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Work-Life-Balance – Ausgleich oder rundum Zufriedenheit?

Bestimmt hast du schon einmal von dem Begriff der Work-Life-Balance gehört. Damit ist gemeint, ein Gleichgewicht zwischen der eigenen Arbeit und allem anderen im Leben zu schaffen. Das ist oft allerdings einfacher gesagt als getan. Vor allem dann, wenn wir bei der Arbeit ständig erreichbar sind und uns daneben noch um die eigenen Kinder oder andere Familienangehörige kümmern oder weitere beanspruchende Projekte meistern müssen. 

Vielleicht sollten wir aber auch einen Schritt zurückgehen und uns fragen, ob unsere Zufriedenheit tatsächlich von der Balance zwischen einem unangenehmen Arbeitsleben und dem angenehmen Rest unseres Lebens abhängen sollte oder ob es einen besseren Weg gibt, insgesamt zufriedener zu sein. Wie genau das gehen kann und welche Idee wir einer Work-Life-Balance vorziehen sollten, das erfährst du in diesem Artikel. 

Was bedeutet Work-Life-Balance?

Lange steckte hinter dem Begriff der Work-Life-Balance die Annahme, dass uns die Zeit und Energie, die wir für den einen Bereich unseres Lebens aufwenden, in anderen Bereichen fehlt. Energie, die wir in unsere Arbeit investieren, würde uns demnach also zum Beispiel für unsere Familie verloren gehen. Das stimmt jedoch nur zum Teil und trifft vor allem auf unsere zeitlichen Ressourcen zu. Jeder Tag hat eine feste Anzahl an Stunden und wir entscheiden täglich, in welchen Bereich unseres Lebens wir diese investieren wollen. Im Bezug auf unseren Energievorrat ist das jedoch nicht so einfach. Anders als bei unseren zeitlichen Ressourcen verlieren wir Energie nicht nur, wenn wir diese in die einzelnen Bereiche unseres Lebens investieren.

Immer wenn wir unsere Energie in etwas investieren, das uns glücklich und zufrieden macht, können wir dadurch auch neue Energie gewinnen. Es geht also weniger um eine Balance zwischen beiden Bereichen unseres Lebens und mehr um unsere Zufriedenheit in jedem Einzelnen dieser Bereiche.

Um ein besseres Bild über unsere Zufriedenheit zu erhalten, lohnt es sich, die beiden Bereiche Work und Life einmal etwas genauer anzusehen. 

Übung

Was genau liegt auf den beiden Seiten deiner Waage?

Wenn wir über die Work-Life-Balance reden, stellen wir uns oft vor, dass auf der einen Seite der Waage unsere Arbeit liegt und auf der anderen Seite der Rest unseres Lebens. Aber was genau beinhalten diese beiden Bereiche eigentlich? Das zu wissen, kann uns dabei helfen, einen detaillierten Blick dafür zu gewinnen, was uns auf der jeweiligen Seite guttut und was uns stark beansprucht. 

Nimm dir ein paar Minuten Zeit und male dir eine Waage mit zwei sich gegenüberliegenden Waagschalen auf. Schreibe über die eine Waagschale Arbeit” und über die andere Leben”. Nun überlege, was genau für dich unter die beiden Bereiche fällt. Bei Arbeit könntest du zum Beispiel deine verschiedenen Aufgaben auflisten, deine Kolleginnen und Kollegen, deinen Arbeitsort all das, was für dich deine Arbeit ausmacht. Bei Leben könntest du deine wichtigsten Bezugsperson, deine Hobbys und all das, was dir sonst noch wichtig ist auflisten. Wenn du soweit bist, markiere mit einem grünen Stift, was dir auf jeder der beiden Seiten Kraft gibt. Das sind deine Kraftgeber. Markiere im Anschluss mit einem roten Stift, was dir Kraft raubt. Das sind deine Kraftnehmer. Nun nimm dir einen Moment Zeit und überlege, ob sich das Verhältnis zwischen Kraftgebern und Kraftnehmern auf beiden Seiten der Waage ausgleicht. 

Falls du auf einer der beiden Seiten besonders viele Kraftnehmer entdeckst, überlege dir, wie du diese Seite der Waage entlasten könntest. Könntest du einige dieser Kraftnehmer von deiner Waage entfernen, indem du zum Beispiel deine Kolleginnen und Kollegen um Unterstützung bittest? Oder kannst du vielleicht weitere Kraftgeber finden, um die Kraftnehmer auszugleichen? Dein Ziel sollte es sein, auf beiden Seiten mehr Kraftgeber als -nehmer zu haben. Das ist viel wichtiger, als das sich die beiden Seiten gegenseitig ausgleichen, denn es geht bei der Work-Life-Balance” nicht zwangsläufig darum, Work”-Aktivitäten mit Life”-Aktivitäten aufzuwiegen.

Folgen einer außer Balance geratenen Work-Life-Balance

Wenn wir unsere Work-Life-Balance über einen langen Zeitraum aus den Augen verlieren, kann das dazu führen, dass wir uns erschöpft und überfordert fühlen. Aus lang anhaltender Erschöpfung und Überforderung kann sich manchmal ein Burnout entwickeln. Ein Burnout wiederum kann dazu führen, dass wir die positive Einstellung zu unserer Arbeit verlieren, weniger leistungsfähig sind und uns immer erschöpfter fühlen. Wenn du diese Symptome bei dir selbst bemerkst, ist es an der Zeit, dich um deine Work-Life-Balance zu kümmern. 

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Deine Work-Life-Balance verbessern mit 5 Tipps

Im Internet lassen sich viele Tipps und Maßnahmen für eine bessere Work-Life-Balance finden. Ein achtsamer Umgang mit dir selbst ist dabei besonders wichtig. Wir haben dir dafür hier 5 wertvolle Tipps zusammengestellt. 

1Zeit für Reflexion – Was ist dir wichtig?

Bevor wir unseren ersten Job starten, haben wir oftmals bereits eine Vorstellung davon, was Arbeit für uns bedeutet und welchen Stellenwert sie in unserem Leben vermutlich einnehmen wird. Diese Vorstellung ist jedoch nicht immer unsere eigene. Oft haben wir die Vorstellung unserer Eltern, anderer Bezugspersonen oder der Gesellschaft im Allgemeinen übernommen. Viele Menschen kommen dann irgendwann in ihrem Leben an einen Punkt, an dem sie sich fragen, was das eigentlich alles soll. Belastend können zum Beispiel die vielen Überstunden sein, die wenig Zeit für alles andere lassen. Die eigene Work-Life-Balance ist zu diesem Zeitpunkt oft schon lange aus dem Gleichgewicht geraten. 

Um erst gar nicht an diesen Punkt zu kommen, kann es sehr hilfreich sein, dass du dir einmal Gedanken darüber machst, was genau du dir persönlich eigentlich von deinem Leben und deiner Arbeit wünschst. Wie möchtest du dein eigenes Leben gestalten? Wie wichtig ist dir die Arbeit? Was genau ist dir wichtig an deiner Arbeit? Welchen Stellenwert soll jeder einzelne Bereich in deinem Leben haben? Die Antworten auf diese Fragen können dir im Laufe deines Lebens eine Richtung vorgeben, an der du dich auch in belastenden Zeiten orientieren kannst. 

2Suche das Gespräch

Vor allem in Zeiten, in denen wir uns sehr gestresst fühlen, können wir manchmal den Eindruck haben, dass wir alles allein meistern müssen. Dann werden wir zur Einzelkämpferin oder zum Einzelkämpfer. Dabei kann es sehr hilfreich sein, den Menschen in unserem näheren Umfeld von unseren Schwierigkeiten und Problemen zu erzählen. Im besten Fall haben sie Verständnis für unsere Überlastung und bieten uns ihre Unterstützung an. 

Manchmal kann es aber auch sein, dass sich unsere Mitmenschen überfordert fühlen, wenn sie von unserem Wunsch nach Unterstützung hören. Vielleicht konnten sie lange auf deine Hilfe vertrauen und haben Angst davor, wie sie ohne diese auskommen sollen. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn du auf der Arbeit Aufgaben, die bisher immer du übernommen hast, an deine Kolleginnen und Kollegen abgeben möchtest. In diesem Fall ist es besonders wichtig, dass du dich selbst nicht aus den Augen verlierst. Bleib bei deiner Bitte nach Unterstützung und setze klare Grenzen, wenn nötig. Deine wichtigste Aufgabe ist es, auf dich selbst aufzupassen und auf deine eigene Work-Life-Balance zu achten. 

3Sei nachsichtig mit dir selbst

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer gesunden Work-Life-Balance ist die Erkenntnis, dass du nicht zu jeder Zeit überall, alles geben kannst. Und das ist völlig okay. Ähnlich wie zum Beispiel ein Smartphone-Akku, der bis zum nächsten Aufladen nur eine begrenzte Laufzeit hat, hast auch du nur ein begrenztes Maß an Energie, das dir täglich zur Verfügung steht. Wie viel Energie du dabei für die einzelnen Bereiche deines Lebens übrig hast, kann täglich schwanken. Während dein Akkustand nach einem weniger stressigen Arbeitstag vielleicht noch bei 40 Prozent liegt, ist er nach einem sehr anstrengenden Tag vielleicht bereits auf 10 Prozent abgesunken. 

Um gut auf dich selbst zu achten, kann es hilfreich sein, über den Tag hinweg immer wieder deinen eigenen Akkustand zu reflektieren. Sollte dieser schon früh am Tag sehr niedrig sein, kannst du zum Beispiel versuchen, kleine Pausen zu machen, um neue Energie zu tanken. Vielleicht gibt es auch einige Aufgaben, die du auf einen anderen Tag verschieben oder an eine andere Person abgeben kannst.

Wichtig ist: Niemand anderes hat einen so guten Einblick in deinen Energiehaushalt wie du selbst. Deshalb ist es besonders wichtig, dass du auf dich und deinen Akku achtest.

4Finde Schönes auf beiden Seiten

Manchmal wenn wir besonders beansprucht sind, verlieren wir den Blick dafür, was in unserem Leben gut und schön ist. Hast du dir schon einmal ganz bewusst die Frage gestellt, was du an deinem Job magst? Oft wissen wir, was uns in anderen Bereichen unseres Lebens Freude bereitet. Wir haben Hobbys, die uns glücklich machen und einige Menschen, die wir besonders gern mögen. Unser Job hingegen, der ist eben einfach da, weil alle Menschen arbeiten gehen. Das ist nun einmal so. Aber was ist es, das dir an deinem Job besonders viel Freude bereitet? Hast du vielleicht besonders nette Arbeitskolleginnen und -kollegen oder gibt es eine bestimmte Aufgabe, in der du dich am liebsten verlierst? 

Das Wissen darüber, was uns an etwas Freude bereitet, kann dazu führen, dass wir diese Sache insgesamt mehr zu wertschätzen wissen. Wir haben dann weniger das Gefühl, dass wir zu dieser Sache gedrängt werden und mehr den Eindruck, dass wir uns dazu entscheiden, weil wir es eben möchten. Auch das kann zu einer besseren Work-Life-Balance beitragen.

5Unterstützung finden

Trotz der besten Tipps kann es Situationen und Phasen geben, in denen uns alles zu viel wird und wir alleine nicht weiter wissen. Das ist menschlich und völlig okay. In einem solchen Fall kann professionelle Unterstützung hilfreich sein. Diese kannst du etwa in Form einer klassischen Psychotherapie finden. Eine andere Möglichkeit kann dir ein psychologischer Online-Therapiekurs, wie beispielsweise HelloBetter Stress und Burnout bieten. Ähnlich wie in einer klassischen Psychotherapie reflektierst du im Online-Kurs deine ganz persönliche Situation und erlernst Strategien aus der kognitiven Verhaltenstherapie, um einen besseren Umgang mit dem Stress zu finden.

Den Online-Therapiekurs erhältst du ganz einfach kostenfrei auf Rezept und deine Krankenkasse übernimmt alle Kosten. Für mehr Informationen schau dir gerne unsere Kursseite an oder lies den Artikel eines Teilnehmers über seine Erfahrungen mit dem HelloBetter Burnout-Kurs.

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Autorin:
Anna Unger-Nübel Psychologin
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