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Beziehung beenden – was du dabei beachten kannst

Eine Beziehung zu beenden, ist oft ein großer Schritt, den sich viele Menschen lange überlegen. Die Frage ist nur: Über was sollten wir dabei eigentlich nachdenken und wie können wir zu einer Entscheidung gelangen, die sich für uns stimmig anfühlt? In diesem Artikel findest du Anregungen zu genau diesen Fragen.

Ist es überhaupt möglich, eine Beziehung zu beenden?

„Ich trenne mich von dir.” – Diese Worte können zwar ausgesprochen werden, aber sie zeigen oft nur bedingt Wirkung. Klar ist danach meistens, dass die getroffenen Vereinbarungen, z.B. zur Monogamie, aufgehoben sind, es keine gemeinsamen Zukunftspläne mehr gibt und meistens auch, dass eine räumliche Trennung folgen wird. 

Allerdings ist es oft so, dass wir die emotionale Bindung, das „in Beziehung stehen zueinander”, nicht sofort durch ein Trennungsgespräch aufheben können. Und darin liegt auch meistens die Schwierigkeit: Eine Beziehung beenden – dafür braucht es ein gewisses Durchhaltevermögen. Eine Trauerzeit. 

Viele Menschen sind sich bewusst, dass nach einer Trennung eine schwierige Phase auf sie zukommen kann und haben deshalb Angst, die Beziehung zu beenden. Wenn du mit dem Menschen an deiner Seite allerdings nicht glücklich wirst, kann es besser sein, den ersten Schritt auf dem oft langen Weg der Trennung zu machen – anstatt nur darüber nachzudenken. Die Krux ist nur: Woher weißt du, dass du mit deinem Partner oder deiner Partnerin wirklich nicht mehr glücklich wirst?

Trennungsfragen

„Etwa 90% aller Trennungen sind möglicherweise überflüssig.” Das vermutet der Berliner Paartherapeut Dr. Wolfgang Krüger. Eine Schätzung, die einerseits Mut macht, wenn wir die Beziehung im Grunde retten wollen. Andererseits schürt sie natürlich auch Zweifel: Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein?

Diese Frage anders als mit „Jein” zu beantworten, kannst natürlich einzig und allein du selbst. Aus psychologischer Sicht ist eine Trennung allerdings notwendig, wenn Gewalt in der Beziehung stattfindet. Außerdem kann das Beenden einer Beziehung bei Beziehungsproblemen durch Alkohol ratsam sein. Auch bei „unkooperativen” Verhaltensweisen kann eine Trennung sinnvoll sein. Damit gemeint ist, dass dein Partner oder deine Partnerin absichtlich nicht auf deine Wünsche eingeht, er oder sie zeigt sich also nicht interessiert daran, die Beziehung zu verbessern. Das kann zum Beispiel auf eine toxische Beziehung hindeuten.

Spielen die genannten Faktoren keine Rolle, kannst du dich fragen: Ist der oder die andere eine Bereicherung für mein Leben? Würde es mir ohne die Beziehung besser gehen?

Achtung: Damit ist nicht gemeint, dass die Beziehung immer nur Freude in dir auslöst. Auch die gemeinsamen Tiefen können eine Bereicherung sein, wenn du zum Beispiel erfährst, dass du dich durch Beziehungsprobleme weiter entwickelst. 

Wenn du zu dem Schluss kommst, dass die andere Person dein Leben nicht bereichert und es dir langfristig ohne die Beziehung besser gehen würde, ist das eine wichtige Erkenntnis, die du nicht ignorieren solltest.

Wie und wann beende ich eine Beziehung?

Es gibt keinen Königsweg, um eine Beziehung zu beenden. Es allen recht machen zu wollen – dir, deinem Partner oder deiner Partnerin und außenstehenden Ratgebern – , ist daher fehl am Platz. Dir das vor Augen zu führen, kann hilfreich sein und nimmt dir vielleicht den Drang zum Perfektionismus.

Mach dir bewusst: Egal, welche Gedanken du dir machst, welchen Zeitpunkt oder welche Worte du wählst, du kannst die schmerzhafte Erfahrung wahrscheinlich nicht allen abnehmen.

Es kann allerdings hilfreich sein, dich zu fragen, wie du dir selbst eine Trennung wünschen würdest. Vermutlich wärst du dankbar, wenn dein Gegenüber dir respektvoll gegenübertritt. Das bedeutet, dass grausame Methoden wie Ghosting nicht in Frage kommen. 

Viele Menschen erleben schriftliche Kommunikation jedoch als angenehm. Natürlich ist damit keine kurze Nachricht gemeint, doch ein ehrlicher Brief – vor oder nach einem persönlichen Gespräch – kann Klarheit schaffen. Erstens, indem du deine eigenen Gedanken beim Schreiben sortierst, zweitens, um deinem Gegenüber die Möglichkeit zu geben, sich vor oder nach einer Begegnung zu sammeln.

Beziehung beenden: Reden ist Gold 

Viele Menschen wünschen sich letztendlich ein offenes Gespräch zum Beenden der Beziehung. Je nachdem, wie lang die Beziehung war, sind auch mehrere Gespräche sinnvoll. Dem oder der anderen die Chance zu geben, mehr zu den Trennungsgründen zu erfahren, kann dabei helfen, die Trennung nachzuvollziehen, die Enttäuschung zu verarbeiten und sich persönlich weiterzuentwickeln. Achte dabei jedoch darauf, Grenzen zu setzen und dich nicht zu überfordern. Du bist niemanden etwas schuldig und brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben, denn deine eigene psychische Gesundheit darf an oberster Stelle stehen.

Was passiert nach einer Trennung? 

Wie schon erwähnt, bleibt es meist nicht aus, das Ende der Beziehung zu betrauern. Denn auch wenn es Beziehungsprobleme gab, erinnern wir uns irgendwann an die guten Seiten des Partners oder der Partnerin und beginnen, diese zu vermissen. In dieser Trauerphase ist es auch möglich, dass der Wunsch auftaucht, doch wieder zusammen zu sein. Das kann durchaus nachvollziehbar sein, allerdings sollte man darauf achten, nicht die Hoffnung zu hegen, dass der Partner oder die Partnerin sich beim zweiten Anlauf verändert. Vielversprechender ist es, durch die eigene Entwicklung die Partnerschaft anders zu gestalten. Natürlich kann es dadurch passieren, dass auch die andere Person ihr Verhalten ändert. Bei sich zu beginnen ist jedoch das Mittel der Wahl.

Bleibst du bei deiner Entscheidung oder scheitert der zweite Anlauf ebenfalls, kannst du üben, deinen unangenehmen Gefühlen und der Sehnsucht mit Akzeptanz zu begegnen. Den Liebeskummer zu bewältigen gelingt am besten, wenn du dich der Einsamkeit stellst und gleichzeitig auf eine gute Selbstfürsorge achtest. Nach einer Trennung kann auch regelmäßige Selbstreflexion sinnvoll sein, dafür können wir dir zum Beispiel die Methode des Journalings empfehlen. Eine Beziehung zu beenden ist schließlich auch immer eine Möglichkeit, um loslassen lernen zu können – vielleicht sogar, um bald langfristiges Glück in der Liebe erfahren zu können.

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Autorin:
Victoria Bindrum Psychologin
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