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Wie hängen Stress und Depressionen zusammen?

Ausgelaugt, müde und antriebslos. Ständige Anspannung und pausenloses Grübeln. In solchen Momenten kann schnell die Frage aufkommen: „Ist das hier noch Stress oder bin ich depressiv?“ Diese Frage hat durchaus Berechtigung, schließlich sind die Anzeichen von Stress und Depressionen manchmal gar nicht so leicht auseinanderzuhalten. Was ist also was und wie hängen Stress und Depressionen zusammen? Die Antworten findest du in diesem Artikel.

Was ist eigentlich Stress?

Als Stress bezeichnen wir ganz allgemein die Auswirkungen, die Belastungen auf unseren Körper und unsere Psyche haben können. Mit Belastungen kann dabei vieles gemeint sein: der Arbeitsalltag, Beziehungsstreitigkeiten, ein Fahrradplatten oder die vielen kleinen Verpflichtungen Tag für Tag.

Stress äußert sich dabei auf unterschiedlichen Ebenen. Er kann sich in unseren Gefühlen (z. B. Reizbarkeit oder Niedergeschlagenheit) und unserem Körper (z. B. Schmerzen, Erschöpfung oder Anspannung) zeigen. Aber auch in unseren Gedanken (z. B. alles nicht zu schaffen) und unserem Verhalten (z. B. wenig Bewegung, Rückzug). Beim Lesen der unterschiedlichen Stresssymptome merkst du vielleicht bereits: Mit Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit oder Grübelgedanken ähneln die Auswirkungen von Stress auch den Symptomen einer Depression. Wie also lassen sich die beiden unterscheiden?  

Stress vs. Depression: ähnlich und doch nicht gleich

Auch wenn sich die Anzeichen ähneln, sind Stress und Depressionen nicht dasselbe. Stress ist in den meisten Fällen ein vorübergehendes Phänomen und nach Zeiten der Anspannung folgen auch wieder Zeiten der Erholung und Entspannung. Bei einer Depression handelt es sich hingegen um eine psychische Erkrankung, bei der eine Vielzahl von Symptomen über einen Zeitraum von mindestens 14 Tagen vorliegt. Die Beschwerden, die dabei auch den Verlust an Freude, Interesse und Selbstvertrauen sowie Selbstvorwürfe oder Konzentrationsschwierigkeiten umfassen können, sind dabei im Wesentlichen unbeeinflusst von äußeren Umständen.

Stress und Depressionen sind nicht dasselbe – dennoch besteht ein Zusammenhang zwischen beiden. Denn dauerhafter Stress kann zur Entstehung einer Depression beitragen.

Die Rolle von Stress in der Entstehung einer Depression

Wie entstehen Depressionen überhaupt? Eines der bekanntesten Modelle zur Entwicklung psychischer Erkrankungen ist das sogenannte Vulnerabilitäts-Stress-Modell. Es besagt, dass neben einer gewissen Verletzlichkeit oder Anfälligkeit einer Person (Vulnerabilität), auch Stress und belastende Lebensereignisse eine entscheidende Rolle spielen. Mit Stress und Belastungen steigt daher auch das Risiko, eine Depression zu entwickeln. Das bedeutet natürlich nicht, dass Stress unweigerlich zu Depressionen führt.

Aber besonders lang anhaltender Stress nimmt uns oft etwas Entscheidendes: Aktivitäten, die uns guttun. Wenn der Alltag nämlich voller Stress und lästiger Pflichten ist,kommen genau diese Dinge zu kurz. Denn dann ackern wir uns meistens in Bereichen unseres Lebens ab, in denen wenig Freude steckt. Verbringen vielleicht viel Zeit mit Arbeitsaufgaben oder alltäglichen Pflichten, um „irgendwie hinterherzukommen“. Wir investieren viel Zeit und Kraft in bestimmte Lebensbereiche (etwa den Beruf) und merken dabei gar nicht, dass andere wichtige Bereiche (wie z. B. unsere Freundschaften oder Hobbys) immer mehr in den Hintergrund rücken. Auf Dauer beeinträchtigt das die Stimmung und so kann Dauerstress Depressionen begünstigen.

Stress und Depressionen – ein Teufelskreis

Depressive Beschwerden können also beeinflusst werden durch Stress. Depressionen können umgekehrt aber auch zu noch mehr Stress führen. Denn auch wenn Menschen, die an Depressionen leiden, das nicht absichtlich tun, zeigen sie doch oft Verhaltensweisen und Gedankenmuster, die Stress auslösen oder verstärken. So können zum Beispiel typische von Selbstzweifeln geprägte Gedanken bei einer Depression wie „Ich kann nicht mehr“ oder „Ich bin es nicht wert“ zu einem erhöhten Stresslevel beitragen. Auch ein sozialer Rückzug oder das Vernachlässigen von positiven Aktivitäten lässt das Stresserleben wiederum steigen.

Stress und Depressionen: Das eine kann das andere hervorrufen – und beide können sich gegenseitig verstärken.

Was kann ich tun?

Vielleicht hat dir der Artikel geholfen, ein Gefühl dafür zu bekommen, ob es sich bei dem, was du erlebst eher um Stress oder Depressionen handelt. Wenn du dir jedoch unsicher bist (und das wäre gar nicht ungewöhnlich), dann suche dir am besten professionellen Rat. Zum Beispiel in deiner hausärztlichen oder direkt in einer psychotherapeutischen Praxis. Besonders, wenn du das Gefühl hast, dass hinter deinen Beschwerden bereits „mehr” stecken könnte, ist es wichtig, einen Experten oder eine Expertin aufzusuchen. Auf unserem Blog geben wir dir Antworten auf die Frage „Wie finde ich einen Psychotherapieplatz?” und wir zeigen dir, in welchen Phasen und Verlaufsformen sich Depressionen äußern können. 

Hast du hingegen eher das Gefühl, dass es sich bei dir um Stress handelt? Dann kannst du für konkrete Tipps gegen Stress gerne auf unserem Blog weiterlesen. Dort findest du Möglichkeiten, Stress abzubauen und entspannter zu werden, erfährst wie Stressprävention gelingen kann, findest Tipps gegen Überforderung, Erste Hilfe bei Stress und vieles mehr.

Übrigens kann dir auch unser psychologischer Online-Kurs Stress und Burnout dabei helfen, Stress zu bewältigen und einen Weg aus der Erschöpfung zu finden. Schau gerne einmal für mehr Infos auf der Kursseite vorbei.

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Autorin:
Annika Haffke

Kinder- und Jugendlichen­psychotherapeutin

Unsere Artikel werden von Psychologinnen und Psychologen geschrieben und von Psychotherapeutinnen geprüft. Wenn du mehr darüber erfahren willst, was uns beim Schreiben wichtig ist, dann lerne hier unser Autorenteam kennen.
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