, um zu funktionieren und denkt von morgens bis abends daran zu trinken. Andere Interessen und soziale Kontakte werden vernachlässigt, sodass sich das Leben immer mehr um den Alkohol dreht. Wenn dabei zusätzlich der Wille vorhanden ist, weniger zu trinken, dieser aber nicht umgesetzt werden kann, weil es einem zu schwer fällt aufzuhören, besteht die akute Gefahr eine Alkoholsucht zu entwickeln.

Da es sich bei Alkoholismus um eine Sucht handelt, gelten hierbei ebenfalls die sechs Hauptanzeichen von Süchten. Innerhalb eines Monats müssen mindestens drei dieser Anzeichen zutreffen, um nach dem ICD-10 (F10.2) die Diagnose des Abhängigkeitssyndroms zu erhalten. Zu diesen Anzeichen zählen:



Starkes Verlangen nach Alkohol

Jede Sucht wird durch ein intensives Verlangen nach dem Suchtmittel erlebt. Dieses Verlangen ist dabei körperlich sowie psychisch. Die Rezeptoren im Körper benötigen die Botenstoffe und das Gehirn möchte dieses körperliche Verlangen stillen. Das Verlangen kann dabei kontinuierlich vorhanden sein oder auch plötzlich und spontan auftreten.



Kontrollverlust

Der Kontrollverlust äußert sich dadurch, dass Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit nicht bewusst aufhören können zu trinken. Nach dem ersten Glas gibt es kein Halten mehr, sodass weiter getrunken wird, bis man stark berauscht ist oder gar die Besinnung verliert. Betroffene einer Alkoholsucht können ebenfalls nicht kontrollieren, in welchen Situationen sie trinken. So kann es dazu kommen, dass in gefährlichen (beim Autofahren) oder unangemessenen Situationen (auf der Arbeit) getrunken wird.



Toleranzentwicklung bei Alkohol

Der menschliche Körper ist sehr belastbar, da er sich an die äußeren Gegebenheiten und Lebensweisen schnell anpassen kann und sich an diese gewöhnt. Er entwickelt eine sogenannte Toleranz. Das heißt, dass eine höhere Menge der jeweiligen Substanz benötigt wird, um einen wirkungsvollen Effekt zu erzielen. Menschen mit hohen Toleranzgrenzen müssen dementsprechend mehr trinken, um betrunken zu werden, da sie sich durch das regelmäßige Trinken an den Alkohol gewöhnt haben. Diese übermäßige Toleranzgrenze kann ebenfalls ein Anzeichen für eine Alkoholsucht sein, da sie ein geübtes Trinkverhalten widerspiegelt.



Entzugssymptome bei Alkoholabhängigen

Wenn Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit über einen gewissen Zeitraum keinen Zugang zu ihrem Suchtstoff haben, zeigen sich Entzugserscheinungen. Diese können körperlich, aber auch psychisch sein. Der Körper sehnt sich nach seiner Droge, damit die jeweiligen Rezeptoren besetzt und Glückshormone freigesetzt werden können. Die psychische Abhängigkeit kann sich dabei auch auf die Gedanken über die Droge – man trinkt, weil man denkt, dass es einem danach besser geht – aber auch auf den eigenen Körper beziehen. Entzugserscheinungen sind für den Körper sehr stressreich und werden ebenfalls durch physisch erlebte Schmerzen begleitet. Diese Schmerzen möchte natürlich niemand erleben, sodass die Sucht nach dem Heilmittel – dem Alkohol – wächst. 

Erste Entzugserscheinungen zeigen sich durch körperliche Reaktionen wie Schwitzen, Zittern, Schlafstörungen und Schmerzen. Psychische Reaktionen auf den Entzug können sich durch aggressives Verhalten, Gereiztheit, Angst oder auch eine deprimierte Stimmung äußern. Zusätzlich kann bei alkoholbedingten Entzugserscheinungen das sogenannte Delirium auftreten. Dabei handelt es sich um einen Zustand einer geistigen Verwirrung, der durch eine gestörte Wahrnehmung und Halluzinationen begleitet wird.



Drogen

Drogen und psychotrope Substanzen haben einen direkten Einfluss auf neuronale Botenstoffe und deren Transmitter. So können sie deren Freisetzung und Hemmung gezielt beeinflussen. Drogen haben zudem ein hohes Suchtpotential, was bei einem Entzug zu gravierenden körperlichen sowie psychischen Entzugserscheinungen führen kann. Diese Entzugserscheinungen münden oft in Depressionen, da sich der Körper und die Psyche nach dem vermeintlich fehlenden Stoff sehnen.



Vernachlässigung anderer Interessen

Durch die hohe Relevanz des Alkohols und der ganzen Zeit, die für das Trinken und den darauffolgenden Rausch beansprucht wird, geraten andere Interessen, Aufgaben und Mitmenschen für Abhängige in den Hintergrund und werden vernachlässigt.

Anhaltender Alkoholkonsum trotz schädlicher Folgen

Suchtkranke sind sich ihrer schadhaften Sucht oftmals bewusst. Dennoch können sie nicht aufhören, ihrer Sucht nachzugehen. Sie konsumieren kontinuierlich weiter, obwohl bereits negative körperliche, psychische und oftmals auch soziale Folgen eingetreten sind.

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Ursachen und Risikofaktoren von Alkoholismus

In Deutschland gehört der Konsum von Alkohol zur Kultur und teilweise zum Alltag dazu und wird als vollkommen normal angesehen. Deshalb trinken die meisten Menschen auch regelmäßig Alkohol, ohne dabei von ihm abhängig zu sein. 

Die Entstehung einer Alkoholsucht kann, wie bei anderen Süchten, oftmals nicht auf eine einzige Ursache zurückgeführt werden. Es treffen mehrere Einflussfaktoren zusammen, die sich aus der genetischen Veranlagung, aber auch psychosozialen Faktoren zusammensetzen.



Genetische Ursachen

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Alkoholismus in Form einer Anfälligkeit zumindest teilweise vererbbar zu sein scheint. In der Familien- und Zwillingsforschung haben Ergebnisse gezeigt, dass Kinder eine um bis zu 30% höhere Wahrscheinlichkeit entwickeln an einer Alkoholsucht zu erkranken, wenn beide Eltern alkoholabhängig sind. Eineiige Zwillinge weisen ebenfalls eine hohe Wahrscheinlichkeit auf, wenn bereits einer von ihnen alkoholabhängig ist, dass der andere auch eine Alkoholsucht entwickelt.



Familie

Die Familie war schon immer ein prägender Kreis für eigene Verhaltensweisen. Demnach liegt es nah, einen Blick auf das Konsumverhalten von Alkohol in der eigenen Familie zu werfen. Wenn Kinder lernen, dass die Eltern beispielsweise Alkohol zur Bewältigung von Problemen oder als normales Getränk zum Essen einsetzen, entwickeln sie ein potenziell gestörtes Verhältnis zu diesem. Wenn die Eltern ebenfalls ein sehr liberales Verhältnis zum Alkohol an ihre Kinder weitergeben, werden die Kinder ebenfalls mit einem lockeren Kontakt zum Alkohol aufwachsen und bereits früher zu einem höheren Konsum neigen.



Soziales Umfeld

Das soziale Umfeld hat einen direkten Einfluss auf unsere Verhaltensweisen und Gewohnheiten. Vor allem in der Pubertät werden im eigenen Freundeskreis erste Verhaltensgewohnheiten fundiert, die sich durch das weitere Leben durchziehen können. Gruppendruck (peer pressure) spielt dabei eine wichtige Rolle. Schließlich möchte jeder Heranwachsende Teil der Gruppe sein und dazugehören. Alkohol zu trinken und auch noch “trinkfest” zu sein, zeigt von Coolness und Stärke. Oftmals prahlen junge Heranwachsende auch damit, wie viel sie beim letzten Treffen getrunken haben und wie betrunken sie dabei waren. Die entwickelte Toleranz hilft zwar, nicht so schnell betrunken zu werden, dafür steigt die Menge, die konsumiert wird, was letztlich dazu führt, dass die standfesten Trinker eher eine Alkoholsucht entwickeln, als Jugendliche, die wenig Alkohol vertragen und diesen deshalb auch nur in geringen Mengen konsumieren.



Frei von Hemmungen

Alkohol senkt die Hemmungen und führt dazu, dass Ängste kurzfristig reduziert werden. Unsichere oder introvertierte Menschen begrüßen diesen Effekt, da es sie sozialer macht. Befinden sich diese Menschen jedoch in aktuell schwierigen Lebensphasen, kann der gezielte Einsatz von Alkohol, um diese positiven Effekte zu verspüren, ein problematisches Verhältnis zu Alkohol bewirken. 

Ebenfalls kann versucht werden, traumatische Erlebnisse durch den Konsum von Alkohol kurzzeitig zu vergessen.



Alkohol als Glücksdroge

Alkohol beeinflusst direkt das Gehirn und bewirkt die Freisetzung von Glückshormonen. Im Gegensatz zu Nahrungsmitteln, wie Schokolade, reagieren die Dopamin-Rezeptoren im Gehirn viel intensiver auf Alkohol. Hier setzt jedoch auch der Effekt der Toleranz ein, da sich die Rezeptoren an die Impulse gewöhnen und deshalb unempfindlicher werden. So benötigt man häufigere und intensivere Impulse, damit die Rezeptoren weiter Dopamin freisetzen können – was einen direkten Einfluss auf das Konsumverhalten hat.

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Alkoholismus und die verschiedenen Typen der Alkoholsucht erkennen

So wie jeder von uns einzigartig ist, sind die Gründe hinter der Alkoholsucht ebenfalls vielfältig. Nichtsdestotrotz lassen sich bestimmte Trinkgewohnheiten in den fünf häufigsten Kategorien zusammenfassen.



Pegeltrinken

Pegeltrinker oder auch Spiegeltrinker konsumieren fortlaufend über den ganzen Tag kleine Mengen an Alkohol, um einen konstanten Alkoholpegel zu halten. So verhindern sie auftretende Entzugserscheinungen. Pegeltrinker brauchen keine große Menge an Alkohol auf einmal, sondern teilen sich diese über den Tag auf.



Rauschtrinken

Rauschtrinker trinken im Gegensatz zum Pegeltrinker große Mengen an Alkohol auf einmal. Sie können ihr Trinkverhalten nicht zügeln und trinken bis sie einen exzessiven Alkoholrausch verspüren. Dadurch, dass sie große Mengen an Alkohol konsumieren, gewöhnt sich der Körper an diese und bildet über die Zeit hinweg eine Toleranz. Deshalb müssen Rauschtrinker immer größere Mengen trinken, um ihren gewollten Rausch überhaupt erst verspüren zu können.



Konflikttrinken

Konflikttrinker konsumieren übermäßig viel Alkohol in sehr bestimmten Situationen: Konfliktsituationen. Sie setzen Alkohol bei auftretenden Problemen als Bewältigungshilfe oder Fluchtmittel ein, da sie mit dem jeweiligen Problem nicht direkt umgehen können oder möchten. 



Funktionales Trinken

Funktionale Trinker sind sehr geübt darin, ihre Alkoholsucht vor ihren Mitmenschen zu verbergen. Sie schaffen es, einen geregelten Tagesablauf und Job durchzuführen, obwohl sie möglicherweise seit Jahren regelmäßig Alkohol konsumieren.



Episodisches Trinken

Während Pegel- und Rauschtrinker kontinuierlich Alkohol in großen Mengen konsumieren, trinkt der episodische Trinker nur phasenweise exzessiv. Ansonsten kann er auch mehrere Tage oder Wochen abstinent bleiben, ohne einschränkende Entzugserscheinungen zu erleben. Dieses episodische Trinkverhalten wird auch Dipsomanie genannt.

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Folgen des Alkoholismus

Der Konsum von Alkohol hinterlässt kurz- sowie langfristig große Schäden in unserem Körper. Neben den akuten Effekten, führt der dauerhafte Konsum zu zahlreichen, im schlimmsten Fall tödlich verlaufenden, Folgeerkrankungen. In Deutschland sterben jährlich ca. 74.000 Menschen durch einen riskanten Alkoholkonsum.



Medizinische Folgen

Für den Abbau des Alkohols in unserem Körper ist unter anderem die Leber zuständig. Sie ist mitunter auch das erste Organ, das durch einen hohen Alkoholkonsum Schaden nimmt. Wenn die Leber mit der Verarbeitung überfordert ist, kann es zu einer Verfettung oder Verhärtung der Leber kommen, was im Endstadium zu einer Leberzirrhose (Schrumpfleber) oder auch Leberkrebs führen kann.   

Schon der kurzzeitige Alkoholkonsum hat einen direkten Einfluss auf unser Gehirn. So werden zahlreiche Neurotransmitter bei ihrer Arbeit gestört und auch langfristig unterdrückt. Eine Folge von Alkoholkonsum ist deshalb die Schädigung der Gedächtnisleistung und des Konzentrationsvermögens. Studien haben gezeigt, dass ein langanhaltender, exzessiver Alkoholkonsum degenerativ auf verschiedene Gehirnareale wirkt, sodass eine Intelligenzminderung auftreten kann.

Zahlreiche Krebsarten, wie zum Beispiel Krebs der Leber, Mundhöhle und des Rachens, des Enddarms, der Speiseröhre und der weiblichen Brustdrüse, sind auf einen exzessiven Alkoholmissbrauch zurückzuführen. 

Alkohol wirkt während des Konsums auf unser Herz und den Blutdruck. Demnach kann langfristig ein Bluthochdruck diagnostiziert werden und Herzmuskel-Erkrankungen entstehen. 

Ein 0,3 Liter Glas Bier hat zudem ca. 130 Kalorien. Dass ein exzessiver Konsum also auch zum typischen Bierbauch und Übergewicht führt, ist demnach eine logische Folgerung.



Veränderung des eigenen Wesens

Alkohol ist eine Droge, die in verschiedenen Konzentrationen unterschiedlich auf unsere Psyche wirkt. Bereits kleine Mengen an Alkohol führen dazu, dass die eigene Hemmschwelle sinkt, die Risikobereitschaft zunimmt und sich euphorische Gefühle ausbreiten können. Alkohol hat die Eigenschaft, die eigenen erlebten Emotionen zu verstärken – ist man während des Alkoholkonsums fröhlich, wird man durch den Konsum euphorisch. Ist man jedoch traurig – dann kann der Konsum dazu führen, sich noch deprimierter zu fühlen. Da Alkohol einen Einfluss auf das Gehirn hat, hinterlässt ein kontinuierlicher Konsum auch negative Folgen hinsichtlich unserer Persönlichkeit. Unzuverlässigkeit, eine ständige Unruhe und Reizbarkeit, Ängste, Depressionen oder sogar Selbstmordgedanken, können vermehrt auftreten.



Auswirkungen auf das soziale Umfeld und die Familie

Ein gemütlicher Abend mit Freunden oder der Familie, bei dem mal etwas mehr getrunken wird, ist sicherlich nicht besorgniserregend. Schließlich gehört in der deutschen Kultur der Alkohol zur Abendplanung und im Sinne der Geselligkeit dazu. Wenn sich jedoch der Konsum von dem sozialen Beisammensein zum persönlichen Einzeltrinken verändert, wird sich das in der Regel bereits nach kurzer Zeit im eigenen sozialen Umfeld bemerkbar machen. Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit sind oftmals Individualisten. Das bedeutet, dass sie sozial isoliert sind, da der Alkohol für die Betroffenen eine wichtigere Rolle spielt, als die Pflege von Freundschaften und Familie.

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Alkoholismus Therapie

Alkoholentzug (Entgiftung)

Alkohol ist Gift für den Körper. Deshalb gilt es bei einer therapeutischen Behandlung zunächst den Körper von diesem Gift zu befreien. Dies geschieht durch einen Alkoholentzug. Da sich der Organismus bereits über einen längeren Zeitraum an den kontinuierlichen Alkoholkonsum gewöhnt hat, ist ein Entzug eine schwere Herausforderung für diesen und wird mit starken Entzugserscheinungen begleitet. Diese Entzugserscheinungen reichen von Stimmungsschwankungen und Gereiztheit, über Zittern, Schwindel, Erbrechen, bis hin zu Krampfanfällen mit Ohnmacht oder Delirien. Gerade letztere können lebensbedrohlich werden, sodass ein Alkoholentzug stets unter ärztlicher Aufsicht stattfinden soll. Dabei besteht die Möglichkeit zwischen einem ambulanten Entzug und einem stationären Entzug zu wählen.



Ambulanter Entzug

Wenn sich Betroffene nicht stationär behandeln lassen möchten oder können, ist der ambulante Entzug, je nach Schweregrad auf ca. 2 Wochen angelegt. In der ersten Woche sind tägliche Besuche der ärztlichen Praxis notwendig, in der Untersuchungen stattfinden und Medikamente zur Linderung der Entzugserscheinungen erhalten werden. In der zweiten Woche werden die Arztbesuche jeden zweiten Tag durchgeführt und der weitere Behandlungsbedarf ermittelt. Während eines ambulanten Entzugs erhalten Betroffene, die Arbeitnehmer sind, für die Zeit eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.



Stationärer Entzug

Der stationäre Entzug ist für Betroffene geeignet, die unter einer schweren Alkoholabhängigkeit leiden, sich selbst den ambulanten Entzug nicht zutrauen oder Angst vor diesem haben. Deshalb findet der stationäre Entzug entweder in einem Krankenhaus, einer spezialisierten Fachklinik oder psychiatrischen Klinik statt, die qualifizierte Entgiftungen durchführen. Zusätzlich zur körperlichen Entgiftung werden beim stationären Entzug ebenfalls psychologisch-begleitende Gespräche, weiterführende Informationen und die Teilnahme an Selbsthilfegruppen angeboten.



Psychotherapie

Bei der psychotherapeutischen Behandlung von Alkoholsucht wird heutzutage mehrheitlich der psychoanalytische, tiefenpsychologische und verhaltenstherapeutische Ansatz gewählt. Seit 2011 ist es nicht mehr obligatorisch, dass Betroffene zu Beginn ihrer Therapie abstinent sein müssen, um diese anfangen zu können. Es ist jedoch nachgewiesen worden, dass nach den ersten 10 Behandlungssitzungen eine Abstinenz vorliegt.

Ein treibendes Element der psychotherapeutischen Behandlung ist es, die Motivation zur Veränderung des Trinkverhaltens zu fördern. Auftretende Krisen, bei denen Patienten durch den Drang zum Konsum hin- und hergerissen sind, gilt es durch die Therapie zu vermeiden. Deshalb wird die motivierende Gesprächsführung nach William R. Miller und Stephen Rollnick vermehrt in der Therapie gegen Alkoholismus eingesetzt. Damit die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls minimiert wird, werden in der Therapie die Hintergründe des Trinkverhaltens des Betroffenen thematisiert. Gleichzeitig werden Bewältigungsstrategien entwickelt, die auf Risikosituationen anwendbar sind, damit Betroffene lernen mit diesen gefährlichen Situationen besser umzugehen.

Vermeidungsstrategien werden dabei oft eingesetzt, sodass Betroffene zum Beispiel gewisse Orte nicht mehr aufsuchen sollen, an denen sie zuvor konsumiert hatten. Zuletzt werden in der Therapie Methoden erarbeitet, die Betroffene bei einem tatsächlichen Rückfall unterstützen sollen, nicht in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Da Alkoholismus auch in Kombination mit oder als Folge von anderen psychischen Störungen wie Depressionen oder Angststörungen auftreten, werden auch diese zusätzlich in der Therapie behandelt.

Ein beliebtes theoretisches Modell zur Veränderungsbereitschaft, das den Prozess und die Bereitschaft das eigene Trinkverhalten zu ändern gut beschreibt, ist das von Prochaska & DiClemente (1983). Die beiden Forscher beschreiben 5 verschiedene Stadien, die ein Betroffener durchläuft:

  • Stadium der AbsichtslosigkeitDer Betroffene sieht in diesem Stadium noch keinen aktuellen Handlungsbedarf. Somit hat er noch keine Absicht, etwas an seinem Verhalten zu verändern.
  • Stadium der AbsichtsbildungDer Betroffene erkennt und wird sich bewusst, dass sein Trinkverhalten problematisch ist. In diesem Stadium macht er sich erste Gedanken über eine mögliche Veränderung.
  • Stadium der VorbereitungDieses Stadium kennzeichnet sich dadurch aus, dass ein deutlicher Wunsch nach einer Veränderung des eigenen Trinkverhaltens gefestigt wurde und besteht.
  • Stadium der HandlungIn diesem Stadium wurde das Trinkverhalten verändert. Betroffene sind dabei für einen Zeitraum von bis zu 6 Monaten abstinent geblieben.
  • Stadium der AufrechterhaltungDas letzte Stadium beschreibt einen Zustand der Abstinenz von länger als 6 Monaten. Hier gilt es, das Verhalten aufrechtzuerhalten und nicht rückfällig zu werden.  



Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen wie die “Anonymen Alkoholiker” können Betroffene dabei unterstützen, ihre Therapieerfolge sowie Abstinenz langfristig und im eigenen Alltag aufrechtzuerhalten. Zum Abschluss der psychotherapeutischen Behandlung wird deshalb zur Teilnahme an solchen Gruppen geraten. In diesen Selbsthilfegruppen können Betroffene mit Gleichgesinnten über ihre persönlichen Situationen, Schwierigkeiten und den eigenen Umgang mit ihnen sprechen. Angehörige von Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit finden ebenfalls in ähnlichen Selbsthilfegruppen Austauschmöglichkeiten zu anderen Betroffenen.

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Wie verhalte ich mich als Angehöriger eines Alkoholabhängigen?

Eine Alkoholabhängigkeit beeinflusst nicht nur das Leben des Betroffenen, sondern auch das Leben der Angehörigen. Vor allem Ehe- oder Lebenspartner und Kinder leiden besonders darunter. Sorgen über das Wohlergehen, ein Gefühl von Hilflosigkeit und Überforderung, finanzielle Schwierigkeiten, Gewalt, sexueller Missbrauch und Vereinsamung sind Faktoren, unter denen Angehörige leiden können. 

Ein häufig auftretendes Gefühl von Angehörigen ist die Scham. Vor allem Lebenspartnerinnen schämen sich für die Abhängigkeit ihrer Partner, reden mit niemandem, versuchen den Schein zu wahren und den Partner zu unterstützen. 

Durch die ständige Belastung entstehen auch gesundheitliche Folgen bei den Angehörigen: Schlafstörungen, Verdauungsstörungen, Depressionen oder die Bildung einer eigenen Alkoholabhängigkeit, weil sie mit dem Betroffenen gemeinsam trinken, damit dieser sich nicht schlecht fühlt. Auch wenn es Angehörigen in solchen Situationen schwerfällt, gilt es, das eigene Selbst und die eigene Unversehrtheit zu schützen und sich seine eigenen Interessen wieder bewusst zu machen.



Für Angehörige gelten dieselben Handlungsschritte wie für Betroffene:

In der psychologischen Forschung geht man davon aus, dass Rückfälle nicht plötzlich stattfinden, sondern sich über einen stetigen Zeitraum allmählich anbahnen. Bei einem Rückfall in alte Trinkgewohnheiten spielen innere sowie äußere Faktoren, wie soziale Gegebenheiten, Gedanken, Gefühle, Konflikte, kritische Lebenssituationen, Erwartungshaltungen, Stimmungen oder auch Orte eine wichtige Rolle.

  1. Heimlichkeit überwinden
  2. Kontakt zu Beratungseinrichtungen aufnehmen (Zusätzlich zu Fachberatungsstellen für Angehörige und Betroffene, sind Ehe-, und Familienberatungsstellen und hausärztliche Praxen als Anlaufstellen geeignet)
  3. Selbsthilfegruppen sind auch für Angehörige offen zugänglich 
  4. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA bietet per Info-Telefon (Tel: 0221 892031 – Mo.-Do: 10:00 bis 22:00 Uhr/ Fr.-So: 10:00 bis 18:00 Uhr) eine erste persönliche Beratung zur Vermittlung von geeigneten lokalen Hilfsangeboten an.

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Rückfall bei Alkoholismus

Ein Rückfall in alte Trinkgewohnheiten kommt nicht nur bei Personen vor, die eine Therapie erfolgreich abgeschlossen haben. Wichtig ist dabei zu beachten, dass nicht jeder einmalige oder relativ geringe Alkoholkonsum automatisch einen Rückfall zu alten Verhaltensgewohnheiten darstellt. So kann man zwischen einem tatsächlichen Rückfall und einem “Ausrutscher” unterscheiden. Auch trockene Alkoholiker können mehrmals kleine Ausrutscher erleben, die jedoch nicht zu einem kompletten Rückfall führen müssen. Eine fortlaufende therapeutische Begleitung kann in diesen Fällen durchaus sinnvoll sein, um wieder zur vollständigen Abstinenz zurückzukehren.



Ursachen des Rückfalls

In der psychologischen Forschung geht man davon aus, dass Rückfälle nicht plötzlich stattfinden, sondern sich über einen stetigen Zeitraum allmählich anbahnen. Bei einem Rückfall in alte Trinkgewohnheiten spielen innere sowie äußere Faktoren, wie soziale Gegebenheiten, Gedanken, Gefühle, Konflikte, kritische Lebenssituationen, Erwartungshaltungen, Stimmungen oder auch Orte eine wichtige Rolle.



Ausrutscher während der Abstinenz

Der Abstinenz-Verletzungs-Effekt nach Marlatt & Gordon (1985) beschreibt in zwei Varianten wie ein Betroffener nach einem Ausrutscher reagieren kann. 

Zum einen kann der Ausrutscher bei dem Betroffenen zu Schuld-, sowie Schamgefühlen führen. Dies mindert das eigene Selbstwertgefühl, was zu einer negativen Abwärtsspirale führen kann. Es erhöht sich das Risiko, dass ein vollständiger Rückfall auftritt, wenn das eigene Selbstwertgefühl besonders gering ist und sich die Schuldzuweisungen häufen. Auf der anderen Seite können Betroffene auch lernen ihren Ausrutscher konstruktiv zu verarbeiten und aus ihren Fehlern lernen. 

„Das war jetzt nur ein einmaliger Vorfall, es wird in Zukunft nicht mehr vorkommen. Ich kann daraus etwas lernen und es in Zukunft besser machen.“

Wichtig ist dabei, dass der Ausrutscher reflektiert verarbeitet wird und sich der Betroffene auch aktiv damit auseinandersetzt. Ansonsten kann eine solche Aussage als vorgeschobene Entschuldigung gewertet werden, mit der der Betroffene seine Handlung zu mildern versucht. Wenn sich jedoch der Betroffene konstruktiv mit seinem Ausrutscher auseinandersetzt, besteht eine geringere Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem vollständigen Rückfall kommt.

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HelloBetter-Training: weniger trinken

Bei HelloBetter bieten wir ein eigens entwickeltes Training zur Suchtprävention und Veränderung des eigenen Trinkverhaltens an. Unser HelloBetter Training „Weniger Trinken“ wurde in 4 groß angelegten wissenschaftlichen Studien in seiner Wirksamkeit bestätigt. Teilnehmende Personen konnten eine nachhaltige Reduktion des Trinkverhaltens auch noch nach 6 Monaten nachweisen. Zusätzlich konnten durch das Training ebenfalls Depressions- sowie Angstsymptome gelindert werden. 

Das Training richtet sich an alle Personen, die zwar Alkohol in einem riskanten Ausmaß konsumieren, bei denen aber noch keine diagnostizierte Abhängigkeit vorliegt. In ansprechenden Texten, Videos und Audios werden bewährte psychologische Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie vermittelt, die dazu dienen, die bisherige Trinkgewohnheit zu reflektieren und den Konsum auf ein unbedenkliches Maß zu reduzieren.

Das Training kann flexibel in den eigenen Alltag integriert werden, sodass man selbstständig zu jeder Zeit darauf zugreifen kann. Außerdem begleitet dich ein ausgebildeter Psychologe durch das Training – nach jeder Lektion erhältst du eine schriftliche Rückmeldung zu deinen Übungen und deinem Fortschritt.