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Was ist ein Alpha-Trinker und was kannst du tun, wenn du betroffen bist?

Alkohol ist ein beliebtes Genussmittel. Wie bei anderen Genussmitteln auch, kann Alkohol trinken jedoch zur Gewohnheit werden. Gewohnheiten – ob gesunde oder ungesunde – folgen wiederum bestimmten Mustern. Es ist zum Beispiel möglich, dass wir nach einem stressigen Tag etwas Süßes naschen möchten. Wenn es um Alkoholkonsum geht, können sich ebenso bestimmte Muster in Form von Wenn-Dann-Verhalten einschleichen. Oftmals ist dabei auch von Trinkertypen die Rede. Was hat das mit dem sogenannten Alpha-Trinker zu tun? Was ist an diesem Trinkmuster problematisch und wie können wir es durchbrechen?

Was ist ein Alpha-Trinker?

Alpha-Trinker ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für Menschen, die Alkohol trinken, wenn unangenehme Gefühle in ihnen aufkommen. Weitere umgangssprachliche Bezeichnungen sind Problemtrinker, Konflikttrinker oder Erleichterungstrinker. Bei den unangenehmen Gefühlen muss es allerdings nicht um ein konkretes Problem, einen Konflikt oder Streit gehen, sondern zum Beispiel auch um Einsamkeit, Eifersucht, Niedergeschlagenheit oder Frustration. Das Muster des Alpha-Trinkers lautet: Wenn es mir schlecht geht, dann trinke ich Alkohol.

Was sich nach einer bewussten Entscheidung anhört, läuft vielmehr unbewusst ab: Alpha-Trinker und -Trinkerinnen haben in der Vergangenheit gelernt, dass das Trinken von Alkohol unangenehme Gefühle betäubt. Diese Wenn-Dann-Verknüpfung hat sich das Gehirn gemerkt und sie führt dazu, dass der Wunsch, Alkohol zu trinken, auftaucht, sobald sich unangenehme Gefühle, Stress und Streit ankündigen. 

Alkohol als Problemlöser?

Wenn Alkohol in Maßen getrunken wird, kann das Risiko einer Gesundheitsschädigung gering gehalten werden. Die Rede ist vom risikoarmen Konsum.

Risikoarmer Konsum bedeutet, dass Frauen pro Tag nicht mehr als 12 Gramm Alkohol (zum Beispiel eine kleine Flasche Bier) trinken sollten und Männer nicht mehr als 24 Gramm Alkohol (zum Beispiel zwei kleine Biere). An zwei Tagen die Woche sollte ganz auf Alkohol verzichtet werden.

Das Problem ist: Wenn wir Alkohol als Problemlöser benutzen, werden diese Grenzen häufig schnell überschritten. Dabei spielt auch die Menge an Alkohol eine Rolle, denn wie viel müssen wir trinken, bis wir unsere unangenehmen Gefühle nicht mehr spüren? Vermutlich mehr als ein oder zwei kleine Biere. Dabei spielt nicht nur die Intensität unserer Gefühle eine Rolle, sondern auch die sogenannte Toleranzentwicklung. Toleranzentwicklung bedeutet, dass ich mit der Zeit mehr Alkohol brauche, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Die Folge: Der Problemlöser wird zum Problem.

Warum lohnt es sich für Alpha-Trinker etwas zu verändern? 

Alkohol ist ein Gift, das das Risiko für viele Erkrankungen erhöht, zum Beispiel für Leberschäden. Doch nicht nur für deine körperliche Gesundheit lohnt es sich, das Trinkmuster zu durchbrechen.

Regelmäßig Alkohol zu trinken, wenn du dich schlecht fühlst, verhindert auch wirklich hilfreiche Strategien zum Umgang mit Wut, Trauer, quälender Langeweile und Co. zu entwickeln.

Du nimmst dir damit selbst die Möglichkeit zu erfahren, dass du durchaus mit unangenehmen Gefühlen umgehen kannst und somit etwas für deine innere Stärke und deinen Selbstwert zu tun. 

Der Weg aus dem Teufelskreis: Akzeptanz

Bestimmt hast du schon einiges versucht und feststellen müssen: Du kannst unangenehmen Gefühlen leider nicht vollkommen aus dem Weg gehen – selbst wenn du Alkohol trinkst. Im Gegenteil: Indem du versuchst, sie wegzuschieben, werden sie bloß noch stärker. Probleme, Konflikte und unangenehme Gefühle gehören zum Menschsein dazu. Es ist deshalb wichtig, unangenehme Gefühle wahrzunehmen und zu akzeptieren, weil wir sonst einen Kampf führen, den wir nicht gewinnen können. Das kostet Kraft und führt zu Enttäuschung, Scham oder Schuldgefühlen, die häufig nach dem Alkoholkonsum am nächsten Morgen lauern. Da sein lassen, was da ist, kann zu einer großen Erleichterung im Alltag führen und Alkohol als Problemlöser – im wahrsten Sinne – überflüssig machen.

Überlege dir einen Akzeptanzsatz!

Akzeptanz – dieses Wort klingt sehr theoretisch. Doch wie geht Akzeptanz eigentlich? Mache dir zunächst bewusst, dass Akzeptanz in deinem Kopf stattfindet. Das bedeutet: Wenn du akzeptierende Gedanken entwickelst, kann sich das auf deine Gefühlswelt auswirken. Das geschieht jedoch nicht in Form angenehmer Gefühle. Die Akzeptanz unangenehmer Gefühle hat also nicht zum Ziel, dass wir uns plötzlich gut fühlen. Die Früchte der Akzeptanz sind mit der Zeit anders spürbar: Als eine Erleichterung und ein gefühltes Loslassen, das unangenehme Gefühle oder Gedanken an Konflikte und Probleme begleitet. Dadurch wird das Unangenehme aushaltbar. So können wir weniger darunter leiden und uns nicht mehr dazu getrieben fühlen, zum Beispiel Alkohol zu trinken. 

Übung

Dein Akzeptanzsatz

In unserem HelloBetter Online-Kurs Weniger Alkohol trinken haben wir eine Übung, mit der wir Akzeptanz üben können. Es geht dabei darum, deinen ganz persönlichen „Akzeptanzsatz” zu finden. Überlege dir jetzt diesen Satz, den du dir immer in Erinnerung rufen kannst, wenn du den Drang verspürst, vor deinen unangenehmen Gefühlen – mit oder ohne die Hilfe des Alkohols – zu fliehen. Beispiele dafür sind:

Alles darf da sein.

Es ist unangenehm, aber ich kann das aushalten.

Ich lasse Gedanken und Gefühle kommen und gehen.

Es ist okay, mich so zu fühlen.

Gedanken und Gefühle verändern sich, ich schaue dieser Veränderung zu.

Jeder Mensch erlebt diese Gefühle und ich bin damit nicht alleine.

Gedanken und Gefühle tauchen einfach auf und wieder ab – sie sind keine absolute Wahrheit.

Diese schwierigen Gedanken und Gefühle helfen mir dabei, innere Stärke zu entwickeln.

Du wünschst dir mehr Übungen, Informationen und wirksame Strategien zum Thema Alkohol trinken? Dann schau doch gleich auf unserer Kursseite Weniger Alkohol trinken vorbei. 

Für einen gesunden Umgang mit Alkohol: Unser HelloBetter Kurs Weniger trinken unterstützt dich dabei, deinen Alkoholkonsum zu reduzieren.

ZUM KURS

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Autorin:
Victoria Bindrum Psychologin
Unsere Artikel werden von Psychologinnen und Psychologen geschrieben und von Psychotherapeutinnen geprüft. Wenn du mehr darüber erfahren willst, was uns beim Schreiben wichtig ist, dann lerne hier unser Autorenteam kennen.
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