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Beziehungsprobleme durch Alkohol: Was kann ich tun?

Alkoholprobleme sind weit verbreitet und machen sich häufig auch in der Beziehung bemerkbar. Doch welche Beziehungs­probleme durch Alkohol sind es genau, die auftreten können? Und wie ist es möglich, sie zu lösen?

Wie viel ist zu viel?

Aus einem Wein am Wochenende oder zu besonderen Anlässen kann über Monate und Jahre eine Gewohnheit werden. Manche Menschen trinken dann täglich größere Mengen Alkohol. Andere trinken zwar nur am Wochenende, dann aber so viel, dass sie nicht mehr aufhören können und Erinnerungslücken haben. Wann ist es wichtig, aktiv hinzuschauen und nachzufragen? Woran erkennt man überhaupt, ob der Partner oder die Partnerin ein Alkoholproblem hat? 

Zunächst ist bei Diagnosen rund um Alkohol Vorsicht geboten. Es gibt zum Beispiel einen Unterschied zwischen risikoarmem und problematischem Alkoholkonsum, Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit. Wenn es also darum geht, wie viel Alkohol zu viel ist, kommt es in Beziehungen natürlich auch ganz stark auf die Maßstäbe der Personen in der Beziehung an. Lebst du aus Überzeugung ein alkoholfreies Leben und wünschst dir das auch von dem Menschen an deiner Seite, kann auch ein Feierabendbier „zu viel” sein. Andersherum ist es natürlich möglich, dass dein Partner oder deine Partnerin tatsächlich die Grenzen des risikoarmen Alkoholkonsums überschreitet.

Risikoarmer Alkoholkonsum bedeutet nicht mehr als 24 Gramm Reinalkohol für Männer und 12 Gramm für Frauen am Tag. 12 Gramm entsprechen dabei zum Beispiel einem kleinen Bier oder 0,1 Liter Wein. An mindestens zwei Tagen pro Woche wird empfohlen, ganz auf Alkohol zu verzichten.

Ob der Alkoholkonsum nun deine persönlichen Grenzen, allgemeine Empfehlungen zum Trinklimit oder beides überschreitet: Welche Beziehungs­probleme durch Alkohol sind typisch?

Typische Beziehungsprobleme durch Alkohol

Im Groben gesagt besteht ein Beziehungs­problem dann, wenn etwas für mindestens eine Person in der Beziehung nicht so läuft, wie es ihrer meiner Meinung nach laufen sollte. Das kann bei Beziehungs­problemen durch Alkohol zum Beispiel durch folgende Punkte der Fall sein:

1Heimlichkeiten

Durch Schuldgefühle und/oder um Beziehungs­probleme durch Alkohol zu vermeiden, versucht der Partner oder die Partnerin eventuell der geliebten Person „auszuweichen”, Alkoholkonsum zu verheimlichen oder sogar zu leugnen. Kommt das ans Licht, erlebt die hintergangene Person einen Vertrauens­bruch. Das kann zu Misstrauen und weiteren Konflikten führen.

2Enttäuschung

Ein häufiges Problem ist auch, dass der Eindruck entsteht, der Alkohol sei wichtiger als die Beziehung. Zum Beispiel, indem Versprechungen wie „Heute trinke ich nichts” nicht eingehalten werden, was zu Enttäuschung führt. Dahinter muss aber nicht mangelnde Liebe oder Wichtigkeit der Beziehung stecken, sondern möglicherweise auch die sogenannte Abstinenz­unfähigkeit. Das bedeutet, dass ein Mensch nicht auf etwas, zum Beispiel Alkohol, verzichten kann, obwohl der Konsum bereits die Beziehung oder die Gesundheit beeinträchtigt. Oft führt das zu Enttäuschung und Streit.

3Vernachlässigung

Ein weiteres Beziehungsproblem durch Alkohol ist der Rückzug aus dem Sozialleben, wodurch sich die andere Person vernachlässigt fühlen kann. Die Vernachlässigung kann sich zum Beispiel so äußern, dass weniger Interesse am anderen gezeigt wird, gemeinsame Unternehmungen nicht mehr auf dem Plan stehen und auch die Kommunikation sich ungünstig verändert. Die Person, die nicht trinkt, vermisst den gewohnten Kontakt, die Aktivitäten und Gespräche mit dem oder der anderen. 

4Aggressivität

Je nachdem welche Auswirkungen der Alkohol auf die trinkende Person hat, kann auch Aggressivität eine Rolle spielen. Dabei geht es nicht nur um Körperverletzung, sondern zum Beispiel auch um cholerisches Verhalten, Beleidigungen, Demütigungen oder Ignorieren. Wenn Aggressivität in deiner Beziehung eine Rolle spielt, möchtest du vielleicht auch unseren Artikel Gewalt in der Beziehung lesen.

Wie kann ich mit Beziehungs­problemen durch Alkohol umgehen?

Beziehungsprobleme zu lösen, ist deshalb so schwierig, weil diese Probleme zwei Menschen betreffen und daher auch nur von beiden – wenn natürlich auch nicht immer zu gleichen Teilen – gelöst werden können. Es gibt jedoch 3 Punkte, auf die du achten kannst, um von deiner Seite aus bestmöglich zu handeln. 

1Klare Kommunikation

Es nützt meistens nichts, Scheuklappen aufzusetzen und zu hoffen, dass der oder die andere endlich weniger trinkt. Wenn dich der Alkoholkonsum deines Lieblings­menschen stört, ist es ratsam, genau zu besprechen, wo die eigenen Grenzen liegen und welcher Konsum in der Partnerschaft für dich akzeptabel ist. Vielleicht kann dich unser Artikel zum Thema Grenzen setzen dabei unterstützen.

2Nicht-Konsum fördern

Du kannst darauf achten, bewusst mit deinem Partner oder deiner Partnerin Dinge zu unternehmen, die nichts mit Alkohol zu tun haben. Das kann zum Beispiel bedeuten: mehr Spaziergänge und Kinobesuche, weniger Partys. Außerdem kannst du den Nicht-Konsum fördern, indem du keinen Alkohol zu Hause vorrätig hast. Das kann schwerfallen, wenn du weißt, dass sich die andere Person daran gewöhnt hat, dass immer etwas da ist und sie nun mit Frustration umgehen muss. Bedenke dabei jedoch, dass die Verfügbarkeit von Alkohol zu reduzieren tatsächlich dazu führen kann, dass weniger Alkohol getrunken wird. Außerdem ist es grundsätzlich die Aufgabe der anderen Person, mit ihrer (vorübergehenden) Frustration umzugehen.

3Unterstützung anbieten

Biete deine Unterstützung dabei an, gemeinsam Unterstützung zu suchen. Das kann zum Beispiel bedeuten, zunächst nach einem geeigneten Ratgeber Ausschau zu halten oder gemeinsam zu einer Beratungsstelle zu gehen. Achte dabei jedoch auf deine eigenen Grenzen und biete nur die Unterstützung an, die zum Beispiel deine eigene Zeit oder auch deine eigene emotionale Stabilität zulassen.

Verantwortung für sich übernehmen

Wenn du bemerkst, dass du unter Beziehungs­problemen durch Alkohol leidest, steht an erster Stelle Verantwortung zu übernehmen – und zwar für dich. Du kannst einen anderen Menschen auf seinen Alkoholkonsum ansprechen, „alkoholfreie” Aktivitäten mit ihm planen und deine Unterstützung anbieten. Aber du kannst für die andere Person keine Entscheidungen treffen. Anders ausgedrückt:

Du kannst durch dein Verhalten nicht bewirken, dass der oder die andere weniger trinkt.

Die Veränderung liegt nicht bei dir

Natürlich ist es möglich, dass deinem Partner oder deiner Partnerin durch die Beziehungs­probleme durch Alkohol klar wird, dass der Alkohol sich ungünstig auswirkt. Doch genau dieses „Klar werden” und vor allem die aktive Veränderung liegt nicht in deiner Hand.

Das klingt im ersten Moment vielleicht drastisch. Aber diese „Aufgabentrennung” kann dir dabei helfen, aus einem Modus herauszukommen, in dem du deinen Partner oder deine Partnerin vielleicht fortlaufend kritisierst und versuchst zu überzeugen, das Problem zu erkennen und anzugehen, obwohl du damit gefühlt gegen eine Wand läufst. 

Das bedeutet natürlich nicht die Hoffnung zu verlieren, jemanden links liegen zu lassen oder tatenlos zuzusehen.

Du kannst für die andere Person da sein, ihr erzählen, wie es dir in der Beziehung geht und deine Unterstützung (immer wieder) anbieten. Aber dein eigenes Wohlbefinden sollte für dich an erster Stelle stehen.

Das kann auch bedeuten, dass du selbst eine Beratungsstelle aufsuchst, um Unterstützung zu erhalten. Zum Beispiel, wenn du bemerkst, dass du unsicher bist, wie du dich verhalten sollst oder unter den Beziehungs­problemen leidest. Vielleicht könnten dich in diesem Zusammenhang auch unsere Artikel zu den Themen Selbstfürsorge und Akzeptanz lernen interessieren.

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