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Ich habe keine Kraft mehr – Was kann ich tun?

Du kennst das vielleicht: Morgens wachst du auf und schon beim ersten Gedanken an den Tag spürst du eine bleierne Schwere, als würde jemand an deinen Schultern hängen. Keine Kraft mehr zu haben ist ein zutiefst menschliches Gefühl. Nicht für die Arbeit, nicht für den Haushalt, manchmal nicht mal für die Menschen, die dir am liebsten sind. Das Gefühl, einfach keine Energie mehr zu haben, ist oft unangenehm und verunsichernd – und kommt gleichzeitig häufiger vor, als viele denken.

Eine Vielzahl von Menschen hat im Laufe ihres Lebens einmal – oder immer mal wieder – das Gefühl, keine Kraft mehr zu haben. Es gibt bestimmte Lebensphasen oder Situationen, die besonders kräftezehrend sind: ein anstrengender Job, eine Trennung, ein Verlust, ein langer Winter oder einfach zu viel von allem auf einmal. Doch was raubt uns eigentlich genau die Energie und wie können wir sie selbstbestimmt zurückgewinnen?

Die wichtigsten Erkenntnisse für psychische Gesundheit:

  • Keine Kraft mehr zu haben ist ein weit verbreitetes Gefühl – und hat in der Regel eine Ursache, der es sich lohnt nachzugehen.
  • Körperliche und psychische Erschöpfung können sich unterschiedlich äußern – und brauchen unterschiedliche Erholungsmaßnahmen.
  • Aktive Erholung ist oft wirksamer als passives Ausruhen – und kleine tägliche Gewohnheiten helfen, den Akku langfristig voll zu halten.
  • Wenn du das Gefühl hast, keine Kraft mehr zu haben, ist professionelle Unterstützung keine Schwäche – sondern ein wichtiger Schritt.

Körperliche Symptome: Wenn der Körper keine Kraft mehr hat

Zunächst einmal ist es wichtig zu unterscheiden, ob du das Gefühl hast, körperlich oder psychisch keine Kraft mehr zu haben – auch wenn beides oft Hand in Hand geht. Doch fangen wir mit dem Körper an.

Körperliche Kraftlosigkeit kann sich ganz unterschiedlich anfühlen. Manchmal ist es ein diffuses Schwächegefühl im ganzen Körper, manchmal sind die Beine schwer wie Blei, die Augen brennen und selbst einfache Aufgaben wie Kochen oder Einkaufen fühlen sich wie Bergsteigen an. 

Typische körperliche Symptome von Kraftlosigkeit und Erschöpfung sind:

  • Muskuläre Schwäche oder Schwere in den Gliedmaßen
  • Anhaltende Müdigkeit, auch nach ausreichend Schlaf
  • Schlafprobleme: zu viel, zu wenig oder unruhiger Schlaf
  • Herzklopfen oder das Gefühl, schneller außer Atem zu sein
  • Kopfschmerzen, Schwindel oder ein dumpfes Druckgefühl im Kopf
  • Häufige Erkältungen oder das Gefühl, immer krank zu sein

Wenn dem Körper Energie fehlt, gibt es manchmal auch konkrete medizinische Ursachen dahinter, die sich behandeln lassen. Nährstoffmängel – besonders Eisen, Vitamin D, Vitamin B12 sowie Magnesium – oder auch eine Schilddrüsenunterfunktion, Dehydration, Blutzuckerschwankungen oder Schlafprobleme können dazu führen, dass man sich kraftlos und abgeschlagen fühlt.

Wichtig: Höre auf deinen Körper

Probiere aus, was dir in deiner Situation guttut. Manchmal hilft Bewegung mehr als Ruhe – das mag widersprüchlich klingen, aber wir können uns auch körperlich energielos fühlen, wenn wir zu lange zu wenig in Aktion waren. Wenn Kraftlosigkeit über mehrere Wochen anhält, sehr ausgeprägt ist oder weitere körperliche Beschwerden auftreten, kann eine ärztliche Abklärung sinnvoll sein.

Was viele nicht wissen: Anhaltende Erschöpfung und Kraftlosigkeit können langfristige körperliche Folgen haben, wenn sie ignoriert werden. Eine systematische Auswertung von 36 Studien (Salvagioni et al., 2017) zeigt, dass Burnout das Risiko für Schlaflosigkeit erhöhen und auch das Herzkreislaufsystem langfristig belasten kann. Das bedeutet nicht, dass du jetzt in Panik geraten sollst. Es bedeutet: Frühzeitig gegensteuern lohnt sich.

Psychische Kraftlosigkeit – Symptome und Ursachen

Etwas kniffliger wird es, wenn das Keine-Kraft-mehr-Gefühl nicht dem Körper, sondern der Psyche entspringt. „Keine Energie mehr”, „keine Kraft mehr für den Alltag”, „keine Nerven mehr für irgendetwas” – viele Menschen kennen diese Gedanken, übergehen die dahinter liegenden Signale aber oft über lange Zeit.

Wenn uns körperlich die Kraft ausgeht, reagieren wir häufig mit Symptomen, die wir eindeutig zuordnen können: Aha, ich habe eine Erkältung, ich muss mich ausruhen. Wenn wir psychisch nicht mehr können, übersehen wir die Anzeichen dagegen häufig leichter.

Gereiztheit, Konzentrationsprobleme, Ängste oder verminderte Leistungsfähigkeit schleichen sich oft langsam ein – und wir reden uns ein, dass es schon wieder besser wird. Das ist auch ein Grund dafür, warum sich psychische Erschöpfung irgendwann körperlich äußert: Der Körper schlägt Alarm, wenn die Seele nicht gehört wird.

Viele Menschen berichten in Phasen psychischer Kraftlosigkeit von ähnlichen Erfahrungen – zum Beispiel:

  • Anhaltende innere Leere oder Gefühllosigkeit
  • Keine Kraft mehr für den Alltag: Haushalt, Kochen, soziale Kontakte fühlen sich unschaffbar an
  • Keine Kraft mehr zum Arbeiten – selbst kleine Aufgaben kosten unverhältnismäßig viel Energie
  • Gedankenkarussell, Grübeln, Schlafprobleme
  • Reizbarkeit und das Gefühl, keine Nerven mehr zu haben
  • Rückzug von anderen Menschen
  • Freud- und Antriebslosigkeit
  • Das Gefühl, funktionieren zu müssen

Typische Auslöser

Psychische Erschöpfung entsteht oft durch chronischen Stress – zum Beispiel durch anhaltenden Leistungsdruck, Konflikte, fehlende Anerkennung oder das Gefühl, zu geben, ohne genug zurückzubekommen. Wissenschaftlich spricht man beim zuletzt genannten auch vom sogenannten „Effort-Reward Imbalance”-Modell: Wer dauerhaft viel leistet, aber wenig Wertschätzung oder Ausgleich erlebt, erschöpft seine physiologischen Ressourcen. Eine groß angelegte Multikohortenstudie von Dragano et al. (2017) zeigte, dass Menschen in einem solchen Ungleichgewicht ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen haben – Erschöpfung ist also keinesfalls nur im „Kopf”.

​​» Viele Menschen nehmen Anzeichen psychischer Erschöpfung lange nicht ernst, da sie sich in aller Regel schleichend entwickeln. Erhöhte Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme oder Müdigkeit können zunächst wie normale Stressreaktionen wirken. Wenn diese Signale über längere Zeit anhalten, lohnt es sich, genauer hinzuschauen und sich Unterstützung zu suchen. «

– ​​Raphael Dieckert, behandelnder Psychotherapeut im Praxis- und Online-Setting

Körperliche vs. psychische Kraftlosigkeit: ein Überblick

Wie erkenne ich, was mich gerade erschöpft – und welche Form der Erholung hilft? Unser Schaubild fasst dir einige Anhaltspunkte zusammen:

Erschöpfung, Burnout oder Depression? Die Unterschiede verstehen

Viele Menschen fragen sich, was hinter ihrer Kraftlosigkeit steckt. Und das ist keine unwichtige Frage, denn die Antwort kann beeinflussen, was wirklich hilft.

Erschöpfung

Erschöpfung ist zunächst einmal eine normale, vorübergehende Reaktion auf Belastung. Nach einer stressigen Phase, einem langen Projekt oder einer emotionalen Ausnahmesituation können sich der Körper und der Geist erschöpft anfühlen. Erholung hilft – und nach einer Weile kommt die Energie zurück.

Burnout

Burnout ist ein Zustand tiefer emotionaler, körperlicher und kognitiver Ausgelaugtheit, der sich über einen längeren Zeitraum entwickelt – meist im Zusammenhang mit chronischem arbeitsbezogenem oder sozialem Stress. Typisch sind emotionale Erschöpfung, innere Distanz (Zynismus) und das Gefühl, nichts mehr zu leisten (Salvagioni et al., 2017). 

​​» Du hast alles gegeben und es ist nichts mehr übrig. Das ist im Grunde das, worum es bei Burnout am Arbeitsplatz geht. «

– Prof. Dr. Christina Maslach (Übersetzung aus dem Englischen)

Erschöpfungsdepression

Erschöpfungsdepression: Der Begriff Erschöpfungsdepression wird manchmal verwendet, wenn Menschen sowohl starke Erschöpfung als auch depressive Symptome erleben oder um einen Zustand zu beschreiben, der im Zusammenhang mit Burnout oder depressiven Erkrankungen steht. In der medizinischen Diagnostik ist dies jedoch keine eigenständige Diagnose. Wenn solche Beschwerden über längere Zeit anhalten oder stark belasten, kann eine fachliche Abklärung hilfreich sein.

Depression

Eine Depression geht über Erschöpfung hinaus: Sie umfasst tiefe Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit, Gefühle der Wertlosigkeit, manchmal auch Gedanken, nicht mehr leben zu wollen – und das über Wochen oder Monate. Depression ist eine Erkrankung, die häufig eine professionelle Behandlung braucht.

Wenn du das Gefühl hast, nicht mehr unterscheiden zu können, was mit dir los ist, ist das völlig okay. Das Wichtigste ist, die Signale ernst zu nehmen und dir Unterstützung zu holen.

Keine Kraft mehr: Warnsignale rechtzeitig wahrnehmen

Stell dir vor, du bist mit dem Auto unterwegs in den Urlaub. Die Sonne scheint, du singst laut mit – und plötzlich bleibt das Auto stehen. Du hast das „Ping!” der Tankanzeige einfach nicht gehört. Jetzt ist der Tank leer. 

Ähnlich verhält es sich mit unserer Psyche. Wie die laute Musik im Auto lenken uns manchmal viele Dinge davon ab, in uns hineinzuhören und rechtzeitig „aufzutanken”. Und das Gemeine ist: Die ersten Warnsignale sind oft leise.

Es gibt ganz unterschiedliche Frühindikatoren und Alarmzeichen dafür, dass dir die Energie ausgeht. Viele Menschen fühlen sich dann zunehmend ausgelaugt – ein Wort, das treffender kaum sein könnte: wie ein Schwamm, dem man das letzte Wasser herausgepresst hat. Vielleicht bemerkst du zunächst eine leichte innere Unruhe, Sorgen, negative Gedanken. Du fühlst dich gestresst, fährst schnell aus der Haut oder bist erschöpft, traurig und spürst eine innere Leere. Achte auch darauf, ob du Gedanken hast wie: „Ich habe bald einfach keine Kraft mehr.” Solche Gedanken oder Gefühle können Hinweise darauf sein, dass deine Belastung gerade sehr hoch ist.

Die tägliche Tankstelle

Es kann hilfreich sein, sich regelmäßig einen Moment Zeit zu nehmen, um kurz innezuhalten und wahrzunehmen, wie es einem gerade geht. Peile einfach vorsorglich täglich eine kleine Tankstelle an. Praktisch kann das so aussehen:

  • Setz dich einmal täglich für ein paar Minuten hin und frage dich: Wie geht es mir heute?
  • Schließe die Augen, atme kurz durch und warte ab, welche Antworten auftauchen.
  • Entscheide dann: Brauche ich heute besonders viel Erholung – oder bin ich gut aufgeladen?

Risiko für Burnout? Teste jetzt dein Stresslevel

Fühlst du dich in letzter Zeit gestresst, erschöpft und überfordert? Unser Selbsttest gibt Hinweise, wie es um dein aktuelles Stresslevel steht.

Wie komme ich wieder zu Kräften? Strategien für mehr Energie

Wie Menschen am liebsten und effektivsten Kraft tanken und Energie wiedererlangen, ist ganz verschieden – und hängt auch davon ab, wie die Energie verbraucht wurde. Dabei geht es darum, Gegenwelten zu erzeugen, Ausgleich zu schaffen und so zu kompensieren, was im Alltag verbraucht wurde.

Das bedeutet: Wer lange konzentriert am Schreibtisch sitzt, gewinnt Energie oft durch Bewegung oder Tätigkeiten, die keine Konzentration erfordern. Wer dagegen viel geredet, viele Eindrücke gesammelt und mit unterschiedlichen Menschen interagiert hat, erholt sich eher beim Alleinsein und zur Ruhe kommen.

Aktive Erholung – hilfreicher als passives Ausruhen?

Viele Menschen setzen Erholung automatisch mit Nichtstun gleich. Dabei zeigt die Forschung, dass die Art der Erholung sehr individuell ist – und vom jeweiligen Erschöpfungstyp abhängt. Sonnentag et al., 2017 unterscheiden vier Erholungserfahrungen:

  1. Abschalten von der Arbeit (Detachment), 
  2. Entspannung (Relaxation), 
  3. Kontrolle über die eigene Zeit (Control
  4. und sogenannte Mastery Experiences – also Tätigkeiten, bei denen man etwas lernt oder Kompetenz erlebt.

Dabei gilt: Mit „passivem Ausruhen” ist hier nicht gemeint, einfach auf dem Sofa zu liegen und die Gedanken treiben zu lassen – sondern das Fehlen jeder bewussten Erholungsstrategie. Gezielte Entspannung – wie Progressive Muskelentspannung oder Atemübungen – zählt dagegen zur Kategorie Relaxation und ist eine vollwertige Erholungsform.

Ob eher Ruhe und Schlaf, aktive Bewegung oder eine neue Herausforderung hilft, hängt vom Erschöpfungszustand ab. Wer körperlich erschöpft ist, braucht oft schlicht Schlaf. Wer kognitiv überlastet ist, erholt sich vielleicht besser durch Bewegung. Es gibt kein Erholungsrezept, das für alle passt – hilfreich ist, neugierig auszuprobieren, was sich für dich selbst gut anfühlt.

Gut zu wissen in dem Kontext: Eine Studie von Bratman et al. (2019) zeigte, dass Spaziergänge in natürlicher Umgebung mit geringerer Grübelneigung und veränderter Aktivität in Hirnregionen verbunden sein können, welche mit Rumination in Zusammenhang stehen.

Finde heraus, was dir wirklich Energie gibt

Ein hilfreicher erster Schritt ist es, eigene Energiequellen und Energieräuber zu identifizieren. Frag dich:

  • Was gibt mir nach einem langen Tag tatsächlich Energie – und was raubt sie mir noch mehr?
  • Gibt es Tätigkeiten, nach denen ich mich leichter fühle – auch wenn ich mich vorher überwinden muss, sie anzugehen? Zum Beispiel ein kurzer Spaziergang, obwohl die Couch lockt. Sport, obwohl die Motivation fehlt. Ein Telefonat mit einer guten Freundin, obwohl man eigentlich „keine Lust auf Kommunikation” hat.
  • Wann habe ich zuletzt etwas getan, das mir wirklich Freude gemacht hat?

Hier ein einfaches Schema als Orientierung:

Einen gesunden Ausgleich schaffen

Manchmal stecken hinderliche Denkmuster hinter dem Keine-Kraft-mehr-Gefühl. Zum Beispiel Perfektionismus, das Gefühl, immer funktionieren zu müssen, oder die Überzeugung, Pausen machen, sei ein Zeichen von Schwäche. Es kann helfen, diese inneren Antreiber zu erkennen und zu hinterfragen. Auch hier kann ein Gespräch mit einer:einem Psychotherapeut:in wertvolle Unterstützung bieten.

Soforthilfe: Was jetzt gerade hilft, wenn du keine Kraft mehr hast

Manchmal braucht man keine komplexen Strategien, sondern einfach etwas, das jetzt in diesem Moment ein bisschen Erleichterung bringt – besonders wenn man sich total kraftlos und nicht mehr belastbar fühlt. 

Fang klein an – so klein, dass es sich vielleicht fast lächerlich anfühlt. Nicht die ganze Wohnung aufräumen, sondern eine Tasse wegstellen. Nicht eine Stunde spazieren, sondern einmal kurz ans Fenster treten und frische Luft schnappen. Nicht alle E-Mails beantworten, sondern eine. Das Gehirn braucht kleine Erfolgserlebnisse als Anker, besonders wenn die Erschöpfung tief sitzt. Jeder noch so kleine Schritt zählt.

Und wenn du magst, probiere eine dieser drei Soforthilfe-Übungen aus:

1 Die 5-Minuten-Pause mit Atemfokus

  • Setz dich hin oder leg dich hin – egal wo.
  • Atme 4 Sekunden ein, halte 4 Sekunden an, atme 6 Sekunden aus.
  • Wiederhole das einige Male.
  • Wenn Gedanken auftauchen: versuche sie vorbeiziehen zu lassen wie Wolken am Himmel.

Ruhige, verlängerte Ausatmung kann das Nervensystem beruhigen und Prozesse fördern, die mit parasympathischer Aktivität – unserem „Ruhenerv” – verbunden sind. Ein kurzer Reset mitten im Alltag.

2 Zehn Minuten draußen

Wenn es geht: raus. Ein kurzer Spaziergang – auch wenn er nur wenige Minuten dauert – kann helfen, Abstand zu belastenden Gedanken zu bekommen und die Stimmung zu verbessern (Bratman et al., 2019). Es sind hier keine großen Gedanken nötig, einfach die Beine bewegen und schauen, was du siehst.

3 Selbstberuhigung durch Körperkontakt

Wenn du gerade total erschöpft oder innerlich aufgewühlt bist, kann Selbstberuhigung durch Körperkontakt helfen – das klingt vielleicht seltsam, wirkt aber. Leg eine Hand auf dein Herz und eine auf deinen Bauch. Spüre die Wärme deiner Hände. Sag innerlich oder laut: „Ich tue gerade mein Bestes. Das ist genug.” Diese Art der Selbstberuhigung (auch Self-Soothing genannt) kann dabei helfen, den Körper zu beruhigen und Stressreaktionen abzuschwächen. Ein kleines Ritual, das in akuten Momenten der Überwältigung helfen kann (Dreisoerner et al., 2021).

Was ist normal – und wann ist professionelle Hilfe ratsam?

Es ist absolut normal, manchmal keine Kraft mehr zu haben. Wir alle durchleben Phasen starker Erschöpfung und das bedeutet nicht, dass etwas grundlegend falsch mit uns ist. Erschöpfung ist oft ein Signal – kein Versagen.

Professionelle Unterstützung ist ratsam, wenn:

  • die Erschöpfung oder Kraftlosigkeit länger als zwei bis drei Wochen anhält
  • du keine Kraft mehr für den Alltag hast und Dinge liegen bleiben, die dir wichtig sind
  • sich das Gefühl einschleicht, keine Kraft mehr zu kämpfen zu haben oder am Ende zu sein
  • du dich dauerhaft traurig, leer oder hoffnungslos fühlst
  • Angst oder körperliche Beschwerden dazukommen

Wenn du das Gefühl hast, keine Kraft mehr zu haben und nicht mehr weiter zu kommen, ist das kein Zeichen von Schwäche – aber ein sehr wichtiges Signal, jetzt Hilfe anzunehmen. Du musst das nicht alleine durchstehen.

In akuten Krisen – wenn du daran denkst, dir selbst etwas anzutun – wende dich bitte an die Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, 24/7). 

Den Schritt zu einer:einem Psychotherapeut:in oder Ärztin:Arzt zu machen, fühlt sich manchmal riesig an. Es kann helfen, sich vorher aufzuschreiben: Welche Symptome habe ich? Seit wann? Wie beeinflussen sie meinen Alltag? Ärzt:innen und Therapeut:innen sind es gewohnt, solche Gespräche zu führen – du musst dich nicht schämen.

Dem Keine-Kraft-mehr-Gefühl vorbeugen mit HelloBetter

Andauernder Stress kann in uns das Gefühl auslösen, keine Kraft mehr zu haben. Psychologische Soforthilfe bei Stress, Überlastung und Energielosigkeit bietet dir das kostenfreie Online-Therapieprogramm HelloBetter Stress und Burnout. Darin erlernst du Schritt für Schritt wirksame psychotherapeutische Strategien der kognitiven Verhaltenstherapie, um dein Stresslevel nachhaltig zu senken und wieder neue Kraft zu schöpfen.

Dich erwarten zum Beispiel Entspannungsübungen, Kraftgeber und Techniken zum Umgang mit Grübelgedanken und belastenden Gefühlen. Das Beste daran? Du erhältst das Therapieprogramm zu 100 % kostenfrei auf Rezept und kannst es im eigenen Tempo und bequem von zu Hause aus nutzen. Ganz ohne Termine oder Zeitdruck. Trage dich einfach hier ein und erhalte alle Infos direkt in dein Postfach.

Erfahrungsbericht

Alexas Erfahrungen mit Stress und Burnout

In diesem Video spricht Alexa über eine Phase, in der sie für alltägliche Aufgaben kaum mehr Kraft hatte. Welche Erfahrungen hat sie mit dem kostenfreien Online-Therapieprogramm von HelloBetter gemacht?

Häufige Fragen zum Keine-Kraft-mehr-Gefühl

Warum habe ich plötzlich keine Kraft mehr im Körper?
Plötzliche Kraftlosigkeit kann verschiedene Ursachen haben: akute Infektionen, Nährstoffmängel (etwa Vitamin D, B12 oder Eisen), Dehydration, Blutzuckerschwankungen oder akuter Stress. Auch Nebenwirkungen von Medikamenten können eine Rolle spielen. Hält die Kraftlosigkeit über mehrere Wochen an oder tritt ohne erkennbaren Grund auf, solltest du ärztlichen Rat einholen.
Ist es normal, so erschöpft zu sein – auch ohne besonderen Grund?
Ja, und du bist damit nicht allein. Manchmal summieren sich viele kleine Belastungen, ohne dass wir es bewusst merken. Chronischer Alltagsstress, schlechter Schlaf oder fehlende Erholungsphasen können sich schleichend aufstauen. Wenn das Gefühl aber länger anhält oder sich intensiviert, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Wie kann ich körperliche und psychische Kraftlosigkeit unterscheiden?
Das ist gar nicht immer einfach – und oft treten beide gleichzeitig auf. Ein erster Anhaltspunkt: Körperliche Erschöpfung äußert sich häufig durch Schwere in den Gliedmaßen, anhaltende Müdigkeit, Schlafprobleme oder körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen und Herzklopfen. Psychische Erschöpfung zeigt sich eher durch innere Leere, Gereiztheit, Antriebslosigkeit oder das Gefühl, keine Kraft mehr für den Alltag zu haben. Frag dich: Fühle ich mich körperlich schwach – oder eher leer und überwältigt? Oft steckt beides dahinter.
Wie kann ich wieder zu Kräften kommen?
Ein guter Anfang ist, genauer hinzuschauen, wodurch deine Erschöpfung entsteht: Fühlst du dich eher mental, emotional, sozial oder körperlich ausgelaugt? Versuche gezielt Gegenwelten schaffen, Ausgleich zu finden und Lebensenergie zurückgewinnen. Aktive Erholung – Bewegung, Natur, Lernen – kann genauso wirksam sein wie passives Ausruhen. Gleichzeitig sind regelmäßige Pausen und ausreichend Ruhe ebenfalls wichtig.
Wie lange braucht die Psyche, um sich von Erschöpfung zu erholen?
Die Erholungsdauer ist sehr individuell. Bei vorübergehender Stressbelastung kann sich das Energielevel nach einer Phase der Entlastung relativ schnell wieder verbessern. Wenn Erschöpfung über längere Zeit anhält oder mit depressiven Symptomen einhergeht, kann die Erholung deutlich länger dauern. Professionelle Unterstützung kann helfen, Belastungen besser zu verstehen und passende Strategien zur Erholung zu entwickeln.
Ich habe keine Kraft mehr zum Arbeiten – was kann ich tun?
Kurzfristig: Entlastung schaffen, wo möglich. Mittel- bis langfristig: einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen und konkret schildern, was du erlebst – zum Beispiel: „Ich fühle mich seit [Zeitraum] dauerhaft erschöpft und komme meinen Alltagsverpflichtungen kaum noch nach.” Schreib dir am besten vorher auf, welche Symptome du hast, seit wann und wie sie dich beeinflussen. Du musst dich nicht schämen, Hilfe zu suchen. 

Weitere Tipps zum Arztgespräch kannst du auch in unserem Artikel nachlesen: Verdacht auf Burnout: Was soll ich dem Arzt sagen?
Welche kleinen Schritte helfen, wenn ich wirklich nichts schaffe?
Fang klein an – so klein, dass es sich vielleicht fast lächerlich anfühlt. Nicht die ganze Wohnung aufräumen, sondern eine Tasse wegstellen. Nicht eine Stunde spazieren, sondern einmal kurz ans Fenster treten und frische Luft schnappen. Nicht alle E-Mails beantworten, sondern eine. Das Gehirn braucht kleine Erfolgserlebnisse als Anker, besonders wenn die Erschöpfung tief sitzt. Jeder noch so kleine Schritt zählt.
Kann Stress körperliche Kraftlosigkeit verursachen?
Ja, absolut. Chronischer Stress beeinflusst verschiedene körperliche Stresssysteme, darunter die sogenannte HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse). Anhaltende Stressbelastung kann mit Müdigkeit, Erschöpfung und verminderter Energie einhergehen.
Was tun, wenn man keine Kraft mehr zum Kämpfen hat?
Wenn du dich an diesem Punkt befindest: Bitte wende dich an jemanden – eine:n Ärztin:Arzt, eine:n Therapeut:in, eine Vertrauensperson oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111, kostenlos, 24/7). Du musst das nicht alleine tragen und du verdienst Unterstützung.
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Quellennachweis
  1. Bratman, G. N., Anderson, C. B., Berman, M. G. ... & Daily, G. C. (2019). Nature and mental health: An ecosystem service perspective. Science Advances, 5(7). https://doi.org/10.1126/sciadv.aax0903 
  2. Dragano, N., Siegrist, J., Nyberg, S. T., Lunau, T., Fransson, E. I., Alfredsson, L., ... & Kivimäki, M. (2017). Effort-Reward Imbalance at Work and Incident Coronary Heart Disease: A Multicohort Study of 90,164 Individuals. Epidemiology & Community Health, 71(10), 998–1005. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28570388/ 
  3. Dreisoerner, A., Junker, N. M., Schlotz, W., Heimrich, J., Bloemeke, S., Ditzen, B., & van Dick, R. (2021). Self-soothing touch and being hugged reduce cortisol responses to stress: A randomized controlled trial on stress, physical touch, and social identity. Comprehensive Psychoneuroendocrinology, 8. https://doi.org/10.1016/j.cpnec.2021.100091 
  4. Koutsimani, P., Montgomery, A., & Georgiou, K. (2019). The Relationship Between Burnout, Depression, and Anxiety: A Systematic Review and Meta-Analysis. Frontiers in Psychology, 10, 284. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2019.00284 
  5. Maslach, C. (2023, February 23). Burned out? Berkeley expert's book offers roadmap to a better workplace. Berkeley News, University of California. https://news.berkeley.edu/2023/02/23/burned-out-berkeley-experts-book-offers-roadmap-to-a-better-workplace/ 
  6. Maslach, C., & Leiter, M. P. (2016). Burnout. In G. Fink (Ed.), Stress: Concepts, Cognition, Emotion, and Behavior (pp. 351–357). Academic Press.
  7. Salvagioni, D. A. J., Melanda, F. N., Mesas, A. E., González, A. D., Gabani, F. L., & Andrade, S. M. (2017). Physical, psychological and occupational consequences of job burnout: A systematic review of prospective studies. PLOS ONE, 12(10). https://doi.org/10.1371/journal.pone.0185781 
  8. Siegrist, J. (2002). Effort-reward imbalance at work and health. In P. L. Perrewe & D. C. Ganster (Eds.), Research in Occupational Stress and Well-Being, Vol. 2 (pp. 261–291). JAI Press/Elsevier. https://doi.org/10.1016/S1479-3555(02)02007-3 
  9. Sonnentag, S., Venz, L., & Casper, A. (2017). Advances in recovery research: What have we learned? What should be done next? Journal of Occupational Health Psychology, 22(3), 365–380. https://doi.org/10.1037/ocp0000079 
  10. Sonnentag, S., & Fritz, C. (2014). Recovery from job stress: The stressor-detachment model as an integrative framework. Journal of Organizational Behavior. https://doi.org/10.1002/job.1924 
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